
Eine mitreißende Party, regiert von König Soca

KARNEVAL
Port of Spain, Trinidad und Tobago, Kleine Antillen
Sie können Trinidad nicht wirklich begreifen, wenn Sie nie den Karneval – oder mas (für Maskerade), wie ihn die Einheimischen nennen – hier erlebt haben. Trinidad ist Schmelztiegel westafrikanischer, ostindischer, chinesischer, südamerikanischer und europäischer Einflüsse, die die Musik und den Karneval selbst geprägt haben. Die westafrikanischen Wurzeln des Landes brachten die Steel Drum, die ursprünglich aus leeren Ölfässern hergestellt wurde, Calypso-Musik und eine frische Variante des Soulcalypso, kurz Soca, ins Spiel, die diesen Karneval zu einem der lautesten und wildesten der Karibik machen. Port of Spain ist das Zentrum dieser nationalen Obsession.
Schon ein Jahr vorher beginnen Bands und Schauspieler mit ihren Vorbereitungen, die sich nach Weihnachten zu einem Crescendo aus Proben, Konzerten, Open-Air-Festen und Calypso-Duellen steigern. Die finale 2-tägige Explosion aus Farben, Musik und Exzessen startet offiziell um 4 Uhr morgens am Rosenmontag mit der J’Ouvert – der „Eröffnungstag“-Parade. Die Jecken feiern mit Biergelagen und bilden eine fröhliche Menschenmasse voller Schlamm, Öl, Farbe und Schokolade, die aus den Trucks bis Sonnenaufgang mit Soca und Chip (Tanz) beschallt werden.
Der Montag geht weiter mit Bands und Tänzern auf einer 10 km langen Paradestrecke. Die glitzernden Kostüme werden für Mardi Gras, den Faschingsdienstag, aufgespart. Zehntausende gehen im Kostüm auf die Straße, viele in paillettenbesetzten Bikinis und Federkopfschmuck, und bis zu 3000 Leute in denselben Kostümen folgen Festwagen, auf denen Bands um den Titel Masquerade Band of the Year wetteifern. Die extravagantesten Aufmachungen findet man beim König-und-Königin-Wettbewerb. Manche Kostüme wiegen bis zu 90 kg, bieten Nebel, Feuerwerk und andere Spezialeffekte und werden mit Rädern versehen.

Der Mas (für Maskerade) in Trinidad ist der größte Karneval der Karibik.
Pan-Bands mit bis zu 100 Musikern performen ohne Unterlass bei einer grandiosen Feier zu Ehren König Karnevals. Jede Band hat ein eigenes Hauptquartier, und es lohnt sich, die Proben und Vorausscheidungen zu verfolgen. Der Höhepunkt im Wettbewerb der Bands, die Panorama Finals, findet am Samstag vor den Paraden im Queen’s Park Savannah statt.
Trinidads 2 Hauptkulturen, die westafrikanische und indische, spiegeln sich im Straßenessen: von würzigen Kichererbsen mit Curry und Chutney zwischen 2 frittierten Fladenbroten, den doubles, und roti, Fladenbroten mit Currys, von denen Ziege und Krabben am beliebtesten sind, bis zu pelau, einem afrikanischen Gericht, bei dem Fleisch in Öl und Zucker gebraten und mit Straucherbsen und Reis kombiniert wird. Wer eleganter essen möchte, geht ins Veni Mange („komm und iss“), wo es das beste Essen der Insel gibt. Das Trinidad-Festmahl kann mit einer Callaloo-Kürbissuppe starten, die der Legende nach Männer dazu bringt, einen Heiratsantrag zu machen, und mit einem selbst gemachten Annona-Eis oder Kokosmousse enden.
Die Hotels sind zur Karnevalszeit meist weit im Voraus ausgebucht, aber probieren Sie es im Coblentz Inn, das charmant und nah am Geschehen ist – mit 16 in verschiedenen Stilen dekorierten Zimmern: als Rumladen, Kakaohaus und Krocketzimmer. Sein beliebtes Restaurant trägt den hübschen Namen Battimamzelle (Libelle).
Der Karneval endet zwar offiziell Dienstag um Mitternacht, aber alle begeben sich am Mittwoch für eine Abschiedsparty und etwas Entspannung im Schatten majestätischer Berge zum langen, idyllischen Sandstrand Maracas Beach 1 Stunde nördlich der Stadt.
INFO: www.gotrinidadandtobago.com. NATIONAL CARNIVAL COMMISSION: Tel. +1/868-627-1357; www.ncctt.org. Preise: Tickets für Haupttribüne ab € 15. Wann: Woche vor Fastenzeit, Feb. oder März. VENI MANGE: Tel. +1/868-624-4597; www.venimange.com. Preise: Mittagessen € 22. COBLENTZ INN: Tel. +1/868-621-0541; www.coblentzinn.com. Preise: ab € 107 (Nebensaison), ab € 222 während des Karnevals; Dinner € 33.