Tunesiens Nationalmuseum, ein Komplex aus Gebäuden aus dem 13.–19. Jh. (darunter der ehemalige Königspalast) beherbergt die größte Sammlung antiker Mosaiken des gesamten Kontinents, für viele die bedeutendste der Welt. Sie ist so ausgedehnt – Boden und Wände sind von Mosaiken bedeckt –, dass das Risiko einer Reizüberflutung besteht (ganz zu schweigen von den sonstigen Exponaten, die ebenfalls im ganzen Museum verteilt sind).
Tunesien war das Herz des römischen Afrika, und die Schätze des Museums stammen überwiegend aus dem 2.–4. Jh. n. Chr., der Zeit des größten römischen Einflusses. Die ältesten echten Mosaiken der Welt (aus dem 5. oder 4. Jh. v. Chr.) wurden allerdings im nahen Karthago (siehe → hier) entdeckt, was darauf hindeutet, dass diese Kunstform nicht von den Römern, sondern von den Karthagern erfunden wurde. Erstere übernahmen und verfeinerten jedoch die karthagischen Techniken und schufen aus kleinen Marmor-, Kalk- und Glasstückchen farbenprächtige Landschaften und Porträts, wobei ähnlich wie in der Malerei durch Abstufung der Farben eine Tiefenwirkung erzeugt wurde. Die aufwendigen Werke bilden nahezu alle Aspekte des ländlichen und urbanen Lebens ab und scheinen eine Inschrift zu illustrieren, die an einer Ausgrabungsstätte in Algerien gefunden wurde: „Jagen, baden, spielen, lachen – das heißt leben“.

