Mit einer Architektur, die Bilbao (siehe → hier) Konkurrenz macht; Essen, das so gut ist wie in Barcelona (siehe → hier), und einem Hang zu extremen Festlichkeiten ist Valencia eine der dynamischsten kleinen Städte der Welt. Der Witz der Stadt teilt sich schon mit im L’Hemisfèric, dem 1995 erbauten Planetarium in der Stadt der Künste und der Wissenschaften (Ciudad de las Artes y de las Ciencias), dessen Glas-Metall-Hülle Santiago Calatrava, Sohn der Stadt, so konstruierte, dass sie sich wie ein Auge öffnet und schließt. Überhaupt war es eine kühne Idee, für diesen Komplex und einen großen grünen Park, die grüne Lunge der Stadt, das trockene Flussbett des Flusses Turia herzurichten, was in den 1980er-Jahren getan wurde. Die monumentalen Gebäude des Komplexes haben alle biomorphe Formen: die fischförmigen Konzertsäle des 2005 erbauten Palau de les Arts, die Korallenriffe des L’Oceanogràfic-Aquariums von 2002, selbst der rippenförmige Eingang und der Garten des L’Umbracle von 1995. All die Pools, Gänge und abstrakten Formen sind so faszinierend, dass man einfach nur herumlaufen möchte, ohne je ein Haus zu betreten.
Die Vision eines neuen Valencia gründet sich auf Geschmack. Der Mercado Central ist ein Delikatessentempel in einem riesigen modernista-Gebäude von 1928. Aus Valencia stammt die Paella – was nicht überrascht, denn hier wurde im 8. Jh. auch zum 1. Mal in Spanien Reis angebaut. Meeresfrüchte-Paella heißt arroces con mariscos; Puristen bevorzugen die paella valenciana mit frischem Gemüse, Kaninchen, Hühnchen und Schnecken. Probieren Sie sie im schlichten La Pepica – noch genauso gut wie zur Zeit Ernest Hemingways, der hier in den 1950er-Jahren speiste. Die neueste Interpretation klassisch-valencianischer Gerichte gibt es im Ca’ Sento, wo ein Schüler des El Bulli (siehe → hier), Raúl Aleixandre, das Fischrestaurant seiner Eltern mit einem gewagten modernen Touch revolutionierte.
Valencia wird während Las Fallas, das in den Tagen vor dem Fest des hl. Josef (19. März) stattfindet, zum Tollhaus, wenn große Statuen und Kulissen auf jedem Platz errichtet werden, lange Prozessionen aus Leuten in Kostümen des 18. Jh. einer 6 Stockwerke hohen Maria-Puppe Blumen darbringen und jedes Kind (und jeder kindische Erwachsene) mit Krachern und Böllern um sich wirft. Am 19. März werden die ninots (die teils 6 m großen Figuren, die aus buntem Pappmaché über Holzrahmen geformt sind) in Brand gesteckt.
WO: 302 km östl. von Madrid. STADT DER KÜNSTE UND DER WISSENSCHAFTEN: Tel. +34/902-100031; www.cac.es. MERCADO CENTRAL: Tel. +34/963-829101; www.mercadocentralvalencia.es. LA PEPICA: Tel. +34/963-710366. Preise: Dinner € 26. CA’ SENTO: Tel. +34/963-301775. Preise: Dinner € 50. UNTERKUNFT: Das luxuriöse Strandhotel Santos Las Arenas hat ein Meeres-Spa. Tel. +34/963-120600; www.hotellasarenas.com. Preise: ab € 140 (Nebensaison), ab € 200 (Hochsaison). REISEZEIT: Woche vor dem 19. März: Parade und Feuerwerk zu Las Fallas; 3. Woche im Juli: Festival Eclèctic mit Gratiskonzerten und -vorführungen in der Stadt der Künste und der Wissenschaften.

