Versteckt in einem abgelegenen Tal nahe der türkischen Grenze liegt eines der großartigsten Kulturdenkmäler Georgiens: die 800 Jahre alte Höhlenstadt Wardsia. Die Stadt – eigentlich ein riesiger Klosterkomplex, an einem Berg aus dem Fels geschlagen – wurde während der Regentschaft König Giorgis III. (1156–84) und dessen Tochter, Königin Tamara (1184–1213, erste weibliche Herrscherin Georgiens), als Grenzfestung gegen Türken und Perser gegründet. Unter Tamara erlebte das Land eine kulturelle Blüte: Die georgische Kirchenarchitektur hatte ihre goldene Zeit, und der größte Dichter des Landes, Schota Rustaweli, komponierte sein Epos Der Recke im Tigerfell, das von Rittern und höfischer Liebe erzählt.
Tatsächlich wurde hier eine ganze Stadt in den Fels gehauen, verborgen vor potenziellen Eindringlingen – ein Labyrinth aus Häusern, Mönchszellen, Werkstätten, einer Bibliothek, Zisternen und Weinkellern, alles durch roh behauene Tunnel, Treppen und Abwasserkanäle miteinander verbunden. Bis zu 3000 Wohnungen gab es hier, in denen zeitweise 50.000 Menschen lebten. Die einzigen Zugänge lagen verborgen unten am Fluss. Nach 100 Jahren zerstörte ein Erdbeben die äußeren Wände einiger Höhlenräume und gab so das Innere preis. Durch ein weiteres Erdbeben im 15. Jh. fiel die ganze Bergwand in sich zusammen und enthüllte mehr als 600 Räume auf 13 Ebenen, die wabenartige Struktur, wie man sie heute sieht – von Weitem sieht die Felswand aus wie ein löchriger Käse.
Im Herzen der Höhlenstadt, heute von einem Bogen aus Beton gestützt, befindet sich die Klosterkirche, eine faszinierende Konstruktion aus nacktem Gestein, mit bunten Fresken aus dem 12. Jh. ausgestattet, darunter authentische Porträts von Königin Tamara und anderen Mitgliedern der Königsfamilie.
12 kleinere Kirchen sind über das Gelände verstreut, doch nicht weniger faszinierend sind die Überreste des mittelalterlichen Alltagslebens. In den Höhlenwohnungen sieht man noch roh behauene Schlafpodeste, Steintische und -stühle sowie Nischen für Öllampen. In den 25 Weinkellern wurden Reste von Weinpressen sowie steinerne Becken für die Gärung gefunden. Schon 1550 wurde Wardsia aufgegeben, aber heute, da das Ganze ein Museum ist, leben wieder einige Mönche hier, die als Fremdenführer fungieren.
Da Wardsia in einem einsamen Tal liegt und auch kein Dorf in der Nähe ist, ist es ratsam, Proviant mitzunehmen. Rechnen Sie nicht damit, dass die Touristenführer Deutsch oder Englisch sprechen. Die nächste Stadt, Achalziche, ist eine 2-stündige Taxifahrt entfernt; sie liegt fast an der türkischen Grenze. Im Hotel Rio lässt es sich gut übernachten – es gibt sogar ein Schwimmbad.
WO: 257 km südwestl. von Tiflis. INFO: www.georgia.travel. HOTEL RIO: Tel. +995/32-319-101; www.riohotelakhaltsikhe.com. Preise: € 33. WIE: Das amerikanische Unternehmen Mir macht bei der 10-tägigen „Essential-Georgia“-Tour auch in Wardsia Station. Tel. +1/206-624-7289; www.mircorp.com. Preise: ab € 2440. Startet in Tiflis. REISEZEIT: Mai–Sept.: bestes Wetter.

