Wind und Wasser haben über die Jahrhunderte die surreale Landschaft Kappadokiens aus dem weichen vulkanischen Boden geformt: Minarette, Kegel, Türme, märchenhafte Schornsteine und Felsnadeln in rosa und rotbraunen Farbtönen sind so hoch wie 5-stöckige Häuser. Frühere Einwohner Kappadokiens (Kapadokya) höhlten die weichen Kegel und Türme aus tufa (Tuffstein) aus und schufen Höhlen, in denen heute immer noch Menschen leben. Kappadokien, einst eine der Haupthandelsrouten zwischen Ost und West, war die Heimat von einem Dutzend verschiedener Zivilisationen. Im frühen 4. Jh. kamen die ersten Christen und formten aus dem Gestein Kirchen inklusive Kuppeln, Gewölbedecken, Säulen und Bänken. Die Region erstreckt sich über etwa 129 km2 und umfasst zahlreiche Städte und Dörfer.
Das Freilichtmuseum in Göreme ist die Stätte einer uralten Klosterkolonie, in der es einst mehr als 400 Kirchen, Einsiedeleien und kleine Klöster gegeben haben soll, die meisten aus dem Stein gehauen. Heute sind 15 davon für Besucher geöffnet. Manche sind mit einfachen Fresken aus dem 8. Jh. bedeckt, doch am faszinierendsten sind die byzantinischen Fresken aus dem 10.–13. Jh.
Wenige Landschaften sehen aus einem Heißluftballon so unvergesslich aus wie Kappadokien. Am besten schweben Sie von April bis Oktober über die bewohnte Mondlandschaft, dann ist die Sicht am besten. Und erkunden Sie danach das andere Extrem: Dutzende unterirdische, aus dem Stein gehöhlte Städte reichen bis zu 8 Stockwerke tief in die Erde hinein. Die am häufigsten besuchten sind die im Dorf Kaymakli, das ca. 18 km von Göreme entfernt ist. Manche dieser Höhlenstädte reichen bis in die Zeit der Hethiter (1500 v. Chr.) zurück und wurden über die Jahrhunderte erweitert, denn die Bewohner schätzten den Schutz, den die unterirdischen Häuser ihnen vor einfallenden Armeen boten. Kirchen, Weinpressen, Viehställe und komplexe Belüftungssysteme sorgten dafür, dass die Höhlenbewohner über Monate nicht auftauchen mussten.
Die Stadt Göreme war zunächst eine Backpackerstadt, hat aber heute Unterkünfte vom Hostel bis zum Höhlenhotel. Ürgüp, nur 10 Minuten von Göreme entfernt, wendet sich an Reisende mit etwas größerem Budget. Das beliebte Esbelli Evi in Ürgüp hat eine persönliche Atmosphäre; die meisten der 10 aus hellem Stein gehauenen Zimmer haben Terrassen, von denen aus man die kappadokische Landschaft überblickt. Das Yunak Evleri ist ein romantischer Bienenstock aus 30 Zimmern in 6 geschmackvoll restaurierten Höhlen aus dem 5. Jh. Warme Holzböden, Kelim-Teppiche, osmanische Antiquitäten und die Fassade einer griechischen Villa verleihen ihm mediterrane Eleganz.
WO: Ürgüp liegt 66 km südwestl. von Kayseri, die nächste Stadt mit Flughafen. FREILICHTMUSEUM GÖREME: Tel. +90/384-271-2687; www.goreme.com. BALLONFAHRTEN: Royal Balloon bietet 60- und 90-minütige Fahrten. Tel. +90/384-271-3300; www.royalballoon.com. Preise: 60 Minuten ab € 133. ESBELLI EVI: Tel. +90/384-341-3395; www.esbelli.com. Preise: ab € 174. Wann: Nov.–März: geschlossen. YUNAK EVLERI: Tel. +90/384-341-6920; www.yunak.com. Preise: ab € 130 (Nebensaison), ab € 180 (Hochsaison). REISEZEIT: Apr.–Juni und Sept.–Okt.: bestes Wetter.

