
Eine Welt der Kunst über und unter der Erde

DIE TRETJAKOW-GALERIE UND DIE MOSKAUER METRO
Moskau, Russland
Ein Juwel unter den vielen Museen und architektonischen Schönheiten Moskaus ist die Tretjakow-Galerie, die eine der besten Sammlungen russischer Kunst beherbergt – über 150.000 Arbeiten aus dem 11.–20. Jh. Wandern Sie durch Russlands erstes öffentliches Museum, gegründet 1856 vom reichen Bankier Pawel Tretjakow, und stehen Sie vor großen Meisterwerken – einige weltbekannt, andere eher obskur. Entdecken Sie bewegende Werke des mittelalterlichen Ikonenmalers Andrei Rubljow (u.a. die berühmte Dreifaltigkeitsikone) und brillante Porträts des Meisters Ilja Repin aus dem 19. Jh., wie das verstörende Bild Iwan der Schreckliche mit seinem Sohn Iwan oder ein Bildnis des Komponisten Mussorgski. Der riesige Museumskomplex, der aus zahlreichen alten und neuen Gebäuden besteht, in denen über 150.000 Objekte ausgestellt werden, umfasst auch die benachbarte St.-Nikolaus-Kirche aus dem 17. Jh., deren exquisite 5-teilige Ikonostase aus derselben Periode stammt. Die Kirche wurde schon 1929 geschlossen und diente dem Museum seit 1932 als Kunstmagazin. Seit 1993 finden dort wieder Gottesdienste statt. In der Nähe zeigt ein neuer Ableger des Museums russische Avantgardekünstler des 20. und 21. Jh., darunter Kandinsky, Chagall und Malewitsch, sowie eher sonderbare Werke des Sozialistischen Realismus aus den 1930er-Jahren, als idealisierte Porträts von Bauern und Fabrikarbeitern in Mode waren.
Mehr Kunst aus der Sowjetära gibt es unter der Erde, nämlich in der Moskauer Metro, wo Sie eleganten Marmor, Basreliefs und Mosaike bewundern können – manchmal von glitzernden Kronleuchtern angestrahlt. Die ersten der mehr als 180 Stationen wurden 1935 fertiggestellt und auch gleich als strahlender Triumph Stalins gefeiert. Viele der Kunstwerke in den Stationen beziehen sich auf historische Ereignisse – natürlich durch die prosowjetische Brille gesehen. Die palastartige Station Komsomolskaja ist eine riesige Halle mit barocken Details und Deckenmosaiken, die russische Kriegstriumphe zeigen. Die Station Majakowskaja ist vielleicht das Kronjuwel der Metro, mit Säulen aus glattem Stahl und einem weiß-rosa Marmorboden. Die Gewölbemosaiken zeigen Szenen aus einem Gedicht des sowjetischen Dramatikers Wladimir Majakowski. Die Station Nowoslobodskaja prunkt mit 32 von hinten beleuchteten Glasmalereien, die freudvolle Bauern und Arbeiter im Stil des Sozialistischen Realismus zeigen. Messingeinfassungen, rosa Marmor aus dem Ural und kegelförmige Kronleuchter unterstreichen die Pracht.
STAATLICHE TRETJAKOW-GALERIE: Tel. +7/495-953-1051; www.tretyakovgallery.ru. UNTERKUNFT: Das für seine Verschrobenheit bekannte, aber gut gelegene Golden Apple ist eines der neueren Boutique-Hotels der Stadt. Tel. +7/495-980-7000; www.goldenapple.ru. Preise: ab € 140 (Nebensaison), ab € 200 (Hochsaison). REISEZEIT: Juni–Aug.: bestes Wetter.