
Die altehrwürdige Stadt an den Ufern des heiligen Ganges

DIE GHATS VON VARANASI
Varanasi, Uttar Pradesh, India
Jeder Hindu versucht, einmal im Leben Varanasi zu besuchen. Zuerst hieß die Stadt Kashi („die Leuchtende“); die Briten nannten sie Benares. Varanasi ist dem Gott Shiva gewidmet und ein wichtiges Zentrum des Hinduismus. Sie gilt als eine der ältesten durchgehend bewohnten Städte der Menschheit, und das seit knapp 3000 Jahren. Mark Twain schrieb über sie: „Benares ist älter als die Geschichte, älter als die Tradition, älter noch als Legende und sieht doppelt so alt aus wie sie alle zusammen!“
Der Ganges ist die Lebensader der Stadt. Die Hindus glauben, dass er sie von ihren Sünden reinigt, und daher sind die etwa 70 Ghats (breite Steintreppen) auf 6,4 km Länge am Flussufer niemals leer: Etwa 1 Mio. Pilger besuchen Varanasi jedes Jahr. Die zumeist älteren, frommen Hindus glauben, dass ihre Seele, wenn sie hier sterben, sofort vom endlosen Zyklus der Reinkarnation, dem Samsara, erlöst wird. Wird ihnen ihr Wunsch erfüllt, so lassen sie ihre Leiche auf einem der Scheiterhaufen am Flussufer verbrennen und ihre Asche anschließend im Ganges verstreuen. Geburten werden gefeiert, indem die Neugeborenen in das Flusswasser getaucht werden.
In den dunklen, engen Gassen der Altstadt können Sie farbenfrohe Saris, Armreifen und Essen kaufen, und alle Straßen scheinen zum Fluss hinabzuführen. Lassen Sie sich von einem Rikschafahrer durch den hektischen Verkehr bugsieren und wundern Sie sich, wie er es schafft, anderen Rikschas, Autos, Fahrrädern und Fußgängern auszuweichen – und einer gelegentlichen Kuh. Am nächsten Tag geht es mit einem Boot bei Sonnenaufgang auf den Fluss, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Szenerie in einen wahrhaft magischen Ort verwandeln. Hindus waschen sich im Fluss und vollziehen puja, ein Ritual der Ehrerbietung für die aufgehende Sonne, bei dem sie Lebensmittel oder Blumen als Opfer darbringen. Die puja ist zwar ein ernstes Ritual, aber der Hinduismus ist eine fröhliche Religion, und das Baden wird oft von lautem Gelächter und Planschen begleitet. Wenn mithilfe eines Muschelhorns die ersten Sonnenstrahlen begrüßt werden, die auf den lebensspendenden Ganga Ma, den Ganges, fallen, dann wird Varanasi zu einem überirdischen Ort, an dem die Glocken und Gongs der Tempel am Flussufer die Gläubigen herbeirufen.

An den Ufern des Ganges versammeln sich die Gläubigen, um ihre Gaben darzubringen.
WO: 774 km südöstl. von Neu-Delhi. UNTERKUNFT: Nadesar Palace ist die Residenz eines Maharadschas aus dem 18. Jh., die in 10 große Luxussuiten umgebaut wurde. Tel. +91/542-666-0002; www.tajhotels.com. Preise: ab € 244 (Nebensaison), ab € 420 (Hochsaison). Gärten und Teiche machen aus dem Gateway Hotel Ganges Varanasi eine wahre Oase. Tel. +91/542-666-0001; www.thegatewayhotels.com. Preise: ab € 155. REISEZEIT: Bei Tagesanbruch und kurz vor Sonnenuntergang; Nov.–März: bestes Wetter; Okt.–Nov.: Diwali (Lichterfest).