Duftende Kiefernwälder voller Wildtiere, weiße Sandstrände und riesige Dünen, die sich hinunter zum Meer ziehen, bereiten die Bühne für eine der dramatischsten Landschaften des Baltikums. Auf der Kurischen Nehrung, manchmal auch „die Sahara Litauens“ genannt, findet man in den dichten Wäldern Rehe, Elche und Wildschweine. In den traditionellen Dörfern räuchern die Fischer ihren Fang nach uralten kurischen Rezepten. Die ganze Nehrung, 96 km lang und zu etwa gleichen Teilen zu Litauen und Russland gehörend, steht unter Naturschutz, denn hier herrscht ein fragiles und einzigartiges Ökosystem. Ein Paradies für die Vogelbeobachtung: im Frühling und Herbst kommen hier Millionen Zugvögel vorbei, darunter Kormorane, Kraniche, Stare, Milane und Wanderfalken. Die Nehrung selbst ist sehr schmal – zum Teil nur 1 km breit –, mit der sanften Brandung der Ostsee auf der einen und dem ruhigen Kurischen Haff auf der anderen Seite.
Wegen seiner einzigartigen Umgebung aus Dünen und Wäldern und seinen deutschen Wurzeln scheint das hübsche Fischerdorf Nida (Nidden) vom litauischen Festland meilenweit entfernt zu sein, dabei ist es nur 48 km südlich vom festländischen Klaipėda gelegen. Zu Beginn des 20. Jh. wurde die Stadt zu einer Kolonie deutscher expressionistischer Künstler und Intellektueller, und in den 1930er-Jahren urlaubte hier Nobelpreisträger Thomas Mann mit seiner Familie. „Meine Worte können Ihnen keine Vorstellung von der eigenartigen Primitivität und dem großartigen Reiz des Landes geben“, sagte er bei einem Vortrag über Nidden. Sein Sommerhaus kann man besichtigen.
Von der Stadt aus ist es nur ein kurzer Spaziergang zur Promenade am Kurischen Haff, wo Sie diverse Bootstouren unternehmen können: vom 2-stündigen Segeltrip bis zur ganztägigen Fischfangtour. Zu den weißen Stränden der Ostsee sind es nur ein paar Minuten durch den Kiefernwald. Südlich der Stadt liegt die 50 m hohe Parnidis-Düne, eine der höchsten in Europa. Hat man sie (über Stufen) bestiegen, genießt man die Sicht auf die windverwehten Sanddünen, die sich nach Süden erstrecken. Schön ist auch der 30 km lange Fahrradweg durch den Wald und am Meer entlang zum winzigen Dorf Juodkrantė.
WO: 307 km westl. von Vilnius. INFO: www.nerija.lt/en. THOMAS-MANN-MUSEUM/KULTURZENTRUM: Tel. +370/4695-2260; www.mann.lt. UNTERKUNFT: Misko Namas in Nida, ein B&B in einem historischen Holzhaus mit großen Zimmern und Blick in den Garten. Tel. +370/4695-2290; www.miskonamas.com. Preise: ab € 37 (Nebensaison), ab € 74 (Hochsaison). REISEZEIT: Juni–Aug.: wärmstes Wetter; März–Mai, Sept.–Okt.: zur Vogelbeobachtung.

