
Ein beliebter nationaler Zeitvertreib

DER KIRSCHBLÜTE ZU EHREN
Yoshino, Nara, Honshu – und der Rest des Landes
Es gibt vermutlich nichts Japanischeres als die außergewöhnliche und doch so vergängliche Schönheit unzähliger blühender Kirschbäume. Zu Frühlingsbeginn schalten Freunde der sakura (Kirschblüte) täglich ihr Fernsehgerät ein, um mithilfe des Wetterberichts herauszufinden, in welcher Region Japans die Kirschbäume ihre kurze Blütezeit von knapp 2 Wochen erleben. Die zartrosa Blüten laden ein zu einem Spaziergang oder zu einem Picknick mit Familie, Freunden und Arbeitskollegen. Es gibt nichts Schöneres als ein hanami (Fest zur Kirschblüte), bei dem ein Meer aus Blütenblättern sanft auf die Anwesenden hinabfällt.

Tausende Kirschbäume oder sakura machen den Berg Yoshino zu Japans erster Adresse für alle Bewunderer der Kirschblüte.
Der Kirschbaum wurde aus dem Himalaja nach Japan gebracht, und die Tradition des hanami soll aus dem 8. Jh. und Nara stammen (siehe → hier), der Landeshauptstadt vor Kyoto. Das höfische chinesische Ritual des Betrachtens der Blüten wurde übernommen, aber mit der typisch japanischen Vorstellung des mono-no-aware versehen, dem Gefühl der Trauer ob der Vergänglichkeit aller Dinge. Eine halbstündige Zugfahrt von Nara entfernt können Besucher eines der schönsten Naturwunder in Augenschein nehmen: Die Blüte Zehntausender Kirschbäume an den Hängen des Bergs Yoshino.
Der Berg ist übersät mit jahrhundertealten japanischen Blütenkirschen, die in mehrere Haine aufgeteilt sind (man spricht hier von hitome-sembon oder „1000 Bäume auf einen Blick“). Je nach Höhenlage blühen die Bäume zu verschiedenen Zeiten; die ersten meist Anfang April. Die ausgezeichneten Wege, vereinzelte Tempel, ein zu großen Teilen japanisches Publikum und die Geschäfte und Teehäuser in der liebenswürdigen Stadt Yoshino garantieren Ihnen ein unvergessliches Erlebnis.
Für eine hanami müssen Sie aber nicht aufs Land reisen. In Tokio sind Aussichtspunkte für die Kirschblüte der Ueno-Park, Shinjuku Gyoen; der Chidori-ga-fuchi-Park an der nordwestlichen Ecke des kaiserlichen Palastgeländes und der Abschnitt des Meguro-Flusses, der durch Nakameguro führt und zu einem Tunnel aus duftenden Blüten wird. In Kyoto sind die wichtigsten Aussichtspunkte im Park des kaiserlichen Palasts; am Philosophenweg, der am Ginkaku-ji-Tempel (siehe → hier) beginnt und an einem Kanal entlangführt, und Maruyama-koen – in diesem Park findet die berühmte Gion-no-Yozakura statt, die Kirschblütennacht, bei der ein atemberaubendes Exemplar dieser wunderschönen Baumart angestrahlt wird.
WO: Yoshino liegt 34 km südl. von Nara, 68 km südl. von Kyoto. Wann: Meist im April; der unterste Hain blüht Anfang April. REISEZEIT: 11.–12. Apr.: Hanakueshiki, jährliches Kirschblütenfest im Kinpusen-ji-Tempel in Yoshino. In einigen Jahren könnte das ein wenig zu früh sein.