Am Übergang zum 21. Jh. hat Berlin seine unerschöpflichen Kunstsammlungen neu organisiert und zusammengestellt. Heute ist die Stadt einmal mehr eine der kulturellen Hauptstädte der Welt. Unter den mehr als 170 Museen der Stadt ist die einmalige Sammlung der Gemäldegalerie eine Klasse für sich, mit einer umfassenden Reihe europäischer Meisterwerke des 13.–18. Jh. Eine ganze Galerie ist nicht weniger als 20 Rembrandt-Werken gewidmet.
Liebhaber der Antike könnten ganze Tage auf der Museumsinsel in der Spree verbringen, einer Gruppe von 5 Museen, deren Publikumsmagnet das Pergamonmuseum ist. Es wurde extra dafür gebaut, den kolossalen Pergamonaltar aus dem 2. Jh. v. Chr. aufzunehmen, einen 12 m hohen griechischen Säulentempel, der 1864 in der Türkei gefunden und 1902 hierher verfrachtet wurde. Das Neue Museum, das 2009 mit großzügigen neuen Räumen und neu freigelegten Fresken mit Einschusslöchern aus dem Zweiten Weltkrieg wieder eröffnete, beherbergt die ägyptische Sammlung und das Museum für Ur- und Frühgeschichte. Star der Sammlung ist die trotz ihrer 3000 Jahre überirdisch schöne Büste der Nofretete.
Die Berliner beharren darauf, dass es in ihrer dynamischen Stadt überhaupt nicht mehr um die Mauer geht, aber deren Fragmente zeigen umso mehr, wie weit die einst geteilte Metropole schon gekommen ist. Die Mauer, 1961 erbaut und 1989 überwunden, war einst 168 km lang und 4,20 m hoch. Einige Teile stehen noch als historische Ausstellungsstücke. Mit etwa 1,4 km Länge ist die East Side Gallery das längste verbliebene Stück Mauer und zugleich die größte Open-Air-Galerie der Welt. Den grauen Beton bedecken mehr als 100 Wandgemälde und Graffiti, viele davon mit Erinnerungen an das frühere DDR-Regime, z. B. ein Trabant als Symbol des untergegangenen Ostdeutschlands. Das Mauermuseum, ein touristischer Nachbau des Checkpoint Charlie, ist ein wenig vollgestopft, aber trotzdem faszinierend in seinen Schilderungen spektakulärer Fluchten und tragischer Fluchtversuche. Lohnend ist auch die eindringlichere Gedenkstätte Berliner Mauer mit der Kapelle der Versöhnung, in der an die Männer und Frauen erinnert wird, die bei der Flucht nach Westberlin erschossen wurden. Vom Wachturm des Museums blickt man auf ein Stück des früheren Todesstreifens. Abenteuerlustige können den 160 km langen Berliner Mauerweg abwandern oder -radeln, der an der früheren Grenze entlangführt.
Seit dem Fall der Mauer kommen Künstler aus aller Welt nach Berlin und halten die Kunstszene immer in Bewegung. Obwohl Galerien und künstlerische Hotspots sich ständig verändern, kann man mit dem Bezirk Mitte (siehe → hier) immer rechnen. Nehmen Sie noch den aufregenden Hamburger Bahnhof hinzu, ein Museum für Gegenwartskunst in einem brillant umgebauten Bahnhof des 19. Jh., und Sie haben in dieser Vorzeigestadt des 21. Jh. trotzdem erst an der Oberfläche einer der weltweit einzigartigsten Kunst-Bestandsaufnahmen gekratzt.
GEMÄLDEGALERIE, PERGAMONMUSEUM und NEUES MUSEUM, HAMBURGER BAHNHOF: Tel. +49/30-266-424242; www.smb.spk-berlin.de. EAST SIDE GALLERY: www.eastsidegallery.com. MAUERMUSEUM: Tel. +49/30-253-7250; www.mauermuseum.de. GEDENKSTÄTTE BERLINER MAUER: Tel. +49/30-467-986666; www.berliner-mauer-gedenkstaette.de. REISEZEIT: Juni–Anf. Aug.: Kunstbiennale; Ende Aug.: Museumsnacht.

