Hay-on-Wye liegt an der Grenze von England und Wales und wird häufig einfach Hay genannt (der Zusatz bezieht sich auf den River Wye, der durch das kleine Örtchen fließt). Die „Welthauptstadt“ der antiquarischen Bücher ist gleichzeitig ein Denkmal britischer Exzentrik.
Ursprünglich war Hay ein verschlafener Marktflecken. Dann fasste Richard Booth in den 1960er-Jahren den Vorsatz, den wirtschaftlichen Abstieg des Dörfchens aufzuhalten, indem er den ersten Buchladen am Ort eröffnete. Dank seiner Beharrlichkeit (und einiger erfolgreicher Werbeschachzüge wie dem, Hay zur unabhängigen Nation zur erklären) kamen die Buchkäufer bald in Scharen – heute gibt es in der 2000-Seelen-Gemeinde mehr als 30 Buchhandlungen mit einem Gesamtbestand von mehreren Millionen Titeln.
Das jährliche Literaturfestival, zu dem Autorinnen und Autoren aus aller Welt zu Lesungen und zwanglosen Gesprächen über ihre Werke anreisen, ist bei Bibliophilen rund um den Globus bekannt. (Auch Bill Clinton war schon hier und prägte die berühmte Bezeichnung „Woodstock des Geistes“.) Die Veranstaltung ist so erfolgreich, dass es inzwischen sogar „Hay Festivals“ an so verschiedenen Orten wie Belfast, Cartagena und Beirut gibt.

Das kleine walisische Örtchen ist voller Buchläden.
Nachdem Sie die Regale nach einem lang gesuchten Titel durchforstet haben, können Sie sich im Old Black Lion, einem der ehrwürdigsten Pubs in Hay, erholen. Im Obergeschoss gibt es behagliche Zimmer, und das Frühstück ist ausgesprochen gut. Oder Sie lassen den Ort hinter sich und fahren in den 1300 km2 großen Brecon Beacons Nationalpark, dessen ausgedehnte Gebirgszüge die beschauliche Acker- und Heidelandschaft von Mid Wales von den industrialisierten Tälern im Südosten trennen. Der Hauptort Brecon ist ein guter Ausgangspunkt für Erkundungen und hat mit dem jährlichen Brecon Jazz Festival eine Schwesterveranstaltung zum Hay Festival zu bieten.
Planen Sie eine Pause im White Swan Inn in Llanfrynach, etwa 25 km südlich von Hay, ein: Das Essen ist hervorragend, und die angenehme Atmosphäre lädt dazu ein, etwas länger auf einem der Sofas am Kamin zu verweilen. Oder Sie fahren Richtung Westen, wo Sie nach 10 Minuten Llangoed Hall erreichen, ein Landhotel mit zahlreichen renommierten Vorbesitzern, darunter der Architekt von Portmeirion (siehe → hier) und Sir Bernard Ashley, der mit seiner Frau Laura das gleichnamige Unternehmen gegründet hat. Wenn Sie sich von den reizvoll möblierten Räumlichkeiten losreißen können, warten draußen der River Wye, der eines der besten Reviere zum Angeln von Lachsen und Forellen und der makellos angelegte Garten mit Blick auf die spektakulären Brecon Beacons am Horizont.
WO: 245 km nordwestl. von London. INFO: www.hay-on-wye.co.uk. OLD BLACK LION: Tel. +44/1497-820-841; www.oldblacklion.co.uk. Preise: ab € 100; Dinner € 33. BRECON BEACONS NATIONAL PARK: www.breconbeacons.org. WHITE SWAN: Tel. +44/1874-665-276; www.the-white-swan.com. Preise: Dinner € 37. LLANGOED HALL: Tel. +44/1874-754-525; www.llangoedhall.com. Preise: ab € 233; Dinner € 55. REISEZEIT: Mai–Sept.: bestes Wetter; Ende Mai–Anf. Juni: Hay Festival; Mitte Aug.: Brecon Jazz Festival.

