Historiker kennen die gut erhaltene Marktstadt Albi als Zentrum der Katharer, einer asketischen religiösen Bewegung, die durch schwere Verfolgungen der katholischen Kirche im 12. und 13. Jh. ausgelöscht wurde. Man kennt Albi als Geburtsort von Henri de Toulouse-Lautrec, weltbekannter Zeichner des Boheme-Lebens am Montmartre an der Schwelle vom 19. zum 20. Jh.
Toulouse-Lautrec wurde 1864 in eine aristokratische Familie hineingeboren. Der aufgrund einer Knochenkrankheit kleinwüchsige, stets gepeinigte Künstler floh mit 18 nach Paris und starb schon mit 37, ein riesiges Konvolut an Zeichnungen hinterlassend – und das Erbe, die Plakatkunst erfunden zu haben. Die weltweit bedeutendste Sammlung seiner Zeichnungen von Tänzerinnen, Prostituierten, Café- und Cabaretleben zeigt das beeindruckende Musée Toulouse-Lautrec im Palais de la Berbie, einer früheren, 1265 als Bischofsresidenz erbauten Festung. Der geometrische Garten wurde von André Le Nôtre angelegt, Gartenarchitekt von Versailles (siehe → hier).
Die für diese Stadt riesige Cathédrale Ste-Cécile, als katholisches Machtsymbol nach dem Kreuzzug gegen die Katharer erbaut, beherbergt die größte Sammlung italienischer Renaissancegemälde in einer französischen Kirche. Die Hostellerie St-Antoine wurde 1734 vom Kloster zum Hotel umgewandelt. An den Wänden hängen Werke von Toulouse-Lautrec, ein Geschenk an seinen Freund, den Urgroßvater des jetzigen Besitzers. Die gleiche Familie betreibt das ländliche La Réserve, eine elegante, mediterrane Villa am Fluss Tarn. Eine kurze Fahrt durch die mit Schlössern getüpfelte Landschaft bringt Sie zur im frühen 13. Jh. auf einem Hügel erbauten Festungsstadt Cordes-sur-Ciel. An nebligen Tagen scheint das einsame, pittoreske Dorf tatsächlich in der Luft zu schweben.
Das nahe Toulouse, eine der am schnellsten wachsenden Städte Frankreichs, bietet ein wenig Großstadtflair. Toulouse, wegen der allgegenwärtigen roten Steine auch „la ville rose“ genannt, war eines der künstlerischen und literarischen Zentren des mittelalterlichen Europa. Hier gründete sich der Dominikanerorden. Im mittelalterlichen Viertel gibt es noch viele alte Kirchen, darunter Europas größte romanische Kirche, die majestätische Basilique St-Sernin aus dem 11. Jh. mit einem achteckigen Glockenturm im italienischen Stil. Durch die Universitäten und die hier beheimatete Luftfahrtindustrie existiert eine lebendige Café- und Restaurantszene. Eines der schickeren Lokale ist das gefeierte Chez Michel Sarran: Hier bekommen Sie eine verfeinerte Version der hiesigen herzhaft-traditionellen Küche.
ALBI: 76 km nordöstl. von Toulouse. MUSÉE DE TOULOUSE-LAUTREC: Tel. +33/5-63-494870; www.albi-tourisme.fr. HOSTELLERIE ST-ANTOINE: Tel. +33/5-63-540404; www.hotel-saint-antoine-albi.com. Preise: ab € 107 (Nebensaison), ab € 163 (Hochsaison). LA RÉSERVE: Tel. +33/5-63-608080; www.lareservealbi.com. Preise: € 180. Wann: Nov.–Apr.: geschlossen. CHEZ MICHEL SARRAN: Tel. +33/5-61-123232; www.michel-sarran.com. Preise: Dinner € 93. REISEZEIT: In Albi: Juli–Aug.: Klassikkonzerte in der Kathedrale; Juli: Gitarrenfestival. In Toulouse: Apr.: Flamenco-Festival; Juli: Festival für modernen Tanz; Aug.: Musikfestival.

