Zypern ist ein geteiltes Land: historisch zwischen Griechenland und der Türkei und heute außerdem zwischen überlaufenen Strandorten und ruhigeren, abgelegenen Orten im Inselinneren. Fahren Sie also zum nach Kiefern duftenden Troodos-Gebirge, das sich über den griechisch kontrollierten Südwesten der Insel erstreckt und größtenteils Nationalpark ist. Man nennt seinen Wald auch den „Schwarzwald Zyperns“; hier wachsen Erlenblättrige Eichen, Kiefern, Pinien und Steineichen. Oberhalb der Küstenstadt Lemosos und an der Ostflanke des 1952 m hohen Olympos finden Sie 10 prächtige mittelalterliche Kirchen und Klöster, deren bescheidenes Äußeres mit den reichen Innenräumen kontrastiert, welche mit einigen der schönsten byzantinischen Fresken und Ikonen des Mittelmeerraums geschmückt sind. Die Kirchen werden auch Scheunendachkirchen genannt (weil sie mit ihren einfachen Ziegeldächern an Scheunen erinnern) und gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Im opulenten Kykkos-Kloster (eigentlich aus dem 11. Jh., aber da es immer wieder durch Erdbeben zerstört wurde, stammt die heutige Anlage aus dem 19./20. Jh.) schmücken Fresken sogar die Klostergänge. Eine Marienikone, die dem Evangelisten Lukas zugeschrieben wird, soll Wunder vollbringen. Agios Nikolaos tis Stegis („St. Nikolaus auf dem Dach“) ist zur Gänze mit Wandmalereien bedeckt, die aus verschiedenen Jahrhunderten stammen (die jüngste aus dem späten 14. Jh.), darunter Darstellungen von Christi Geburt, Christi Einzug in Jerusalem und des Jüngsten Gerichts.
Die Mönche, die hier lebten, waren nicht nur talentierte Künstler, sondern auch Meisterwinzer, die einer 5500 Jahre alten zypriotischen Weintradition folgten. Im Kloster Chrysorrouiatissia sehen Sie die älteste Stätte der Weinherstellung. Der dunkelbernsteinfarbene Commandaria, ein Süßwein, der den mittelalterlichen Kreuzrittern schmeckte, soll der älteste Markenwein der Welt sein und wird am Fuß des Troodos aus jahrhundertealten Rebstöcken gemacht. Wer etwas mehr Kick braucht, sollte in einer Dorfbar ein Glas zivania verlangen, ein uraltes zypriotisches Getränk aus vergorenem Traubentrester mit 45 % (und mehr) Alkoholgehalt, das auch zur Behandlung von Wunden und Erkältungen genutzt wird.
Es passt gut, dass Zypern so dem sinnlichen Vergnügen verhaftet ist, schließlich ist es der Geburtsort der Aphrodite, Göttin der Liebe und Schönheit und Beschützerin der Insel. Der Sage nach erstand sie in Paphos an der Südwestküste aus Meeresschaum, wo der große Aphrodite-Felsen die Stelle markiert und wo ihr zu Ehren ein Tempel gebaut wurde. Unter den vielen antiken Schätzen in und um Paphos, die mit der Göttin und ihrem Kult zu tun haben, sind viele bunte Mosaiken, darunter ein Zyklus aus der Villa eines römischen Adligen, der den Weingott Dionysos abbildet.
WO: Die meisten Klöster und Kirchen liegen in einem 40-km-Radius um Lemosos im Südwesten Zyperns. REISEZEIT: Apr.–Juni: Wildblumenblüte, aber nicht zu heiß; Juli–Aug.: internationales Festival des griechischen Dramas in Paphos.

