Der Ruf Budapests als gastronomische Kapitale hatte während des Kalten Krieges in den 1950ern einiges zu erleiden: Restaurants wurden unter staatliche Kontrolle gestellt, und die besten Köche, unter ihnen Károly Gundel, verließen das Land. Doch die Veränderungen von 1989 brachten wieder neue Aromen in die Stadt, und 1992 wurde Gundels Restaurant mitten im Stadtwäldchen, in der Nähe des Zoos, wiedereröffnet. Gundel, das schickste und berühmteste Restaurant Budapests (und ganz Ungarns), hat sich das aristokratische Flair erhalten, das es auch schon am Eröffnungstag 1894 ausstrahlte, als Budapest „Paris des Ostens“ genannt wurde. Auf der Karte stehen reizend altmodische Gerichte, vor allem Gänseleber und Wild. Auf der Weinkarte sind die besten Weine Ungarns verzeichnet, unter ihnen die Eigenmarke des Gundel und der noble Tokajer-Dessertwein, einst von Frankreichs König Ludwig XIV. als „Wein der Könige und König der Weine“ bezeichnet. Direkt nebenan liegt das Bagolyvár („Eulenschloss“), das populäre Schwesterrestaurant des Gundel, das ausschließlich von Frauen geführt wird. Das rustikale Haus soll an die Gebäude des nahen Zoos erinnern. Es wurde 1913 eröffnet, diente in den 1960er- und 70er-Jahren als Lagerhaus und erfuhr wie das Gundel in den 1990er-Jahren die Wiedereröffnung. Hier gibt es ausgewähltere und günstigere Speisen nach traditioneller Art (das Gulasch wird gern gegessen), außerdem einen Kochkurs, bei dem man das „Strudeldiplom“ machen kann.
Sosehr die Ungarn auch ihre Paprika lieben – Süßes lieben sie auch, vor allem üppiges Gebäck wie dobos torta, eine geschichtete Schoko-Sahne-Torte mit karamellisiertem braunem Zucker obenauf, oder Strudel, der mit Mohn, Kirschmarmelade oder túró (Quark) gefüllt wird. Man isst diese Leckereien nicht nach dem Essen, sondern nachmittags in einer Konditorei (cukrászda). Die berühmteste ist das Café Gerbeaud, eine neobarocke Erinnerung an die Gründerzeit und eine Ruheoase nahe der Haupteinkaufsstraße. Das Konzept „Café als Wohnzimmer“ geht auf das 19. Jh. zurück, als Budapest eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt war und die Kaffeehäuser zur 2. Heimat der Schriftsteller, Künstler und Journalisten wurden. Das Gerbeaud, 1858 eröffnet und seit 1870 im heutigen Domizil, überlebte die karge Zeit des Kommunismus und ist bei Einheimischen wie Touristen so beliebt, dass es unmöglich scheint, am Spätnachmittag in seinem riesigen Gastraum einen Platz zu finden. Falls Sie es schaffen, genießen Sie die Atmosphäre zwischen Seidentapeten, Kristalllüstern und marmornen Tischplatten.
GUNDEL: Tel. +36/1-468-4040; www.gundel.hu. Preise: Dinner € 63. BAGOLYVÁR: Tel. +36/1-468-3110; www.bagolyvar.com. Preise: Dinner € 22. GERBEAUD: Tel. +36/1-429-9000; www.gerbeaud.hu.

