Die Insel Hokkaido lässt sich am besten mit dem Wort „ungebändigt“ beschreiben. Ihre dichten Wälder und wunderschönen Seen grenzen an felsige Gipfel, und die unaufhörlich tosende Brandung setzt der Küste zu. Die Hauptstadt Sapporo (siehe → hier) und der Skiort Niseko sind zwar bekannt, aber der größte Teil der Insel ist nahezu unerschlossen. Im entlegenen Nordosten Hokkaidos liegt die Shiretoko-Halbinsel, deren gebirgige Landschaften durch einen Nationalpark geschützt werden.
Shiretoko bedeutet in der Sprache der Ureinwohner Hokkaidos, den Ainu, „das Ende der Welt“. Diese Halbinsel ist der südlichste Ort auf der Welt, an dem Packeis eine Küste erreicht. Zu ihren schönsten Szenerien gehören die 5 Seen (Shiretoko Goko) und der See Rausu. In seiner näheren Umgebung wächst auch im Juni und Juli eine alpine Flora.
Shiretoko bietet 2000 Riesenseeadlern eine Heimat (die Hälfte der weltweiten Population) und beherbergt außerdem 10.000 Hokkaido-Sikahirsche, die gefährdeten Riesen-Fischuhus, Stellersche Seelöwen und die größte Anzahl von Braunbären auf dem Planeten; vor der Küste tummeln sich Zwerg- und Schwertwale. Regelmäßige Whalewatching-Touren starten vom kleinen Hafen Rausu an der Ostküste der Halbinsel. Shiretoko gehört zu den ersten großen Ökosystemen der Welt, die die Folgen des Klimawandels in aller Deutlichkeit zu spüren bekommen. Temperaturanstieg und Eisschmelze haben auf die Fischer direkten Einfluss: Gewöhnlich fangen sie Krabben, Lachse und Jakobsmuscheln, finden mittlerweile aber eher unechte Bonitos, Mondfische und andere Spezies in ihren Netzen, die eigentlich in wärmeren Gefilden zu Hause sind.
Im nördlichen Teil Shiretokos gibt es weder Straßen noch befestigte Wege, und der einzige Zugang zur zerklüfteten Küstenlinie ist per Schiff über das Ochotskische Meer. In Rausu sind schlichte Unterkünfte vorhanden; die bessere Option ist die Küstenstadt Utoro im Westen, wo Sie sich direkt am Hafen in das recht luxuriöse Shiretoko Grand Hotel einquartieren können. Die Zimmer sind entweder im japanischen oder westlichen Stil eingerichtet; Erstere haben z.T. sogar Bäder unter freiem Himmel. Wer sich im Winter dorthin traut, kann von Utoro aus Kurztrips buchen und auf einem Eisbrecher durch das Packeis pflügen.
WO: 1189 km nordöstl. von Tokio. WIE: Michi Travel Japan bietet individuell arrangierte Touren. Tel. +81/352-13-5040; www.michitravel.com. SHIRETOKO GRAND HOTEL: Tel. +81/152-24-2021; www.shiretoko.co.jp/english. Preise: ab € 185, all-inclusive. REISEZEIT: Jan.–Apr.: Adler auf Wanderung; Apr.–Okt.: Whalewatching; Juni–Aug. für Wanderer.

