Mit dem antiken Baalbek – einst Heliopolis, „Stadt der Sonne“, genannt – wollte das Römische Reich ein Zeichen seiner umfassenden Macht setzen. Die architektonischen Schmuckstücke, die man hinterließ, sprengen somit auch jeden Superlativ: Hier baute man die größte römische Tempelanlage des Imperiums mit den höchsten Säulen, die je von Menschenhand aus gewaltigen Steinquadern aufgetürmt wurden. Die Lage auf einem Hochplateau im grünen Tal von Bekáa vor der Kulisse schneebedeckter Gipfel macht Baalbek zur beeindruckendsten antiken Ruine des Nahen Ostens. Mark Twain schrieb: „Die Majestät und die Eleganz in Konstruktion und Ausführung der Tempel von Baalbek sind wahrhaft beispiellos.“
Baalbek wurde im 3. Jh. v. Chr. gegründet; ihre Blütezeit hatte die Stadt unter römischer Herrschaft zu Zeiten von Julius Cäsar. Die den 3 Hauptgottheiten von Heliopolis geweihten Tempel – Bacchus, Jupiter und Venus – verhalfen der Stadt bis zum Einzug des Christentums im 4. Jh. zu immenser Bedeutung. Der Tempel des Bacchus ist Baalbeks unumstrittene Hauptattraktion: eine gewaltige, von 42 korinthischen, jeweils 19 m hohen Säulen umgebene Anlage. Der Bacchus-Tempel gilt zudem als der am besten erhaltene römische Tempel weltweit.
Die Langlebigkeit dieser alten Heiligtümer liegt in der perfekten handwerklichen Ausführung und ihrer stabilen Konstruktion begründet. Verwendet wurde der rosenfarbene ägyptische Granit, auch die 128 (heute größtenteils verschollenen) Säulen, die den Hauptplatz des Tempelbezirks umgaben, waren aus diesem Material gefertigt. Überall im Tempelbezirk von Baalbek fand man riesige Steinblöcke, manche an die 1200 t schwer, dazu gehören auch die Fundamentblöcke unter dem Tempel des Jupiter. Wissenschaftler rätseln immer noch, wie Steine solchen Ausmaßes nach Baalbek geschafft werden konnten.
Die Besichtigung der gesamten Anlage kann viele Stunden in Anspruch nehmen. Wenn Sie der Hitze des Tages entfliehen möchten, nehmen Sie einen Drink auf der Dachterrasse des Hotel Palmyra – dort haben Sie einen wunderbaren Blick über die Ruinen und können den leicht morbiden Charme eines der wenigen Hotels im Nahen Osten genießen, das noch nicht modernisiert wurde.
WO: 85 km nordöstl. von Beirut. HOTEL PALMYRA: Tel. +961/8-370-230. REISEZEIT: Nov.–Feb.: angenehm kühl; Juni–Aug.: Baalbek International Festival mit Oper, klassischer Musik und Jazz vor der Kulisse der antiken Ruinen.

