Obwohl das Westjordanland nur wenige Kilometer entfernt von Jerusalem liegt, hat man als Besucher das Gefühl, in eine völlig andere Welt einzutauchen. Kaum eine andere Region ist wohl derart umkämpft und religiös aufgeladen wie das seit 1967 von Israel besetzte Gebiet. Reisen ins Westjordanland erfordern ein wenig vorausschauende Planung; israelische Staatsbürger und Fahrzeuge mit israelischen Kennzeichen sind nicht willkommen. Der kühne Reisende, der sich nicht von Checkpoints, Straßensperren und dem umstrittenen israelischen Schutzwall abschrecken lässt, muss lediglich eine kurze Passkontrolle hinter sich bringen, um einen Blick auf diesen biblischen Landstrich zu werfen.
Heutzutage besuchen überwiegend christliche Pilger das Westjordanland, um dem Weg der Heiligen Familie in Richtung Bethlehem zu folgen. Das moderne Bethlehem ist eine lebendige Stadt mit über 25.000 Einwohnern. Die berühmte Geburtskirche am Krippenplatz wurde um 330 geweiht und gehört zu den ältesten kontinuierlich genutzten Kirchen der Welt. Das Kirchenpatronat teilen sich die griechisch-orthodoxe Kirche, der Franziskanerorden und die armenisch-orthodoxe Kirche. Eine weitere bedeutsame Pilgerstätte für Juden, Muslime und Christen ist das in der Nähe des Krippenplatzes gelegene Grabmal der Rachel, der zweiten Frau Jakobs.
Touristisch ist das Westjordanland wenig erschlossen, die meisten Besucher kommen nur für einen Tag aus Jerusalem. Für Übernachtungen in Bethlehem bietet sich das Jacir Palace InterContinental an. Der Seitenflügel wurde 1910 ursprünglich für die reiche Kaufmannsfamilie Jacir erbaut. Von hier aus ist es nur eine kurze Fahrt – oder ein stimmungsvoller Spaziergang – zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Im Umland von Bethlehem – wo die Olivenhaine und Pinienwälder schnell von öden Wüstentälern abgelöst werden – liegen noch viele weitere, wenn auch weniger bekannte religiöse Stätten. Die uralte Stadt Jericho, in die Josua das Volk Israel nach der Flucht aus Ägypten geführt haben soll, erweist sich als überraschend grüne Oase. Obwohl Jericho als tiefstgelegene Stadt der Welt gilt, ist sie die Kornkammer des Westjordanlandes und wetteifert mit einer Siedlungsgeschichte von über 11.000 Jahren mit Damaskus (siehe → hier) um den Titel der ältesten Stadt der Welt. Das aus dem 12. Jh. stammende griechisch-orthodoxe Kloster Deir Quruntal auf dem Gipfel des Bergs der Versuchung wurde an der Stelle erbaut, an der Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet haben und vom Teufel in Versuchung geführt worden sein soll. Mit einer Seilbahn geht es zum Gipfel, von dort kann man den malerischen Ausblick über das Tote Meer und das östlich gelegene Jordanien genießen. Weitere heilige Stätten im Umkreis von Jericho sind Nabi Musa, ein Heiligtum des Islam, das als Grabstätte des Moses gilt (eine Zuschreibung, die auch auf den Berg Nebo in Jordanien zutrifft), und das pittoreske griechisch-orthodoxe Kloster Mar Saba aus dem 5. Jh., zu dem jedoch nur Männer Zutritt haben.
WO: Bethlehem liegt 10 km; Jericho 20 km südöstl. von Jerusalem. JACIR PALACE INTERCONTINENTAL: Tel. +972/2-276-6777; www.ichhotelsgroup.com. Preise: ab € 110 (Nebensaison), ab € 185 (Hochsaison). REISEZEIT: Weihnachten und Ostern: Prozessionen am Krippenplatz in Bethlehem.

