
„Es sieht gar nicht so aus, wie man sich Spanien vorstellt … Aber wenn man es besser kennenlernt, ist es die spanischste aller Städte, die beste zum Leben, mit den großartigsten Menschen und Monat für Monat dem besten Klima.“ – ERNEST HEMINGWAY

MADRID
Spanien
Madrid – elegante, förmliche, ja biedere Stadt am Tag – wird nachts zu einer der lebhaftesten Hauptstädte Europas. Ihr erster Gedanke könnte sein: In dieser Stadt scheint niemand zu schlafen. Besuchen Sie irgendein bar-restaurante oder eine taberna im Viertel um Mitternacht herum, und Sie finden das bestätigt. In den madrugada – den Stunden zwischen Mitternacht und dem ersten Hahnenschrei – lässt Madrid die Maske fallen und zeigt sein privates Gesicht.
HAUPTATTRAKTIONEN
CENTRO DE ARTE REINA SOFÍA – Spaniens Museum für moderne und Gegenwartskunst liegt in einem früheren Krankenhausgebäude aus dem 18. Jh. und hat einen postmodernen, von Jean Nouvel entworfenen Anbau. Die Sammlung umfasst Werke von spanischen Künstlern wie Miró, Dalí, Juan Gris, Antoni Tàpies (und Picassos Guernica); außerdem Alexander Calder, Man Ray und Jean Dubuffet. Es dekonstruiert die -ismen des 20. Jh. mit faszinierenden Gegenüberstellungen. Schicke Bar-Snacks gibt es im Café Arola. INFO: Tel. +34/91-774-1000; www.museoreinasofia.es.
DER FLAMENCO – wurde in Andalusien geboren, aber ins Rampenlicht gelangte er in den 1980er-Jahren in Madrid. Auch wenn sich das Corral de la Morería hauptsächlich an Touristen wendet, ist es doch voller Tradition – und jede Nacht voller fußstampfender Leidenschaft. Kenner bevorzugen die ungezwungenere Umgebung und die modernen Künstler im Casa Patas. CORRAL DE LA MORERÍA: Tel. +34/91-365-8446; www.corraldelamoreria.com. CASA PATAS: Tel. +34/91-369-0496; www.casapatas.com.
MUSEO SOROLLA – Vermeiden Sie den vollen Prado und besuchen Sie das restaurierte, elegante Zuhause (von 1910/11) des Künstlers Joaquín Sorolla, dem Maler des Lichts. Es wirkt immer noch bewohnt und zeigt Porträts von Aristokraten und normalen Menschen an der sonnigen Küste seines Geburtsorts Valencia. INFO: Tel. +34/91-310-1584; museosorolla.mcu.es.
DER PALACIO REAL – Der Königspalast wurde 1738 an der Stelle der alten maurischen Alcázar-Festung erbaut und war von 1764 bis zu König Alfons’ XIII. Abdankung 1931 Königsschloss. Heute ist es die offizielle Residenz von König Juan Carlos I. und seiner Frau, Königin Sofía, obwohl sie im Palacio de la Zarzuela wohnen. Ein Großteil des Palasts ist von Verwaltung belegt, aber die Räume, die einst Alfons mit seiner Familie bewohnte, sind für Publikum geöffnet, wie auch der Thronsaal, der Empfangsraum, die Gemäldegalerie (mit Werken von Caravaggio, Velázquez und Goya) und die Waffenkammer. INFO: Tel. +34/91-454-8700; www.patrimonionacional.es.
DER PRADO – Das Hauptstück des „goldenen Dreiecks der Museen“ (mit dem Reina Sofía und dem Thyssen-Bornemisza) ist eine wahre Schatztruhe, die Madrid schon ganz allein als Kulturstadt etablieren würde. Besonders bekannt ist die Sammlung von mehr als 8600 Gemälden von El Greco, Goya, Murillo, Rubens, Tizian, Bosch, Raffael, Botticelli, Fra Angelico und vielen mehr. 80 % von Velázquez’ Gemälden sind hier, darunter Las Meninas, wie auch die vorsurrealistischen „schwarzen Bilder“ Goyas. Rafael Moneos Anbau hinter dem Originalgebäude bindet schlau den Jerónimo-Klosterkreuzgang in einen gläsernen Würfel ein. INFO: Tel. +34/91-330-2800; www.museodelprado.es.

Besucher des Prado bewundern die Gemälde von Francisco de Goya, dem berühmten spanischen Meister der Romantik.
DIE TAPAS-TOUR – Machen Sie’s wie die Madrilenen: Wandern Sie von Bar zu Bar – und essen Sie überall eine Kleinigkeit, bis es um 23 Uhr Dinner gibt (falls Sie dann noch Hunger haben). Die Möglichkeiten sind endlos, von albondigas (Fleischbällchen) bis zu zamburiñas (kleinen Muscheln). Die Straßen um die Plaza Santa Ana bleiben das Haupt-Tapas-Viertel. Gehen Sie hier nicht weg, ohne im La Trucha Räucherforelle auf Toast probiert zu haben. Auch an der Cava Baja (südlich der Plaza Mayor) ist immer viel los; das beste Essen ist das baskische (besonders der gegrillte Tintenfisch) in der Taberna Txakoli; die beste Sherrybar-Atmosphäre gibt’s in der Taberna Alamendro. Aus dem Viertel um die Oper können Sie sich bergauf zur Plaza Mayor schlemmen (beginnend in der Bar der Taberna del Alabardero). In Chueca können Sie in der jahrhundertealten, gekachelten Bar Antigua Casa Ángel Sierra starten.
DAS THYSSEN-BORNEMISZA-MUSEUM – 2 der außergewöhnlichsten, im 20. Jh. angehäuften privaten Kunstsammlungen – beide vom schweizerischen Baron Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza und seiner spanischstämmigen 5. Frau Carmen Cervera – füllen die Lücken des Prado und des Reina Sofía mit erstklassiger italienischer und deutscher gotischer Kunst des 13. Jh. bis zu Impressionisten des 19. Jh. (besonders Monet) und Werken der Abstrakten Expressionisten. INFO: Tel. +34/91-369-0151; www.museothyssen.org.
DIE PLAZA MAYOR – Der riesige, kopfsteingepflasterte, 1619 im Barockstil vollendete Platz hat schon viele Stierkämpfe, Exekutionen, Aufstände, schlimme Vorgänge der Inquisition und wilden Karneval gesehen. Heute ist er das Herz des alten (Viejo) Madrid zwischen den Vierteln Centro und La Latina. Die 9 Bogenausgänge führen auf Straßen voller tabernas und Tapasbars. Eine Riesen-Tapas-Auswahl oder eine ganze Mahlzeit bekommen Sie im historischen Mercado San Miguel direkt vor dem Westeingang der Plaza.
SONSTIGE HIGHLIGHTS
STIERKÄMPFE AN DER PLAZA DE LAS VENTAS – Stierkampf ist ein kontroverser Sport (Königin Sofía hasst ihn), aber auch Teil der spanischen Geschichte, Kultur und nationalen Identität. Während der Saison (März–Okt.) können Neugierige eine sonntägliche corrida auf der Plaza de las Ventas erleben. INFO: Tel. +34/91-356-2200; www.las-ventas.com.
MONASTERIO DE LAS DESCALZAS REALES – Dieses Franziskanerkloster wurde 1559 von der Schwester Philipps II. gegründet und war Rückzugsort für adlige Frauen, die Nonnen wurden; viele brachten ihre Reichtümer mit. Das Gebäude ist voller großartiger Kunst, z.B. die Rubens-Wandteppiche, die einmal einen Schlafsaal wärmten. INFO: Tel. +34/91-454-8700; www.patrimonionacional.es.

Juan Gómez de Mora plante die Plaza Mayor 1619 – auch heute noch ein wichtiger Ort des städtischen Lebens.
REAL ACADEMIA DE BELLAS ARTES DE SAN FERNANDO – Goyas Gegenwart ist im Museum der Königlichen Akademie der schönen Künste immer noch spürbar. Als Direktor entwarf er die unteren Galerien, um seine Theorie zu untermauern, dass der Höhepunkt der ganzen spanischen Malerei … Goya sei. Sein vorgegebener Rundgang endet mit 13 seiner Gemälde und seiner letzten farbverschmierten Palette unter Glas. INFO: Tel. +34/91-524-0864; rabasf.insde.es.
DER RETIRO-PARK – Ein Spaziergang durch den Retiro-Park an einem Sonntagmorgen ist für viele Familien ein Ritual. Der Park von 1630 war einst der Königsfamilie vorbehalten und ist voller Brunnen und Statuen. Außerdem gibt es einen Teich (mit Bootsverleih) und Ausstellungshallen aus dem 19. Jh. Das Hotel Palacio del Retiro steht gegenüber vom Park; etwa die Hälfte der 50 Zimmer haben Parkblick. PALACIO DEL RETIRO: Tel. +34/91-523-7460; www.marriot.com. Preise: ab € 266 (Nebensaison), ab € 350 (Hochsaison).
EL-RASTRO-FLOHMARKT – Kommen Sie früh, oder Sie verpassen die Schnäppchen auf diesem berühmten, ausgedehnten Flohmarkt (an der Plaza Cascorro und Ribera de Curtidores). Am Schluss endet jeder in der berühmtesten Bar des Marktes, Los Caracoles, für eine copa („ein Glas voll“) und die Spezialität: pikante Schnecken.
ÜBERNACHTEN
HOTEL ÓPERA – Dieses moderne, zwischen dem Teatro Real und dem Park des Königspalastes eingeklemmte Hotel hat eine schlichte Fassade, aber schnittige, schöne Zimmer – einige der oberen haben schräge Decken mit großen Oberlichtern; die besten haben verglaste Jacuzzis und große Außenterrassen mit toller Stadtaussicht. INFO: Tel. +34/91-541-2800; www.hotelopera.com. Preise: ab € 110.
RITZ HOTEL UND PALACE MADRID – König Alfons XIII. beauftragte diese Belle-Époque-Juwelen, wo Gäste immer noch wie Royals behandelt werden. Das Ritz, 1919 erbaut, liegt in einem Park am Paseo del Prado. Sein geschätztes Restaurant Goya serviert klassische Küche in förmlicher Umgebung. Das 3-mal so große 1912 eröffnete Palace (468 Zimmer) liegt in der Nähe des Prado. Die öffentlichen Bereiche sind prunkvoll, z.B. die grandiose Buntglaskuppel über dem Hauptrestaurant, La Rotunda, in dem man gern einen Sonntagsbrunch einnimmt. RITZ HOTEL: Tel. +34/91-701-6767; www.ritzmadrid.com. Preise: ab € 248 (Nebensaison), ab € 333 (Hochsaison); Dinner im Restaurant Goya € 74. WESTIN PALACE MADRID: Tel. +34/91-360-8000; www.westinpalacemadrid.com. Preise: ab € 222 (Nebensaison), ab € 289 (Hochsaison); Dinner im La Rotunda € 48, Brunch € 80.
ROOM MATE ALICIA – Die Kette Room Mate ist auf schicke, aber günstige Boutique-Hotels spezialisiert; das Alicia, an der Ecke der belebten Plaza Santa Ana, ist eines von 4 in Madrid (die anderen heißen Mario, Oscar und Laura). Frühstück gibt es bis mittags – prima, wenn Sie die ganze Nacht in der Stadt unterwegs waren. INFO: Tel. +34/91-389-6095; www.room-matehotels.com. Preise: ab € 107.
SANTO MAURO – Dieses exquisite Hotel mit 50 Zimmern in einem grünen Viertel am Sorolla Museum (siehe → hier) wurde im 19. Jh. als Herzogspalast erbaut. Es wird gern von Promis aufgesucht, die ihre Privatsphäre schätzen. INFO: Tel. +34/91-319-6900; www.marriot.com. Preise: ab € 244 (Nebensaison), ab € 350 (Hochsaison).
HOTEL URBAN – Das 1. Hotel des 21. Jh. im Zentrum ist ein starkes postmodernes Statement, mit einer Glaswand zum belebten Boulevard östlich der Puerta del Sol. Licht durchflutet die Zimmer, die mit erdfarbenen Stoffen, Holz und Ledermöbeln ausgestattet sind. INFO: Tel. +34/91-787-7770; www.derbyhotels.com. Preise: ab € 185.
ESSEN & TRINKEN
CAFÉ GIJÓN – In der Hektik der Stadt scheint sich das Café Gijón seit der Eröffnung 1888 kaum verändert zu haben, obwohl die Literaten mit Francos Machtantritt verschwanden. In der Bar müssen Sie stehen; der Speisesaal ist zum Essen reserviert. INFO: Tel. +34/91-521-5425; www.cafegijon.com. Preise: Tee € 15.
CASA BOTÍN – Diese folkloristische Taverne im Schatten der Plaza Mayor ist vielleicht Spaniens ältestes Restaurant. Es sieht wie eine Touristenfalle aus – ist es auch –, aber Einheimische mögen es trotzdem wegen der Atmosphäre und dem cochinillo asado (Spanferkel). Wenn das Botín voll ist, versuchen Sie’s in der verlässlichen Casa Lucio in der Nähe. INFO: Tel. +34/91-366-4217; www.botin.es. Preise: € 45. CASA LUCIO: Tel. +34/91-365-3252; www.casalucio.es. Preise: Dinner € 40.
CHOCOLATERÍA SAN GINÉS – In der Nähe der Puerta del Sol bedient diese winzige Institution die Liebe der Madrilenen zu heißer Schokolade und zuckerbestäubten churros (Brandteiggebäck), und zwar fast rund um die Uhr. INFO: Tel. +34/91-365-6546.
EL ÑERU – Drängeln Sie sich durch die Tapas-Hungrigen auf der Straße östlich der Plaza Mayor, um in den altmodischen asturischen Speisesaal im Keller zu gelangen. Die merluza-(Seehecht-)Gerichte sind immer köstlich, besonders in asturischem Cidre geschmort. An einem kalten Abend schmeckt eine fabada – ein Eintopf aus weißen Bohnen, Wurst und Schinken. INFO: Tel. +34/91-541-1140; www.restauranteelneru.com. Preise: Dinner € 30.
PEDRO LARUMBE – hat einen preisgekrönten Koch. Bibliothek und Hauptrestaurant sind Studien der Eleganz; die Dachterrasse schwebt hoch über dem eleganten Viertel Salamanca. Larumbe erfindet die Klassiker wagemutig neu – gebratener Seehecht mit schwarzen Trüffelspänen oder mit karamellisierter Mango geschichtete Foie gras. INFO: Tel. +34/91-575-1112; www.larumbe.com. Preise: Dinner € 52.

Madrid ist eine der Haupt-Tapas-Städte Spaniens – Dutzende von Bars servieren alles: von mundgerechten pinchos bis zu raciones, die eine halbe Mahlzeit darstellen.
SERGI AROLA GASTRO – Das Flaggschiff des zum Starkoch gewordenen Rockers Sergi Arola liegt in der Nähe des Mueso Sorolla (siehe → hier). Arola kombiniert nur einige intensive Aromen pro Gericht. Das moderne, puristische Dekor überlässt den künstlerisch angerichteten Speisen das Rampenlicht. Man wählt aus 3 Menüs aus, nicht à la carte. INFO: Tel. +34/91-310-2169; www.sergiarola.es. Preise: Dinner € 110.
TAGESAUSFLÜGE
TOLEDO – Der Maler El Greco führt Sie durch seine Wahlheimatstadt, eine Schatzkammer maurischer, jüdischer und christlicher Geschichte. Etwa 30 seiner Gemälde hängen in der Sakristei der Kathedrale aus dem 13. Jh.; sein berühmtestes Werk, Begräbnis des Grafen von Orgaz, hängt im Eingang der nahen Kirche de Santo Tomé. Das Museo de Santa Cruz hat ein Dutzend El Grecos; Sie können so nah heran, dass Sie die Pinselstriche sehen. Stärken Sie sich im Hostal del Cardenal in einem Kardinalspalast aus dem 18. Jh. Kommen Sie im Juni zum Corpus-Christi-Fest, bei dem ein 500 Pfund schweres Reliquiar, das 1595 aus dem Gold der Neuen Welt gemacht wurde, durch die Straßen getragen wird. WO: 69 km südl. von Madrid. Tel. +34/92-522-0862; www.hostaldelcardenal.com. Preise: Dinner € 37.
SEGOVIA – hat an jedem Ende eine Attraktion: die Bögen des römischen Aquädukts und den Alcázar-Palast, im 19. Jh. als Fantasieversion eines Mittelalterschlosses wieder aufgebaut. Gourmets kommen nach Segovia, um im Mesón de Cándido Spanferkel zu essen, vielleicht das beste Spaniens. Konkurrenz macht ihm höchstens das cordero lechero asado (Milchlamm). WO: 68 km nordwestl. von Madrid. Tel. +34/92-142-5911; www.mesondecandido.es. Preise: Dinner € 33.