Bis 1690 fußte Brasiliens Wirtschaft vor allem auf den Einkünften aus dem Zuckerrohranbau. Als man im heutigen Bundesstaat Minas Gerais auf riesige Goldvorkommen stieß, änderte sich das schlagartig. Der Handel begann zu blühen wie nie zuvor; in den Städten schlug sich der unerhörte Reichtum in neu entstehenden barocken Prachtbauten nieder. Wenn Sie durch die alten Goldstädte spazieren, wird Ihnen klar werden, warum es in keinem anderen brasilianischen Bundesstaat mehr UNESCO-Weltkulturerbestätten gibt als in Minas Gerais. Nach Wanderungen in den umliegenden Bergen können Sie in einem der vielen stimmungsvollen Restaurants regionale Spezialitäten und den angeblich besten cachaça (Zuckerrohrlikör) des ganzen Landes genießen.
Eines der schönsten Juwele barocker Architektur in Brasilien ist das Gebirgsstädtchen Ouro Preto („Schwarzes Gold“), etwa 2 Stunden entfernt von der Bundeshauptstadt Belo Horizonte. Die Kulisse aus pastellfarbenen Villen und Kirchen, die sich an den steilen Straßen aufreihen, entstand zur Zeit des Goldrausches. Berühmtester Sohn der Stadt war der Architekt und Bildhauer Antônio Francisco Lisboa, genannt Aleijadinho, was so viel heißt wie „der kleine Krüppel“. Bereits mit 40 Jahren war er derart missgestaltet und geschwächt, dass Assistenten ihm sein Werkzeug an den Händen festbinden mussten. Dennoch arbeitete er unermüdlich weiter und ging als bedeutendster Barockbildhauer Brasiliens in die Geschichte ein. Er prägte das Stadtbild von Ouro Preto entscheidend mit; sein Meisterwerk ist die 1766 begonnene Kirche São Francisco de Assis: Nahezu alle Skulpturen im Inneren stammen von ihm. Gleich daneben liegt die Pousada do Mondego, eines der schönsten Hotels in Ouro Preto mit 24 exquisiten Räumen. Fortsetzen können Sie Ihre Kirchenbesichtigungstour mit der verschwenderisch geschmückten Nossa Senhora de Pilar.
Während Ouro Preto im 19 Jh. zur reichen Provinzhauptstadt aufstieg, ist das 225 km südlicher gelegene Tiradentes bis heute ein ländlicher Ort. Das zauberhafte 6000-Seelen-Städtchen liegt zwischen dem Rio das Mortes und der Mata Atlântica am Fuß des mächtigen Serra São José und nennt 7 barocke Kirchen sein Eigen. Eine kleine, aber feine Auswahl an Galerien für zeitgenössische Kunst und ein paar erstklassige Restaurants machten Tiradentes zum beliebten Ziel von Wochenendtouristen aus Rio und Belo Horizonte.
Die Küche von Mineira ist die beliebteste des Landes, eine üppige Mischung aus portugiesischen, afrikanischen und indigenen Elementen. Traditionelle Gerichte wie frango ao molho pardo (Hühnchen in einer schweren braunen Soße) werden im Viradas do Largo serviert, auch Restaurante da Beth genannt. Liebhabern des cachaça sei das Confidências Mineiras empfohlen, wo man bei Kerzenschein aus über 500 Sorten des Zuckerrohrlikörs wählen kann. Das charmante Solar da Ponte ist ein rustikales, aber elegantes Landgasthaus; vom luftigen Speisesaal aus hat man einen wunderschönen Ausblick über den Landschaftsgarten.
WO: Ouro Preto liegt 400 km nördl. von Rio de Janeiro. POUSADA DO MONDEGO: Tel. +55/31-3551-2040; www.mondego.com.br. Preise: ab € 100. VIRADAS DO LARGO: Tel. +55/32-3355-111; Preise: Dinner € 20. CONFIDÊNCIAS MINEIRAS: Tel.: +55/32-3355-2770. Preise: Dinner € 30. SOLAR DA PONTE: Tel. +55/32-355-1255; www.solardaponte.com.br. Preise: ab € 233. WIE: Das amerikanische Unternehmen Borello Travel & Tours bietet 5-tägige Touren nach Belo Horizonte und Ouro Preto. Tel. +1/212-686-4911; www.borellotravel.com. Preise: ab € 1481. REISEZEIT: Nov.–Apr.: bestes Wetter; 21. Apr.: Stadtfest in Tiradentes; Aug.: Gastronomie-Festival.

