Die alte Stadt Davids hat in ihren westlichen, vorwiegend jüdisch geprägten Vierteln ganz im Stillen überraschend moderne Seiten entwickelt. Obwohl die Gegend immer noch ein historisches Schatzkästchen ist, trifft man nun auch auf zeitgenössische Architektur, Kunst und elegante Restaurants. Lange als schläfriger Gegenpol zum coolen, modernen Tel Aviv gehandelt (siehe → hier), durchläuft Jerusalem derzeit einen entscheidenden Imagewandel.
Eine tragende Rolle spielte dabei zweifellos der spanische Architekt Santiago Calatrava, unter dessen Leitung 2008 die gewaltige weiße Brücke fertiggestellt wurde. Die 66 Stahlseile dieser kühnen Konstruktion erinnern in ihrer Anordnung an eine Harfe, der Legende nach das Lieblingsinstrument von König David.

Die Brücke von Stararchitekt Santiago Calatrava soll sowohl dem Zugverkehr als auch als Fußgängerübergang dienen.
Jerusalems Hinwendung zur Moderne begann bereits 2005 mit der Eröffnung des Historischen Museums der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Ausführender Architekt war der Kanadier Moshe Safdie. Von außen sichtbar ist nur ein langer Tunnel aus Beton, Stahl und Glas in Form eines Spitzdachs mit stark aufgebogenen Enden. Die meisten Ausstellungsräume liegen unter der Erde und fressen sich durch über 180 m Felsgestein. Die wuchtige, beunruhigende Architektur schafft den angemessenen Rahmen für die erschreckende Reise durch die Geschichte, die den Besucher im Inneren erwartet.
Architekt Safdie verlieh auch dem Hotel Mamilla diese kühle Ästhetik; es gilt als das erste Designhotel Jerusalems. Die Interieurs gestaltete der italienische Stardesigner Piero Lissoni. Auch wenn Sie nicht hier übernachten möchten, sollten Sie die Brasserie auf der Dachterrasse besuchen: Der Ausblick auf die Altstadt ist fantastisch, und es gibt eine große Auswahl an israelischen Weinen. Safdie gestaltete auch die schicke Einkaufsmeile in der nahen Alrov Mamilla Avenue mit, die die Innenstadt von Jerusalem mit dem berühmten Jaffator verbindet.
Auf der anderen Seite der Stadt liegt das Israel-Museum, das die Schriftrollen vom Toten Meer verwahrt. Das Gebäude hat gerade eine über 2-jährige Sanierungsphase hinter sich, die der amerikanische Architekt James Carpenter leitete. Er fügte zum ursprünglichen Bau eine Reihe glasverkleideter Pavillons hinzu und konnte so die Ausstellungsfläche nahezu verdoppeln. Zu den neu erworbenen Ausstellungsstücken gehört auch eine Synagoge aus dem 18. Jh. aus Surinam, die in mühevoller Kleinstarbeit restauriert und wiederaufgebaut wurde.
YAD VASHEM: Tel. +972/2-644-3565; www.yadvashem.org. HOTEL MAMILLA: Tel. +972/2-548-2222; www.mamillahotel.com. Preise: ab € 260 (Nebensaison), ab € 370 (Hochsaison). ISRAEL-MUSEUM: Tel. +972/2-670-8811; www.english.imjnet.org.il. REISEZEIT: Mai–Juni: Israel Festival; Juli: Israel Film Festival; Aug.: Weinfest Jerusalem.

