Das Simien-Gebirge, auch „Dach von Afrika“ genannt, besitzt riesige, 40 Mio. Jahre alte Vulkankegel, von der Erosion zu fantastischen Klippen, Felsnadeln und Tafelbergen geformt, die sich von den Hochebenen im Norden Äthiopiens bis nach Eritrea erstrecken. 1969 wurde der Simien-Nationalpark eingerichtet, um Landschaft und Tierwelt zu schützen, doch die Entstehung von Siedlungen innerhalb des Parks behinderte den Naturschutz und führte dazu, dass die Region auf der UNESCO-Liste des gefährdeten Welterbes steht.
Nur eine einzige Schotterpiste führt durch den Park, der von wenigen internationalen Gästen besucht wird, was eine Erkundung zu Fuß zu einem außergewöhnlichen Erlebnis macht. Trekkingtouren finden in Begleitung eines Führers, eines obligatorischen bewaffneten Scouts und einiger Maultiere, die Campingutensilien tragen, statt. Die Reise führt zunächst durch Terrassenfelder, durch Baumheide und Riesenlobelien; übernachtet wird auf Zeltplätzen. Einige Tierarten lassen sich weltweit nur hier beobachten, darunter der stark gefährdete Äthiopische Steinbock und der Dschelada oder Blutbrustpavian. Dscheladas sind die einzigen noch lebenden Primaten, die sich von Gras ernähren, und verfügen über mehr Sprachlaute und Verhaltensmuster als jedes andere Tier. Halten Sie außerdem Ausschau nach Raubvögeln wie Bartgeiern (mit einer Spannweite von bis zu 3 m), Augurbussarden, Kaffernadlern, Turm- und anderen Falken.
Eine Alternativroute führt in 9 Stunden auf den Ras Dashen, den vierthöchsten Gipfel Afrikas (4620 m), ein technisch nicht anspruchsvoller Aufstieg. Wer nicht gern zeltet, kann in der neuen, schlicht-komfortablen und umweltfreundlichen Simien Lodge (dem „höchstgelegenen Hotel Afrikas“) im 16-Bett-Schlafsaal oder einem der 20 Zimmer übernachten, die von außen strohgedeckten äthiopischen Tukuls, innen jedoch bescheidenen Hotelzimmern gleichen. Die Lodge ist als Ausgangspunkt für Wander- wie für Radtouren geeignet, und ihre Gäste werden die herzhaften Mahlzeiten ebenso schätzen wie die Fußbodenheizung, die kühle Bergnächte erwärmt.

Menschliche Siedlungen bedrohen die seltenen Arten, die im Simien-Gebirge heimisch sind.
WO: Trekkingtouren starten im 120 km von Gondar entfernten Debark. WIE: Ethiopian Quadrants organisiert unterschiedlich lange Touren. Tel. +251/11-515-7990; www.ethiopianquadrants.com. Preise: ab € 74 pro Nacht, all-inclusive. Startet in Addis Abeba. SIMIEN LODGE: Tel. +251/11-55-24758; www.simiens.com. Preise: ab € 115; Transfer von Gondar € 100. REISEZEIT: Sept.–Apr.: Trockenzeit.

