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»Ihr wollt schon wieder nach Rom?«, knurrte Winterfeld. Er saß an seinem großen Schreibtisch, der über und über mit Papieren bedeckt war, und fummelte an einer leeren Zigarilloschachtel herum, deren Inhalt er jetzt wohl ganz besonders vermisste. Er zupfte an seiner Krawatte. »Ihr wart doch erst vorgestern dort. Seid ihr auf einmal gläubige Pilger geworden?«
»Wir vermuten, dass einer unserer dortigen Informanten der wahre Täter ist«, sagte Clara.
»Und wer?«
»Don Alvaro de la Torrez.«
»Der Exorzist?« Winterfeld riss die Augen auf. »Ihr seid ja wahnsinnig.«
»Hören Sie, wir haben mit dem Mann gesprochen«, sagte Clara drängend. »Wir haben jetzt nicht die Zeit, Ihnen das alles lang und breit zu erklären, aber Sie können uns glauben, es passt alles zusammen. Wollen Sie das Risiko eingehen, dass wir recht haben und weitere Menschen auf grausame Weise sterben? Sind Sie bereit, das auf ihr Gewissen zu nehmen?«
Winterfeld fuhr mit den Fingern durch den Bericht, den er gestern von Clara erhalten hatte. Dann blickte er auf. »Dass wir dabei aber ein kleines Problem haben, wissen Sie, Señora?«
Clara zuckte die Schultern. »Wäre schön, wenn wir nur eins hätten.«
»Italien ist nicht unser Zuständigkeitsbereich«, sagte Winterfeld. »Wir müssen der Questura in den Arsch treten, damit die Alvaro auf der Stelle festnehmen, falls Ihr Verdacht begründet sein sollte. Und dafür müssen wir genug Beweismaterial haben.« Er blickte Clara durchdringend an. »Haben wir das?«
»Alvaro wusste als Einziger, wo ich versteckt war. Und er hat uns das Motiv des Killers genannt«, sagte sie. »Das kann kein Zufall sein.«
Winterfeld starrte nachdenklich vor sich hin.
»Und wer ist jetzt, Bellmann zufolge, für die internationale Kooperation zuständig?«, fuhr Clara fort. »Da ist doch ein Anruf bei der Questura ein Klacks für den großen Kriminaldirektor Winterfeld.« Es war einer der Sätze, die nur Clara sich leisten konnte.
Winterfeld schnaufte. »Also gut. Fliegt nach Rom und schaut, was ihr machen könnt. Aber bucht den Flug erst mal privat. Ich sehe zu, dass ihr das Geld zurückbekommt.«
Er knüllte die Schachtel zusammen.
»Und hängt es ja nicht an die große Glocke.«