Kapitel 106
Altägypten, im Jahre des Herrn 373
Tarasios beugte sich über Markus’ Schulter und sah zu, wie dieser den letzten Buchstaben auf das Blatt schrieb. Der junge Mann hatte über zwei Wochen an dem Projekt gearbeitet, und nun war das verschlüsselte Dokument endlich fertig. Der Ledereinband, in den es gebunden würde, war schon vorbereitet und lag, fast erwartungsvoll, an der Tischkante.
Markus sah seinen Mentor an, als sich dieser an dem Anblick weidete.
»Die drei Teile der Liste sind in diesen Worten verschlüsselt«, bestätigte Markus. »Wenn jemand den steinernen Schlüssel hat und weiß, wie er ihn benutzen muss, kann er die Anweisungen enthüllen. Wenn er das nicht weiß, erhält er nur meine leicht geänderte Version des Evangeliums.«
Tarasios nickte. »Es ist absolut vollkommen.«
Schließlich obsiegte Markus’ Neugier.
»Wofür ist es? Das Gebet. Warum ist es für dich wertvoll?«
»Es ist für uns wertvoll«, korrigierte Tarasios ihn und erinnerte den jüngeren Mann auf diese Weise daran, dass er ein gern gesehener Novize in den Reihen der Bruderschaft war, »denn es gibt der Wahrheit eine Stimme. Was da versteckt worden ist, sind Worte für eine andere Generation. Worte, die den Geist der Realität öffnen, wenn sie ausgesprochen werden. Das Gebet verändert die Seele. Wenn sie aus dem Körper gerissen wird, findet sie Freiheit.«
»Aber das sind nur Wörter«, entgegnete Markus.
Tarasios erwiderte den Blick so tief, so wild, wie der jüngere Mann es noch nie erlebt hatte.
»Das sind Worte, die Macht haben«, antwortete er. »Mystische Worte.«
Er beugte sich dicht zum Gesicht seines Schülers hinunter.
»Das sind Worte, die das Schicksal der Menschheit verändern können.«