Das Eine
Ich bin nicht das, was ihr Tiefgläubigen euch vorgestellt habt, aber ich bin das, was ihr gesucht habt. Ich bin die in ihrer Gesamtheit ungeschehen gemachte Vergangenheit.
Ich glaube an den Tod. Der Tod schafft Platz für neues Leben. Ich sterbe täglich und erstehe wieder auf. Jene schwächeren Kreaturen, die sterben und nicht auferstehen, haben der Welt einen Dienst erwiesen, denn eine Welt voller Schwächlinge ist eine Welt ohne Zukunft.
Ironischerweise haben meine gewaltige Kraft und meine Unsterblichkeit ihren Ursprung in einem Defekt: einem Defekt im Gefüge der Raumzeit, einer Verwerfung im Herzen von Shadow Hill. In regelmäßigen Abständen, wenn die gegebenen Umstände richtig sind, existieren hier die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft gleichzeitig, ebenso, wie sie in mir existieren. Jene, die am Schnittpunkt leben, wo die Vergangenheit und die Zukunft aufeinandertreffen, erhaschen manchmal einen Blick auf das, was einst war und was später sein wird. Von den amerikanischen Ureinwohnern, die zuerst hier lebten, und von jedem, der auf sie gefolgt ist, wurden diese Präsenzen außerhalb der Zeit als Geister, Halluzinationen oder Visionen angesehen.
Alle achtunddreißig Jahre kommt es zu einem gewaltigen Ereignis von größerem Einfluss als reine Geistererscheinungen. Unfreiwillige Pilger reisen in mein Königreich und entdecken ihr Los, welches das Los der ganzen Welt ist.
Die wohlhabende Familie Ostock, die aus dem Jahr 1935 eintraf, lernte, dem Einen gegenüber unterwürfiger zu sein, als es ihre Dienstboten ihnen gegenüber waren.
Die Menschheit glaubt an ihre Sonderstellung, aber sie ist für die Welt, was Flöhe für einen Hund, was Läuse für einen Schimpansen sind. Ein Befall. Eine Plage. Die Ostocks und alle menschlichen Wesen sind Ratten auf der Straße, die aus Hameln hinausführt, bezaubert von einer Melodie, die sie dazu verleitet, in mir zu ertrinken.
Schon bald wird die Songwriterin vor mir stehen, und ich werde mich an ihrem Herzen laben, von dem sie sich einbildet, es sei der Quell der Gefühle in ihren Liedern. Der ältere Anwalt, der an das Recht glaubt, wird lernen, dass es in meiner Welt kein Recht gibt. Dem Kriminalbeamten im Ruhestand, der an Gerechtigkeit glaubt, wird die Gerechtigkeit widerfahren, die er verdient. Ich werde in den Jungen eindringen, seinen Körper unterwerfen, ihm jedoch gestatten, eine Weile das Bewusstsein zu behalten, ihm gestatten, die langsame Zersetzung seines Körpers und seiner Unschuld mitzuerleben. Sie alle sind Geschmeiß, geboren von Geschmeiß, der Befall, für den ich das reinigende Feuer bin.