Dr. Kirby Ignis
Dort draußen in der nächtlichen Landschaft war der Himmel einen Moment lang ein zeitloses schwarzes Meer und die Sterne waren Treibeis, die Luft unbewohnt. Auf Bodenhöhe stand die Natur, die radikal umgestaltet worden war, so still, als sei sie ein kolossaler Mechanismus, dem vorübergehend die Antriebsfähigkeit abhandengekommen war. Im nächsten Moment blieb der Himmel ein zeitloses Meer und jeder Stern ein Punkt aus Eis, doch die Luft hieß die fliegenden Geschöpfe wieder willkommen, die sich gleichzeitig auf den Boden geschleudert hatten, die meisten klein, aber andere groß, und sie alle schwangen sich wiederholt zu dem verführerischen Mond auf – und tauchten wiederholt herab und fort von ihm. Am Westhang von Shadow Hill, auf der weiten Ebene, wo einst eine Stadt gestanden hatte, und bis zum finsteren Horizont an der Krümmung der Erde bewegten sich Billionen von hohen, phosphoreszierenden Grashalmen im Einklang miteinander und wiegten sich wie im trägen Takt eines hawaiianischen Liedes.
Vorhin hatte Padmini gesagt, diese eigentümliche neue Natur schiene, als sie in vollkommener Stille versank, nachzusinnen, als sei es Gaia, die in all ihren Manifestationen vollkommene Stille verlangte, um über irgendeinen grandiosen Gedanken zu meditieren, auf den sie gerade gekommen war. Auch wenn diese Idee noch so versponnen sein mochte, erschien sie Kirby mit jeder Minute, die verging, einleuchtender. Und als draußen vor dem Fenster plötzlich alle lebenden Dinge ihren vertrauten Rhythmus wieder aufnahmen, verstand er, was er vor sich sah und wie es seine Existenz erlangt haben mochte. Er wusste, wessen Werk der Schmelztiegel für die Erschaffung dieser Gaia gewesen sein und welche Absicht dahintergesteckt haben könnte.
Die eisige Kälte, die ihn durchdrang, war eine kältere Furcht als jede andere, die er jemals zuvor verspürt hatte. Aber nein. Nicht Furcht. Oder jedenfalls nicht nur Furcht. Auch Ehrfurcht. Er unterwarf seinen Verstand einer plötzlich erkannten Wahrheit, deren Natur so grandios und deren Wucht so eindrucksvoll war, dass ihn die Welt draußen vor dem Fenster, selbst wenn sie noch so schrecklich sein mochte, unwillkürlich auch faszinierte und er sie als eine finstere Versuchung empfand.
Wenn diese Gaia tatsächlich in Stille versunken war, um nachzudenken, dann glaubte er zu wissen, welche Erkenntnis ihr aufgegangen sein und zu welchem Entschluss sie gelangt sein könnte.
* * *