Luna-Yoga wozu?
Wozu Luna-Yoga? Es gibt doch genug Angebote auf dem Markt der Bewegungskünste. Ist die Flut der Bücher, die uns etwas anpreisen, nicht schon groß genug? Und überhaupt, was kann man/frau schon aus Büchern lernen?
Das hat alles seine Richtigkeit, und doch – ich habe mich hingesetzt und dieses Buch geschrieben. Weil es nämlich immer wieder Leute gab, die mich darum baten. KursteilnehmerInnen wollten gern nachschauen, wie die Übungen aussehen, und nachlesen, was es mit Luna-Yoga auf sich hat. Andere wiederum fragten nach Anregungen für ein Bewegungsprogramm zur Gesunderhaltung. Wieder andere, die sich bereits mit Körpertherapien auskennen, wollen ausprobieren, wie ihnen die eine oder andere Übung bekommt. Dabei rate ich zur Vorsicht: Ein Buch ersetzt keine/n Lehrer/in. Es kann einen Vorgeschmack geben und ermuntern, sich mit dem Thema zu befassen. Es kann neue Ideen liefern und die Auseinandersetzung damit in die Wege leiten.
Um die ganze Fülle des Luna-Yoga zu erfahren, brauchen wir eine Person, die uns einführt und leitet. Diese kann beobachten, wie wir üben. Sie nimmt unseren Atem wahr und kann bestimmte Stellungen, Haltungen oder Bewegungen auswählen und empfehlen, die am besten auf die jeweilige Lebenssituation passen.
Eine medizinische Abklärung des Gesundheitszustands und der Möglichkeiten und Grenzen körperlicher Belastung sollte auf jeden Fall vorangehen.
Ganz wichtig: Lust auf Übungen. Denn wie kann etwas heilsam sein, wenn wir es mit zusammengebissenen Zähnen und verkniffenem Gesicht betreiben, »weil es ja so gesund sein soll«?
Heilung geht mit Freude einher, weckt die Lebensgeister und macht neugierig. Die Lebenslust steht im Mittelpunkt im Luna-Yoga. Alle Übungen wirken belebend und heilsam auf die Sexualorgane, verdeutlichen uns, welch gewaltige Lebenskraft in uns steckt. Dabei geht es weniger um technische Fertigkeiten oder reibungsloses Funktionieren, sondern um den Ursprung unseres Lebens. Luna-Yoga kann zu einer Vertiefung der Sexualität beitragen. Ein sinnlich-sinnvoller Umgang damit ist Anliegen vieler alter Kulturen und Traditionen.
Im tibetischen Tantra wird die sexuelle Kraft rituell verehrt. Yab, der Vater, und Yum, die Mutter, sind gleichwertig zum Erhalt der Erde notwendig. Durch die Vereinigung beider – Yab, im übertragenen Sinn die Methode, und Yum als Weisheit – kann Buddhaschaft erlangt werden: Erlösung und Befreiung. Das tibetische Tantra gibt Anweisungen für beides: die sexuelle Vereinigung von Mann und Frau wie auch die Verbindung der männlichen und weiblichen Energien in einer jeden Person.
Im indischen Hinduismus wird durch die Verbindung des männlichen Prinzips der Ordnung und Ruhe, verkörpert durch Shiva, mit dem weiblichen Prinzip des Chaos und der Energie, dargestellt als Shakti, die Welt erschaffen. Ähnlich tibetischen TantrikerInnen sehen Hindus die Erschaffung der Welt in jedem Liebesakt, der zugleich als Spiel der Göttin mit dem Gott gefeiert wird. Und genauso solle jeder Mensch Männliches und Weibliches in sich zur Harmonie führen.
Im Tao sind Yin, der weibliche, und Yang, der männliche Pol, die Pfeiler unserer Existenz. Sie ins Gleichgewicht zu bringen, immer wieder einen Ausgleich zu schaffen, erfordert lebenslange Meisterung.
Indianische Weltanschauungen sehen Mutter und Vater, Schwester und Bruder in allem, was uns umgibt. Keines herrscht über das andere, keines ist besser als das andere. Weiblich und männlich sind gleichermaßen notwendig zum Gedeihen auf Erden.
Bei australischen Aborigines feiern Frauen und Männer jeweils ihre eigenen Zeremonien, träumen ihre eigenen Pfade. Und sie träumen, feiern auch gemeinsam, visualisieren ihre Wege und Pfade. Alle Rituale sind gleich wertvoll und wichtig. Zeugung und Empfängnis eines Kindes werden bei ihnen von Frau und Mann »herbeigeträumt«.
Von all diesen traditionellen Konzepten ließ ich mich inspirieren und integrierte ins Luna-Yoga, was hilfreich schien und Freiheit versprach wie auch Verbundenheit einschloss.
Luna-Yoga möchte die Lebensenergie wecken und fördern. In den Übungen erfahren wir über den Körper mehr über unsere Gefühle, heilen mit dem Körper die Seele, den Geist. Mit Beispielen aus der Praxis zeige ich, was Frauen und Männer mit Hilfe von Luna-Yoga verwirklichen konnten.
Astrid, 17, Schülerin, hatte »höllische« Schmerzen während der Menstruation. Sie hoffte, durch Luna-Yoga die Angst vor ihrer monatlichen Blutung zu verlieren. Allerdings hatte sie Bedenken, ob sie die Disziplin für regelmäßige Übungen aufbringen würde. Ein paar Mal kam sie zu Einzelstunden, die sie teils von ihrem Taschengeld bestritt, teils von ihrer Mutter bezahlt bekam. Fast regelmäßig »trainierte« Astrid, wobei sie sich auf diejenigen Übungen »stürzte«, die ihr besonders viel Spaß machten. Als ihre nächste Blutung beinah »ereignislos« verlief, war sie überrascht. Inzwischen übt Astrid nur noch ab und zu – ihre Mens ist fast immer schmerzfrei.
Eva, 20, lebt in einer Wohngemeinschaft. Sie weiß noch nicht, was sie nach dem Abitur machen wird. Ess-, brech- und magersüchtig möchte sie diesem Teufelskreis entrinnen und ihre Blutung wiederhaben, die wohl aufgrund der Magersucht seit über zwei Jahren ausbleibt. Nach einem Wochenendseminar, von dem sie einen Grundstock an Übungen mitnimmt, baut sie eine halbe Stunde pro Tag für Luna-Yoga ein. Nach einem Vierteljahr blutet sie wieder und erlaubt sich seither ihren eigenständig wechselnden Rhythmus. Mit Essen freundet sie sich langsam auf ihre Art an, findet ein paar kleine Rundungen mittlerweile »ganz hübsch«.
Inga, 29, möchte das Abitur nachholen, hat starke prämenstruelle Spannungen und fühlt sich vor der Periode jedes Mal mehrere Tage schlapp und müde: Luna-Yoga hilft ihr zu erkennen, wo und wann sie Ruhe braucht. Denn beim täglichen Üben – und sei es nur für zehn Minuten – bemerkt sie genau, wie ihr körperlich zumute ist, und da sie sehr strukturiert sein kann, richtet sie es sich häufig so ein, dass sie dem Bedürfnis des Körpers nachgibt und sogar ab und zu ein Mittagsschläfchen hält. Mit Hilfe von Entspannungsübungen und Atemtechniken hat sich die Spannung langsam gelöst. Sie nimmt sich mehr Zeit für sich selbst und lebt ihr Bedürfnis nach Stille und Zurückgezogenheit aus.
Olga ist Mitte 30 und leidet unter Myomen. Starke Schmerzen während der Regel hindern sie manchmal sogar am Arbeiten. Die Ärzte raten zu Teil- oder Totaloperationen. Olga hingegen will alternative Lösungen versuchen. Nach ein paar Wochen täglichen Luna-Yoga-Übens lassen die Schmerzen nach. Die Myome »scheinen« den Ärzten kleiner geworden zu sein.
Die bald 40-jährige Schulpsychologin Myriam in Australien hat einen ausgefüllten Tagesablauf, nicht nur, was die Arbeitszeit anbelangt, auch ihre Freizeit ist verplant. An jedem Tag gibt es ein anderes sportliches oder kulturelles Programm. Nun möchten Uri und sie endlich ein Kind. Da es nicht schnell genug klappt, wollen beide noch Luna-Yoga lernen. Als ich mit der ersten Stunde beginne, frage ich mich, wo da überhaupt noch Platz für ein Kind wäre, geschweige denn Zeit für die Liebe, sage aber nichts. Beim zweiten Mal hat Myriam ihr dienstägliches Joggen aufgegeben. Als ich das dritte Mal komme, fiel der Donnerstagnachmittag mit Bridgespielen weg. Bei der vierten Sitzung haben Uri und Myriam beschlossen, sich mehr Zeit für spontane Gemeinsamkeiten zu nehmen. Fünfter Termin: Myriam wartet auf ihre Blutung. Als ich wieder in Europa bin, erreicht mich die Nachricht ihrer Schwangerschaft.
Uma, zwischen 40 und 50, erfolgreich im Beruf, glaubt, ihre Menopause kündige sich an. Sie möchte keine Hormonkur, zu der ihr die Medizin »wohlwollend« rät, und beginnt mit Luna-Yoga. Die Hitzewallungen klingen ab, sie fühlt sich leichter, heiterer und gelöster. Ihr gefällt, dass sie die Übungen nach Lust und Laune machen kann und nicht ein »starres Programm« durchziehen muss.
Der 63-jährigen Elisabeth steht wegen eines carcinoma in situ eine Totaloperation bevor. Sie scheut die Narkose wie den Gedanken an eine Operation und gibt sich ein halbes Jahr Zeit. Als sie danach wieder zur Untersuchung kommt, will der Gynäkologe weder ihr noch seinen Augen trauen: Im Abstrich sind keine Zell- oder Zellkernveränderungen mehr nachweisbar. Dem Mediziner erscheint es unwahrscheinlich, dass eine andere Einstellung zum Leben und Luna-Yoga die Genesung bewirkten.
Georgia, hochbegabte Flötistin aus den USA, und ihr ebenso talentierter Mann, Pianist, beide in den Dreißigern, hegen seit Langem einen Kinderwunsch. Doch Georgia hat sehr unregelmäßige Eisprünge, ist mollig rund. Leonardos Spermiogramm weist nur wenige voll ausgereifte lebendige Samen auf. Sie beginnen mit Luna-Yoga, haben Spaß an den Übungen, an gemeinsamen Tänzen. Sie haben sich ein tägliches Übungsprogramm von zwanzig Minuten zusammengestellt, und einmal im Monat nehmen sie sich vier Tage Zeit, um je eine Stunde Luna-Yoga zu machen. Sie haben die Tage in der Mitte des Zyklus ausgewählt, um einen Eisprung auszulösen. Vier Monate später ist Georgia schmaler und schwanger. Leonardo fühlt sich kräftiger und beweglicher. Sein Spermiogramm ist deutlich besser ausgefallen.
Die 77-jährige Pascale klagt über trockene Haut und empfindliche Schleimhäute. Luna-Yoga bereitet ihr auf Anhieb Freude, und sie fühlt sich mit ihrer »maßgeschneiderten« Trainingsserie von sanften Spürübungen und harmonisierenden Atemtechniken »pudelwohl«. Das Hautjucken ist verschwunden, sie fühlt sich frisch, und auch die Schleimhäute gewinnen langsam ihre Feuchtigkeit wieder zurück.
In Kanada hatte sich in den 1980er Jahren eine ganze Hausgemeinschaft für Luna-Yoga interessiert. Frauen und Männer fanden großes Vergnügen daran und kamen regelmäßig zum Luna-Yoga-Abend als gemeinsames Gruppenerlebnis zusammen.
In Zürich und München gab es in den 1990er Jahren eine Freundinnengruppe von 40-bis 60-jährigen Frauen. Jeden Monat trafen sie sich und übten Luna-Yoga. Nicht nur die sanften Spür- und Atemübungen standen bei diesem Freundinnentreff auf dem Programm, sondern auch die Tänze, denn die Damen wollten ihre Menopause hinauszögern. Mehrere Jahre waren zwischen fünf und zehn Frauen eifrig am Üben und behielten so ihre monatliche Blutung bei. Bei fast allen trat sie dann zur gleichen Zeit auf. Nach mehr als drei Jahren lösten sich die Gruppen auf, einige Frauen berichteten mir abschließend, dass sie stets viel Freude am »gemeinsamen Atmen, Tanzen, Entspannen« hatten.
Mein eigenes Beispiel: Ich entdeckte Aviva Steiner, als ich an einem carcinoma in situ am Gebärmutterhals litt und nach Alternativen zur Operation suchte. Nach vier Tagen Einzelunterricht bei Aviva Steiner in Israel kehrte meine bald zwei Jahre ausgebliebene Blutung zurück, und auf meinem neuen Weg ließ ich dann auch bald die Krankheit hinter mir, heilte mich selbst mit Hilfe und Unterstützung von anderen und durch das Ausprobieren verschiedener, mir natürlich erscheinender Möglichkeiten.
Luna-Yoga kann – ohne dass ich es hier als Allheilmittel propagieren will – bei Problemen und Krankheiten den Heilungsprozess unterstützen:
- Eisprung wie Blutung können angeregt werden.
- Die Empfängnisbereitschaft lässt sich verstärken.
- Die Einnistung eines Eis kann verhindert werden.
- Die Muskeln des Beckenbodens, die Gebärmutter (die auch ein Muskel ist) und das Bindegewebe lassen sich durch Luna-Yoga kräftigen. Dies ist besonders wichtig für Frauen, die zu Fehlgeburten neigen.
- Zysten und Myome verkleinern sich oder verschwinden ganz.
- Zell- und Zellkernveränderungen, Präcancerosen gehen zurück.
- Schmerzen vor und während der Mens werden gelindert.
- Endometriosen lassen sich abbauen.
- Prämenstruelle Spannungen lösen sich.
- Der gesamte Zyklus wird harmonisiert.
- Wechseljahresbeschwerden tauchen erst gar nicht auf oder werden gemildert.
- Hautfunktionen bessern sich, der pH-Wert normalisiert sich, der Hautwiderstand wird gekräftigt, die Befeuchtung auch der Schleimhäute wird angeregt.
- Der Teufelskreis von Ess- und Magersucht wird durchbrochen.
- Ein neues Bild von Frausein bahnt sich den Weg.
Bei Männern hilft Luna-Yoga, die Qualität wie auch die Quantität der Spermien zu verbessern. Paare gelangen vom Kinderwunsch zum Wunschkind. Manch ein Paar entdeckt, dass eine andere Art von Fruchtbarkeit der Beziehung förderlich ist: Kreativität, neue Ansichten über den Stellenwert der Arbeit, Berufswechsel, neue Ebenen der Partnerschaft und anderes.
Die Freude an der Sexualität vertieft sich bei Männern wie Frauen. Manche Frauen kommen durch Luna-Yoga erstmals zu einem Orgasmus.
Luna-Yoga ist weder ein Wundermittel noch eine Technik. Es wirkt nur, wenn die übende Person tatsächlich bereit für Änderungen ist. Natürlich ist es wichtig, Krankheiten abklären zu lassen, fachlichen Rat einzuholen, um sich frei entscheiden zu können. Luna-Yoga kann medizinische Verordnungen wunderbar ergänzen. Es stärkt die Selbstheilungskräfte, weckt Lebenslust und fördert oftmals ungeahnte Energien zutage. Ich möchte Luna-Yoga als Vademecum bezeichnen. Das heißt wörtlich übersetzt: »Geh mit mir!«
Luna-Yoga begleitet uns auf dem Weg zu unseren inneren Welten und Werten. Möglicherweise entdecken wir dabei unsere innere Meisterin, die Stimme der Intuition, die eine weise Führerin ist.