Dem britischen Pfarrer und Wissenschaftler Joseph Priestley wird im Allgemeinen die Entdeckung des Sauerstoffs zuerkannt. Er entdeckte auch die Gase Stickoxid, Stickstoff-Dioxid, Lachgas, Chlorwasserstoff, Ammoniak, Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid, Stickstoff und Siliziumtetrafluorid. Und er brachte die Bläschen ins Sodawasser.
Vor Priestleys Arbeit kannte man drei Sorten »Luft«: Luft im Sinne unseres gängigen Sprachgebrauchs, Kohlendioxid und Wasserstoff. Priestley hatte Kohlendioxid in einer Brauerei in Leeds beobachtet, wo es sich über gärendem Bier anlagerte.
Kohledioxid ist ein Nebenprodukt der Gärung. Wenn Hefe gärt, wird Zucker in Ethanol und Kohlendioxid umgewandelt. Priestley fand heraus, dass ein angenehm perlendes Wasser entstand, wenn man Wasser mittels Kohlendioxid sprudeln ließ. Bei Sodawasser handelt es sich einfach um Wasser, das mit Kohlensäure (H2CO3) versetzt wird. Diese wiederum ist eine Kombination aus Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) und verleiht dem Sodawasser seinen charakteristischen »Biss«, wenn sie mild auf der Zunge brennt.
Priestley entwickelte dann eine Methode zur Herstellung von Sodawasser, bei der er Wasser, Schwefelsäure (H2SO4) und Kalk (Kalziumkarbonat: CaCO3) mischte. Die Säure reagierte mit dem Kalk und es entstanden Kohlendioxid, Calciumsulfat (CaSO4) und noch mehr Wasser. Das Kohlendioxid wird dann in das Wasser eingeleitet, um Kohlensäure herzustellen (siehe Gleichung 118.1). Priestley beschrieb diesen Prozess 1772 in seinem Buch Directions for Impregnating Water with Fixed Air.
Doch sein größter Erfolgt war 1774 die Entdeckung des Sauerstoffs. Priestley nutzte eine Linse, um Sonnenlicht auf Quecksilberoxid (HgO) zu fokussieren. Dieses wurde so auf über 400°C erhitzt und zerfiel in Quecksilber und Sauerstoff. Er bemerkte, dass das Gas, das er »dephlogistionierte Luft« nannte, Kerzen heller scheinen ließ, das Mäuse mit einer bestimmten Menge dieses Gases länger lebten als mit der gleichen Menge Luft, und das das Einatmen dieses Gases ein wohliges Gefühl erzeugte.
Er nannte Sauerstoff »dephlogistionierte« Luft, weil er glaubte, dass es sich um Luft handelte, aus der das »Phlogiston« entfernt worden war. Von diesem mystischen Element nahm man zu jener Zeit an, dass es für die Entflammbarkeit von Materialien verantwortlich war. Man glaubte, dass bei der Verbrennung von Dingen Phlogiston freigesetzt würde. Priestley beobachtete, dass Sauerstoff die Verbrennung verlängerte, und erklärte dies damit, dass mehr Phlogiston freigesetzt würde als bei normaler Luft (von der er annahm, dass sie bereits eine bestimmte Menge an Phlogiston enthielt). Er blieb seiner Phlogiston-Theorie auch dann noch treu, als der Franzose Antoine Lavoisier bewiesen hatte, dass diese nicht stimmt. Lavoisier gab Wasserstoff und Sauerstoff dann auch ihre Namen und zeigte, dass Menschen Sauerstoff atmen, um Leben zu können.
Priestley war ein englischer Dissident, ein Priester, der mit der anglikanischen Kirche gebrochen hatte, und ein politischer Theoretiker, der die französische Revolution unterstützte. 1791 führten seine Ansichten dann zu den Birmingham-Unruhen, bei denen sein Heim, seine Kirche und andere Gebäude bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurden. 1794 emigrierte Priestley in die Vereinigten Staaten, wo er in Northumberland, Pennsylvania, eine neue Heimat fand und 1804 starb.
Heute ist das Joseph Priestley House ein Museum, das Priestleys Lebens und Arbeit würdigt. Obwohl sein Hab und Gut nach seinem Tod in alle Winde verstreut wurde, versetzte man das Haus wieder in den Zustand, in dem es sich zu seinen Lebzeiten befand, einschließlich seines Laboratorium, das nun Nachbildungen seiner Gerätschaften beherbergt.
Von Zeit zu Zeit werden in seinem Haus Heritage Days organisiert, bei denen kostümierte Darsteller die Rolle der Priestley-Familie übernehmen und Priestleys Experimente demonstriert werden. An den übrigen Tagen werden Priestleys chemische Experimente und seine Zeit in den USA im Rahmen geführter Rundgänge veranschaulicht.
Das Haus ist auch eine Wallfahrtsstätte der American Chemical Society, die dort besonderer Momente in der Geschichte der Chemie gedenkt.
Die Website des Joseph Priestley House finden Sie unter http://www.josephpriestleyhouse.org/.





