51° 31′ 53.71″ N, 9°54′ 37.18″ E
Die über 1000 Jahre alte Stadt Göttingen kennt man wohl am ehesten wegen ihrer berühmten Universität. Die Georg-August-Universität Göttingen wurde 1734 gegründet und konnte einige der größten Wissenschaftler Europas begrüßen (und auch ausgewählte Könige und Politiker wie Otto von Bismarck). Leider wird Göttingen nur selten als eine von Europas Top-Universitäten genannt (diese Ehre heimsen Oxford, Cambridge und andere ein), obwohl hier einige der besten wissenschaftlichen Köpfe der vergangenen 300 Jahre gefördert wurden.
Die Mathematiker Wilhelm Ackermann, Carl Friedrich Gauss, Richard Dedekind, Bernhard Riemann, Felix Klein, Johann Peter Gustav Lejeune Dirichlet und David Hilbert studierten und lehrten alle an der Georg-August-Universität. Zu den mit Göttingen verbundenen Physikern zählen Paul Dirac (Nobelpreis 1933), Max Born (Nobelpreis 1954), J. Robert Oppenheimer (siehe auch „Praktische Informationen“), Max Planck (Nobelpreis 1918), Enrico Fermi (Nobelpreis 1938), Werner Heisenberg (Nobelpreis 1932) und Wolfgang Pauli (Nobelpreis 1945). Chemiker sind ebenfalls zahlreich vertreten: Adolf Butenandt (Nobelpreis 1939), Otto Hahn (Nobelpreis 1944), Walter Haworth (Nobelpreis 1937), Gerhard Herzberg (Nobelpreis 1971), Irving Langmuir (Nobelpreis 1932) und Walther Nernst (Nobelpreis 1920). Andere Nobelpreisträger studierten oder lehrten ebenfalls hier.
Insgesamt kann sich Göttingen mit 44 Nobelpreisträgern schmücken. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass die Universität Museen für Mathematik, Physik und Chemie betreibt. Dennoch beginnt man eine Tour durch Göttingen am besten bei den Toten. Auf Göttingens Stadtfriedhof gibt es mehr Gräber von Nobelpreisträgern pro Quadratmeter als überall sonst auf der Welt.
Der Friedhof liegt westlich des Stadtzentrums in einem wunderschönen, bewaldeten Gebiet, das für eine innere Einkehr wie geschaffen zu sein scheint (wie vieles in Göttingen). Wenn Sie den Friedhof von Nordwesten über die Kasseler Landstrasse betreten, ist Max Borns Grab eines der ersten auf das Sie treffen. Als Zeugnis dafür, dass es sich hier um einen Wissenschaftler handelt, wurde sein Grab mit einer Gleichung versehen: pq – qp = h/2πi.
p ist hier der Impuls und q der Ort eines Teilchens, und die Formel besagt, dass die Multiplikation dieser beiden Werte nicht kommutativ ist (siehe auch Abbildung 25.3). d.h., pq ist nicht gleich qp, anderenfalls wäre pq – qp Null. Die Formel ist ein Ausdruck der Heisenbergschen Unschärferelation, die besagt, dass es nicht möglich ist, den Ort und den Impuls eines Teilchens gleichzeitig zu beobachten.
In der Nähe befindet sich das Grab des Physikers Wilhelm Weber (er starb 1891), nach dem die SI-Einheit des magnetischen Flusses (Weber, Wb) benannt ist. Nicht weit entfernt von den beiden Physikern liegt der Chemiker Friedrich Wöhler begraben, der 1828 den Harnstoff [(NH2)2CO] synthetisierte und eher aus Versehen ein Pionier der organischen Chemie wurde.
Weiter im Inneren des Friedhofs, rund um die Kapelle verteilt, liegen drei Gräber von wissenschaftlichem Interesse: Dort ruhen der Chemiker Otto Wallach, der Mathematiker Felix Klein (leider ist kein Diagramm einer Kleinschen Vierergruppe auf seinem Grabstein abgebildet; eine Einführung in die Gruppentheorie finden Sie im folgenden Kasten) und Karl Schwarzschild, dessen Beitrag zur Astrophysik mit einem Globus auf seinem Grabsein gewürdigt wird.
Auf der anderen Seite des Friedhofs liegen andere Berühmtheiten nahe beieinander. Es gibt einen einfachen Stein für den Mathematiker David Hilbert, in den die Worte »Wir müssen wissen. Wir werden wissen« eingraviert sind. Von dort ist es nur ein kurzer Weg zum Grab von Max Planck, dessen Namen und Konstante Sie auf einem ähnlich einfachen Grabmahl finden.
Rechts neben Plank liegt Otto Hahn begraben, der die Kernspaltung entdeckte – ein kleines Diagramm auf seinem Grab zeigt, wie Uran ein Neutron absorbiert (siehe die Kaliumjodid und die Schilddrüse und Der Brüterreaktor). Als nächstes findet man die letzte Ruhestätte des Physikers Walther Nernst, der neben dem Chemiker Adolf Windaus begraben liegt. Dieser erhielt den Nobelpreis unter anderem dafür, dass er zeigte, wie Cholesterin in das Vitamin D3 umgewandelt wird.
Anschließend kann man dem Grab des Physikers Max von Laue einen Besuch abstatten. Er wurde bekannt durch seine Arbeit an der Röntgenstrahlbeugung durch Kristalle. Diese wurde später sehr wichtig, um die Struktur der DNA zu entschlüsseln (siehe Replikation). Die Gruppe wird durch die Chemiker Richard Adolf Zsigmondy und Gustav Tammann vervollständigt.
Wenn Sie diese Anhäufung großer Namen von berühmten Wissenschaftlern auf dem Stadtfriedhof noch nicht gänzlich erschlagen hat, besuchen Sie einfach noch den Albanifriedhof (auch Cheltenham-Park genannt), der sich östlich des Stadtzentrums befindet. Hier liegt ein letzter großer Geist begraben: der Mathematiker und Wissenschaftler Carl Friedrich Gauss.
Göttingens Fremdenverkehrsbüro stellt Informationen zur Anfahrt zu den beiden Friedhöfen bereit: http://www.goettingen.de/. Mehr über die Gruppentheorie und den Zauberwürfel erfahren Sie unter http://www.usna.edu/Users/math/wdj/rubik_nts.htm.



