51° 40′ 18.5″ N, 0° 15′ 23.6″ E
Der Atombunker Kelvedon Hatch sieht aus wie ein geheimer Schlupfwinkel aus einem Spielfilm. Wenn man in diesem Teil von Essex ankommt, sieht man nur einen in einer bewaldeten Landschaft eingebetteten Bungalow. Doch dieser Bungalow ist der Eingang zu einer geheimen unterirdischen Einrichtung, die bis zu 600 Leute beherbergen konnte.
Der Bunker wurde 1952 gebaut und war bis 1994 die Zufluchtsstätte der Zentralregierung für den Fall eines Atomkriegs. Im Bungalows gibt es einen 120 Meter langen Tunnel, über den man die unterste Ebene der Einrichtung erreicht. Am Ende des Tunnels befinden sich 1,5 Tonnen schwere explosionssichere Türen, die den Bunker vor einer Atomexplosion schützen sollten.
Im Inneren befinden sich Geräte zur Stromerzeugung, zum Filtern von Luft, zur Druckerzeugung (der Bunker hatte einen höheren Luftdruck, um das Eindringen radioaktiven Niederschlags zu verhindern) und zur Wasserversorgung aus einem tiefen Bohrloch. Ein Großteil der Bunker-Gerätschaften diente der Kommunikation mit der Außenwelt und allen anderen Militärbunkern des Landes. Es gibt sogar einen BBC-Senderaum für nationale Übertragungen.
Über der Etage mit den Gerätschaften befindet sich ein Stockwerk, das ausschließlich als Arbeitsbereich der Regierung fungierte. Hier findet man amüsante Technik aus den 1980ern auf den Tischen, die immer noch darauf wartet, eingesetzt zu werden. Offensichtlich sollte der Atomkrieg mit Apple II-Rechnern, Commodore PETs, Wählscheibentelefonen und Teletype-Maschinen bewältigt werden.
In der obersten Etage gibt es Schlafsäle mit Etagenbetten, einen kleinen Operationssaal, Badezimmer und eine Kantine, in die heutigen Besucher einen Imbiss genießen können. Während des kalten Krieges waren genug Nahrungsmittel vorhanden, dass die Insassen drei Monate überleben konnten, ohne an die Oberfläche kommen zu müssen.
Viele Bereiche des Bunkers wurden etwas aufgepeppt, damit die Besucher eine Ahnung vom Leben im Untergrund bekommen: Schaufensterpuppen warten darauf, ihre Regierungsaufgaben zu erfüllen. Der Britische Premierminister John Major (der im Amt war, als der Bunker geschlossen wurde) scheint in seinem Bett zu schlafen, während Margaret Thatcher im BBC-Raum eine Ansprache vorbereitet.
Der Bunker ist von einer drei Meter dicken Betonmauer umgeben. Über dem Bunker sind riesige Betonplatten im Boden eingelassen, die einen entsprechenden Schutz bei einem Atomschlag bieten sollten. Die Betonmauer ihrerseits ist von einem faradayschen Käfig umgeben, als Schutz vor einem elektromagnetischen Impuls (siehe Kasten) und vor Wassereinfall.
Der oberste Teil des Bunkers liegt 6 Meter unter der Oberfläche. Von Außen ist nur der 46 Meter hohe Sendemast zu erkennen.
Details zum Kelvedon Hatch-Atombunker finden Sie unter http://www.secretnuclearbunker.com/. Der Bunker ist gut ausgeschildert mit amüsanten Schildern, die auf den »Geheimen Atombunker« hinweisen. Der Eintrittspreis schließt einen einstündigen Audiokommentar ein.


