37° 24′ 51.74″ N, 122° 4′ 36.54″ W
Nahezu alle großen Wissenschaftsmuseen dieser Welt widmen sich partiell auch der Geschichte der Computertechnik, doch alle verblassen im Vergleich mit dem Computer History Museum in Mountain View in Kalifornien. Das Museum ist im alten Silicon Graphics–Hauptquartier, ebenfalls ein Silicon Valley-Kultobjekt, untergebracht, das im Jahr 2002 vom Museum gekauft wurde. Silicon Graphics war früher ein Hersteller von Hochleistungs-Grafikcomputern, die in den 1990ern Filme wie Jurassic Park erst möglich machten. Das frühere Hauptquartier des Unternehmens befindet sich am North Shoreline Boulevard neben dem Charleston Park. Design und die Architektur des Gebäudes zeugen von dem extremen Wohlstand des Silicon Valley vor dem Ende des Internet-Booms.
Das Museum entwickelt sich ständig weiter und stellt so viele Informationen wie möglich online auf einer ausgezeichneten Website (http://computerhistory.org/), aber auch im Gebäude selbst zur Verfügung. Doch im Gegensatz zu anderen Computer-Museen (einschließlich des verzichtbaren Tech Museum of Innovation in San Jose) wird im Computer History Museum die Geschichte des Computers über die vielen Ausstellungen wirklich lebendig. Den Durchschnittsbesucher werden die sehr verständlich formulierten Informationen erfreuen, während sich die wahren Freaks mit allen nur erdenklichen Details füttern lassen können. Ein Besuch bringt Ihnen am meisten, wenn Sie an einem der von Dozenten geführten Rundgänge teilnehmen. Diese Rundgänge bestehen nicht aus abgedroschenen Vorträgen: Die Maschinen der Sammlung werden wirklich zum Leben erweckt. Darüber hinaus ist der Eintritt frei. Allerdings wird das Museum durch Geld- und Sachspenden, beispielsweise von Geräten oder Software, unterstützt. Spenden von Besuchern sind daher gerne gesehen.
Ein Rundgang, der alle 500 ausgestellten Stücke der Sammlung umfasst, bietet eine gute Orientierung. Die Sammlung enthält Teile des SAGE (Semi-Automatic Ground Environment; siehe Abbildung 86.1) aus dem Jahre 1954, der während des Kalten Krieges Teil der amerikanischen Luftverteidigung war. SAGE wog 300 Tonnen und bot dem betreffenden Bedienpersonal (das nach sowjetischen Bombern Ausschau hielt) nur einen Komfort: einen Zigarettenanzünder. Einige Teile des SAGE-Systems waren 1983 immer noch in Betrieb, wobei die Ersatzteile dann in Ostblockländern gekauft werden mussten, weil sie in den USA nicht mehr vertrieben wurden.
Die 1960er-Jahre-Ausstellung beinhaltet den damals marktführenden IBM 360- Mainframe mit seinen rotierenden Bandlaufwerken. Am Honeywell Kitchen Computer, der 1969 von der Warenhauskette Neiman Marcus verkauft wurde, zeigen sich die Attitüden der 1960er. Der Werbeslogan lautet frei übersetzt: »Wenn sie doch nur so gut kochen würde, wie der Honeywell rechnet«. Der Computer besaß ein Küchenbrett und enthielt eine einprogrammierte Rezeptsammlung. Es ist nicht bekannt, ob auch tatsächlich Exemplare verkauft wurden.
Das Museum besitzt auch eine hervorragende Sammlung von Supercomputern, einschließlich einer CRAY-1, einer CRAY-2 und einer CRAY Y-MP, sowie eine Connection Machine CM-1. Die jüngere Computergeschichte umfasst die PC-Revolution, einschließlich des Altair 8800 (der Bill Gates dazu veranlasste, Harvard zu verlassen und »Micro-Soft« zu gründen), einen Apple I, den original IBM PC, den fast schon portablen Osborne 1 Portable Computer (der nur etwa 12 Kilogramm wog!), den Commodore 64, die Apple-Computer Lisa und Macintosh sowie einen französischen Minitel. Neben den Geräten verwahrt das Museum auch Software wie Microsoft Windows 1.0 sowie Peripheriegeräte wie den Dover-Laserdrucker aus dem Jahr 1978.
Die Vor-Computer-Zeit ist mit einer Sammlung mechanischer Geräte wie Rechenschiebern, einer mit Lochkarten arbeitenden Hollerith Census Machine aus dem Jahr 1889 und einem Jacquard-Webstuhl, bei dem für das Weben ebenfalls Lochkarten eingesetzt wurden, vertreten.
Absolut sehenswert ist eine Demonstration der Funktionsweise der weltweit einzigen funktionierenden DEC PDP-1. Diese wird zweimal im Monat an einem Samstagabend zu Vorführzwecken in Betrieb genommen. Die PDP-1 wurde erstmals 1959 gebaut (das ausgestellte Exemplar stammt aus dem Jahr 1963 und wurde 2004 wieder in einen betriebsfähigen Zustand versetzt) und war der erste kommerzielle interaktive Minicomputer. Daten wurden über Lochkarten oder Magnetbänder eingegeben. Die Interaktion des Benutzers mit der Maschine erfolgte mittels einer Kombination aus Schreibmaschine und Drucker oder eines Bildschirms und eines Lichtgriffels. Die PDP-1 verfügte über einen Speicher von etwa 9 Kilobit. Dies war jedoch ausreichend für ernsthafte wissenschaftliche Anwendungen, für Musik und sogar für ein Spiel: Spacewar!.
Spacewar! wird auf der PDP-1 vorgeführt: Zwei Spieler umkreisen mit ihren Raumschiffen einen Stern und versuchen, sich dabei gegenseitig zu zerstören, ohne in das Anziehungsfeld des Sterns zu geraten.
Das Computer History Museum befindet sich am North Shoreline Boulevard in Mountain View und ist direkt über die Bundesstraße 101 zu erreichen (Ausfahrt Shoreline Boulevard). Sie können auch den Caltrain Shoreline Shuttle bis zur Mountain View Caltrain Station nehmen. Alle Details finden Sie auf der Museums-Website unter http://computerhistory.org/.









