Im Jahr 1905 lebte Albert Einstein in Bern in der Schweiz. Er bearbeitete als Angestellter Patentanträge im Patentamt. Im gleichen Jahr gab er seine Dissertation ab und veröffentlichte vier Werke, die die Physik für immer veränderten. Diese Werke des Annus Mirabilis behandelten den photoelektrischen Effekt, die Brownsche Bewegung, die spezielle Relativität und die Beziehung zwischen Materie und Energie.
Einstein bekam 1921 den Nobelpreis für seine Erklärung des photoelektrischen Effekts. Man hatte beobachtet, dass Materie Elektronen abgibt, wenn sie Licht absorbiert. Einstein erklärte, dass das Licht nicht kontinuierlich absorbiert wird, sondern in diskreten Energiepaketen, Quanten genannt. Diese Einsicht untermauerte den Welle-Teilchen-Dualismus, dessen Richtigkeit später experimentell bewiesen wurde.
Der Aufsatz zur Brownschen Bewegung half dabei, zu beweisen, dass Atome mehr als Theorie sind. Er zeigte, dass es möglich sein sollte, die Bewegung von Atomen und Molekülen unter dem Mikroskop zu beobachten. Der französische Physiker Jean Perrin ließ sich durch diesen Aufsatz inspirieren, die Brownsche Bewegung zu untersuchen, und konnte experimentell nachweisen, dass Einstein richtig lag. Er veröffentlichte die Ergebnisse 1913 in seinem Buch Les Atomes.
In dem Aufsatz zur speziellen Relativitätstheorie wurde die Idee entwickelt, dass die Lichtgeschwindigkeit immer gleich ist, und zwar unabhängig von der Bewegung der Lichtquelle. Auch Newtons Axiome wurden erweitert. Newton lag zwar bei den für ihn zu beobachtenden Geschwindigkeiten richtig, doch Einstein zeigte, dass in der Nähe der Lichtgeschwindigkeit andere Gesetze herrschen.
Einsteins letzter Aufsatz enthielt die berühmte Gleichung E = mc2 und erläuterte die Äquivalenz zwischen Masse und Energie. Die Gleichung half bei der Vorhersage der möglichen Energie einer Atomexplosion. Ein überraschender Nebeneffekt war die Erkenntnis, dass ein System Masse gewinnt, wenn es Energie aufnimmt, und umgekehrt (z. B. hat eine komprimierte Feder eine größere Masse als eine unkomprimierte).
Einsteins Wunderjahr wird im Historisches Museum Bern mit einer besonderen, ständigen Ausstellung, dem Einstein-Museum, gedacht, und auch im Einstein-Haus selbst.
Das Historische Museum Bern ist ein allgemeines Geschichtsmuseum mit Ausstellungen zur Schweizer Archäologie. Außerdem können die Arbeiten von Künstlern aus dem Raum Bern hier bewundert werden. Die einzige wissenschaftliche Ausstellung aber ist die Einstein-Ausstellung im Hauptmuseum. Sie ist recht groß und dokumentiert Einsteins Leben und Werk von der Kindheit über sein Studium an der ETH Zürich, seine Arbeit in Bern, die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie bis hin zu seinen Jahren in Princeton.
Neben Objekten aus Einsteins Leben finden Sie gut durchdachte Erläuterungen zur Relativität, das Michelson-Morley-Experiment (siehe Kasten) und das Myon-Experiment, bei dem durch kosmische Strahlung erzeugte Myonen untersucht werden, die auf die Erdatmosphäre treffen. Mit diesen konnte Einsteins Vorhersage der Zeitdilatation – die Vorstellung, dass die Zeit keine Konstante ist – bestätigt werden. Alles in allem sollte man die Ausstellung nicht verpassen.
In Bern befindet sich auch das Einstein-Haus. Während seines Annus Mirabilis lebte Einstein dort in der Kramgasse 49 mit seiner Frau und seinem Sohn. Die Wohnung wurde wieder in ihren Zustand von 1905 versetzt. Sie beherbergt eine kleine Ausstellung zu Einsteins wissenschaftlichen Errungenschaften.
Die Website des Historischen Museums Bern finden Sie unter http://www.bhm.ch/, und die des Einstein-Hauses unter http://www.einstein-bern.ch/.


