Digger und Heap trieben Benny und Nix mit Schlägen und Tritten in das Hotel. Preacher Jack folgte ihnen und summte vor sich hin. Benny war sich sicher, dass es sich dabei nicht um ein Kirchenlied handelte.
Sie erreichten die Eingangshalle, die bis unter die Decke mit geplünderten Waren aus den umliegenden Städten vollgestopft war. An jedem freien Stück Wand standen massive Regale, die jede Menge Konservendosen enthielten, dazu Säcke mit Getreide, Gläser mit Kräutern und Gewürzen und unzählige Flaschen, von teurem Olivenöl bis zum Kentucky Whiskey. Eines der Wandregale reichte vom Boden bis zur Decke und präsentierte die unterschiedlichsten Waffen: Schrotflinten, Gewehre, automatische Waffen, Raketenwerfer und alle Arten von Handfeuerwaffen. Die meisten davon kannte Benny nur aus Büchern. Außerdem standen viele Fässer mit Bajonetten, Macheten, Schwertern, Speeren, Äxten und Knüppeln herum. An einer Wand stapelten sich sechs Kisten mit der Aufschrift C4. Benny hatte noch nie davon gehört, aber auf jeder Kiste stand in großen roten Buchstaben: ACHTUNG – SPRENGSTOFF.
Es waren genügend Waffen, um einen Krieg zu führen … oder das Ödland von den lebenden Toten zurückzuerobern. Benny sah, dass Nix sehnsüchtig auf die Waffensammlung starrte.
Digger bemerkte es ebenfalls und schlug sie auf den Hinterkopf. »Denk nicht mal dran.«
»Nicht mal im Traum«, murmelte Nix leise.
Benny biss die Zähne zusammen und schwor beim Grab seiner Eltern, diese Männer dafür bezahlen zu lassen, dass sie Nix angefasst hatten.
Sie schubsten Benny und Nix durch die Lobby und mehrere Treppen hinauf, bis sie an der Tür zu einer staubigen Mansarde standen. Das Zimmer war leer bis auf die Spinnweben.
»Macht es euch gemütlich«, meinte Heap, als er sie in den Raum schob. »Ruft den Zimmerservice, wenn ihr irgendwas braucht.« Die Männer lachten, während sie die Tür zuschlugen und sie dann von außen abschlossen.
Benny presste sein Ohr gegen die Tür und lauschte, bis er ihre Schritte auf den Stufen nicht mehr hören konnte. Dann drehte er den Türknauf. Er wackelte, aber das Schloss gab nicht nach, und die Tür war zu massiv, um sie einzutreten. Mit einem resignierten Seufzer wandte er sich an Nix. »Wir kommen hier raus«, versprach er.
Sie sah verwirrt und klein aus in dem staubigen Licht. »Wie denn? Benny – sie werden uns in die Zombiegruben werfen! Das haben sie auch mit meiner Mom gemacht!«
»Ich weiß … aber sie hat es überlebt, Nix … und sie war keine Kriegerin. Im Gegensatz zu uns. Erinnere dich: Klug wie ein Krieger.«
Nix schniefte. »Ich fühle mich gerade gar nicht wie ein Krieger.«
Benny zwang sich zu einem Grinsen. »Dann müssen wir uns eben darauf besinnen, klug zu handeln. Weißt du noch, was Tom gesagt hat? ›Wenn du dich in einer gefährlichen Situation befindest …‹«
»›… überprüfe sofort, was dir zur Verfügung steht.‹«
Sie schauten sich um. Das Zimmer war vollkommen leer. Nackter Boden, nackte Mauern mit Rissen im Putz, der teilweise abgebröckelt war und das dünne Holzständerwerk der Wände freilegte, eine Glühbirne, die von der Decke herabhing und schon seit 15 Jahren nicht mehr funktionierte, und ein zerbrochenes Fenster, das auf die Pferdekoppel hinausging.
»Okay«, sagte Benny, »also … besonders viel haben wir nicht.« Aber dann schaute er zu Nix und sah, dass sie lächelte. »Was ist?«
Sie sagte es ihm und dann lächelte auch er.
