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Chong hockte mit angezogenen Beinen an der Lehmwand. Die beiden Zombies lagen noch immer bei ihm in der Grube, stumm und reglos – doch das, was sie repräsentierten, war viel schrecklicher als ihr früheres Stöhnen und blindes Zugreifen.

Die Bisswunde an seiner Schulter war immer noch feucht vor Blut. Er hatte sich nicht darum gekümmert, hatte gar nichts getan, sich nur mit dem Rücken an die Lehmwand gelehnt und auf den Boden gleiten lassen. Die Zuschauer oben am Rand der Grube waren verschwunden, selbst der Verkohlte war nicht mehr da. Er hatte ein paar derbe Witze über ihn gerissen und gemeint, dass er »gleichzeitig gewonnen und verloren« hätte. Und einer der Wärter hatte ihm noch zugerufen, er solle sich »entspannen«, dann hatte sich die Menge lachend entfernt.

Wenn er den Kopf zur Seite drehte, konnte Chong die Bisswunde sehen. Seine Haut war zwischen die kräftigen Zähne des Zombies geraten, und als der Untote nach hinten stürzte, hatte der Druck seine Haut aufplatzen lassen und eine zerklüftete Wunde hinterlassen, die zuerst heftig geblutet hatte. Aber jetzt trat fast gar kein Blut mehr aus.

Chong schaute zur gegenüberliegenden Grubenwand. Der Lehm war kalt, dunkel und leblos, wie ein vielsagendes Fenster in seine eigene Zukunft. Auf dem Boden zwischen seinen nackten Füßen lag das Eisenrohr, die Waffe des Motor City Hammers, das Werkzeug eines Killers. Sie war mit altem und mit frischem Blut beschmiert und diente dazu, Menschen zu töten und Zombies zu befrieden.

Er hob das Rohr auf. Es war kalt und schwer. Konnte man mit so einer Waffe Selbstmord begehen? Was würde passieren, wenn er versuchte, sich selbst das Gehirn zu zertrümmern, aber es nicht schaffte? Was würde passieren, wenn er gar nichts unternahm? Er spürte keinerlei Veränderung in seinem Inneren. Ihm war schlecht, aber die Übelkeit hatte schon mit den Schlägen begonnen, die er gestern einstecken musste. Würde er es merken, wenn er sich wirklich infiziert hatte? Wie würde es sich anfühlen? Wie sehr würde er leiden müssen?

Das Eisenrohr lag massiv in seiner Hand. Chong schlug damit auf den Boden und wünschte, er könne aus der Grube entkommen und die Zeit, die ihm noch blieb, dazu nutzen, seinen eigenen Tod zu rächen. Er wollte nicht kampflos sterben.

Würde Lilah wenigstens das bewundern? Der letzte Kampf eines Kriegers, bei dem er so viele seiner Feinde mitnahm wie nur möglich?

Aber er wusste, dass der Verkohlte ihm diese Chance nie geben würde. Chong wusste, dass man ihn hier unten lassen würde, bis er sich in einen Zombie verwandelte oder gezwungen war, noch einmal zu kämpfen. Wut breitete sich in seiner Brust aus, und er schleuderte das Rohr von sich, so fest er konnte. Es flog durch die Grube, und als es, mit der Spitze voran, an der gegenüberliegenden Wand landete, löste es einen Klumpen Lehm heraus, halb so groß wie Chongs Faust. Dann fielen Lehm und Rohr zu Boden.

So viel zum Thema »Klug wie ein Krieger«, dachte er verbittert. Er schlang die Arme um den Kopf und versuchte, sich nicht vor dem Sterben zu fürchten.

Was genau 15 Sekunden lang funktionierte. Dann hob er den Kopf, schaute auf das Rohr und den Lehmklumpen, der sich aus der Wand gelöst hatte, und schließlich auf die Kerbe in der Wand.

Und trotz allem – trotz einer Zukunft, die so düster war wie diese kalte Wand – begann er zu lächeln.