50
Ich hasse sie. Hasse sie. Hasse sie.
Sie hören mir nicht zu. Keiner hört auf mich. Verdammte Schweine. Ich bin jetzt vierunddreißig Jahre alt und führe ein solches Leben, und das alles nur, weil …
Immer setzt sie ihren Kopf durch. Nur ihren Kopf. So ist es heutzutage; die Feministinnen haben alle mit ihren Thesen angesteckt, und jeder schlägt sich auf die Seite der Frau. Hören sich ihre Meinung an und tun so, als hätte ich keine eigene. Tun so, als handele es sich dabei um die sakrosankte Wahrheit. Und ich, ich muss fünfzehn Jahre arbeiten für … für nichts. Für die Junggesellenwohnung, die niemand sauber macht, und ein Kind, das losschreit, sobald es mich sieht. Ich hatte dort im ersten Monat keine Laken für mein Bett, weil sie selbst die mitgenommen hat, und wenn ich endlich mal Zeit habe, um einkaufen zu gehen, verdammt, dann drohen die mit dem Zeigefinger: Das können Sie nicht machen, Mr Fletcher, laut Gesetz können Sie das nicht machen.
Was treibt denn dieses Arschloch da? Die Überholspur ist für schnelle Autos, verdammt, nicht für Opas, die mit ihrem Hut auf der Ablage dahinkriechen wollen. Ich gebe ihm zehn Sekunden, dann drücke ich auf die Lichthupe und leuchte ihm ordentlich hinten rein. Bei diesem Tempo werde ich die ganze Nacht unterwegs sein, verdammt. 250 Meilen. Wie viel Benzin werde ich da verbrauchen? Gut, dass ich den Tempomat habe, nicht etwa, dass ich ihn je einschalten werde – so ist es recht, Schwachkopf. Wird auch langsam Zeit.
Es wird ja wohl noch erlaubt sein, ihr Bescheid zu stoßen, oder? Ich habe immer nur gewollt, dass sie Bescheid weiß.
Was sie mir angetan hat. Mit ihren Lügen. Die Wahrheit so zu verdrehen, dass ich wie der Mistkerl dastehe, während sie genauso viel falsch gemacht hat wie ich. Auf meine Meinung haben sie aber nie gehört, oder? Wie sie immer weitergemacht hat mit diesem ewigen Genörgel, mich zur Weißglut trieb, bis bei mir der Verstand ausgesetzt hat. Sie muss es wissen. Sie wird mir zuhören müssen. Sie kann nicht einfach mein Leben zerstören und nicht begreifen, dass das Konsequenzen nach sich zieht.
Basingstoke. Schwefelgelbe Lichter und ein riesengroßer Verkehrskreisel. Was für ein Scheißkaff mag Basingstoke wohl sein, dass hier der Verkehr nachlässt? Wenigstens kann ich in den fünften Gang schalten. Wenn mir nur dieses Arschloch da aus dem Weg gehen würde. Was haben diese Leute bloß? Du überholst einen, und schon hast du den Nächsten vor dir, der die Spur blockiert und dahinkriecht, als würde die Scheißstraße ihm ganz allein gehören.
Sie wird überrascht sein, mich zu sehen. Seit zwei Wochen geht sie nicht mehr ans Telefon. Wahrscheinlich denkt sie, ich hätte aufgegeben und mich irgendwo verkrochen, um zu sterben. Wie praktisch. Das käme ihr gerade recht.
Schlampe.
Schlampen, alle beide. Alle drei, wenn man Carol mitrechnet. Das braucht man jetzt natürlich nicht mehr. Hat sie das nicht kommen sehen? Die Großen, die die Kleine gegen mich aufstacheln. Mein eigenes Kind. Mein Eigentum, und das letzte Mal, als ich zu ihrer Schule gegangen bin, hat sie geschrien, als ob ich irgendein Monster wäre. Umgang nur unter Aufsicht des Jugendamts. Was für ein Witz! Geschieht ihr recht. Sie hat gekriegt, was sie verdient hat, die Kuh, die sich immer hat einmischen müssen. Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird, bis dieser Yuppie unten den Geruch wahrnimmt. Wahrscheinlich noch wochenlang nicht. Bestimmt noch ein paar Tage nicht. Sie hat keine Freunde. Keiner, der sich erkundigen wird, wohin sie so überstürzt gereist ist. Geschieht ihr recht. Geschieht ihnen allen recht. Absolute Gefühlskälte. Früher hat man Leute dafür sogar eingesperrt.
Ich hab mich dabei gut gefühlt. Die Art und Weise, wie sie die Augen aufgerissen hat, als ihr klar wurde, dass ich es ernst meine. Hat sich ein paar Fingernägel abgebrochen. Das hat ihr aber auch nicht geholfen.
Meine Hände tun mir weh. Ich muss das Lenkrad wohl richtig fest umklammert halten. Wie komisch. Bin ich etwa wütend? Glaubst du, dass ich wütend bin?
Die wird einen Schock kriegen. Die hält sich für dermaßen clever, aber so schlau ist sie nun auch wieder nicht.
Konnte von Anfang an nicht aus ihren Fehlern lernen.
Menschenskind. Es ist schon zehn Uhr. Noch vier Stunden bis Wadebridge. Um diese Zeit mitten in der Nacht werde ich keine Unterkunft mehr finden. Es ist wohl kaum eine pulsierende Metropole. Hätte besser nachdenken sollen, als ich gepackt habe. Ich hätte zumindest ein paar Decken und ein Kissen mitnehmen sollen. Es ist zu kalt, um die Nacht im Auto zu verbringen. Gottverdammt, Bridget. Warum hast du mir das bloß angetan?
Travelodge. Bald komme ich an Bristol vorbei. Komme auf die M5. In etwa einer Stunde oder so. Zumindest wirkt dieser Kaffee. Was treibt sie da eigentlich? Was in aller Welt gibt es schon in Cornwall? Ich wette, sie hat einen Kerl. Genau, das wird es sein. Sie hat mitten im Rennen die Pferde gewechselt, dachte, sie findet einen Besseren. Ich habe ja schon immer gewusst, dass sie so ist. Von Anfang an. Ich konnte meinen verdammten Blick nicht von ihr wenden – au! Scheiße, das tut weh. Siehst du jetzt, wozu du mich getrieben hast, Bridget? Geh aus dem Weg! Mach die Spur frei, verdammt! Ja, du! So ist’s recht. Fahr rüber! Himmelherrgott! Herrgott noch mal, Bridget! Schau, was du mir angetan hast!