XXXIX

Was geschehen ist, kann ich nicht mehr ungeschehen machen. Wir brauchen dich jetzt, um die Katastrophe vielleicht doch noch in einen Sieg zu verwandeln.
Nein, wahrlich, niemand konnte an dem, was geschehen war, jetzt noch irgendetwas ändern. Zudem bezweifelte Breaca, ob sie diese Niederlage noch in einen Sieg verwandeln konnte. Und dennoch musste sie es schaffen, ansonsten wäre das Land verloren. Dies also war der finstere Einschlagfaden, verschlungen mit dem lichten Gewebe: ein Kriegsheer von rund fünfzigtausend Mann, das maximal achttausend Legionaren gegenüberstand, und trotzdem lagen sämtliche taktischen Vorteile bei den Feinden.... diese gewisse Extraportion Glück, die einem allein die Götter gewähren können, die gibt es tatsächlich... und die ist in einer Schlacht ebenso unverzichtbar wie jede Menge Training und Kampferfahrung...
Es war Valerius gewesen, der dies gesagt und daraufhin einen Schlachtplan entwickelt hatte, der auch die unwahrscheinlichsten Eventualitäten mit einbezog, die ein Mann nur irgend ersinnen konnte. Der Plan war exakt und sauber ausgearbeitet, ließ sich leicht erlernen und beinhaltete sogar jene kleinen Tricks und Kunstgriffe, mit denen man den Feind womöglich trotz allem noch ein wenig verwirren könnte. Sich selbst hatte Valerius die gefährlichste Rolle bei dieser Vorgehensweise zugedacht, und Breaca hatte nichts dagegen eingewandt, denn auch sie war der Ansicht, dass ihr Plan auf diese Weise die größten Chancen auf Erfolg hätte.
Genau über diese Last, die Valerius sich freiwillig auf die Schultern geladen hatte, wollte sie nun aber gerne noch einmal mit ihm sprechen, jetzt, da die Anführer der Speerkämpferverbände sich zurückgezogen hatten und auch der Rest des Lagers sich zur Nachtruhe bettete und sie beide ganz allein am Feuer saßen. »Genau für dieses Ziel hat Dubornos vor aller Augen sein Leben geopfert - um höchstpersönlich unsere Bitte den Göttern zu unterbreiten. Hast du morgen in der Schlacht etwas Ähnliches vor?«
Valerius war nun noch schlanker als zu jener Zeit, als sie beide sich in Camulodunum getrennt hatten, und seine Haut hatte zweifellos noch etwas mehr Sonne abbekommen. Auch sein Humor war ein wenig gelöster geworden, sodass Breaca klar die vielen unterschiedlichen Schichten in seinem Wesen erkennen konnte, sie sah sowohl den Träumer als auch den Krieger, sah den Jungen und den Mann, den Eceni und den Römer, sah sogar Nemain und gleichzeitig Mithras in Valerius’ trockenem Grinsen und dem darauf folgenden, ernsten Schweigen.
Valerius beugte sich vor, konzentrierte sich für einen Moment allein auf Stone, der quer zu ihren Füßen lag, und entgegnete dann: »Die Götter führen uns bloß - eine direkte Forderung dagegen stellen sie nur sehr selten. Es ist also allein die Aufgabe eines jeden Einzelnen von uns, ihrem Flüstern zu lauschen und daraus das Beste zu machen. Mit der Größe seines Geschenks, das er den Göttern dargeboten hat, hat Dubornos den höheren Mächten ja bereits von der Dringlichkeit unserer Bitte und der Ernsthaftigkeit, mit der wir unser Ziel verfolgen, gekündet. Ich würde mir also nicht anmaßen, es einem solchen Mann nachtun zu wollen. Folglich werde ich morgen wiederum lediglich genau das tun, was getan werden muss. Ebenso wie du.« Er hielt einen Moment inne, und Breaca dachte bereits, dass er das Feuer nun verlassen wolle, bis er mit gänzlich veränderter Stimme plötzlich fortfuhr: »In Camulodunum hattest du gesagt, dass ich dir bei deiner Rückkehr den Schlangenspeer reichen solle, wenn du denn endlich wieder genesen seist. Meiner Ansicht nach bist du nun wieder so gesund, wie ich dich nur jemals erlebt habe. Falls es also überhaupt einen passenden Zeitpunkt geben sollte, um dir den Schlangenspeer zu überreichen, so ist dieser Moment heute Nacht. Soll ich ihn für dich holen?«
Valerius war geradezu schüchtern, wie ein Junge, der seiner älteren Schwester seine erste Schnitzerei als Geschenk überreichte. Die Holzkiste, die er ihr nun brachte, war so lang, wie er groß war, doch augenscheinlich sehr leicht. Vorsichtig legte er sie im Schein der Flammen ab und ließ sich dann ein Stückchen davon entfernt wieder auf dem Boden nieder, wobei er aufmerksam Breaca beobachtete.
Gerne hätte Breaca erst einmal die Handwerkskunst bewundert, die sich bereits in der Machart der Kiste zeigte, doch die Nacht war kurz. Sie hob den Deckel ab, und in der Kiste lag ein Speer eingebettet, mit einem Heft so lang, wie sie selbst groß war, gefertigt aus weißem Eschenholz, mit einer langen, schmalen Klinge in der Form eines Blattes.
Ihr Herz schien einen Schlag auszusetzen. »Ist das hier ein echter Reiherspeer, einer von denen, wie die Kaledonier ihn benutzen? Denn so einen Speer würde ich nicht gerne gleich am Morgen der Schlacht einfach so davonschleudern.«
»Nein.« Vorsichtig nahm Valerius ihr den Speer ab und balancierte ihn dann auf lediglich zwei Fingerspitzen. Zum ersten Mal sah Breaca nun auch den Handwerker und Künstler in ihm durchscheinen, jenen Mann, der sowohl den Träumer als auch den Krieger, die beide in Valerius’ Seele lebten, in sich vereinigte. »Die Klinge ist nicht aus Silber, und ich habe auch keine zusätzlichen Federn gefertigt, um diese an den Schaft zu binden und damit die Flugbahn des Speeres zu beeinflussen. Die Schlangen auf dem Heft hat übrigens Airmid geschnitzt.«
»Und du hast die Sonne in das Eisen der Klinge hinabgelockt«, entgegnete Breaca staunend.
Noch niemals zuvor in ihrem Leben hatte sie ein solches Geschenk empfangen. Nachdem sie den Speer wieder entgegengenommen hatte, hielt sie ihn noch ein wenig dichter an die Flammen, und da sah sie die Wirbel von sonnenrotem Kupfer, die in das bläulich schimmernde Eisen der Klinge eingetrieben worden waren, sodass die Klinge das Feuer regelrecht in sich aufzusaugen schien und es dann noch ein wenig heller wieder zurückwarf. Anschließend bewunderte Breaca die Schlangen, die sich in lebensechten Windungen an dem Holz entlangringelten, und sie musterte auch die geschmeidigen Konturen des Hundes, der ebenfalls in Kupfer in das Eisen der Klinge eingebettet lag.
Langsam erhob Breaca sich, wog den Speer in ihrer Hand und stellte fest, dass er perfekt austariert war. Sein Lied war nur sehr leise, und es dauerte eine Weile, ehe sie es über das Knacken und Prasseln des Feuers hinweg hören konnte. Dann aber, als sie die Melodie schließlich in sich eindringen fühlte, beziehungsweise, als die Melodie sich ihr endlich zu nähern vermochte, war das Lied der exakte Kontrapunkt zu dem Lied in ihrer eigenen Seele.
»Finde das Zeichen, das das unsere ist, und nimm es auf in deine Seele.«
»Wie bitte?«
»Die Prophezeiung der Träumerin der Ahnen. Das war die dritte Aufgabe. Ich sollte ein Kriegsheer zusammenrufen und es mit Waffen ausstatten. Dann sollte ich den Krieger mit den Augen und dem Herzen eines Träumers finden. Die letzte Aufgabe lautete, das Zeichen zu finden, das das unsrige ist - das meine, das der Ahnin und das Brigas -, und jenen Platz in meiner Seele zu suchen, an dem dieses Zeichen lebt. Ich hatte immer gedacht, dass ich das alles irgendwann sicherlich noch genauer verstehen würde, und habe mich die ganze Zeit über so sehr darum bemüht... Jetzt aber... Breaca hob den Speer noch ein Stückchen höher, auf dass das ihm innewohnende Licht sanft vor dem Schein des Feuers strahlte, »hast genau du mir diese Antwort gegeben.«
Sie setzte sich wieder, fühlte sich geradezu gewichtslos.
»Mir fehlen einfach die Worte.«
»Du brauchst keine Worte.« Valerius’ Lächeln kam aus seinem tiefsten Inneren, frei von jeglicher Ironie.
Schweigend saßen Breaca und Valerius vor dem Feuer, gemeinsam mit dem Hund und dem Speer. Dann, eine ganze Weile später, ergriff Breaca abermals das Wort: »Drei Aufgaben und drei Antworten. Dieser Moment, an dem alle drei Aufgaben vollkommen erfüllt sind, wäre ein guter Zeitpunkt, um sein Leben zu beschließen.«
»Vielleicht aber wäre dies auch der richtige Augenblick für einen kompletten Neuanfang.« Valerius ließ sich zurücksinken, ein Bein angezogen und die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Sein Blick suchte den ihren. »Morgen spitzt sich all das zu, wofür wir beide, du und ich, je gelebt haben. Zudem besteht noch immer die Chance, dass wir den morgigen Tag sogar lebend überstehen könnten.«
Er war der Bruder, den Breaca einst verloren hatte und der nun langsam wieder zu ihr zurückzufinden schien. Er war in zwei Hälften zerbrochen, nur dass ihm der gleichwertige Umgang mit diesen beiden Hälften besser gelang als Breaca. Auch war sein ganz persönlicher Traum zu ihm zurückgekehrt, der Traum von Hail, der an Valerius’ Seite rannte. Und langsam begriff Breaca, dass dieser Hund nur dann zu erkennen war, wenn Valerius entweder in größter Gefahr schwebte oder aber wenn er seine Seele ganz und gar einem seiner Götter öffnete. Nun ruhte dieser Hund zwischen ihnen beiden, lang gestreckt, warm und dennoch nicht fassbar, eine Silhouette, geformt aus flackerndem Licht und Schatten.
»Es ist wahr«, sagte Breaca, »dass die Götter uns nur führen und nichts von uns verlangen, aber sie schützen uns auch, so glaube ich zumindest, oder verleihen einem jeden von uns zumindest jene Mittel und Wege, um uns selbst zu schützen. Vergiss das nicht in der Hitze des Gefechts.«
Nach einer Weile, als der Hund nur noch sehr vage zu erkennen war, entgegnete Valerius: »Und die Götter gewähren uns auch das Glück - und die symbolhafte Verkörperung dieses Glücks bist du. Also, vergiss auch du nicht in der Hitze des Gefechts, was du mir soeben gesagt hast.«
 
Etwas später erhob Valerius sich und ging fort, um sich mit Longinus und Theophilus zu besprechen. Sie hatten Neuigkeiten für ihn von einem Zelt, das die Flüchtlinge aus Verulamium oder Canonium oder Caesaromagus in einem ihrer Wagen gefunden und das sie Valerius zu Ehren aufgebaut hatten. Sogar ein Kohlebecken hatten sie darin entzündet, damit der einstige Römer, der im Namen der Freiheit ihre Heimatstädte gebrandschatzt hatte, in dem gleichen Komfort würde schlafen können wie auch die Generäle der Legionen.
Breaca und Airmid schlossen sich dem Kreis der Schaulustigen an, welche laut die herrlich verzierten Zeltplanen bewunderten und die ordentlichen, doppelt versäumten Unterkanten und natürlich die Art und Weise, wie das Licht des Kohlebeckens zarte Schatten an die Wände warf. Dies war wahrhaftig eine schöne Gelegenheit, um den Abend zu beschließen und noch einmal mit Freunden zu lachen, um sich anschließend wieder zurückzuziehen und in der Resthitze von Braints Feuer ein wenig Schlaf zu finden.
Oder um noch ein Weilchen wach zu bleiben und mit Stone als Gefährten einfach nur dazusitzen und nachzudenken.
... die Götter gewähren uns auch das Glück - und die symbolhafte Verkörperung dieses Glücks bist du...
Breaca starrte in die rote Glut. Der Scheiterhaufen fiel mehr und mehr in sich zusammen, und der Ascheberg war bis etwa auf Schulterhöhe niedergesunken. Langsam ließ Breaca ihr Blickfeld verschwimmen, bis alles, was sie noch wahrnahm, das Rot der Glut war.
In den Flammen hörte Breaca Venutios’ Frage widerhallen, und sie fragte sich, ob die Möglichkeit bestand, dass sie der Antwort vielleicht doch noch entrinnen könne. Dann, es schien, als läge er wieder in ihren Händen, spürte sie abermals den Stein, mit dem sie Dubornos den Schädel zerschmettert und dessen Seele aus seinem Körper entlassen hatte. Sie schaute zu, wie der gehörnte Mond sich in einen Vollmond verwandelte - alles wirkte so real, und doch wusste Breaca, dass dem nicht so war -, und sie sah, wie der Hase, der auf der Oberfläche des Mondes lebte, auf die Erde hinabschritt. Ein sanfter Wind hauchte auf die Kohlen, die einst Braint gewesen waren. Das Feuer brauste und seufzte und schien sich in das ferne Bellen von Hunden zu verwandeln, Hunde, die man allein ihrer Stimmen und ihrer Schnelligkeit wegen ausgewählt hatte. Sie jagten ohne Unterlass und töteten doch nicht.
Stone hob den Kopf, winselte leise und legte ihn dann wieder nieder, um weiterzuschlafen. Hinter Breaca ertönte sanft Airmids Stimme: »Du solltest schlafen. Du musst ausgeruht sein, wenn du in die Schlacht ziehst, und bei wachem Verstand.«
»Vielleicht schlafe ich später noch ein bisschen.«
»Möchtest du, dass ich dir helfe, in das Herz des Feuers vorzudringen?«
Allein das Verständnis, das nötig war, um diese Frage überhaupt stellen zu können, war schon ein Geschenk von unermesslichem Wert. Breaca tastete hinter sich, erspürte Airmids Arm und drückte ihn behutsam. »Vielleicht später.«
Schweigend saßen sie da im Kreise ihrer Familie. Graine lag mit angezogenen Beinen in ihren Umhang eingewickelt. Nach einer Weile rückte Stone zu ihr hinüber, und sie bettete ihren Kopf auf seinen Leib wie auf ein Kissen, ohne jedoch dabei aufzuwachen. Cygfa saß in der Nähe eines kleinen Rotdorndickichts und unterhielt sich mit Gunovar. Hawk schlief mit der Bärenklinge von Eburovic als Kamerad. Cunomar und Ardacos jedoch sowie jene, die diesen beiden folgten, fehlten. Irgendwo in vager Hörweite gaben die Schädeltrommeln der Bärinnenkrieger ihre disharmonischen Rhythmen von sich, gerade weit genug entfernt, um nicht den Rest all jener zu stören, die dringend etwas Schlaf benötigten.
Valerius war noch immer wach und saß bei Longinus und Theophilus. Breaca beobachtete seine Silhouette ebenso wie die stetig wachsende Anspannung in ihm, für die es doch eigentlich gar keinen erkennbaren Grund gab. Dann veränderte er seine Haltung ein wenig, und Breaca sah, dass der Hund wieder von ihm gewichen war und Valerius still und gedankenverloren hinaus in die Nacht starrte, ganz so, als ob er wartete - auf irgendetwas oder irgendjemanden.
Genau in dem Moment, als ihr dieser Gedanke durch den Kopf schoss und sie plötzlich begriff, auf wen ihr Bruder wartete, genau in jenem Augenblick, als sie bereits aufstehen, zu ihm hinübergehen und mit ihm sprechen wollte, wurde harsch die Nacht zerrissen. Sie war zu spät.
»Valerius?«
Aus der Dunkelheit jenseits des Feuers rief jemand seinen Namen. Breaca beobachtete, wie ihr Bruder sich erhob, ganz langsam, als ob er nun, da der erwartete Besucher erschienen war, eigentlich doch lieber noch eine Weile gewartet hätte. Huw trat in das Licht, jener junge Steinschleuderschütze mit dem vernarbten Gesicht, der sich nun Krieger von Mona nennen durfte. Zwischen seinen beiden Händen blitzte ein metallenes Etwas auf.
Valerius nahm nicht entgegen, was der Krieger ihm darbot: eine kleine Statue des Falkengottes, das Abbild des Horus, mit einer leichten Delle in der Mitte des Schädels und einem Auge aus Gagat. Mit geneigtem Kopf stand Valerius da, starrte auf seine verschränkten Hände hinab und rührte sich nicht.
Schließlich war es Longinus, der fragte: »Wo ist er?« Er brauchte keinen Namen zu nennen, denn auch er hatte allein auf diese Nachricht gewartet.
»Auf der anderen Seite der Rippelmarke. Die Späher haben ihn gefangen genommen. Du brauchst nur den Befehl dazu zu geben und dann bringen sie ihn um.«
»Nein!«, rief Breaca, die mittlerweile ebenfalls aufgestanden war. »Valerius, ist es wirklich Corvus?«, fragte sie und fuhr, als sie keine Antwort erhielt, fort: »Geht. Corvus war einst ein Freund, ehe all dies seinen Lauf nahm. Und wenn alles vorüber ist, könnte er wieder ein Freund werden. Wir haben einfach nicht das Recht, dieser Freundschaft nun den Rücken zu kehren.«
Freundlicher und mit anderer Betonung in der Stimme wiederholte Longinus Breacas Worte schließlich noch einmal: »Ja, geht. Ich möchte lieber hier warten, wo es warm ist. Es liegt noch eine lange Nacht vor uns, ehe der neue Tag anbricht. Und was immer auch zerbrochen sein mag - wir werden sicherlich genügend Zeit haben, um es wieder zusammenzufügen.« Damit schienen die imaginären Fesseln, die die Füße von Breacas Bruder an den Boden gekettet hatten, wieder gelöst, und er marschierte in die Dunkelheit jenseits des Feuers.
 
Ihm war übel, was wiederum eine geradezu lächerliche Schwäche war am Vorabend der Schlacht. Valerius hatte geglaubt, dass Theophilus ihm anbieten würde, ihn zu begleiten, und er war sich alles andere als sicher gewesen, ob er die Kraft finden würde, das Angebot des Arztes auszuschlagen. Folglich war Valerius erleichtert, dass dies letztlich gar nicht nötig war. Wie blind folgte er nun einfach nur
Huw in die Dunkelheit hinein und beschloss, besser nicht darüber nachzudenken, wo er hinging und warum.
Sie liefen bis zu jener Stelle, wo ein schmaler Bach am Fuße der Rippelmarke entlangströmte, seine beiden Ufer von jeweils einem Haselnussbusch geziert. Valerius hatte diese Stelle bereits für den folgenden Tag als Treffpunkt für die Speerkämpfer markiert, und dies nicht etwa, weil die Büsche eine besonders gute Deckung geboten hätten - in der flachen Landschaft vor dem von Paulinus auserkorenen Tal gab es nichts, was diese Bezeichnung verdient hätte -, sondern einfach deshalb, weil sie einen guten Versammlungsplatz abgab, der von allen Kriegern leicht ausgemacht werden konnte.
»Hier.« Huw drückte Valerius die kleine Plastik des Horus in die Hand. »Ich werde ganz in der Nähe sein.« Damit verschwand er in den Schatten unterhalb der Rippelmarke.
Die Nacht schien geradezu leer. Valerius fühlte sich, als ob er das einzig lebende Wesen unter den Sternen sei, wäre da nicht dieser schwache Geruch gewesen, den der Wind zu ihm hertrug. Immer und überall würde er diesen ganz spezifischen Geruch erkennen, in der blinden Wut während einer Schlacht, in der kalten Luft, die über einen winterlichen Berg strich, inmitten eines Haufens von zechenden Legionssoldaten in einer schmutzigen Taverne in einem gallischen Seehafen - oder eben hier, am Rand eines flachen und gänzlichen unspezifischen Stückes Land, auf dem sich bei Tagesanbruch die Zukunft einer ganzen Provinz entscheiden würde.
»Warum bist du hier?«, fragte er.
»Um dich zu sehen.« Corvus saß auf einem kleinen Felsbrocken und ließ seine nackten Füße in den Bach hinabbaumeln. Valerius, der gerade erst aus dem Schein des Feuers herausgetreten war, brauchte einige Zeit, bis seine Augen sich so weit an die Dunkelheit gewöhnt hatten, dass er Corvus deutlich sehen konnte. Zuvor aber erblickte er das glitzernde Wasser, das in silbrigen Strudeln um Corvus’ Knöchel plätscherte, und erst dann, ganz langsam, erkannte er auch den ganzen Mann.
Corvus sah noch erschöpfter aus als an jenem Tag in der Siedlung von Prasutagos, damals, als er die Veteranen des Prokurators fortgeschickt hatte und damit das Leben der Bodicea rettete. In seinen Schopf hatten sich noch einige weitere gräuliche Strähnen eingeschlichen, in jedem Fall waren es mehr als zu jener Zeit, als Valerius noch ein ziemlich junger Mann gewesen war. Und vielleicht hatte Corvus um die Taille herum ein wenig zugelegt. Abgesehen von diesen Äußerlichkeiten aber war Corvus noch immer derselbe Legionar, der vor dreiundzwanzig Jahren vor der Küste der Eceni Schiffbruch erlitten hatte, derselbe Mann, der einen Jungen aus der Sklaverei errettet und ihn schließlich zur Kavallerie gebracht hatte.
Sie standen an entgegengesetzten Ufern, und wenngleich der Bach nur sehr schmal war, so fand doch keiner von beiden die rechten Worte, um diese Trennlinie zu überbrücken.
Nach einer Weile räusperte Corvus sich und fragte: »Reitest du immer noch diesen wahnsinnigen Hengst?«
»Ja. Und Cygfa reitet seinen Enkel. Der hat zwar den gleichen Kampfgeist wie sein Großvater, ist aber gleichzeitig nicht ganz so unberechenbar.«
»Gütige Götter... Wenn ich mir vorstelle, dass dann morgen tatsächlich gleich zwei solcher Tiere über das Schlachtfeld toben... am besten, wir brechen gleich wieder auf.«
»Und, werdet ihr das tatsächlich tun?«
»Nein.«
Kaum, dass sie mit dieser aufgesetzten Leichtigkeit einen Gesprächseinstieg gefunden hatten, zerstob diese aber auch schon wieder. Valerius beugte sich vor und platzierte die bronzene Statue des Horus auf einem Stein etwa in der Bachmitte. Eindringlich starrte dessen gagatschwarzes Auge ihn an. »Die hier gehört dir. Du solltest sie also wiederhaben.«
»Danke.« Dennoch unternahm Corvus keinerlei Versuch, die Statuette an sich zu nehmen. »Die hat einen ganz schön langen Weg zurückgelegt, bis sie schließlich hier ankam.«
»Begann ihre Reise etwa in Alexandrien?«
»Ja.«
»Du hast mir nie seinen Namen verraten.« Valerius wusste selbst nicht, warum er dies nun sagte. Es hatte Jahre gegeben, in denen er eine solche Frage ganz unbekümmert hätte stellen können, und die Antwort wäre ihm freimütig gegeben worden.
»Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt jemals seinen wahren Namen gekannt habe«, entgegnete Corvus. »Er selbst jedenfalls nannte sich Alexandro.« Corvus sprach den Namen auf jene weiche Art und Weise aus, wie es im Süden üblich war, und ließ dabei die Konsonanten über die Zungenwurzel gleiten. Dann lächelte er ein wenig verkniffen, und silbern spiegelten seine Züge sich im Wasser wider. »Er nannte mich seinen Hephaistos, seinen Feuergott.«
»So sehr hast du ihn also geliebt?«
»Ja, zumindest dachte ich das. Die Liebe war damals … noch ganz anders. Einfacher.« Corvus streckte den Arm aus, drehte den Horus mit dem Gesicht zu sich herum und fuhr dabei sacht mit der Fingerspitze über die kleine Einbuchtung auf dessen Schädelmitte. »Ich war damals erst neunzehn. Und ich dachte, ich wüsste bereits alles, was es über die Liebe und über das Leben und alles, was dazwischen liegt, zu wissen gibt.«
»Und jetzt?«, hakte Valerius mit sanfter Stimme nach.
»Nun weiß ich im Grunde nichts mehr, außer, dass ich weiß, dass ich nichts weiß. Nein... das stimmt auch nicht.« Corvus tat einen hastigen Atemzug. »In deiner Gesellschaft weiß ich einfach nicht mehr, was ich sagen soll. Und, um Himmels willen, müssen wir denn tatsächlich so jämmerlich dasitzen, mit einem Bach, der zwischen uns entlangplätschert, wenn morgen doch ohnehin alles vorbei sein wird?«
Es war schwer, diese Worte auszusprechen, und doch musste es sein. »Nun, auf meiner Uferseite ist zweifellos ausreichend Platz für uns beide«, erklärte Valerius, »und auf deiner auch. Also kann jetzt entweder ich zu dir hinüberspringen, oder du kommst auf meine Seite. Der Stein dort in der Mitte scheint mir nämlich nicht groß genug zu sein, um zusätzlich zu dem Horus auch noch dich und mich aufzunehmen.«
»Nein.« Corvus stieß ein kurzes Lachen aus. »Der Platz reicht eindeutig nicht aus. Und, soll ich nun zu dir hinüberkommen oder du zu mir? Das scheint in jedem Fall eine gewisse Bedeutung zu haben. Was sagen denn deine Götter zu dieser Frage?«
»Sie sagen, dass es niemals so weit hätte kommen dürfen.« Valerius stockte die Stimme. »Also gut, warte, ich komm rüber.«
Er bekam nasse Füße, stieß sich einen Zeh und landete schließlich wie ein an Land geworfener Fisch am entgegengesetzten Bachufer. Zitternd und lachend lag er da. Und außerdem weinte er, was ein wesentlich befreienderes Gefühl war, als er zunächst gedacht hätte.
Mit dem Handrücken wischte er sich die Tränen aus den Augen und setzte sich auf. »Von mir wird erwartet, dass ich morgen den rechten Flügel anführe. Allerdings bezweifle ich, dass die Krieger mir auch dann noch folgen würden, wenn sie mich jetzt hier mit dir sehen könnten.« Valerius konnte es sich sozusagen leisten, so offen zu sprechen, denn was er Corvus hiermit verraten hatte, wäre gleich zu Beginn der Schlacht anhand der Formation der unterschiedlichen Heeresabteilungen ohnehin auf den ersten Blick ersichtlich gewesen.
Corvus bemühte sich gleichsam darum, nur so wenig wie irgend möglich von seiner eigenen Position preiszugeben, und entgegnete schlicht: »Dann werden wir einander wohl begegnen. Die Quinta Gallorum soll die linke Seite des Feldes halten.«
»Noch wäre Zeit, das zu ändern.« Valerius dachte ernsthaft darüber nach, einen anderen Ausgangspunkt für seine Truppe zu wählen. »Letztendlich werden wir aber wohl genau dort stehen, wo man uns hingestellt hat. Wir werden tun, was wir tun müssen, denn die wirklich entscheidenden Faktoren lassen sich nun ja ohnehin nicht mehr beeinflussen.« Er straffte die Schultern. Tränen rannen ihm zu beiden Seiten seiner Nase hinab, ganz so, als ob in seinem Inneren eine Schleuse sich geöffnet hätte und nun durch nichts mehr zu verschließen war. Ein wenig verwirrt über seine eigene Rührseligkeit streckte er die Arme aus und ergriff ein Paar Hände, die bereits sehnsüchtig auf diese Berührung gewartet hatten. »Quintus Valerius Corvus. Ich habe dich mehr geliebt, als mir jemals wirklich bewusst gewesen war. Und hätte ich auch nur geahnt, wie groß meine Gefühle für dich in Wahrheit waren, hätte ich unsere Liebe niemals so leichtfertig weggeworfen.«
Die Hände, um die er nun die Finger schloss, waren ruhig und kühl, und nur ein ganz feines Beben verriet Corvus’ innere Erregung. »Früher hat mir mal irgendjemand gesagt«, entgegnete Corvus, »dass wir Menschen ganz einfach dazu verdammt seien, erst durch die Erfahrung des Schmerzes wirklich lernen zu können. Und das wiederum würde so lange so bleiben, bis wir lernen, wie man auch durch die Erfahrung der Freude zu höheren Erkenntnissen gelangen kann. Wie es scheint, haben wir wohl noch eine ganze Menge vor uns, das wir erst noch begreifen müssen - wir beide.«
»Ja, das ist wohl tatsächlich so. Stammt diese Weisheit etwa von ihm?« Mit einem knappen Nicken deutete Valerius auf den Horus.
»Nein. Aber dieser Sinnspruch stammt aus jener Zeit. Und er stammt auch nicht von einem Mann, sondern von einer Frau. Einer Frau, die für Isis das war, was du nun für Mithras bist. Beziehungsweise... mittlerweile bist du wohl zu einem Jünger Nemains geworden, nicht wahr? Oder war es doch eher Briga?«
»Nemain.«
»Es muss schwer sein, beiden Göttern gleichzeitig die Treue zu halten.«
»Es ist vollkommen unmöglich. Ich bin in Wirklichkeit also noch immer zwei Personen in einer Haut. Und ich denke, das wird auch auf ewig so bleiben.«
»Aber du bist eine Seele. Und diese Seele ist ein Eceni. Und genau darin liegt die wahre Quelle für deinen Wert als Menschen.« Corvus hob Valerius’ Hand an, zeichnete mit dem Finger die Linien in deren Innenfläche nach und erklärte dann: »Du weißt, dass ich dir alles, was man dir im Laufe deines Lebens geraubt hat, auf der Stelle wiedergeben würde - wenn ich nur könnte.«
»Ich weiß. Und ich danke dir.«
Dann breitete Schweigen sich über sie, bis sie fast gänzlich unbewusst jeder ein Stückchen von ihrem Platz abgerückt waren und schließlich dicht nebeneinander einfach nur dasaßen. Und endlich konnte Valerius wieder seinen Kopf zur Seite neigen und hinabsinken lassen auf eine Schulter, die allein darauf bereits gewartet zu haben schien, so wie sie wahrscheinlich schon immer gewartet hatte; konnte das Gewicht einer Wange spüren, die sich gegen seinen Scheitel schmiegte; konnte einen Arm fühlen, der um seine Schultern glitt; durfte abermals dem gleichmäßigen Rhythmus eines Herzens lauschen, das dem seinen mit geradezu singender Stimme sanft zuzurufen schien.
Doch sie waren nicht mehr allein, denn um sie herum hatten sich die Götter versammelt, ganz leise und ohne Streit, sodass es möglich war, noch einmal wieder jung zu sein und nichts zu wissen außer der Tatsache, dass nichts leichter war, als einander zu lieben. Und gleichzeitig durften sie auch älter sein und wissen, dass sie im Grunde noch überhaupt nichts wussten.
»Luain mac Calma«, murmelte Corvus dicht an Valerius’ Haar. »Der Mann ist Segen und Fluch zugleich. Ich hatte ihn gefragt, ob wir beide uns wenigstens im Tode noch einmal wiedersehen dürften. Und er wiederum hatte mir versprochen, dass wir uns nicht erst im Tode, sondern bereits in diesem Leben noch einmal begegnen würden. Damals habe ich ihm nicht geglaubt.«
Noch einmal. Wie ein Messer schnitten diese Worte in ihrer beider Herz, und keiner von ihnen hegte auch nur den leisesten Zweifel daran, dass dies die Wahrheit war.
»Er ist mein Vater«, entgegnete Valerius. »Wusstest du das?«
»Ja, er hat es mir erzählt. Ich hatte das schon die ganze Zeit über vermutet, aber es erschien mir unhöflich, danach zu fragen, solange Eburovic noch am Leben war. Luain mac Calma war bereits ganz zu Anfang erschienen, damals, als ich das erste Mal Schiffbruch erlitten hatte. Wird er also auch hier und jetzt da sein, wenn das Ende über uns hereinbricht?«
»Ich weiß es nicht. Er ist der Ansicht, dass der entscheidende Stein in dem Spiel um Kampf oder Niederlage Graine wäre. Darum hat er sie auch zurück zu Breaca geschickt, damit sie bei dieser Schlacht dabei ist. Könnte also gut sein, dass Luain meint, allein Graines Gegenwart reiche bereits aus, um die Geschicke in die richtige Richtung zu lenken, und dass er selbst dann nicht auch noch hier erscheinen müsse.«
»Nun, um des Wohlergehens deines Volkes willen wäre es wohl in der Tat eine gute Entscheidung, wenn Luain so denken würde.«
»Ja.« Valerius’ Tränen waren versiegt, und für einen Moment gab es auch nichts mehr, was noch gesagt werden musste. Valerius saß ganz still da, lauschte Corvus’ Herzschlag, spürte dem Druck von dessen Wange nach und dem Gefühl von dessen Lippen auf seinem Scheitel. Dann richtete er sich wieder etwas auf, sodass ihrer beider Augenpaare nun auf einer Höhe waren und es nur noch einer winzigen Bewegung bedurft hätte, um den Kopf ein wenig zu Corvus hinüberzudrehen und endlich nach jenem Kuss und jenem Trost zu suchen, der ihm zehn ganze Jahre lang versagt geblieben war.
Ein Teil von ihm sehnte sich nach nichts anderem. Der bestimmende Teil seiner selbst jedoch, jener Teil, der der Führung der Götter folgte, verweigerte sich dieser Geste. Die Kluft, die zwischen diesen Facetten von Valerius’ Seele klaffte, erfüllte ihn mit einer schmerzlichen, nur allzu vertrauten Sehnsucht.
Mit leicht bebender Stimme ergriff Corvus abermals das Wort: »Ich denke, das reicht jetzt. Allein schon, dass wir uns überhaupt noch einmal treffen durften, dass wir miteinander reden konnten...«
»Zu wissen, dass es keinerlei Hass zwischen uns gibt.«
»Und auch nie gegeben hat?«
»Und auch nie gegeben hat.«
Die Nacht schien mit einem Mal kühler als noch vor wenigen Augenblicken. Das Leuchten von Braints Scheiterhaufen erinnerte an einen Sonnenuntergang, nur dass dieser in der falschen Himmelsrichtung, am falschen Horizont erglühte. Es war sehr schwer, sich wieder voneinander zu lösen. Noch schwerer war es für Valerius und Corvus, sich vorzustellen, nun wieder in entgegengesetzte Richtungen auseinandergehen zu müssen. Am schlimmsten aber war der Gedanke an die Schlacht und das Ende, das diese über sie alle bringen könnte. Langsam lösten Corvus und Valerius sich voneinander, zögerten diesen Augenblick jedoch weit hinaus.
Schließlich nahm Corvus die kleine Statue des Horus auf und trocknete sie mit dem Saum seines Umhangs. »Was wir noch nicht einmal erahnen können, das ist Luain mac Calma bereits klar ersichtlich«, sprach er. »Wenn also irgendjemand Sinn und Unsinn voneinander zu unterscheiden vermag, dann ist er es. Und er war es auch, der auf Mona darüber entschieden hatte, dass ich am Leben bleiben solle. Ich möchte also nur allzu gerne glauben, dass es einen Grund für diese Geste gab und dass dieser Grund nicht unser beider endgültige Vernichtung ist oder gar die Vernichtung unserer beiden Völker.«
Nun war der Trittstein wieder frei. Abermals überquerte Valerius den Bach, dieses Mal jedoch trockenen Fußes, und er stolperte auch nicht. Vom anderen Ufer aus, das zumindest noch bis zum nächsten Morgen Eceni-Land war, sprach er: »Was immer auch geschehen wird. Sei gewiss, dass mir alles, was ich gesagt und getan habe und das dich verletzt hat, unendlich leid tut.«
»Das wusste ich schon die ganze Zeit. Ich konnte dir nur nicht immer zeigen, dass ich das wusste.«
Wäre Valerius auf der römischen Seite des Bachs stehen geblieben, so hätte ihn die Freude über diese Worte nun regelrecht vergehen lassen. Jetzt aber, von der Seite der Eceni aus, entbot er Corvus schlicht den Kriegergruß und verkündete: »Also dann - bis morgen und vielleicht bis zu einem nächsten Wiedersehen. Je nachdem, was sich nach dem folgenden Tag noch alles ereignen wird... Und sollte ich den Fluss, der das Land der Menschen von dem der Götter trennt, tatsächlich noch vor dir überqueren, dann sollst du wissen, dass ich auf dich warten werde, egal, wie lange dies auch dauern mag.«
»Aber werden deine Götter das überhaupt zulassen? Ich meine, es sind schließlich nicht meine Götter.« Noch niemals zuvor hatte Corvus es gewagt, diesen Zweifel in Worte zu fassen, weder vor sich selbst noch vor irgendeinem anderen Menschen. Er sah, wie Valerius einen Moment innehielt, aufmerksam in seinem Inneren nach einer Antwort forschte und damit eine ganz neue Geisteshaltung erkennen ließ, eine Geisteshaltung, die ihm in jüngeren Jahren noch nicht zu eigen gewesen war. Folglich war die Antwort, als er wieder seine Stimme erhob, eine stille und feste und ganz und gar von Gewissheit erfüllte Erwiderung. Und wie ein sicherer Trost in Erwartung der noch heraufziehenden Schmerzen sank sie tief in Corvus’ Herz ein: »Das werden sie zulassen. Immer. Nur die Menschen stellen Besitzansprüche. Die Götter dagegen lassen wesentlich mehr Freiheiten walten.«
Dies war eine Nachricht, die von den Göttern persönlich zu stammen schien und die nicht nur an Corvus gerichtet war, sondern an alle, die Valerius nun hören konnten. Das Lächeln auf Valerius’ Lippen aber war allein für Corvus bestimmt, und dieser wusste das Geschenk aufrichtig zu schätzen.
Die Kriegerin der Kelten
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