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Wir brachen an einem Freitagmorgen bei schönstem Wetter auf. An Bord des Hubschraubers befanden sich Leandro Perea, der eine taschenreiche Anglerweste und wetterfeste Lederstiefel trug, seine Tochter Elena, mein Vater mit zwei Koffern medizinischer Ausrüstung, ich und vier Sicherheitsleute mit Sonnenbrillen, Pistolen, drei Pumpguns und einem Maschinengewehr. Sie trugen Militärgürtel und gelbe Schleifen, um damit der zehn Polizisten zu gedenken, die vor einigen Wochen von Guerilleros erschossen worden waren. Die Schleife symbolisierte den Engel, der sie und uns beschützen würde.

In Kolumbien schossen verschiedene Militärs aufeinander und auf die Bevölkerung. Es gab die offiziellen kolumbianischen Streitkräfte und die Militärpolizei, neben ihnen agierten die Paramilitärs, die von der Bevölkerung bitter »die Paras« genannt wurden. Wer ihr Befehlshaber war, war meist nicht klar. Ihnen gegenüber standen die Revolutionsarmee der FARC und ihre Untergruppen. Und außerdem gab es schwadronierende Guerilleros, also Krieger, die einfach nur Beute machten.

Nach einer halben Stunde Flug mussten wir in Campoalegre landen, einem Nest, das an einem großen See lag. Das Wetter war plötzlich umgeschlagen. Die Gipfel der Anden lagen in finsteren Wolken, Nebel waberte die Hänge herab, Regen fiel senkrecht auf die Hütten und Betonhäuser der Stadt und auf die Felder. Leandro fluchte. Die Leute erklärten uns, dass es seit fünf Tagen regnete. Weiterfliegen wäre lebensgefährlich gewesen. Zurückfliegen auch. Die Aussicht, eine Woche lang in Campoalegre, dem »fröhlichen Feld«, festzusitzen, machte vor allem Elena nervös. »Soll ich etwa meinen Geburtstag am Sonntag in diesem Kaff verbringen?«

Leandro schickte seine Leute los, zwei Autos zu organisieren. Es waren gut hundert Kilometer bis hinauf nach Inza und bis zur Mine, und die Straße sah zumindest hier in der Ebene gut aus. Mit den Autos oder mit einem Bus hätten wir auch nach Bogotá zurückfahren können, aber das wollte niemand wirklich, vor allem mein Vater und Leandro nicht.

Wir schlugen uns in einem Wirtshaus die Bäuche mit Ajiaco voll, der Suppe mit Hähnchen, Kartoffeln und Maiskolben, sahen dem Regen beim Fallen zu und warteten. Nach zwei Stunden erschienen zwei Männer mit zwei Jeeps und erklärten sich bereit, uns in die Berge zu fahren. Aber der Weg sei gefährlich: Guerilleros, Paras, kriminelle Banden, Erdrutsche, Laster, die die Straße versperrten. Leandro zückte Scheine in dicken Bündeln und die Gefahren nahmen rasch ab. Aber fünf Stunden würde es schon dauern. Besser, man führe erst am nächsten Morgen, dann komme man nicht in die Dunkelheit. Leandro legte noch ein Bündel Scheine drauf und es konnte losgehen.

Die Sicherheitsleute saßen im vorderen Jeep, mein Vater, Leandro, Elena und ich samt der medizinischen Ausrüstung stiegen in den zweiten Jeep. Als wir den See und die spärlichen Felder hinter uns ließen, bekreuzigte sich unser Fahrer. Er trug ein goldenes Kreuz um den Hals und einen Ring am Finger. Zwar fehlten ihm etliche Zähne, aber er gehörte ohne Zweifel zu den Reichen hier in der Gegend. Sein Bruder und er fuhren schwere Toyota-Geländewagen mit acht Zylindern. Die brauchten wir auch. Die schöne Straße versickerte bald in engen, steinigen Serpentinen. Das Wasser lief in Bächen die Straße herab oder kreuzte sie, tiefe Schlammlöcher warfen uns im Auto hin und her. Elena kreischte jedes Mal. Die Scheiben beschlugen vom Nebel. Manchmal sah man kaum zehn Meter weit. Immer wieder verloren wir den vor uns fahrenden Jeep aus den Augen. Es war, als führen wir im Nichts nach Nirgendwo, durchgeschüttelt von einer Straße.

Leandro saß vorn und starrte gespannt durch die Windschutzscheibe. Mein Vater hatte bereits das Vergnügen an der Holperfahrt verloren und hielt sich auf seiner Seite am Türgriff fest. Elena saß in der Mitte, und immer wenn sie gegen mich fiel, schlug ich mit dem Oberarm gegen die Tür. Lustig war es wirklich nicht.

Unser Fahrer behauptete, es sei schlimmer, als er befürchtet habe. Er hoffe, dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit den Todeshang erreichen würden. Der sei sehr gefährlich, viele hätten dort die Kontrolle über ihr Fahrzeug verloren und seien Hunderte von Metern in die Tiefe gestürzt.

Das alles machte mir keine Angst. Ich staunte darüber. Es war mir gewissermaßen unmöglich, Angst oder Sorge zu empfinden. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir hier auf dieser Straße sterben würden. Und selbst wenn, dann passierte es eben. Dann brauchte ich mir keine Gedanken mehr zu machen, dann brauchte ich das ganze lange Leben, das noch vor mir lag und mit Lernen und Arbeiten, Verlieben, Lieben und Sich-Trennen gefüllt werden wollte, nicht mehr zu leben. Auch recht. Es würde eh alles so kommen, wie es kommen musste. Wozu sich anstrengen mit Angst oder Vorfreude, Befürchtungen und Plänen?

Mein Vater mit seiner Sehnsucht zu helfen, mit der Leidenschaft des Arztes, Krankheiten zu finden, sie mit Apparaten, Mitteln und Operationen zu beseitigen und Menschen gesünder zu machen, wenn vielleicht auch nicht unbedingt glücklicher, und Elena mit ihrer kindlichen Vorfreude auf ein teures Schmuckstück und ihren Schreckensschreien, immer wenn der Wagen auf die Seite kippte – sie waren mir beide sehr fremd in diesem Moment. Dieses angestrengte Wollen immer. Ich hatte aufgehört zu wollen, denn was ich wollte, was ich mir wünschte, das würde ich nicht bekommen. Es war unmöglich. Und alles andere, was ich stattdessen bekommen würde – einen angesehenen Beruf, vielleicht einen Mann, Kinder, ein Haus, Urlaubsreisen –, das interessierte mich gerade überhaupt nicht.

Dennoch war ich nicht mehr innerlich so eingefroren wie noch vor zwei Wochen. Es war mir nicht alles egal. Es war mir nur alles nicht mehr so wichtig. Und auch wenn es fürchterlich unbequem war und ich blaue Flecken am Oberarm bekommen würde, genoss ich die Fahrt in das wilde Gebirge, ins Indianergebiet.

Auf der Karte hatte ich gesehen, dass Inza gar nicht so weit entfernt lag von Tierradentro und San Andrés de Pisimbalá, wo Mama Lula Juanita und ihr Enkel Damián herkamen. Ich würde die Berge sehen, die er gesehen hatte. Ich würde die Vögel hören und die Luft riechen, die er in seiner Kindheit gehört und gerochen hatte. Ich würde ihm nahekommen.

Wir fuhren durch winzige Dörfer, die aus regennassen Wellblechhütten bestanden. Halb bekleidete Kinder und Alte drängten sich an die Hauswände, damit wir in unseren Jeeps die schlammige Straße überhaupt passieren konnten. Manchmal begegneten wir einem einsamen Mann oder Kindern, die mit in Tüchern gewickelten Lasten auf dem Rücken und Gummistiefeln an den Füßen unterwegs waren, den Berg hinauf oder hinab.

Irgendwann ließ der Regen nach. Die Wolken rissen auf, und wir konnten das Gebirge sehen: immense Hänge, so schroff, dass es kaum Pflanzen darauf hielt, durchfurcht von Wasserfällen, Täler in schwindelerregender Tiefe, Kaffeeplantagen, Nebel, der in Fetzen über die Pässe zog.

Nach sechs Stunden hatten wir knapp die Hälfte des Wegs geschafft. Es war gerade noch hell, als wir den Todeshang erreichten. Einspurig führte die holprige Straße an der fast senkrechten Felswand entlang. Entgegenkommen durfte uns hier niemand. Leandro erklärte uns mit angespannter Stimme, dass das Gestein schieferhaltig sei und bei Regen schmierig werde wie Seife. Links ging es senkrecht hinunter. Ich konnte es gut sehen. Elena hatte die Augen geschlossen, mein Vater blickte auf der anderen Seite auf den Felsen. Und dann fiel die Nacht auf uns herab mit einer Geschwindigkeit, an die ich mich nie gewöhnen würde. In diesen Breiten dauerte die Dämmerung nur Minuten, dann war es stockfinster. Der Abgrund sackte in die Unsichtbarkeit. Die Scheinwerfer zuckelten über Steine und Schründe.

Und plötzlich stockte alles. Wir rückten auf den Jeep der Sicherheitsleute auf, der vor uns fuhr. Er stand. Davor standen noch zwei weitere Fahrzeuge, soweit ich das in der Finsternis erkennen konnte. Erstaunlich, wo die herkamen in dieser Einöde. Sie standen, weil ein Sattelschlepper sich im Schlamm festgefahren hatte. Ich fragte mich, wie er überhaupt den Todeshang hinaufgekommen war. Schon im Jeep hatte die Straße zu schmal für vier Reifen ausgesehen.

»Das könnte eine Falle sein«, bemerkte Leandro. »Türen zu und verriegeln!«

Aber Elena wollte sich unbedingt die Beine vertreten. »Sonst kriege ich einen Anfall, Papa!«

Leandro gab nach und stieg selber aus. Ganze sieben Stunden hatten wir uns jetzt durchschütteln lassen. Die Luft war kalt und feucht. Es roch nach nassem Stein und fremden Hölzern und Kräutern.

Mein Vater atmete tief ein. Leandro rauchte eine Zigarette. Über uns lag die Mondsichel auf dem Rücken und das Sternbild des Orion stand im Zenit. In den umliegenden Bergen glitzerten einzelne Lichter.

»Wer da wohl wohnt?«, staunte mein Vater. »Und was für ein Leben, so weit weg von jeglicher Zivilisation.«

»Und warum bleiben sie dort?«, fragte Elena. »Warum gehen sie nicht woanders hin? Sie könnten doch, wenn sie wollten.«

»Sie wollen vermutlich nicht«, sagte ich.

»Aber wie kann man nur so primitiv leben wollen?«

»Aus Gewohnheit«, bemerkte Leandro. »Sie kennen es nicht besser.«

Es gefiel mir nicht, wie wir über Menschen redeten, die wir nicht kannten, aber ich sagte nichts dazu. Was hätte ich auch sagen sollen? Vielleicht lebte Damiáns kranke Schwester Clara in so einem Ort, der nachts sein einsames Licht in die Dunkelheit schickte. Und sie hatte einen ganz bestimmten Grund, warum sie dort lebte.

Aber ich musste mir eingestehen, dass ich nicht jahraus, jahrein mitten im Urwald am Berg würde leben können, so ganz ohne Bücher, ohne Musik, ohne Internetzugang und E-Mails, ohne Kino. Vielleicht war es dumm, denn man brauchte viel weniger zum Leben, als man dachte, aber ich musste mir meine Möglichkeiten ja auch nicht beschneiden, indem ich die Zivilisation ablehnte. In der Bildung, hatte Damián gesagt, liegt der Schlüssel zum Wohlstand. Er wusste das.

Die Motoren des Sattelschleppers röhrten immer mal wieder auf, die Räder pfiffen. Dunkle Gestalten huschten durchs Scheinwerferlicht der wartenden Autos. Plötzlich kamen unsere Sicherheitsleute herbei, umringten uns schützend und zogen die Waffen.

»Verdammt!«, knurrte Leandro. »Es ist doch eine Falle!«

»Nicht schießen!«, schrie mein Vater und: »Auf den Boden. Jasmin, runter mit dir.«

Wir kamen nicht mehr dazu. Ein Schuss knallte und verhallte in den Bergen, dann waren überall Soldaten in Gummistiefeln. Taschenlampen blendeten uns. Unsere Wachleute wurden ruck, zuck entwaffnet. Zum Glück kamen sie nicht dazu, noch einen Schuss abzugeben, denn hätten die Angreifer das Feuer erwidert, wären wir mit Sicherheit von der einen oder anderen Kugel getroffen worden, so eng wie es auf der Straße zwischen Hang, Autos und Abhang war.

Der Atem der Soldaten dampfte im Gegenlicht der Autoscheinwerfer, obwohl viele Tücher vor den Gesichtern trugen. Die Läufe von Maschinenpistolen, Gewehren und Pistolen schimmerten keine Handbreit von uns entfernt. Wir wurden zu den Insassen der anderen Autos getrieben, drei Männer, zwei Frauen und drei Kinder.

»Die FARC«, flüsterte Leandro uns zu. »Die tragen Gummistiefel! Daran erkennt man sie. Kein Wort zu ihnen, dass wir zur Mine wollen! Klar?«

Noch immer hatte ich nicht wirklich Angst. Es war ein Überfall, vielleicht würden wir sogar entführt werden, das war mir schon klar, aber aus irgendeinem Grund glaubte ich nicht, dass sie uns erschießen würden. Sie wirkten so jung, auch wenn man ihre Gesichter nicht sah. Ihre Bewegungen waren fast ein wenig müde und erschöpft, so als seien sie selbst nicht richtig überzeugt von dem, was sie taten.

Sie forderten uns auf, Geld, Handys und Schmuck herauszugeben. Die Frauen aus den beiden anderen Autos zeterten und schimpften. Leandro Perea rückte mit dem Gesicht eines kleinen Angestellten ein Bündel Geldscheine heraus, das viel kleiner war, als ich vermutet hätte. Wenn die Revolutionären Volksarmisten unseren Jeep auseinandernahmen, würden sie vermutlich den viel größeren Rest finden und dann ... Ich wollte mir nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die kriegerischen Burschen in den Tarnuniformen mit den Gummistiefeln herausfanden, dass Leandro El Gran Guaquero war, einer der reichsten Männer Kolumbiens. Zum Glück trug er seinen Reichtum nicht zur Schau. Er trug keinen Schmuck, keine teure Uhr, nur diese alberne Anglerweste und Schaftstiefel, die ihn aussehen ließen wie einen Bankbeamten auf Tour durch die Wildnis.

Elena verlor ihre Halskette, ihr Armband, zwei Silberringe und ihre Uhr an drei Männer, die lächelten wie die Kinder. Mir nahm einer Simons Uhr weg. Handys hatten Papa und ich nicht dabei, denn wir waren der Meinung gewesen, dass wir nirgendwo in der Wildnis ein Netz finden würden. Das Satellitenhandy, das Leandro dabeihatte, wurde er jedenfalls los.

Nachdem sie uns alles abgenommen hatten, näherte sich uns der Chef der Bande, ein kleiner Mann mit einer langen Narbe auf der Wange. Er trug ein Maschinengewehr und zwei Munitionsgürtel und sah aus wie aus einem von den alten Western entsprungen, in denen die Mexikaner immer wagenradgroße Hüte trugen und von Mario Adorf gespielt wurden.

»Ihr seid Ausländer«, sagte er. »Wo kommt ihr her?«

»Aus Deutschland«, antwortete mein Vater in seinem Spanisch mit starkem Akzent. »Ich bin Arzt. Ich habe Medikamente und Instrumente dabei. Wir wollen nach ...«

Leandro unterbrach ihn rasch: »Nach Popayán.«

»So? Nach Popayán?« Der Bandenchef kratzte sich die Narbe. »Was wollt ihr da?«

»Menschen kurieren«, sagte mein Vater.

»Wir haben ein Krankenhaus in Popayán. Wer hat euch denn eingeladen?«

»Der CRIC«, sagte ich schnell. »Der Regionalrat der Indígenas vom Cauca.«

Leandro und Elena zuckten zusammen.

Der Narbige tauchte seinen Blick unter dicken Brauen hervor tief in meinen, während eine Taschenlampe mich beleuchtete und sicherlich meine blauen Augen erhellte.

»Und wer bist du?«, fragte er. »Wie heißt du?«

»Und du? Wie heißt du?«, fragte ich zurück.

Der Mann mit der Narbe lachte amüsiert. »Ich bin Major Antonio de Paicol.«

»Und ich heiße Jasmin. Das ist mein Vater, Markus, das sind meine Freundin Elena und ihr Vater. Wir sind in Popayán mit Damián Dagua verabredet. Morgen um zehn Uhr am Torre del Reloj. Seine Schwester Clara ist krank. Mein Vater soll sie behandeln. Sie stirbt vielleicht sonst.«

»So? Was hat sie denn, die Schwester von unserem Damián?«

»Das weiß ich nicht. Niemand weiß es. Deshalb soll mein Vater sie sich ja anschauen.«

»Und da reist ihr zu viert und mit vier Männern mit Pistolen und Gewehren? So viele gute Absichten, und solche Angst habt ihr, durch die Anden zu fahren?«

»Müssen wir denn keine Angst haben?«, fragte ich.

»Por supuesto que no«, antwortete Major Antonio de Paicol. »Natürlich nicht. Wir lieben die Gerechtigkeit. Wir sind keine Unmenschen. Wir werden doch Damiáns Schwester nicht sterben lassen. Venga, va! Kommt mit! Das hier wird noch Stunden dauern. So schafft ihr es nie bis morgen um zehn Uhr. Los! Wir bringen euch.«

Wenn man von etwa dreißig bewaffneten Revolutionsarmisten umringt war, immer in Gefahr, erschossen oder den Abhang hinabgeschubst zu werden, klang eine solche Einladung wie ein Befehl. Wir hatten keine Wahl. Nicht einmal Leandro Perea protestierte. Er hielt den Mund. Hier, auf dieser Straße hatte er keine Macht. Lammfromm nahm er meinem Vater einen der beiden Medizinkoffer ab und schritt folgsam hinter ihm an den Insassen der anderen Autos und dem Sattelschlepper vorbei, dessen Räder tiefe Löcher in den Fahrweg geschliffen hatten.

Elena stolperte und flüsterte auf Deutsch: »Bist du verrückt? Warum hast du das erzählt? Vielleicht hätten sie uns wieder laufen lassen.«

»Vielleicht auch nicht«, sagte ich. »Mein Vater und ich haben deutsche Pässe. Vielleicht hätten sie uns entführt, um Lösegeld zu erpressen. Deutsche werden doch immer gern entführt, oder nicht?«

Als wir am Führerhaus des Sattelschleppers vorbeikamen, sah ich, dass einer der Guerilleros neben dem Fahrer saß. Ein paar der Bande hatten Bretter unter die Reifen gelegt. Wenn wir vorbei waren, würden sie einen neuen Versuch unternehmen, den Laster freizufahren. Dann würden sie ihn irgendwohin in die Berge bringen, ihn ausladen und die Lebensmittel und Waren in der Gegend verkaufen. Vermutlich waren wir einer kriminellen Bande in die Hände gefallen. Aber Kriminalität konnte hier ganz schnell in Politik umschlagen, hatte uns John Green gewarnt.

Vor der Schnauze des Sattelschleppers standen drei klapprige Militärlastwagen mit Planen. Der Major führte uns zu dem vordersten und lud uns ein, hinten auf die Ladefläche zu klettern. Fünf Bewaffnete folgten uns, der Major, ein Fahrer und ein weiterer Bewaffneter stiegen ins Führerhaus. Dann ging es los.

Der Jeep war schon unbequem gewesen, aber man hatte wenigstens auf gepolsterten Sitzen gesessen. Auf der Ladefläche des Lasters gab es nur Bretter zum Sitzen und die Stangen der Plane, um sich festzuhalten. Jedes Schlagloch warf uns gegeneinander. Die jungen Kerle hatten sich auf den Boden gesetzt und sich mit den gestiefelten Füßen und ihren Schultern routiniert in den Ecken verkeilt. So hatten sie die Hände frei, um Zigaretten zu drehen.

»Bringen sie uns wirklich nach Popayán?«, fragte mein Vater leise auf Deutsch.

»Es sieht so aus«, antwortete Leandro leise und ebenfalls auf Deutsch, das er immerhin gebrochen sprach. »Wenn wir Glück haben, lassen sie uns dort laufen.«

»Und wenn nicht?«, fragte Elena.

Leandro zuckte mit den Schultern. »Auf jeden Fall sollte morgen um zehn dieser verdammte Damián am Uhrenturm auftauchen.«

»Und wir sollten eine kranke Schwester herbeizaubern«, ergänzte Elena. »Wie bist du nur auf diese schwachsinnige Idee gekommen, Jasmin?«

»Jasmin hat uns vermutlich gerettet«, sagte Leandro knapp.

»Und Damián hat wirklich eine kranke Schwester«, antwortete ich. »Sie lebt in den Bergen.«

»Was hat sie denn?«, fragte mein Vater.

»Keine Ahnung.« Ich zuckte mit den Schultern. Eigentlich durfte ich ja nicht viel über ihn wissen, nachdem ich meinen Eltern erklärt hatte, ich hätte keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt. »Ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen«, sagte ich. Und es stimmte sogar. »Ich habe ihn nicht mehr gesehen seit dem Ball. Ich habe nur gehört, wie es jemand sagte. Deshalb sei er plötzlich zurück nach Popayán gegangen.«

Mein Vater fragte nicht weiter, wo und von wem ich was über Damián gehört hatte. Es war ja auch unwichtig in der Lage, in der wir uns befanden. Auch Leandro Perea mochte eingesehen haben, dass es ein Glück war, dass ich Damián Dagua kannte. Sonst hätten wir vielleicht immer noch im Schlamm hinter dem Sattelschlepper gestanden und hätten im besten Fall, unserer Autos beraubt, den Weg ins nächste Dorf zu Fuß antreten können. Im schlechtesten Fall wären wir jetzt tot. Allerdings, wenn diese bewaffnete Bande und ihr Major Damiáns Namen kannten, dann bedeutete das auch, dass Damián irgendeine Größe in diesen Kreisen war. Daran führte kein Weg vorbei.

Ein Schlagloch schüttelte uns durch. Wir mussten uns erst wieder sortieren.

»Das hast du mir gar nicht erzählt«, flüsterte Elena mir zu, als wir etwas ruhiger durch die Nacht rollten.

»Was denn?«

»Dass man Damián nicht von der Schule geworfen hat, sondern dass er von selbst gegangen ist.«

»Das weiß ich nicht so genau. Ich habe es jetzt nur erfunden«, wisperte ich zurück.

»Und woher weißt du das mit der kranken Schwester?«

»Das erzähle ich dir ein andermal in Ruhe.«

»Und wie benachrichtigen wir ihn jetzt, damit er morgen an den Uhrenturm kommt? Falls die hier uns bis dahin nicht aus den Augen lassen.«

»Das weiß ich auch nicht, Elena. Ich habe keinen Kontakt zu ihm.«

Ich überlegte ja schon die ganze Zeit fieberhaft, wie ich mit Damián Kontakt aufnehmen konnte, aber mir war noch nichts eingefallen. Ich hatte keine Telefonnummer von Mama Lula Juanita, ich wusste nicht einmal, ob sie überhaupt ein Telefon besaß. Und selbst wenn ich ihre Nummer gehabt hätte, so gab es hier auf dem Lastwagen keine Möglichkeit zu telefonieren. Leandros Satellitenhandy befand sich in den Händen der jungen Männer mit den olivgrünen Uniformen und den Gummistiefeln.

Außerdem war es tiefe Nacht. Ich konnte also nur darauf hoffen, dass sich morgen früh irgendwo ein Telefon fand. Doch wenn Damián sich in den Bergen bei seiner Schwester aufhielt, war er vermutlich gar nicht oder nur per rennenden Boten erreichbar. Und wer sagte, dass er überhaupt bereit war, uns aus unseren Notlügen zu erlösen und dem Major und seinen Waffengängern die Komödie vorzuspielen, die ich angezettelt hatte? Warum sollte er uns denn helfen? Schließlich musste er vermuten, dass Leandro Perea seine Macht genutzt hatte, um sein, Damiáns, Praktikum im Colegio Bogotano zu beenden, weil meine Freundin Elena ihn lauthals und öffentlich einen Dieb genannt hatte und weil er selbst sich dem Minenbesitzer gegenüber offen feindselig geäußert hatte. In Damiáns Augen war ich mit den falschen Leuten zusammen.

Wir rollten inzwischen auf einer Asphaltstraße. Weil wir keine Uhren mehr hatten, konnten wir nicht nachschauen, wie spät es war. Elena war gegen mich gesunken und schlief.

Dann hielt der Transporter plötzlich. Elena fuhr hoch.

Der Major erschien mit einem der Bewaffneten, die vorn gesessen hatten, hinten an der Klappe und rief: »Jasmin, komm runter.«

Mein Vater richtete sich auf und packte mich am Arm. »Warum?«, fragte er. »Was habt ihr vor?«

»Keine Angst, wir tun deiner Tochter nichts. In einer Stunde sind wir in Popayán. Jasmin fährt vorn bei mir. Ich möchte mich ein wenig mit ihr unterhalten.«

Widerstrebend ließ mein Vater mich absteigen. Währenddessen stieg der Soldat aus dem Führerhaus auf die Pritsche. Der Major führte mich am Rand einer überraschend breiten Asphaltstraße nach vorn und ließ mich auf der Beifahrerseite einsteigen. Ich musste an den Fahrer heranrücken, damit der Major selbst ebenfalls noch Platz fand.

Wir fuhren los.

Antonio bot mir Zigaretten an und, als ich ablehnte, Kokablätter. »Das hält wach«, sagte er. »Man spürt die Kälte nicht, man hat keinen Hunger und es hilft gegen die Höhenkrankheit.«

Ich schüttelte instinktiv den Kopf. Kokablätter enthielten Kokain, soviel ich wusste.

»Keine Sorge«, sagte Antonio. »Man wird nicht abhängig davon. Kokablätter gehören zu unserer Kultur wie bei euch Kaffee oder Tee. Die Spanier haben früher die Minenarbeiter damit versorgt. So konnten sie zwei Tage arbeiten, ohne zu essen und zu schlafen. Dann kamen die Kommunisten und wollten sie verbieten, weil sie zur Ausbeutung dienten. Aber der Kokaanbau gehört zu unserer Kultur und niemand kann ihn uns verbieten.«

Er drückte mir ein paar trockene Blätter in die Hand. Sie waren länglich geformt wie Weidenblätter.

»Du steckst sie in den Mund, kaust sie ein bisschen und machst eine Kugel daraus, die du unter die Zunge steckst. Wenn sie nach einer Stunde nach nichts mehr schmeckt, nimmst du die Kugel raus. Aber du spuckst sie nicht auf den Boden, denn Kokablätter sind heilig und Pachamama bespuckt man nicht.«

Pachamama, so nannte man in der Sprache der Andenvölker die heilige Mutter Erde.

»Nun nimm schon!«

Sollte ich es riskieren, Antonio zu beleidigen? Ich steckte mir drei Blätter in den Mund und begann vorsichtig darauf herumzukauen. Sie schmeckten grasig.

Antonio de Paicol lachte freundlich. »Es macht dich wach, wirst sehen.«

Es wirkte wie starker Kaffee. Ich fühlte mich schlagartig ziemlich klar im Kopf. Der Fahrer, ein junger Kerl, dem die halbe Hand fehlte, nickte mir freundlich zu. Auch er hatte Kokablätter in den Backen. Die Scheinwerfer fraßen die Straße. Büsche und Bäume huschten vorbei. Sterne standen am Himmel, wenn man ihn zwischen den Höhen sah. Es ging bereits bergab.

Popayán lag etwa tausend Meter tiefer als Bogotá, aber ebenfalls in einem Hochtal der Anden. Das hatte ich gelesen, als ich mein Referat über die alte Kolonialstadt schrieb. Und ich hatte mir alles, was diese Stadt betraf, genau gemerkt: Straßennamen, Plätze, Gebäude. Denn Popayán war die Stadt, in der zu leben ich mich vielleicht hätte entscheiden müssen, wenn Damián seine Universität gründete. Es hatte mich allerdings etwas irritiert, zu lesen, dass Popayán bereits eine Uni hatte. Popayán war mir inzwischen fast so vertraut, als wäre ich hundertmal an Damiáns Seite durch die Straßen und über die Plätze der weißen Stadt gelaufen und als hätten wir uns ein Dutzend Mal am Torre del Reloj verabredet, dem wuchtigen weißen Turm mit der Uhr neben der schneeweißen Kathedrale am Parque Caldas.

»Woher kennst du Damián?«, riss mich der Major aus meinen Gedanken.

So wenig wie möglich lügen!, dachte ich. »Er hat ein Praktikum an der Schule gemacht, in die ich gehe.«

»In Bogotá?«

Ich nickte. Wie genau wusste Antonio wohl Bescheid über Damián? »Da habe ich ihn kennengelernt. Aber wir kennen uns nicht sehr gut.«

Antonio zündete sich noch eine Zigarette an. »Und da fragt er dich, ob dein Vater seine Schwester heilen kann? Seine Großmutter ist eine weise Frau, sie soll schon viele geheilt haben, sagt man. Warum kann sie ihre Enkelin nicht heilen?«

Mir wurde kurz heiß und kalt. Stimmt! Das hatte ich nicht bedacht. Rief ein Indígena einen Schulmediziner zu Hilfe, wenn er eine Wunderheilerin in der Familie hatte, zu der in Bogotá die Leute pilgerten, die von keiner anderen Medizin mehr geheilt werden konnten?

»Mein Vater ist ... ist ... ist Arzt. Vielleicht muss man sie operieren.«

»Hm.«

»Kennst du Damián?«, fragte ich. »Und seine Schwester, Clara?«

»Seine Schwester kenne ich nicht.« Er wirkte auf einmal wortkarg. »Was hat Damián in Bogotá gemacht?«

»Studiert, glaube ich.«

»Und an dieser Schule? Ist er Lehrer?«

Ich hatte auf einmal das Gefühl, dass ich jetzt nichts Falsches sagen durfte. Nur dass ich nicht wusste, was das Falsche war. In Antonios Fragen schwang ein gewisses Misstrauen mit oder so etwas wie Bitterkeit oder Zorn oder Neid. Es war schwer zu sagen. Ich spürte nur, dass er und Damián keine Freunde waren. Womöglich hatte ich uns doch keinen Gefallen getan, als ich den erstbesten Namen nannte, der mir einfiel, um unsere Fahrt nach Popayán zu erklären, nachdem Leandro Perea uns gewarnt hatte, etwas über unser wahres Reiseziel zu sagen.

»Nein, er hat dort gearbeitet, als Hausmeister«, erklärte ich. »Soviel ich weiß. Aber, wie gesagt ...«

»Wie gesagt, du kennst ihn nicht besonders gut«, ergänzte er mit spöttisch augenzwinkerndem Unterton. »Die Kokablätter sind gut, nicht wahr? Sie helfen!«

Ich nickte. »Ja. Sie machen wach. Das stimmt.«

Der Major lachte. In der Finsternis tauchte tief vor uns das Geglitzer einer Stadt auf. Ein fremdartiges Juwel in der gigantischen Finsternis der Berge.

»Popayán«, sagte Antonio. »Warst du schon mal dort?«

»Nein.« Ich begann, mich zu fragen, was der Guerillero mit der Narbe im Gesicht von mir wollte. Aber vielleicht wollte er sich wirklich einfach nur ein bisschen mit mir unterhalten.

»Du bist ein mutiges Mädchen. Das habe ich gleich gesehen.«

Mir gefiel sein Ton immer weniger. »Es ist schade«, sagte ich, »dass man Mut haben muss, hier in diesem Land.«

»Wir haben uns das nicht ausgesucht«, antwortete Antonio ernst. »Hätte es die Ausbeutung der Bauern durch die Großgrundbesitzer nicht gegeben und hätte die Regierung nicht Bürger zweiter Klasse geschaffen, dann hätte es uns niemals geben müssen. Wir haben den Frieden gesucht, aber die Konservativen wollen keinen Frieden mit uns. Wir wollten am demokratischen Prozess teilnehmen, wir haben Kandidaten für die Wahlen aufgestellt, aber die Armee hat Tausende unserer Politiker ermordet. Die Regierung will keinen Frieden mit uns.«

»Wollt ihr denn wirklich Frieden?«

»Wir wollen Lösungen auf politischer Ebene. Wir wollen, dass die Armee nicht mehr gegen die Bevölkerung vorgeht, wir wollen Demokratie und Gewaltenteilung zwischen Justiz und Politik, wir wollen Pressefreiheit, wir wollen soziale Unterstützung für die Armen, wir wollen, dass mehr Geld für Bildung ausgegeben wird. Wir wollen Entwicklungsprogramme für die ländliche Region. Dann können die Kokabauern etwas anderes anbauen und das Drogenproblem ist gelöst. Die Smaragd- und Goldminen sollen unter staatliche Kontrolle gestellt werden. Ist das verkehrt, Jasmin? Wollen wir etwas Böses?«

»Nein. Aber ...« Ich zögerte.

»Ja?«, fragte Antonio nach. »Nur Mut, bei mir darf jeder seine Meinung sagen.«

Wenn ich nur so genau gewusst hätte, was ich sagen wollte. »Vielleicht will auch die Regierung nichts Böses. Sie versucht es nur auf andere Weise.«

»Die Regierung interessiert sich nicht für die armen Leute. Die Politiker wirtschaften nur in ihre eigene Tasche. Sie haben dem Volk viele Milliarden Dollar geraubt und in Privatfirmen gesteckt. Sechzig Prozent der Smaragdminen gehören einem einzigen Mann, Leandro Perea, genannt El Gran Guaquero. Den Namen hast du sicher schon gehört.«

»Ja.«

»Er reist immer mit ein oder zwei Hubschraubern. Er wagt sich nicht mehr unters Volk. Er hat Angst. Er ist ein Feigling. Seine Minen werden von Soldaten geschützt, Soldaten der Regierung und einer Privatarmee. Sie haben starke Waffen. Wir haben keine Chance, die Minen fürs Volk zurückzuerobern.«

Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Ich fühlte Antonios Blick auf mir ruhen und hoffte inständig, dass es viel zu dunkel war, als dass er mir irgendwas ansehen konnte. Womöglich wusste er längst, wen er hinten auf dem Lastwagen hatte, und amüsierte sich darüber, dass wir glaubten, wir könnten ihn täuschen. Das Gesicht eines Mannes, dessen Name im Land so bekannt war wie der von Leandro Perea, war vermutlich ebenso bekannt. Wahrscheinlich hatte Antonio den Großen Schatzsucher sofort erkannt. Oder war es zu dunkel gewesen, um ihn zu erkennen? Elena hatte mir mal erzählt, dass ihr Vater sich nicht gern in der Öffentlichkeit zeigte und keine Fernsehinterviews gab.

Ich überlegte hin und her, während wir den Kurven der Straße folgten. Immer wieder sah ich Popayán unten vor uns glitzern. Solange wir nicht auf einen der unbefestigten, steinigen und schlammigen Wege ins Gebirge abbogen, waren wir einigermaßen in Sicherheit, dachte ich. Und wie es aussah, fuhren wir tatsächlich ins Pubenza-Tal hinab.

Der Ruf des Kolibris
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