Kapitel
38

For he's a jolly good fellow , for he's a jolly good fellow . For he's a jolly good fellow , that nobody can deny  …‹

Der Gesang hallte noch in Turk Wills' Ohren wider, als der Kuchen hereingetragen wurde. Zwei Männer mußten das gute Stück tragen. Die Torte war deutlich größer als die, die man ihm bei seinem Abschied als Captain der Florida Highway Patrol vor zwölf Jahren gebacken hatte. Damals war er zweiundvierzig gewesen, und da er der erste Schwarze in der Geschichte dieser ruhmvollen Truppe gewesen war, der es hinauf zum Rang eines Captains geschafft hatte, war es nicht leicht gewesen, ihn wieder loszuwerden. Doch dann hatte Wills den Fehler begangen, gegen den ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten die Ermittlungen in einem Fall fortzusetzen, bei dem es um den Mißbrauch von Regierungsbesitz ging. Als die Beweise dann für eine Anklageerhebung nicht ausreichten, mußte einer als Prügelknabe herhalten – und das war dann Turk Wills gewesen.

Eins stand jedoch fest: Diesmal wollten deutlich mehr Menschen ein Stück Kuchen abhaben als damals bei seinem Abschied von der Highway Patrol. Als Chef des Sicherheitsdienstes vom Magic Kingdom in Disney World unterstanden Wills an die fünfhundert Mitarbeiter.

»Eine Rede! – Eine Rede! – Eine Rede!« rief die Menge, die sich jetzt in die Kommandozentrale drängte, im Chor. Turk trat an die Torte, um die Kerzen auszublasen.

Es war schon seltsam, in den Ruhestand zu treten, wenn man bereits in Florida arbeitete. Wo jeder, der es sich leisten konnte, von zu Hause wegzog, um auf dieser Halbinsel seinen Lebensabend zu verbringen, wo sollte sich dann jemand zur Ruhe setzen, der sein halbes Leben hier gelebt und gearbeitet hatte? Wills wollte natürlich, wie jeder andere in seiner Situation auch, von nun an mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, aber die Enkel hatten lautstark protestiert, als er verkündete, bei Disney World aufzuhören. Sie fürchteten um ihre Sonderbehandlung, hatten Angst, keine Backstage-Pässe mehr zu bekommen und nicht mehr durch die unterirdischen Tunnel streifen zu können. Sie waren noch zu klein, um Turks Erklärung zu verstehen. Wie hätte er ihnen beibringen können, daß Disney Worlds größte Probleme heutzutage Kreditkartendiebstahl und -fälschungen waren, und daß es andere Leute gab, die diese Probleme besser lösen konnten? Turk war immer Straßen-Cop geblieben, und irgendwelche Kleinkriminellen dingfest zu machen, in deren Unterhosen etliche gestohlene Plastikkarten geschoben waren, hatte für ihn schon lange an Reiz verloren. Außerdem war er heute bereits vierundfünfzig – höchste Zeit also, seinen Platz für die nachfolgende Generation zu räumen.

Beim Kerzenausblasen fiel sein Blick auf die gläserne Trennscheibe. Für einen Mann seines Alters besaß er immer noch einen straffen und muskulösen Körper, und mit seiner Figur hätte er in der Ersten Football-Liga gut einen Offensive-Player abgeben können. Das war auch früher einmal sein Traum gewesen, bis er sich im ersten Jahr an der Clemson High School das Knie unrettbar verletzt hatte. Wills betrieb in seiner Freizeit viel Fitneß-Training, und es freute ihn immer wieder, daß er aus einiger Entfernung zehn oder fünfzehn Jahre jünger aussah. In der letzten Zeit hatte er sogar häufiger daran gedacht, sich das Haar wieder wachsen zu lassen. Eine ziemliche Veränderung, da er sich seit seiner High-School-Zeit täglich den Schädel kahlrasierte.

Turk war es hier in Disney World nicht schlecht ergangen, aber er war froh, jetzt damit aufhören zu können, bevor der Park Nummer Vier offiziell eröffnet wurde. So wurde die Anlage von allen genannt, seit vor drei Jahren die Bauarbeiten auf der Osceola-Seite von Disneys dreiundvierzig Quadratmeilen großem Besitz begonnen hatten. Selbst die Bauarbeiter hatten nicht gewußt, was sie dort errichteten. Jede neue Konstruktionszeichnung, die Turk zu sehen bekommen hatte, hatte ihn noch ratloser als vorher zurückgelassen. Erst vor vier Monaten hatte er erfahren, worum es hier ging, und zwar auf einer Repräsentanten-Betriebsversammlung – was bei Disney World soviel bedeutete, daß jeder vom Gehwegfeger an aufwärts daran teilnahm.

Park Nummer Vier stand unter dem Thema Safari, und hier sollte der größte und bestausgestattete Zoo der Welt entstehen. Ein geschlossener Zug würde sich über und vorbei an den Disney-Versionen von afrikanischer Steppe, den Dschungeln am Kongo und am Amazonas bewegen – und natürlich an den anderen brillant reproduzierten Regionen, die den lebenden Tiere im Disney-Zoo ein gewohntes Zuhause bieten sollten.

Die Besucher konnten dann die Tiere ungehindert von Wällen, Gittern oder Zäunen aus einem Waggon aus betrachten. Daneben gäbe es für die Kleinen auch ein Dutzend Streichelzoos. An anderen Stellen würden sich Schimpansen mit Besuchern in Zeichensprache unterhalten – natürlich mit der Vermittlung eines Übersetzers –, und darüber hinaus sollte hier die weltgrößte Reptilien- und Vogelschau zu besichtigen sein.

Safariland sollte der größte Themenpark von Disney werden, in seiner Fläche so gigantisch wie Epcot und MGM zusammengenommen.

Laut Plan wollte man den Park im Sommer eröffnen, und bislang hatten Disney-Projekte stets pünktlich begonnen.

Doch nicht in diesem Fall.

Nie zuvor hatte man lebende Tiere ins Disney-Angebot aufgenommen, und ihre Versorgung und Pflege waren zusammen mit unerwarteten logistischen Problemen verantwortlich dafür, daß die Eröffnung erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Hinzu kamen erhebliche Schwierigkeiten bei der bedeutendsten und sicher attraktivsten Schau in Safariland:

Dinoworld.

Ursprünglich war vorgesehen gewesen, eine Art Jurassic Park mit Roboter-Sauriern zu schaffen, die genauso realistisch agieren sollten wie die in dem erfolgreichen Film. Die Software bereitete allerdings zahlreiche Probleme. Die Programme, die für den Bewegungsablauf der Urwelttiere geschrieben worden waren, erwiesen sich als die kompliziertesten überhaupt. Von Anfang an waren die besten Computer dafür erforderlich, die man erwerben konnte. Doch selbst dann kam es in den Programmen immer wieder zu Fehlschaltungen, und ständig brach bei den Robotertieren die Mechanik zusammen.

Da nun der Safaripark und Dinoworld nicht wie geplant eröffnet werden konnten, hatte man zu einem Kompromiß finden müssen, damit die Sommergäste, die sich schon lange im voraus Karten besorgt hatten, nicht enttäuscht wurden. Am Nationalfeiertag, den 4. Juli, würden zwei der beliebtesten Saurier – ein Tyrannosaurus Rex und ein Stegosaurus – zur Vorführung fertig sein.

Wills hatte sich an die Geschäftsleitung gewandt und gefragt, ob man sich dort überhaupt eine Vorstellung darüber machte, was das für die Kontrolle über die Besucherscharen bedeuten würde. Sie antworteten ihm, daß das allein sein Problem sei, das letzte, mit dem er fertig werden müsse, bevor er zurücktrat. Und so kam es, daß Turk nicht nur für hunderttausend Touristen, Paraden und das traditionelle Feuerwerk, sondern auch für zwei Saurier die Verantwortung hatte, die an diesem Tag offiziell der Welt vorgestellt werden würden.

Als er die letzte Kerze auf dem Riesenkuchen erreichte, hielt er für einen Moment inne. Erst jetzt fiel ihm auf, daß man in der Mitte der Torte mit Zuckerguß einen Tyrannosaurus nachgebildet hatte. Seine Miene verdüsterte sich, und alle anderen lachten oder grinsten.

»Also, wenn ich mich nicht verrechnet habe«, begann er theatralisch, »dann haben wir heute den 3. Juli, woraus geschlossen werden darf, daß ich morgen meinen letzten Arbeitstag antrete und euch Blödmänner und, Verzeihung, ich möchte nicht sexistisch werden, Blödfrauen mit all den Problemen allein lassen kann, die diese Maschinen …«

»Turk«, rief einer seiner Assistenten von der Tür zum eigentlichen Büro.

»Du unterbrichst meine Rede, Freundchen!«

»Tut mir leid. Da ist ein wichtiger Anruf.«

»Von der Hauptverwaltung?«

»Nein, Sir«, antwortete der junge Mann mit fassungsloser Miene, »aus Washington.«

»Sie?« fragte Haslanger ungläubig und erhob sich.

Fuchs straffte seine Gestalt. »Wissen Sie vielleicht einen Besseren, der bei dieser Geschichte die Fäden in der Hand halten sollte? Sie selbst kommen dafür ja wohl kaum in Frage.«

»Sicher, ich nicht.«

»Natürlich nicht. Um die Mission zu leiten, müßten Sie schließlich den Schoß von Gruppe Sechs verlassen, und das steht ja wohl kaum zu erwarten, oder?«

Haslanger schwieg.

»Sie wären gut beraten, das während meiner Abwesenheit nicht zu vergessen. Ihre Leistungen, wenn man sie so nennen darf, haben in der letzten Zeit doch arg zu wünschen übriggelassen. Der Fehlschlag mit dem GL-12, dann Ihr Blendstrahl und gar nicht erst zu reden davon, wie sie CLAIR vermurkst haben.«

»Ich habe es vermurkst?«

»Der Junge war Ihre Schöpfung. Und deshalb hätten Sie in der Lage sein müssen, ihn auch unter Kontrolle zu halten. Doch statt dessen hat er mit Ihrer Erlaubnis getan und gelassen, was immer er wollte. Und dann hat er sich nur wieder einfangen lassen, weil er an die Technologie wollte, die wir besitzen. Es wäre doch wirklich furchtbar, wenn er aus Disney World entwischen könnte, und das mit der einzigen noch vorhandenen CLAIR-Probe. Ich meine, das wäre für uns beide furchtbar, nicht wahr?«

»Wohl eher für die ganze Welt.«

»Dann sollten Sie besser darum beten, daß ich Erfolg habe. Und noch etwas, Doktor. Wenn ich nicht mehr für die Gruppe Sechs tätig sein kann, aus welchen Gründen auch immer, sollten Sie sich dringend Gedanken um Ihre eigene Zukunft machen. Möglicherweise ist mein Nachfolger nicht ganz so nachsichtig wie ich, wenn es um Ihre Eigenarten und Spleens geht. Aber wir wollen nicht vom Thema abkommen. Glücklicherweise hat General Starr mich mit ausreichend Personal ausgestattet, um das zu erledigen, was getan werden muß.«

Ein breites Lächeln umspielte die Lippen des Colonels. »Ich darf Ihnen gestehen, daß ich mich schon darauf freue.«

Haslanger wirkte besorgt. »Aber was ist mit McCracken? Er wird natürlich auch dort sein und sicher ebenso viel wissen wie wir.«

»Das will ich auch gar nicht abstreiten, und aus genau diesem Grund möchte ich, daß Sie Krill aktivieren. Ich halte es für das beste, wenn er mich in den Süden begleitet.«

»Disney World?« fragte der Mann am anderen Ende der Leitung ungläubig, was trotz der schlechten Verbindung deutlich herauszuhören war.

»General Starr hat eine halbe Armee dorthin beordert, die Fuchs zur Verfügung stehen soll«, erklärte Thurman ihm. Normalerweise hätte er eine solche Nachricht nicht aus einer öffentlichen Telefonzelle übermitteln dürfen, aber die Umstände ließen ihm keine andere Wahl.

»Aber Sie sind nicht dabei, oder?«

»Ich habe mir gedacht, es wäre an der Zeit, mir einen kleinen Urlaub zu gönnen.«

»Und warum rufen Sie mich dann an?«

»Weil ich dachte, Sie sollten Bescheid wissen. McCracken wird Hilfe benötigen.«

»Und Sie glauben, ich könnte etwas für ihn tun?«

»Ich weiß, daß Sie es zumindest versuchen werden.«

»Kann ich dabei auf Sie zählen?«

»Wie gesagt, ich nehme mir ein paar Tage frei.«

»Damit bleibt mir nicht mehr viel.«

»Immer noch mehr, als McCracken momentan zur Verfügung steht.«

Haslanger sah Krill über seinen Schreibtisch an. In dem Büro herrschte Halbdunkel.

»Der Colonel wünscht, daß du ihn nach Disney World begleitest. Er weiß, daß er dich braucht, um die Angelegenheit zu jedermanns Zufriedenheit zu Ende zu bringen.«

Im trüben Licht glitzerten die Augen der Kreatur, und die Schatten vergrößerten ihren ohnehin schon mißgestalteten Körper auf noch groteskere Weise.

»Ich will auch, daß du dorthin gehst«, fuhr Haslanger fort, »und zwar zu unser beider Wohl. Fuchs hat zuviel Zeit darauf verwendet, alles mögliche über mich in Erfahrung zu bringen. Ich möchte sogar annehmen, daß er der einzige ist, der alles weiß, und wenn die Geschichte schiefgeht – und davon bin ich eigentlich ziemlich überzeugt –, bin höchstwahrscheinlich ich es, der den Sündenbock spielen darf. Daran hege ich keinen Zweifel. Schließlich weiß ich, wie der Colonel arbeitet.«

Haslanger erhob sich. »Aber auch ein Fuchs kann geschlagen werden. Wir beide, du und ich, können uns von ihm befreien – vorausgesetzt, er kehrt von dieser Mission nicht zurück, und ebenso vorausgesetzt, Joshua Wolfe und sein verdammtes Gift werden vernichtet.«

»Er macht dir angst«, stellte Krill mit einer Stimme fest, die in der Dunkelheit wie ein leiser Windhauch klang.

»Wer, der Colonel? Wohl kaum.«

»Ich meinte auch den Jungen. Er macht dir angst, weil du weißt, daß er viel klüger ist als du. Du verlangst von mir, ihn umzubringen, weil er inzwischen mehr als nur eine Bedrohung für Gruppe Sechs geworden ist. – Der Schöpfer hat Angst, von seiner eigenen Schöpfung vernichtet zu werden.«

Haslanger ließ sich wieder am Schreibtisch nieder und zwang sich dazu, durch die Dunkelheit zu starren, bis er das verformte Gesicht und den klobigen Schädel besser ausmachen konnte. »Ja, ich habe Angst, und die solltest du auch haben. Wenn es Fuchs gelingt, Disney World mit der Substanz des Jungen zu verlassen, bin ich die längste Zeit für ihn von Wichtigkeit gewesen – und damit braucht er dich dann auch nicht mehr.

Versteh doch, sie müssen alle sterben, jeder in diesem Vergnügungspark. Fuchs wird dafür verantwortlich gemacht werden, und wir sind gerettet – genauso wie Gruppe Sechs. Washington schickt dann einen anderen Administrator, der die Gruppe leiten soll, und der wird wohl kaum etwas von dem wissen, was Fuchs über dich und mich herausgefunden hat.

Sag mir, daß du das auch so siehst. Sag mir, daß du dich meiner Sichtweise anschließt.«

Krill nickte.

»Sehr gut«, meinte Haslanger deutlich ruhiger. Er stand wieder auf und trat an den verschlossenen Schrank, hinter dessen Türen sich eine Sammlung seiner Schöpfungen befand.

»Ich erkläre dir jetzt, wie du vorgehen wirst …«

»Ich habe herausgefunden, warum Sie Schwierigkeiten hatten, Ihren Freund zu erreichen«, sagte Sal mit grimmiger Miene zu Susan, als er zu dem Wagen zurückkehrte, mit dem sie den ersten Teil der Reise nach Florida zurücklegen wollten. Belamo hatte bereits ein Privatflugzeug gechartert, mit dem der Großteil der Strecke bewältigt werden sollte. Wenn alles nach Plan verlief, würden sie früh am Sonntagmorgen in Orlando eintreffen.

»Sein Name ist Dr. Killebrew.«

»Sein Name war Dr. Killebrew. Er wurde bei der Explosion geröstet, die die gesamte SKZ-Anlage im Mount Jackson zerstört hat.«

Susans Magen krampfte sich zusammen. »Großer Gott …«

»Es kommt noch schlimmer. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, planen gewisse Stellen, Ihnen die Schuld an der ganzen Sache in die Schuhe zu schieben. Sie behaupten, Sie hätten den Verstand verloren, und nennen Sie eine Verräterin.«

»Willkommen im Club«, brummte McCracken vom Rücksitz.

»Damit kommen sie niemals durch!« empörte sich Susan.

»Doch, das werden sie«, versicherte Blaine ihr. »Sie sind zu einer bequemen Zielscheibe geworden, und jeder, der Dreck am Stecken hat, kann Sie zum Sündenbock machen. Man wird einfach behaupten, Sie hätten sich mit den falschen Leuten bei Gruppe Sechs eingelassen und denen dann geholfen, die Anlagen in dem Berg zu vernichten, ehe Sie nach Westen geflohen seien.«

»Wovon reden Sie denn da?«

»Sag es ihr, Sal«, forderte McCracken seinen Kumpel auf, ohne den Blick von Susan zu wenden.

»Tja, man wird Sie wohl als Komplizin ansehen. Die Hauptschuld kriegen der Boß, der Indianer und meine Wenigkeit ab.«

»Soll das vielleicht heißen, wir können in Disney World niemanden um Hilfe bitten?« fragte sie ungläubig.

Blaine nickte mehrmals langsam: »An so etwas habe ich mich längst gewöhnt.«

»Ich werde mich aber nicht damit abfinden. Hören Sie, es geht doch immer noch darum, Josh und die zweite CLAIR-Ampulle zu finden.« Sie schüttelte den Kopf. »Killebrew hat mit dem Organismus einige enorm wichtige Experimente durchgeführt. Er hat bestimmt versucht, mich zu erreichen, hat sicher jede Möglichkeit dazu genutzt.«

»Mittlerweile dürfte jeder, der in der Lage ist, ein paar Knöpfe zu drücken, Ihren Anrufbeantworter abgehört haben«, entgegnete Belamo.

Susan drehte sich zu McCracken um. »Ich habe einen zweiten Anrufbeantworter eingerichtet, wie Sie es mir geraten haben, und Killebrew meine Nummer gegeben.«

»Ich kann mich nicht daran erinnern, Sie aufgefordert zu haben, die Nummer einem anderen als mir zu geben.«

»Sie sind aber nicht der einzige, der in der Lage ist, seinen Kopf zu gebrauchen.«

Sal zog sein Handy aus der Jackentasche. »Ach was, scheiß doch der Hund drauf, wir probieren es einfach.«

Den Behörden in Arkansas blieb keine andere Wahl, als das Feuer ausbrennen zu lassen, das nach einer Serie von Explosionen durch die Anlagen des SKZ im Mount Jackson wütete. Zwölf Stunden vergingen, ehe die ersten Rettungstrupps mit ihren Hubschraubern näher heranfliegen konnten.

Die erste Überprüfung der Lage ergab, daß man kaum darauf hoffen durfte, jemanden lebend aus diesem Inferno zu retten. Genaueres ließ sich jedoch erst nach einer gründlicheren Untersuchung sagen. In den Lagerstätten befanden sich einige Proben in ultrasicheren Isoliergehäusen, die man, wenn schon nichts anderes, vielleicht würde bergen können.

Der erste Rettungstrupp konnte nicht näher als eine Meile an die Katastrophenstelle herangeflogen werden, weil die Hitzeentwicklung noch zu stark war. Zehn Männer begannen den gefährlichen Marsch durch die rauchgeschwängerte Luft und bewegten sich nach Norden auf die zertrümmerte Stätte zu.

Susan hielt das Handy noch einige Sekunden an ihr Ohr, nachdem Killebrews Nachricht abgespult war. Sie hätte sie sich noch einmal anhören können, sah dafür aber keine Anlaß. Seine Worte waren klar zu verstehen gewesen, auch wenn Susan sich beharrlich weigerte, sie zu akzeptieren.

»Sie haben eben gesagt, jemand hätte die Anlage in die Luft gejagt«, wandte sie sich dann an Belamo.

»Ja, und er hat gründliche Arbeit geleistet.«

»Ist dabei … ein Feuer ausgebrochen?«

»Als ich davon gehört habe, war es immer noch am Brennen.«

Susan drückte rasch ein paar Tasten und reichte das Handy dann McCracken. »Sie sollten sich das besser mal anhören.«

Die Männer des Rettungstrupps, die durch die dichte Qualmwolke stampften, gelangten in Sichtweite der Überreste der Anlage, als die ersten plötzlich ihre Hände an den Hals rissen. Die Männer hinter ihnen bekamen nichts davon mit, weil der Rauch ihnen jegliche Sicht nahm, und wurden sich der Gefahr erst bewußt, als der erste vor ihnen nach hinten kippte und unter Zuckungen und Krämpfen den Hang hinabrollte.

Die Männer, die die Geräte trugen, konnten nur noch sehen, wie die Leichen ihrer Kameraden immer mehr schrumpften, bevor sie verzweifelt versuchten, zu fliehen.

Einer von ihnen konnte noch sein Walkie-talkie an den Mund bringen und »Mayday!« ausstoßen, ehe er ein Geräusch hörte, das an das Zerknüllen von Papier erinnerte. Voller Entsetzen begriff er, daß das Geräusch aus seinem eigenen Körper drang. Er wollte schreien, aber sein Unterkiefer klappte schlaff nach unten. Der Mann fiel zuckend zu Boden und wand sich mit seinen Kameraden im Tod.

»Wenn Killebrews Berechnungen stimmen, hat das Feuer CLAIR wieder aktiviert«, erklärte Susan, als auch McCracken die Nachricht abgehört hatte. »Mehr noch, der Organismus wird sich diesmal ungehindert ausbreiten.«

»Gibt es denn nichts, womit man ihn aufhalten kann?«

»Wir haben höchstens eine Chance, wenn wir Joshua Wolfe finden können. Er ist der einzige, der weiß, wie CLAIR funktioniert – und vielleicht, wie man ihn stoppen kann.«

»Dann spielt es wohl keine Rolle mehr, ob er in Disney World CLAIR mit dem mischt, was er in den Labors der Gruppe Sechs zusammengebraut hat«, schloß Blaine. »Denn nach Ihren Worten sind die Feuer der Mitternacht bereits ausgebrochen!«

»Und damit bleibt uns nur noch der Junge, um sie zu löschen.«