Fünfundzwanzig
Andys Mitteilung machte meinen nächsten Anruf um das Zehnfache schwieriger. Die Situation war völlig außer Kontrolle und ich wurde nicht mehr alleine mit ihr fertig. Ich würde der Polizei von Laurel erzählen müssen, doch ich brauchte jemanden in meiner Begleitung, damit man mir glaubte. Ich wählte seine Privatnummer und er meldete sich sofort.
»Reznick am Apparat.«
»Hier ist John Madison.«
»Nun, Sie haben sich um einen Tag verspätet. Es gibt eine ganze Schlange von Leuten, die meine Hilfe brauchen, Madison. Ich habe Sie nur dazwischengeschoben, um Andy einen Gefallen zu tun.«
»Sehen Sie, ich entschuldige mich in aller Form, dass ich die Verabredung habe platzen lassen. Eine Freundin von mir ist in großen Schwierigkeiten. Sie …«
»Juristischen Schwierigkeiten?«
»In gewisser Weise.«
»Wenn Sie einen Termin wünscht, hoffe ich, dass sie bessere Manieren hat als Sie.«
»Juristische Hilfe ist wohl noch nicht nötig. Sie wurde bedroht, und jetzt ist sie verschwunden.«
»Sagen Sie jetzt bloß nicht, dass Sie wegen ihr zur Polizei gehen wollen.«
»Doch, das hatte ich vor.«
»Waren Sie schon mal in den Grüften, wie unser Untersuchungsgefängnis in Manhattan liebevoll genannt wird?«
»Nein.«
»Dann werden Sie sie bald kennenlernen, und ich kann Ihnen jetzt schon sagen, dort verspeist man Sie zum Frühstück. Ich habe Sie bei unserem letzten Gespräch gewarnt, sich auf keinen Fall freiwillig an die Polizei zu wenden, egal aus welchem Grund, und das war, ehe ich die neue Information bekam.«
In meinem Gehirn ertönte eine Alarmglocke. »Welche neue Information?«
»In Kürze wird ein Haftbefehl für Sie ausgestellt.«
»Warum?« Ich hatte das Gefühl, als würde jeden Moment mein Herz stehen bleiben.
»Offensichtlich hat ein Nachbar von Hal Vanderlin irgendwelches Drogenbesteck gefunden, das über den Zaun in seinen Garten geworfen wurde. Die Rede ist von einem silbernen Löffel. Er liegt jetzt bei der Polizei. Man hat an ihm Spuren von Heroin und Ihre Fingerabdrücke gefunden.«
Er interpretierte mein Schweigen als Schuldeingeständnis. »Ich bin bereit, Ihnen eine zweite Chance zu geben. Kommen Sie in mein Büro und liefern Sie mir einen lückenlosen Bericht und ich begleite Sie zum Revier. Man wird Sie unter Anklage stellen und Sie werden wahrscheinlich ein oder zwei Tage in Haft verbringen müssen, aber ich hole Sie …«
»Das geht nicht. Sie kennen nicht die ganze …«
»Dann kann ich Ihnen nicht mehr behilflich sein, Mr Madison. Goodbye.«
Ich kam mir vor, als wäre ich mitten auf einem Highway gestrandet. Schlagartig waren mir alle Wege, die ich hätte einschlagen können, versperrt. Jeder Cop, dem ich begegnete, war ab jetzt eine akute Bedrohung. Wenn ich erst einmal die Schrifttafel gefunden hatte, müsste ich ganz alleine mit Eris und ihrer Truppe verhandeln.
Gip begrüßte mich aufgeräumt, als ich die Lobby von Laurels Wohnhaus betrat. »Guten Morgen, John. Wir können von Glück reden, dass sich das Wetter gebessert hat. Ich nehme an, Sie sind wegen Laurel hier. Ist sie wieder in Ordnung? Soweit ich gehört habe, ging es ihr gestern nicht gut.«
»Sie hatte eine schwere Migräne. Sie hat sich mittlerweile erholt, aber sie ist nicht zu Hause. Sie hat eine Verabredung mit Hals Anwälten und braucht ein Dokument aus ihrer Wohnung. Ich bin hergekommen, um es zu holen. Sie haben doch nichts dagegen, oder?«
Seine Miene verdüsterte sich. »Ich sage es nur ungern, aber die Verwaltung ist in diesen Dingen sehr streng. Sie hätte mich vorher anrufen sollen, um Ihnen die Erlaubnis zu erteilen. Können Sie sie jetzt erreichen?«
Verdammt. Ich hatte mich zu sehr darauf verlassen, dass er mir traute. »Sie sind mitten in den Verhandlungen, und Sie wissen ja, wie komisch Empfangsdamen gelegentlich reagieren und sich strikt weigern, ein Gespräch zu unterbrechen.«
Sein Gesichtsausdruck machte mir unmissverständlich klar, dass er nicht gewillt war, sich überreden zu lassen. Wie käme ich an ihm vorbei?
»Gip, hat dieses Gebäude einen Sicherheitsdienst? Er könnte mich nach oben begleiten.«
»Den haben wir, aber er kommt nur auf spezielle Anforderung. Da ich Sie kenne, kann ich wohl mal ein Auge zudrücken. Zurzeit ist unser Hausmeister hier, um die Klimaanlage zu reparieren. Ich hole ihn, damit er Sie nach oben begleitet.« Er holte sein Mobiltelefon hervor, wählte eine Nummer und sagte ein paar Worte.
»Danke. Laurel ist wegen Hal so durcheinander, dass es kein Wunder ist, dass Sie schon mal etwas vergisst.«
»Wirklich eine traurige Angelegenheit. Ich kannte ihn schon, da war er noch ein Junge. Ich habe ihn aufwachsen sehen.«
»Ich weiß. Es war für uns alle ein schwerer Schlag.«
Der Fahrstuhl gab einen Glockenton von sich, und der Wartungstechniker lehnte sich aus der Tür und winkte uns zu. Ich ging zu ihm hin und schlängelte mich in die Kabine. Glücklicherweise konnte ich mich an den Einlasscode zum Penthouse erinnern.
Meine Nerven begannen zu flattern, als wir die Wohnung betraten. Ich glaubte, Laurel im Arbeitszimmer mit dem Ring spielen gesehen zu haben, aber ich war mir nicht ganz sicher. Durch die Glastüren fiel mein Blick auf den Terrassentisch mit den Tellern und Schüsseln unserer Abendmahlzeit, die noch niemand weggeräumt hatte.
»Was für ein Durcheinander«, sagte der Servicetechniker, als wir ins Arbeitszimmer kamen.
Es sah aus, als hätte dort ein Wirbelsturm gewütet – Akten und Fotos waren über den ganzen Fußboden verstreut. Ihr Laptop war verschwunden.
Er musterte mich argwöhnisch von der Seite. »Was ist hier geschehen?«
Ich zuckte die Achseln. Ich brauchte gar nicht so zu tun, als sei ich geschockt, denn ich war mindestens genauso überrascht wie er. »Keine Ahnung. Wahrscheinlich wollte Sie den ganzen Kram sortieren, als sie dabei gestört wurde.«
Da schien ihn nicht zu überzeugen. »Ich werde das wohl melden müssen.« Er nahm seinen Pager vom Gürtel und tippte eine längere Nummer ein.
Ich spürte, dass meine Chancen, den Ring zu suchen, sich mehr und mehr verflüchtigten. Ich meinte, ihn im Arbeitszimmer gesehen zu haben, aber wo? Ich öffnete die Schreibtischschubladen in der Annahme, Laurel hätte ihn weggelegt. Notizblöcke, Büroklammern und ähnliche Utensilien – aber kein Ring. Und dann ein seltener Glücksfall – auf einem Regalbrett über dem Schreibtisch lagen eine Herrenuhr, eine Brieftasche und daneben – Hals Ring.
Ich hörte das Mobiltelefon des Servicetechnikers trällern. In den wenigen Sekunden, die er nicht auf mich achtete, um den Anruf anzunehmen, tat ich so, als griffe ich nach einem Buch, schnappte mir den Ring und streifte ihn über meinen Zeigefinger. Ich bückte mich und kramte zwischen den Aktenordnern auf dem Fußboden, fand einen mit der Aufschrift »Wohnungsangelegenheiten« und blätterte ihn durch. Ich entnahm ihm einen Grundsteuerbescheid und richtete mich auf. »Da ist es ja. Das habe ich gesucht.«
Der Mann hielt mir sein Telefon hin. »Gip möchte Sie sprechen.«
»Hi, Gip. Hören Sie, es ist alles okay. In einem Regal liegen eine Brieftasche und ihre Armbanduhr. Sie wurden nicht mitgenommen, daher glaube ich, dass sie sich keine Sorgen wegen eines Einbruchs machen müssen. Wahrscheinlich war Laurel mit ihren hausfraulichen Pflichten ein wenig überfordert. Das ist nicht unbedingt ihr Ding. Ich sage Laurel, Sie soll mit Ihnen reden, wenn sie wieder zurückkommt.«
Ich gab dem Techniker das Mobiltelefon zurück. Er sagte noch einige Worte zu Gip, dann beendete er das Gespräch. »Okay, er sagt, wir sollen einstweilen alles so lassen, wie es war. Er schreibt einen Bericht für den Hauseigentümer.«
Bevor ich das Gebäude verließ, notierte Gip noch, welches Dokument ich mitgenommen hatte. Ich war geradezu euphorisch, dass ich den Ring gefunden hatte, und fühlte mich, als wäre mir soeben eine erdrückende Last von den Schultern genommen worden.
Meine Hände waren größer als Hals und der Ring war so eng, dass ich ihn nicht ganz auf meinen Finger schieben konnte. Es war ein schweres, klobiges Schmuckstück und ich ballte die linke Hand zur Faust, um sicherzugehen, dass er nicht herunterfiel. Sobald ich mich in sicherer Entfernung vom Gebäude befand, nahm ich ihn ab. Auf einem der Basketballfelder an der 4. Straße West war ein Match im Gange. Eine verschwitzte, lärmende Schar von Zuschauern drängte sich am Maschendrahtzaun. Ich hatte hier viel Zeit verbracht und so manches schnelle Spiel verfolgt. Ich schlenderte über die Straße.
Am Ende des Zauns fand ich einen ruhigen Platz und untersuchte den Ring etwas genauer. Er sah alt aus, mit fein ziselierten Verzierungen in dem goldenen Rahmen um den Solitär. Ich vermutete, dass der Ring eine antike, möglicherweise viktorianische Kopie eines alten keltischen Giftrings war. Der Stempel des Goldschmieds auf der Innenseite des Rings bestätigte meine Vermutung – ein solches Zeichen findet man nicht an modernen Ringen. Der Diamant funkelte in der Sonne, als lebte Minas Geist darin. Ein Schauer des Unbehagens ließ mich frösteln.
Da ich darin ein winziges Scharnier vermutete, drückte ich auf eine kleine Verzierung an der Krone des Rings. Ich hörte ein leises Klicken und drehte die Fassung mit dem Diamanten nach außen. Ein winziges zusammengefaltetes Stück Papier lag in dem kleinen Hohlraum darunter. Ich faltete es mit zitternden Händen auseinander.
Hals feine, blaue Tintenschrift sprang mir regelrecht ins Auge: Trinity-Janssen Mausoleum.
Ich hatte gestern richtig getippt. Ich war so nah dran gewesen! Hal hatte demnach die Schrifttafel tatsächlich im Mausoleum auf dem Friedhof neben der Church of the Intercession versteckt. Obgleich Mina dort nicht beerdigt worden war, hatte er jederzeit Zugang zu dem Ort.
Obgleich mir die Schrifttafel am Vortag so knapp durch die Lappen gegangen war, machte das Auffinden des Rings mir Mut. Meiner Einschätzung nach hatten die Alchemisten Laurels Arbeitszimmer verwüstet, als sie nach der Schrifttafel oder irgendwelchen Hinweisen suchten, die sie zu ihrem Versteck hätten führen können. Wahrscheinlich hatte sie ihnen angedeutet, sie sollten dort nachschauen. Sie wusste zwar nichts Genaues, hatte aber Zeit gewinnen wollen und ihnen deshalb diesen Köder vorgeworfen. Ein cleverer Schachzug von ihr. Das bedeutete auch, dass sie geistig noch so weit auf der Höhe war, dass sie rational denken konnte. Der Uhrzeit auf meinem Mobiltelefon nach war es 11:48. Mir blieben noch neun Stunden, um sie zu befreien.
Ich machte einen Abstecher zu Garber’s Hardware, wo ich eine Stiftlampe und eine mit Akku betriebene Säge kaufte, um das Vorhängeschloss zu durchtrennen. Die Säge war nur dreißig Zentimeter lang und daher leicht zu verstecken. Ich warf meine Kleidung in eine Mülltonne, um im Koffer Platz für die Schrifttafel zu schaffen. Nachdem ich mich durch einen schnellen Blick in die Runde vergewissert hatte, dass Eris und ihre Komplizen mich offenbar noch nicht im Visier hatten, stoppte ich ein Taxi.
Auf dem Friedhof hielt ich Ausschau nach dem Wärter, aber von ihm war nichts zu sehen. Auch sonst gab es keine Besucher. Vielleicht war das Glück endlich mal uneingeschränkt auf meiner Seite. In der Annahme, dass es die besagte Janssen-Grabstätte war, ging ich schnurstracks zu dem namenlosen Mausoleum. Als ich an dem Vorhängeschloss zog, fiel es herunter. Der Bügel war sauber durchgesägt worden. Die Tür schwang auf, ohne durch angesammelten Schmutz gebremst zu werden, ein weiteres Indiz, dass vor mir jemand hier gewesen war.
Ich steckte das Vorhängeschloss in die Tasche und zog die Tür von innen zu. Dann knipste ich die Stiftlampe an und ließ den Lichtstrahl durch das Innere der Grabkammer wandern. Bleiche Tausendfüßler und Spinnen zogen sich auf der Flucht vor dem grellen Schein meiner Lampe eilig in die dunklen Nischen zurück. Steinsärge standen vor den Wänden, einer mit halb geöffnetem Deckel. Der Lichtstrahl meiner Lampe streifte ein Durcheinander von bräunlichen Knochen, die nicht auf ihre sonst übliche, geordnete und symmetrische Art und Weise im Sarg lagen. Kühle und feuchte Luft umgab mich in diesem Mausoleum. Abgesehen von den Knochen und einigen Spinnweben war nichts weiter in dem Sarg. Im zweiten Sarg befand sich ein völlig intaktes und offenbar unberührtes Skelett. Die Schrifttafel war verschwunden.
Ich war wie betäubt vor Enttäuschung, dass diese letzte Hoffnung, Laurel befreien zu können, sich zerschlagen hatte.
Als ich das Grabmal verließ, ertönte eine schneidende Stimme. »Einen Moment mal. Sie waren doch gestern schon hier. Ich dachte, ich hätte mich bei dieser Gelegenheit klar ausgedrückt.« Der Friedhofswärter kam den Hügel hinter dem Mausoleum herab, diesmal jedoch ohne ein freundliches Lächeln.
Während ich ein Stück zur Seite trat, so dass er nicht sehen konnte, dass das Vorhängeschloss nicht an seinem Platz war, sagte ich: »Nachdem Sie mich zur Urnenhalle geschickt haben, erfuhr ich, dass es dort keinerlei Unterlagen über meine Großtante gibt. Daher kam ich hierher zurück, um an dem Ort nachzuschauen, den mein Cousin mir genau beschrieben hat.«
»Das ist ein wenig seltsam, da dieses spezielle Mausoleum keinen Namen hat.«
»Ich dachte, es gibt hier irgendeinen Hinweis, der mir entgangen ist.«
»Und Sie haben natürlich auch vergessen, dass Sie eigentlich gar nicht hier sein dürfen.«
»So könnte man es ausdrücken.«
Er musterte mich einige Sekunden lang ungehalten. »Was ist nur mit euch Leuten los? Bereits heute Morgen musste ich jemanden hinauswerfen. Einen von diesen Rucksacktouristen. Ich denke, keiner kann mehr richtig lesen.«
»Wie sah er aus?«
»Ein wenig wie Sie, aber kleiner und hagerer. Dunkle Haare.«
»Hatte er einen Akzent?«
»Ja, aber sein Englisch war gut.«
Tomas. Ich entschuldigte mich für das Eindringen und beeilte mich, aus seinem Blickfeld zu verschwinden.
Ich zerbrach mir den Kopf, um zu begreifen, wie Tomas sich das zusammengereimt hatte. Er hatte gesagt, er habe an der Columbia einige Kurse besucht, daher war es durchaus möglich, dass er das Anagramm gelöst hatte. Außer dass der Ring sich in meinem Besitz befand. Er war nicht in den Genuss von Hals letztem Hinweis gelangt. Konnte meine gestrige Unterhaltung mit Ari der Auslöser gewesen sein, als ich mir ein wenig hatte in die Karten blicken lassen? Immerhin hatte ich Ari von meinem Besuch auf dem Friedhof erzählt. Hatte er möglicherweise diese Information an seinen Bruder weitergegeben? Höchstwahrscheinlich. Irgendwie war mir klar, dass ich Tomas nicht über den Weg trauen konnte.
Wie auch immer, Tomas hatte jetzt die Schrifttafel Nahums. Seine Doppelzüngigkeit erschütterte mich. Er hatte mich getäuscht und Laurel praktisch zum Tode verurteilt. Ich würde ihn in der Luft zerreißen, wenn ich ihn in die Finger bekäme.
Wut ist eigentlich ein schlechter Verbündeter. Sie umnebelt das Hirn. Aber selbst wenn ich hellwach gewesen wäre und meine Sinne aufs Äußerste angespannt gewesen wären, hätte ich es nicht kommen sehen. Als ich durch den Ausgang an der Amsterdam ging, tauchte der Mann im Narrenkostüm, der hinter der hohen Mauer auf mich gewartet hatte, neben mir auf und rammte eine Pistole in meinen Bauch.
Und drückte ab.
Eine brennende Woge wälzte sich durch meine Eingeweide, schien sich auszudehnen und verwandelte meinen gesamten Körper in ein einziges zitterndes Schmerzbündel. Ich sackte in die Knie und wand mich zappelnd auf dem Bürgersteig wie ein Lamm auf der Schlachtbank. Ich konnte nicht mehr atmen. Ich spürte undeutlich, wie ich in ein Automobil gezerrt wurde, roch den Gestank von Abgasen und hörte eine Frauenstimme. Als ich versuchte, mich zu bewegen, war es, als gehörte mein Körper mir nicht mehr.
»Wo ist sie?« Eris starrte mich an. Sie riss meine Reisetasche auf und fluchte, als sie sah, dass sie leer war.
»Er hat auf mich geschossen.« Ich versuchte, eine Hand zu heben und auf meinen Leib zu pressen.
»Er hat Sie getasert, Ihnen einen Elektroschock verpasst«, korrigierte sie mich. »Was haben Sie mit der Schrifttafel gemacht?«
Immer noch angeschlagen und halb betäubt, stemmte ich mich in eine sitzende Position hoch, holte mehrmals tief Luft, ballte meine zitternde Hand zur Faust und holte aus, um ihr einen wütenden Hieb zu versetzen. Sie fing die Faust locker ab und drehte mir schmerzhaft den Arm um. Dann holte sie den Taser hervor.
»Wollen Sie noch mehr davon? Wie wäre es mit fünfzehnhundert Volt direkt in Ihre Schläfe?«
»Dann finden Sie die Tafel niemals!«
Sie runzelte die Stirn und nickte widerstrebend. »Okay, dann wiederhole ich mich. Wo haben Sie sie deponiert?«
»Sie war nicht da.«
»Sie lügen.« Sie legte an dem Schocker irgendeinen Schalter um und drückte ihn gegen meine Schläfe.
Ein Telefon trällerte. Eris griff in ihre Handtasche und holte es heraus. Nach einer kurzen, mit knappen Worten geführten Unterhaltung schaute sie für einige Sekunden aus dem Fenster, dann wandte sie sich lächelnd zu mir um. »Wir sind fast da«, sagte sie. »Er kommt herunter, um mit Ihnen zu reden.«
»Wer immer es ist, er kann mir auch gestohlen bleiben.«
»Wir werden es schon aus Ihnen herausholen.«