Empfehlungen für Pilger,
die den Weg wandern wollen
Ausrüstung
Ich empfehle, auf eine so lange Wanderung wie die Via de la Plata nur ein Minimum an Ausrüstung mitzunehmen, von allem nur das Wenigste, da bei so vielen Wandertagen wirklich jedes Gramm wiegt und zählt. Und mit leichtem Gepäck geht es sich angenehmer. Die meisten Wanderer haben zuviel dabei. Es reicht im Süden wirklich, alle Kleidungsstücke nur zweimal dabei zu haben, da man immer eine Garnitur zwischendurch waschen kann.
Ich hatte auf meinen Wanderungen folgendes mit:
Ausstattung
- Rucksack mit 50 Liter Fassungsvermögen und separatem Abteil für Schlafsack und Schuhe
- Zusätzliche Außentasche für Proviant (gibt es als Zusatz zum Rucksack). Sehr praktisch, da man nicht immer zum Essen den Rucksack auspacken muß und nichts riecht und fettet.
- Teleskopstock aus Aluminium. Die traditionellen Pilgerstöcke aus Holz sind zwar pittoresk, aber im Gebrauch viel zu schwer und unhandlich. Mit den Teleskopstöcken kann man auch die lästigen Hunde abwehren.
- Strohhut oder Baseballkappe. Im Süden unbedingt erforderlich. Beschattet das Gesicht und hält leichten Regen fern. Ist auch in Verbindung mit der Kapuze der Regenjacke ein hervorragender Regenschutz.
- Isomatte. Dient als Unterlage fürs Picknick, da sie gegen Steine, Dornen und nasses Gras schützt. Notwendig in Herbergen, wo eventuell kein Bett mehr frei ist und man auf dem Boden schlafen muß. Auch für ein Notbiwak unter freiem Himmel, wenn man keinen Schlafplatz in der Herberge findet oder für zwischendurch.
- Schlafsack für den Fall, daß die Herberge keine Decken hat oder man draußen biwakieren muß. Hierfür reicht ein leichter Schlafsack aus.
- Hüttenschlafsack für die Herberge, da die Decken nicht immer die saubersten sind, oder für die warmen Nächte ohne Decke
- Bauchtasche für Geld, Papiere, Ausweis, Sonnenbrille usw. Immer bei sich tragen. Nicht im Rucksack oder Herberge lassen wegen Diebstahls. Ich empfehle, die Bauchtasche nachts beim Schlafen in den Schlafsack zu stecken. Es gibt immer wieder „Malos Peregrinos“
Kleidung
- Regenjacke aus Nylon. So leicht wie möglich, im Beutel verpackt. Man braucht im Süden keine dicke Wetterjacke.
- Regenponcho mit eingearbeitetem Rucksackfach, wadenlang. Schützt den ganzen Körper gegen Starkregen oder tagelangen Dauerregen. Das Einzige, was wirklich warm und trocken hält.
- Leichte Wanderstiefel bis über die Knöchel. Man braucht keine schweren Wanderstiefel wie in den Alpen.
- Lederschuhe für abends zum Ausgehen. So dünn und leicht wie möglich. Keine Leinenschuhe, da es auch abends mal regnen kann.
- Gummilatschen für Bad und Toilette. Unbedingt erforderlich, da die Böden oft naß und die Fußböden verdreckt sind.
- 2 Paar dicke Wandersocken. Sonstige Strümpfe sind nicht erforderlich, im Süden trägt man im Sommer keine Strümpfe.
- Lange Wanderhose mit abtrennbarem Unterteil. Wasserabweisend. Man braucht keine zweite Hose fürs Ausgehen, da man normalerweise beim Wandern ständig in Bermudas läuft.
- Bermudas mit 2 großen Außentaschen für Karte und Wanderführer, Sonnenbrille usw.
- Stoffgürtel. Ledergürtel sind ungeeignet, da sie durch Schweiß und Nässe Flecken auf der Hose hinterlassen.
- 2 T-Shirts zum Wandern
- 1 T-Shirt zum Ausgehen
- Fleecepulli
- 2 Unterhosen
- 2 Taschentücher
- Leichter Schlafanzug mit kurzer Hose. Unbedingt notwendig, das Schlafen mit der Unterhose, wie ich es oft gesehen habe, ist unhygienisch.
- Kurze kleine Badehose für das Baden im Meer
- Alle Kleidungsstücke einzeln in Plastikbeutel verpacken. Hilft, sie leichter zu finden, und gegen Nässe im Rucksack.
Sonstige Ausrüstung
- Leinentasche zum Einkaufen und Tragen von allen möglichen Sachen beim Bummel in der Stadt ohne Rucksack
- Vorratsdose für Nahrungsmittel aus Plastik, gut verschließbar.
- Wasserflasche aus Aluminium mit 1 Liter Fassungsvermögen
- Trinkbecher aus Plastik mit Henkel zum Zähneputzen oder heißes Wasser für Kaffee oder Tee zum Frühstück
- Taschenmesser mit Korkenzieher und Schere
- Taschenlampe, möglichst leicht und handlich
- Plastiktasche, wasserdicht, für Papiere, Karten usw. Es kann alles feucht werden im Rucksack
- 2 – 4 Spannriemen für alles, was man zusammenbinden muß (Isomatte, Regenjacke)
- 6 – 8 Karabinerhaken aus Aluminium für alles, was man am Rucksack anhängen muß
- 10 Wäscheklammern, damit die Wäsche beim Trocknen nicht in die Büsche fliegt
- Waschmittel in der Tube zum Wäschewaschen
- Tesafilm für kleine Reparaturen (Brille, Karten usw.)
- 2 Meter Nylonschnur zum Reparieren und Binden
- 1 Rolle Toilettenpapier für die Herbergen, die keines haben
- 2 – 3 Pakete Papiertaschentücher
Sonstiges
- Wanderkarten als Kopie
- Wanderführer als Kopie.
- Ich habe beides vorher kopiert. Das spart Gewicht und Platz. Wenn man es nicht mehr braucht, wirft man es weg. Die Wanderführer sind sowieso nach kurzer Zeit zerfleddert und durchnäßt.
- Liederbuch („Mundorgel“ oder ähnliches) mit deutschen Volks- und Wanderliedern, selbstverständlich auch als Kopie. Hilft für die langen einsamen Strecken, die Langeweile zu vertreiben, und klingt im Wald besonders laut und schön
- 1 Buch, reicht aus für 5 – 6 Wochen, da man sowieso wenig Zeit hat zum Lesen
- Tagebuch für den, der Lust hat, seine täglichen Erlebnisse aufzuschreiben
- Notizblock für die kleinen Bemerkungen, die man unterwegs aufschreiben muß
- Drehbleistift oder Faserschreiber
- Brille für Kurzsichtige
- Ersatzbrille. Unbedingt erforderlich, denn es ist fatal, wenn unterwegs die Brille oder ein Glas kaputt gehen
- Lesebrille, falls erforderlich
- Sonnenbrille oder Vorhänger für die Brille
- Credencial für die Stempel in den Herbergen. Notwendig, um in Santiago die Compostela zu erhalten, die Urkunde, daß man Santiago zu Fuß erreicht hat und alle Sünden vergeben sind (Der große Ablaß). Erhältlich bei:
- Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft, Tempelhoferstr. 21, 52068 Aachen
Hygiene
- Handtuch. Es gibt spezielle Wanderhandtücher aus einem Fleece, die schnell trocknen und wenig Platz beanspruchen.
- Waschlappen
- Rasierapparat. Am besten einen Batterierasierer. Oft gibt es kein warmes Wasser in den Herbergen zum Naßrasieren
- 2 Ersatzbatterien
- Duschgel
- Haarwaschmittel
- Zahncreme
- Sonnencreme
- Hautcreme
- Seife
- Ich sammele immer in den Drogerien oder Hotels die kleinen Probepackungen, die weniger Platz und Gewicht brauchen als die normalen Haushaltspackungen. Alle diese Dinge auslaufsicher in Dosen oder wasserdichten Beutel verpacken. Es gibt eine große Schweinerei im Rucksack, wenn eine Flasche Duschgel oder ähnliches ausläuft. Die Verschlüsse sind nie ganz dicht
- Zahnbürste. So klein wie möglich
- Haarbürste. Ebenfalls so klein wie möglich
- Sicherheitsnadeln in verschiedenen Größen für alle Dinge, die man zusammen klammern muß.
- Zeckenpinzette zum Entfernen der gefährlichen Tierchen
- Für alle diese Dinge gibt es Spezialtaschen, in die man die Sachen packen kann, mit einem Haken, so daß man sie im Bad aufhängen kann
Medikamente
- Individuell verschieden. Wichtig sind:
- Wundsalbe gegen Aufschürfungen und Schnitte, die sich entzünden können
- Handcreme gegen trockene Haut
- Fettstift gegen aufgesprungene trockene Lippen
- Tabletten gegen Sehnenentzündungen. Sehr wichtig, da sich durch langes Gehen auf harter Straße mit Beton oder Asphalt leicht die Sehnen an Knöchel und Knie entzünden können. Besser hilft es, alle 5 – 6 Tage einen Ruhetag einzulegen, um den Körper zu entlasten.
- Tabletten gegen Halsentzündung. Kommt schnell bei trockener Luft oder kühlem Wind
- Jod für alle offenen Wunden. Als erstes hilft immer, die Wunde sofort auszusaugen, bis kein Blut mehr kommt.
- Pflaster in verschiedenen Breiten
- Zweite Haut Pflaster „Compeed“ gegen Blasen an den Füßen. Das Ideale gegen die lästigen und schmerzenden Blasen. Immer vorher die Blase mit einer Nadel (dafür die Sicherheitsnadeln) aufstechen und alle Flüssigkeit herausdrücken.
- Leukoplast auf der Rolle. Ist auch nützlich für viele Reparaturen, z.B. Risse im Poncho usw.
- Tabletten gegen Durchfall
- Tabletten gegen Magen- und Darmbeschwerden, falls man etwas gegessen hat, das einem nicht bekommen ist.
- Tabletten gegen Fieber und Infekte
- Tabletten gegen Schmerzen aller Art
- Tabletten gegen Kopfschmerzen, falls man etwas zuviel Rioja getrunken hat
- Tabletten gegen Zahnschmerzen. Wichtig für die „Wildnis“, wenn man lange braucht bis zum Zahnarzt
- Oropax gegen die Schnarcher im Raum. Es ist immer einer dabei, der die ganze Nacht ohrenbetäubend schnarcht
- Alle Medikamente gut in verschließbarer Dose aufbewahren, da sie sonst zerdrückt werden
Allgemein
- Kamera
- Farb- oder Diafilme
- Polfilter, falls man eine Spiegelreflexkamera hat. Macht schönere brillante Fotos, da die störenden Reflexe durch das Sonnenlicht herausgefiltert und die Farben satter werden
- Pulverkaffee, Kakaopulver oder Teebeutel für das Frühstück, da es in den Herbergen kein Frühstück gibt, aber meist heißes Wasser. Dazu einige Kekse oder ähnliches. Es ist nie gut, mit nüchternem Magen loszulaufen, und auf dem freien Land gibt es oft keine Bar in der Nähe zum Frühstücken.
- Wenn man all dies dabei hat, aber auch nicht mehr, kommt man gut wochenlang über die Runden.
- Beim Pilgern lernt man, mit Wenigem auszukommen und bescheiden zu leben. Ich bin mit dieser Ausrüstung 6 Wochen gewandert. Der Rucksack hatte mit all diesem Inhalt ein Gewicht von 13 Kilo. Dazu kommen dann noch 1 Kilo für Wasser und bis zu 2 Kilo für Brot, Käse, Obst, Tomaten, Wurst oder Schinken. Ich hatte immer auch 1 Flasche Rotwein dabei für 2 Tage. Das muß aber nicht sein, es versüßt aber den Weg und läßt einen so gut und sanft schlafen des Mittags unter einem kühlen Baum.
Übernachtung und Reisekosten
In den meisten Orten gibt es eine sogenannte Albergue – eine Pilgerherberge, wo man normalerweise umsonst übernachten kann. Man gibt aber ein „Donativo“ – eine Spende von 2 bis 3 Euro in eine Kasse im Raum oder dem Herbergsvater/mutter.
In privaten Herbergen zahlt man zwischen 8 – 10 Euro. Gibt es keine Herberge, kann man in kleinen Hostals oder Hotels für 25 – 30 Euro pro Zimmer unterkommen. In jedem Ort gibt es ein Restaurant mit einem menú pregrino – einem Pilgermenü – ein einfaches Essen für 8 bis 10 Euro, das meistens aus einem schmackhaften frischen grünen, gemischten Salat mit kalten Eiern und Spargel besteht, einer Hauptspeise mit Fleisch und Pommes frites und einem Nachtisch sowie einer Flasche Rotwein und Wasser! Die meisten Herbergen haben aber auch eine kleine Küche, wo man selber kochen und in einem gemeinsamen Aufenthaltsraum essen kann. Mittags habe ich immer gepicknickt mit Tomaten, hartem trockenem Käse, Weißbrot und Orangen, dazu Rotwein und einer ausgedehnten Siesta unter einem Baum im Schatten. Das tut dem Körper gut, schafft eine notwendige Pause und Erholung in der heißen Mittagshitze und lässt einen ausgeruht weiterwandern.
Ich habe nicht schlecht gelebt, manchmal habe ich mehr und manchmal weniger ausgegeben. Im Mittel habe ich auf allen Wanderungen 40 Euro pro Tag für alles ausgegeben, auch für kleine Busfahrten, Postkarten, Porto, Telefon usw. Bei bescheidenerer Lebensweise – besonders von jungen Leuten – kann man ohne weiteres mit 20 Euro pro Tag auskommen, besonders wenn man sich abends in den kleinen Orten selber verpflegt und die Nahrungsmittel in den Supermärkten einkauft.
Danksagung
Den größten Dank schulde ich meinem Heiligen, dem Hl. Jakobus oder Santiago, wie er in Spanien genannt wird, der mich auf allen meinen Wegen, die ja auch die seinen sind, sicher geführt und geleitet hat. Er war mir Freund, Führer und Vater. Ohne das Vertrauen zu ihm und die Sicherheit, die mein Glaube an ihn mir gab, hätte ich die langen anstrengenden Wege und meine Einsamkeit nicht ertragen.
Der nächste Dank gehört meiner Frau Daniela, die mich jedes Jahr wieder Wochen allein ziehen ließ, geduldig auf meine Rückkehr wartete und ihre Angst bekämpfte, daß mir etwas zustoßen könnte. Dank auch dem leider allzu jung verstorbenen Michael Kasper, nach dessen Wegbe-schreibungen in seinen Wanderführern ich den Weg immer sicher fand und mit wenigen Ausnahmen nie in die Irre ging.
Bedanken möchte ich mich auch bei den vielen Mitpilgern, die ich auf meinem Weg traf, die eine kurze Zeit mit mir gingen und meine Freunde wurden: Anja, Martin, „Wuff“ und Rolonso, die mich den ersten Teil des Weges bis Mérida begleitet haben und mein Alleinsein durch ihre Scherze versüßt haben. Marguerita, die unverhofft immer wieder auftauchte und mir eine gute Weggefährtin wurde. Hans und Annique, die ich mehrmals wiedertraf und die ich dann 2007 in Montpellier besuchte und wir Freunde wurden. Louk, Nolly und Jean, die ich 2006 auf dem Camino Primitivo kennenlernte und die zwischen Zamorra und Tábara leider nur einige Tage meine Gefährten und Freunde waren. Patricia aus Bordeaux, die mich meine beiden letzten Tage mit ihrem Lachen aus meiner Traurigkeit riß.
Dank auch all den freundlichen und liebenswerten Menschen am Weg, deren Namen ich nie erfahren oder vergessen habe, dafür, daß sie mir halfen oder ein freundliches Wort für mich hatten.
Danken möchte ich auch Clemens Künstle, der mir immer einige Wege voraus ist und mir in unseren Gesprächen wertvolle Tips für unterwegs gegeben hat. Nicht zuletzt möchte ich auch Carmen Rohrbach danken, die mich durch ihr Buch „Jakobsweg – Wandern auf dem Himmelspfad“ zum ersten Mal auf den Jakobsweg aufmerksam gemacht hat.
Bedanken muß ich mich auch bei Klaus Rahe, der meinem Buch die ersten Korrekturen gab. Zu großem Dank bin ich auch meinem Verlag verpflichtet, der es gewagt hat, dieses mein Buch zu verlegen, ohne die mein Buch nicht seine endgültige Form gefunden hätte.