Glossar

Jakobus der Ältere

Gestorben um 44, Apostel, Märtyrer, Kanonheiliger, Nationalheiliger und Patron Spaniens und Portugals, Patron der nach ihm benannten Orden und der Pilger, Patron der Apotheker, Drogisten und Wachszieher, der Strumpfwirker und Hutmacher, der Kettenschmiede, Lastträger und Ritter, Patron des Wetters, der Äpfel und Feldfrüchte; Helfer gegen Rheumatismus.

Jakobus war der Sohn des Fischers Zebedäus aus Bethsaida an der Mündung des Jordan in den See Genezareth und der Salome von Galiläa. Mit seinem jüngeren Bruder Johannes – Johannes der Evangelist – folgte er Jesus. Zusammen mit Petrus gehörten die beiden „Boanerges“ – Donnersöhne – wie Jesus die Brüder Jakobus und Johannes nannte, zu den engsten Vertrauten des Heilands. Sie begleiteten Jesus bei seiner Verklärung auf dem Tabor und bei seiner Todesangst im Garten Gethsemane. Jakobus der Ältere war der erste der zwölf Apostel, der das Martyrium erlitt. Um Ostern des Jahres 44 ließ Herodes Agrippa I., zuletzt König über das ganze jüdische Land, den Apostel in Jerusalem durch das Schwert hinrichten. An der mutmaßlichen Stelle ließ Kaiserin Helena im 4. Jahrhundert eine Jakobuskirche bauen, die dem Persereinfall von 614 zum Opfer fiel. Die Kreuzfahrer errichteten im 12. Jahrhundert eine neue, Jakobus dem Älteren geweihte Kirche, die heutige Patriarchatskirche der Armenier, einer der schönsten Sakralbauten Jerusalems.

Der Kult des Jakobus wurde populär, als im 7. Jahrhundert die Legende aufkam, er habe in Spanien gepredigt und sei dort gestorben. Aber keine Schrift belegt dies. Die katholische Kirche sah die Reise des Apostels nach Spanien so: Kaiser Justinian I. schenkte den Leib des Heiligen Jakobus dem Sinaikloster Raithu, das fortan Jakobskloster hieß. Dessen Mönche brachten die Gebeine im 7. Jahrhundert nach Spanien, um sie vor Entweihung durch die Mauren und vor dem Untergang zu schützen. Man verwahrte sie in der Kirche Santa María in Mérida. Aus dem Jakobskloster wurde das berühmte Katharinenkloster. Als die Mauren 711 auch Spanien besetzten – nur den Norden der Halbinsel ließen sie unbehelligt, so daß sich hier einige christliche Königreiche, wie Asturien und León, bilden und halten konnten – vergrub man die Gebeine des Apostels in einer römisch-suebischen Nekropole bei Iria Flavia in der Nordwestecke Spaniens.

In dieser Zeit bezeichnete Alkuin, der große Theologe am Hof Karls des Großen, in einer Hymne den Apostel Jakobus als Landespatron Spaniens. Alkuin hatte seine Kenntnis von einem asturischen Mönch namens Beatus von Liébana. Wenige Jahre später, zwischen 824 und 829, fand der Eremit Pelayo in der Nekropole bei Iria Flavia unter wunderbaren Lichterscheinungen – ein Stern führte ihn – die Gebeine des Apostels.

Iria Flavia, so will es die Legende, war der Ort, an dem nach Christi Tod der Apostel Jakobus der Ältere – die Spanier nennen ihn „Santiago“ – an Land ging, um in Spanien zu missionieren. Zwei Jahre soll er sich auf der Iberischen Halbinsel aufgehalten haben, bevor er in das Heilige Land zurückkehrte und im Jahr 44 in Jerusalem den Märtyrertod erlitt. Seine Jünger sollen den Leichnam des Apostels in ein steuerloses Schiff gelegt haben, das auf das Meer hinaustrieb und – von Engeln geleitet – an genau derselben Stelle an Land stieß, an der der Apostel Jahre zuvor Spanien betreten hatte. Nun, im 9. Jahrhundert, strebten Pilger von weither zum Grab des Apostels Jakobus. Der wachsende Menschenstrom brachte nicht nur Geld in das Land, er stärkte auch den Glaubenseifer der Reconquista. In der Schlacht von Clavijo 843 griff – so will es die Legende – der Apostel hoch zu Ross mit Banner und Schwert als „Matamoros“ – Maurentöter – in den Kampf ein und entschied die Schlacht für die Christen. Fortan wurde Santiago, der Heilige Jakobus, als der „Herr Spaniens“ bezeichnet. Als Almansor im 10. Jahrhundert noch einmal ganz Spanien überrannte und 997 sogar Compostela einäscherte, ließen die Moslems das Grab des Apostels unversehrt. Kirchliche Chroniken vermerken, daß die Moslems vor dem Grab entsetzt zurückgewichen seien und eine Seuche fast alle von ihnen dahingerafft habe.

Im 11. und 12. Jahrhundert – 1075 begann man mit dem Bau der Kathedrale von Santiago de Compostela über dem Grab und der römischen Nekropole, die heute von der Krypta bedeckt wird – nahm die Wallfahrt nach Santiago de Compostela immer größere Ausmaße an. Die Pilger kamen nicht nur aus Frankreich und Deutschland in das „Jakobsland“, sondern auch aus Polen, Skandinavien, England, Italien, sogar vom Schwarzen Meer. Schon im 13. Jahrhundert war die Wallfahrt nach Santiago der nach Jerusalem und Rom gleichgestellt, und Papst Sixtus IV. erkannte sie schließlich offiziell als gleichwertig an. Im 15. Jahrhundert zogen mehr Pilger zum Jakobsgrab als nach Rom und ins Heilige Land. Erst die Französische Revolution brachte den Strom fast völlig zum Erliegen. 1937 belebte General Franco den Jakobskult, indem er den Tag des Apostels, den 25. Juli, zum Nationalfeiertag erklärte und den Heiligen offiziell zum Landespatron erhob. Auch heute kommen alljährlich, besonders in den Heiligen Jahren, wenn der 25. Juli auf einen Sonntag fällt, Hunderttausende von Pilgern mit Flugzeug, Bahn und Auto, vor allem aber zu Fuß auf dem Jakobsweg – Camino Santiago – von den Pyrenäen in das ferne Galicien. Das nächste Heilige Jahr – Ano Santo – ist 2010.

Darstellung: als Pilger mit der Pilgermuschel – Jakobsmuschel – am Hut oder auf der Brust, mit langem Pilgerstab, Reisetasche und Kalebasse; in Ritterrüstung auf einem weißen Pferd mit erhobenem Schwert galoppierend als „Matamoros“.

Der Heilige Rochus

Rochus von Montpellier, um 1295-1327, Pestpatron, einer der Vierzehn Nothelfer, Patron von Venedig, Parma und Montpellier. Patron der Ärzte, Apotheker und Totengräber, der Kranken, der Spitäler, der Bauern und Gärtner, der Tischler und Bürstenbinder, Pflasterer, Kunsthändler, Gefangenen; Helfer bei Seuchen, besonders bei Pest und Cholera, bei Bein- und Knieleiden, Helfer gegen Unglücksfälle.

Legenden prägen die Vita des Heiligen. Vermutlich wurde er in Montpellier geboren, verlor seine Eltern schon früh und verteilte sein ererbtes Vermögen an die Armen. 1317 pilgerte er nach Rom, pflegte unterwegs die Pestkranken und erkrankte auf der Rückreise 1320 in Piacenza selbst. Einsam fieberte er in einer Hütte dahin, nur ein Engel gab ihm seelische Kraft, und ein Hund versorgte ihn mit Brot. Wieder gesund in Montpellier angelangt, wurde Rochus als Spion festgenommen. Nach über fünfjähriger Haft starb er im Kerker. 1485 gelangten die Gebeine des Heiligen nach Venedig, von wo aus sich sein Kult längs der Handelswege verbreitete. Reliquien befinden sich unter anderem in Antwerpen, Arles und Lissabon. Berühmt wurde die Bingener Wallfahrt auf den Rochusberg.

Festtag: 16. August

Darstellung: als Pilger mit Stab und Kalebasse, mit Pestbeulen am entblößten Oberschenkel, mit einem Engel, der ihn pflegt, und einem Hund, oft als Pestheiliger zusammen mit Sebastian.

Auf der Silberstrasse 800 Kilometer zu Fuss durch die endlosen Weiten Spaniens
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