Mahmouds neues Zimmer war hell und luftig, mit einer Matratze und einer weichen, neuen Decke. Und er war fast nie allein. Jetzt war Sanyare bei ihm und erzählte ihm Geschichten und trug Gedichte und Lieder vor, um ihm die Zeit zu vertreiben. Sie aßen zusammen und beteten zusammen und Mahmoud lachte über Sanyares Scherze.
Manchmal machte er sogar selbst Witze.
»Was gibt es denn heute?«, fragte er, als Rashid mit dem Essen kam. »Ziegeneintopf und Kamelmilch?«
Sanyare lachte und zauste Mahmoud die Haare wie ein Vater seinem Sohn. Und Rashid grinste, als er ihm einen Teller mit Maisporridge reichte.
»Das hier ist besser als Ziegeneintopf«, erklärte er. »Es kommt aus dem besten Restaurant von Eyl – Makhaayad Rashid!«
»Rashid kocht wie kein Zweiter«, erklärte Sanyare ernst und schnitt Mahmoud eine Grimasse. »Sogar der Tee hat bei ihm einen ganz besonderen Geschmack.«
Sie fuhren fort, Rashid zu necken, bis er so tat, als verlöre er die Geduld, und aus dem Raum stampfte. Dann saßen sie nebeneinander, unterhielten sich und aßen.
Es wäre so leicht gewesen, Sanyare für einen Freund zu halten.
Aber ein Freund hat keine Waffe, wenn er sich mit dir unterhält. Und er verschließt nicht die Tür hinter sich, wenn er dein Zimmer verlässt. Diese Dinge konnten auch noch so viele Scherze und Gedichte nicht verdrängen und Mahmoud hörte nicht auf, sie zu bemerken.
Er wusste, dass er nur Teil eines Plans war, und wenn die Zeit gekommen war, würden Sanyare und die andren ihn benutzen, ohne sich um seine Gefühle zu kümmern, so wie man ein Messer oder ein Gewehr bei der Jagd benutzt. Er konnte nur beobachten und abwarten.
Und versuchen, den Fehler zu erkennen, der ihm zur Flucht verhelfen würde …