WAHR IST,  

… dass es in Deutschland zahlreiche alte Bergwerke, Stollen und andere Grubenbaue gibt, die niemals zugeschüttet wurden. Einige solcher historischen Anlagen wurden ganz oder teilweise zu Museen ausgebaut. Andere sind lediglich «verplombt», was bedeutet, dass die Eingänge mit Beton verschlossen, die eigentlichen unterirdischen Anlagen jedoch unberührt gelassen wurden. Manche Bergwerksstollen wurden sogar schlicht vergessen, weil sie nicht in historischen Dokumenten auftauchen, und nur zufällig durch Einbrüche an der Oberfläche wiederentdeckt.

… dass ehemalige Bergwerke in zunehmendem Umfang als Untertagedeponien zur Lagerung umweltgefährdender Stoffe verwendet werden. Zwei der bekanntesten deutschen Endlagerstätten für radioaktive Abfälle, «Asse II» und «Schacht Konrad», sind historische Bergwerke, in denen ursprünglich Salz bzw. Eisenerz gefördert wurde.

… dass die Methode der Echo-Ortung durch Zungenschnalzen von dem US-Amerikaner Daniel Kish (geboren 1965) entwickelt wurde, der 13-jährig infolge einer Krebserkrankung erblindete. Kish, der die gemeinnützige Organisation World Access for the Blind gründete, konnte mit dieser Methode schon als Jugendlicher Rad fahren und auf Bäume klettern. Heute unterrichtet er an einer Blindenschule und hat unter anderem eine Radsportgruppe für Blinde gegründet. Bei guter Übung erlaubt das Zungenschnalzen die Erkennung von Gegenständen, Räumen und Formen auf erhebliche Distanz; selbst feine Strukturen wie etwa ein Maschendrahtzaun können wahrgenommen werden. Anwender beschreiben den Effekt wie eine Folge kurzer Lichtblitze, aus denen sie die Beschaffenheit ihrer Umgebung erkennen können. Ausnahmetalente wie Ben Underwood (geboren 1992) können mit der Methode sogar Skateboard fahren und verzichten gänzlich auf den traditionellen Blindenstock.

… dass unter dem Betonsarkophag des ausgebrannten Kernreaktors in Tschernobyl Pilze entdeckt wurden, die der tödlichen Strahlung trotzten. Untersuchungen zeigten, dass sich ihr Wachstum sogar beschleunigte, sobald sie radioaktiv bestrahlt wurden. Man nimmt an, dass es diesen «radiotrophen» Organismen gelingt, die Strahlung mit Hilfe des Pigmentstoffs Melanin in chemische Energie umzuwandeln. Pilze sind damit die einzigen bekannten Lebewesen, die von Radioaktivität profitieren können.

Quelle: Ekaterina Dadachova, Ruth A. Bryan, Xianchun Huang, Tiffany Moadel, Andrew D. Schweitzer, Philip Aisen, Joshua D. Nosanchuk, Arturo Casadevall: Ionizing Radiation Changes the Electronic Properties of Melanin and Enhances the Growth of Melanized Fungi.

PLoS ONE 2(5): e457.doi:10.1371/journal.pone.0000457

Der Artikel wurde im interaktiven Wissenschaftsjournal www.plosone.org veröffentlicht und steht als PDF-Datei zum Download zur Verfügung.

… dass sich unter den in Tschernobyl gefundenen radiotrophen («strahlenabsorbierenden») Pilzen mehrere Arten befanden, die beim Menschen gefährliche Erkrankungen auslösen können. Dazu gehört unter anderem Wangiella Dermatitidis, ein Schimmelpilz, der offene Wunden infizieren und tiefe Durchwachsungen der Unterhaut hervorrufen kann. Eine Infektion führt zu Schwellung und schwarzblauer Verfärbung des betroffenen Gewebes, kann ganze Teile des Körpers erfassen und manchmal tödlich verlaufen.

… dass Pilze sich (wie Tiere) von anderen Lebewesen ernähren und dabei nicht zwischen toter und lebendiger Substanz unterscheiden. Da Pilze ortsfest wachsen und ihre Beute nicht «verfolgen» können, halten sie sich zumeist an tote organische Materialien, etwa an Holz, abgestorbene Pflanzenteile, Humus, Lebensmittel, Aas oder Kot. Einige Pilze jedoch haben Strategien entwickelt, um sich auch von lebender Beute zu ernähren: Sie befallen entweder Pflanzen – die nicht weglaufen können – oder infizieren Tiere und Menschen, auf deren Haut- oder Lungengewebe sie sich ausbreiten.

… dass bestimmte holzzersetzende Pilze (z. B. Armillaria ostoyae) kilometergroße Myzele bilden können. Der größte europäische Pilz wurde in den Schweizer Alpen entdeckt und bedeckt eine Fläche von rund einem Quadratkilometer. Der berühmte Riesenhallimasch im US-Staat Oregon ist knapp 9 Quadratkilometer groß, 500 Tonnen schwer und mindestens 2000 Jahre alt.