Danas Erscheinen hatte es Tia ermöglicht, aus der Sackgasse zu fliehen, in die sie sich zurückgezogen hatte. Mit ihrem feinen Gehör konnte sie die Position des Mädchens ungefähr ausmachen: Ihr leiser Atem hauchte in einer Nische nahe der linken Seitenwand der Höhle. Böttcher bewegte sich ein gutes Stück entfernt. Dana war ihm entkommen – zumindest vorläufig.
«Was haben Sie vor?», rief Tia laut, um ihn abzulenken. «Wollen Sie uns beide umbringen?»
Er antwortete nicht, sondern wechselte die Richtung und nahm Kurs auf sie. Tia huschte ein Stück rückwärts und ging in Deckung.
«Zum letzten Mal!», knurrte Böttcher. «Gib mir das Probenröhrchen und die Münze! Wenn du dich weigerst, wird deine junge Freundin es ausbaden.»
«Dazu müssen Sie sie erst einmal in die Finger bekommen!», konterte Tia kühn. Gleichzeitig jedoch flackerte Angst in ihr auf. Dana konnte sich im Dunkel nicht sicher bewegen – es war möglich, dass Böttcher sie erwischte. War er tatsächlich so abgebrüht, dass er das Leben des Mädchens als Druckmittel benutzen würde?
Das wird nicht geschehen, schwor sich Tia. Es liegt an mir! Ich muss ihn von ihr fortlocken.
Dies schien zumindest vorläufig zu gelingen, denn Böttcher näherte sich zusehends. Tia hörte, wie er mit dem Fuß gegen einen losen Stein stieß, sich bückte und ihn aufhob. Sie ließ ihn bis auf wenige Meter herankommen, sprang dann überraschend auf und flüchtete, wobei sie denselben Weg benutzte, auf dem sie gekommen war. Böttcher hatte keine Chance, sie zu ergreifen, denn er prallte schon nach drei Schritten – wie Tia es geplant hatte – gegen eine Felsstufe.
Ich muss zu Dana, dachte sie, während sie die Höhle an der rechten Seitenwand umrundete.