XXX

 
»Braint ist verschwunden! Ihr Pferd kehrte ohne sie zurück. Wir haben den ganzen Morgen nach ihrer Leiche gesucht, konnten sie aber nirgends finden!«
Diese Nachricht wurde von dem Katapultschützen überbracht, der den Überfall aus dem Hinterhalt angeführt hatte, den Valerius von seinem Aussichtspunkt auf dem Berg aus beobachtet hatte. Der raubeinige, breitschultrige Jüngling vom Stamm der Silurer sah kaum alt genug aus, um einen Speer heben zu können, dennoch trug er schon die Narben von fünf Jahren des Kämpfens. Er stand auf dem Anleger, das Tau zum Festmachen der Fähre noch in der Hand, und das Einzige, was ihn davon abhielt, in Tränen auszubrechen, war der Schmerz, den seine Zähne verursachten, indem sie sich hart in seine Unterlippe gruben.
Seit dem Überfall auf die römischen Kavalleriepferde und Valerius’ Unterhaltung mit Efnís war nur ein halber Monat verstrichen. Und doch hatte sich in dieser kurzen Zeit das einst so ruhige Leben auf Mona in ein nur noch unter großen Mühen zu beherrschendes Chaos verwandelt.
Luain mac Calma war unterdessen aus Irland zurückgekehrt und hatte einen kleinen Schiffsverband von Fischerbooten mitgebracht, ganz so, als ob die von Valerius vorgeschlagene Evakuierung bereits seit dem Herbst im Detail geplant gewesen wäre. Die Aufgabe, ganze Familienverbände mitsamt ihren Siebensachen, ihren Pferden, Schafen und Kühen umzusiedeln, strapazierte die organisatorischen Fähigkeiten der Ältesten über alle Maßen, doch ein Drittel der Bewohner Monas hatte die Überfahrt mittlerweile bereits hinter sich und war von den Hiberniern freundlich empfangen worden. Und weiterhin liefen die Schiffe zweimal täglich voll beladen aus, um auch noch die Übrigen so schnell in Sicherheit zu bringen, wie Wind und Wellen es nur irgend erlaubten.
Dennoch gab es keine Garantie dafür, dass sie es rechtzeitig schaffen würden. Denn im Westen hatte der Frühling dieses Jahr schon recht früh Einzug gehalten, begleitet von einem warmen, von der See her wehenden Westwind, der überall, außer von den höchsten Gipfeln, den Schnee abgetragen hatte. Auf dem jenseits der Meerenge gelegenen Festland erreichten die Vorbereitungen von Suetonius Paulinus, fünfter Gouverneur von Britannien von Neros Gnaden, unterdessen einen Höhepunkt, der von den Kundschaftern und Spähern der Eingeborenen mit wachsender Besorgnis beobachtet wurde.
Erst unlängst hatten zwei Flügel der Hilfskavallerie ihr Feldlager so nahe an der Meerenge aufgeschlagen, wie es noch keine Truppe je zuvor gewagt hatte. Spione berichteten, dass die Soldaten den Befehl erhalten hätten, alle Krieger Monas aus den Gebirgspässen hinauszutreiben und zu töten. Ersteres schien ihnen auf jeden Fall schon einmal zu gelingen.
Luain mac Calma hob einen Kieselstein vom Ufer auf und ließ ihn über das kabbelige Wasser der Meerenge springen. Fünfmal hüpfte der Stein über die Wellen, bevor er schließlich versank. Wenn durch seine Bewegung die Götter sprachen, so konnte jedenfalls nur Luain mac Calma dieses Omen deuten. »Valerius? Was werden sie mit ihr machen?«, fragte er mit leidender Miene.
»Sofern sie keinen anders lautenden Befehl haben, werden sie sie höchstwahrscheinlich zu den Inquisitoren in die Festung schaffen.«
Valerius starrte auf das Wasser hinaus und strich dabei mit den Fingern durch das raue Fell seines Hundes. Das Tier war zu ihm zurückgekehrt, als die ersten Schiffe nach Hibernia ausgelaufen waren, so als ob von ihm verlangt worden wäre, bei der Abreise der Menschen von Mona zugegen zu sein. Was immer auch der Grund für seine Rückkehr sein mochte, Valerius hatte den Hund so überschwänglich begrüßt, wie er auch Hail empfangen hätte. Dennoch hatte das Erscheinen des Hundes zugleich auch ein ungutes Gefühl in ihm ausgelöst, eine böse Vorahnung, die Valerius einfach nicht abschütteln konnte.
Während die Evakuierungen ihren Fortgang nahmen, hatte Valerius eine zunehmend stärker werdende innere Leere empfunden, so wie es ihm früher, in den Tagen vor einer Schlacht, stets ergangen war. Infolgedessen hatte er tagtäglich die Meerenge beobachtet und nach Braints Heimkehr Ausschau gehalten; daher war er auch der Erste gewesen, der gesehen hatte, wie die Krieger die Abhänge hinuntergerast kamen und auf die Fähre zuhielten, und dann gleich noch einmal der Erste, dem aufgefallen war, dass Braints Pferd bei ihnen war, aber keine Reiterin auf seinem Rücken trug. Was Valerius jedoch am meisten überrascht hatte, war, dass ihn diese Entdeckung innerlich berührte.
Die See kräuselte sich unter einer kräftigen Windböe. Die Fähre tanzte auf ihrem Anlegeplatz hin und her und zerrte an ihrer Vertäuung, festgehalten von Sorcha, der Fährfrau, die schon zu viele Krieger hatte hinausreiten und nicht mehr zurückkehren sehen, als dass die Meldung von Braints Verschwinden sie nun noch sonderlich tief zu berühren vermocht hätte. Eine Woge der Übelkeit stieg in Valerius auf, und diese Übelkeit war nicht nur Symptom der verfrüht einsetzenden Seekrankheit. Im Laufe des Winters, während sein geschundener Körper langsam wieder genesen war, hatte Valerius von mac Calma gelernt, Nemains Wispern besser wahrzunehmen, ihre Botschaften besser zu verstehen. In diesem Moment spürte er ganz deutlich ihre Berührung - in der Vertrautheit des Hundes und in der Stille des Tages -, doch es war die plötzliche Anwesenheit von Mithras - er hatte sich abrupt in Valerius’ Gedanken hineingedrängt -, die die Übelkeit auslöste.
An den jungen silurischen Katapultschützen gewandt sagte Valerius: »Wie genau kam es eigentlich dazu, dass Braint überwältigt wurde, kannst du mir das berichten?«
Bereitwillig gab der Junge Auskunft, nur zu froh darüber, sich endlich laut dazu äußern zu dürfen, so als ob er durch seine Schilderung die Vergangenheit noch einmal neu schreiben könnte. »Ein Flügel der Kavallerie kampierte am oberen Ende des langen Passes auf der anderen Seite der Berge dort drüben...« Er wies mit einer weit ausholenden Armbewegung auf die höheren Gipfel, die noch im Morgennebel verborgen lagen. »Wir ließen erst einmal ihre Pferde frei, so wie wir’s immer machen, und Braint war währenddessen auf dem Hang, von wo aus sie das Feldlager beobachtete. Sie gab aber die ganze Zeit über nicht das Zeichen zum Überfall aus dem Hinterhalt, deshalb griffen wir natürlich auch nicht an. Jedenfalls, die Pferde, die wir losließen, waren nicht die besten der Kavallerieeinheit. Die hatten die Soldaten in ihren Zelten versteckt und auch sofort bestiegen, als sie die anderen Tiere davongaloppieren hörten. Aber selbst wenn Braint das Signal gegeben hätte, hätten wir doch unmöglich noch angreifen können; die Soldaten waren einfach zu schnell da. Und dann wartete Braint nicht bei den Weißdornbüschen auf uns, so wie wir es für diesen Fall verabredet hatten. Als wir uns schließlich auf die Suche nach ihr machten, war ihr Pferd zwar noch da, aber sie selbst war verschwunden.«
Der Junge presste seine Handballen gegeneinander und starrte einen Augenblick lang auf sie hinab. »Bisher haben sie sie noch nirgendwo anders hingebracht«, fuhr er fort. »Sie sind danach geradewegs wieder in ihr Lager zurückgeritten, und dort sind sie immer noch. Limarnos ist noch an Ort und Stelle und beobachtet sie weiterhin. Falls sie aufbrechen und Braint bei ihnen ist, wird er das Heidekraut in Brand stecken, als Signal.«
Ein Signalfeuer würde von Freund und Feind gleichermaßen gesehen werden, und auch seine Bedeutung würde für beide Seiten klar ersichtlich sein. Als ob er der befehlshabende Offizier wäre und der Junge ein neuer Rekrut, der dringend ein wenig Aufmunterung gebrauchen konnte, sagte Valerius nun: »Das habt ihr gut gemacht. Zu welchem Regiment gehörten die Soldaten der Hilfstruppe? Hast du irgendwo eine Standarte gesehen?«
Der Katapultschütze war noch zu jung, um die näheren Einzelheiten von Valerius’ Verrat zu kennen. Er runzelte die Stirn, überlegte einen Moment und erklärte dann: »Sie waren Thraker. Der Anführer der Truppe ritt unter der Standarte des Stieres, der ja auch das Zeichen der Ahnen ist, nur dass dieser hier in Rot auf einem grauen Untergrund prangte, der Farbe Monas.«
»Danke.« Der rote Stier auf grauem Untergrund war früher einmal Valerius’ Zeichen gewesen, und Longinus hatte es beibehalten. Der Kampfhund drückte sich gegen Valerius’ Schenkel, und Valerius legte dem Tier beruhigend eine Hand auf den Kopf.
Ehe der Schmerz in dem nun einsetzenden Schweigen allzu qualvoll werden konnte, sagte mac Calma ruhig: »Sie wurden von den Besten ihres Fachs ausgebildet, um die Besten ihres Fachs zu sein; deshalb setzt Paulinus nun auch speziell sie ein. Werden sie Braint also selbst verhören?«
Valerius hob den Kopf und blickte zu den höchsten Gipfeln auf der gegenüberliegenden Seite der Meerenge hinauf. Nach einer Weile erwiderte er: »Nicht, wenn sie sich in der Zeit, seit ich sie damals angeführt habe, nicht bis zur Unkenntlichkeit verändert haben. Longinus würde einer Frau gegenüber niemals gewalttätig werden, außer wenn sie ihn in einer Schlacht angriffe. Unter normalen Umständen würden sie Braint zurück in die Festung bringen, um sie den Inquisitoren zum Verhör zu überlassen. Wenn sie das bis jetzt noch nicht getan haben, dann höchstwahrscheinlich aus dem Grund, weil sie den Befehl haben, sie hier festzuhalten, wo wir einen Befreiungsversuch unternehmen könnten.«
»Gut. Ich hatte gehofft, dass dem so sein würde. Danke.«
Ein zweiter Stein hüpfte über das Wasser. Er sprang neun Mal, und die Spritzer seines letzten Aufpralls flogen hoch in die Luft und wurden vom Wind davongetragen, nachdem der Stein bereits in die Tiefe hinabgesunken war. Luain mac Calma, Vorsitzender des Ältestenrats von Mona, schaute schweigend zu, wie Manannans weiße Rösser sich wieder über jener Stelle zusammenschlossen, wo gerade eben noch der Kieselstein versunken war.
Schließlich schob Luain mac Calma die Hände in die Falten seines Umhangs und wandte sich wieder vom Wasser ab. Er sah Valerius in die Augen, hielt dessen Blick fest, war Nemain und Mithras zugleich und noch etwas anderes, Tiefergehendes, das noch peinigender war.
»Es scheint ganz so, als wäre uns noch ein kurzer Aufschub vergönnt, eine von den Göttern geschenkte Frist, während der wir handeln können. Der Gouverneur darf auf keinen Fall von der Evakuierung unserer Leute nach Irland erfahren. Es wäre natürlich das Beste, wenn Braint rechtzeitig befreit und heil und unversehrt zu uns zurückgebracht werden könnte, aber wenn das nicht möglich sein sollte, wäre es für sie und auch für uns besser, wenn sie die Festung der Zwanzigsten nicht mehr lebend erreicht. Valerius, würdest du so viele Krieger zusammenrufen, wie du brauchst, und dich darum kümmern?«
 
Die Wahl des ranghöchsten Kriegers von Mona war gewöhnlich eine ziemlich langwierige Angelegenheit und wurde traditionellerweise vom vollzählig versammelten Ältestenrat überwacht. Und dieses überaus verantwortungsvolle Amt wurde nun nicht einfach bloß aus einer Laune heraus einem Mann übertragen, der mehr Krieger und Träumer niedergemetzelt, an den Feind verraten oder den Inquisitoren der Legionen ausgeliefert hatte, als er oder sonst irgendjemand noch zählen konnte.
Und dennoch - Luain mac Calma war der vereidigte Vorsitzende des Ältestenrats von Mona, und sein Wort war Gesetz. Wenn er also beschloss, die Führerschaft über die Kriegerinnen und Krieger einem Mann zu übertragen, der früher einmal die feindliche Kavallerie angeführt hatte, wenn er entschied, diesen Mann tatsächlich ohne jede Erklärung oder Absprache mit den Mitgliedern des Ältestenrats zum Dienst habenden ranghöchsten Krieger zu ernennen, dann konnte niemand diesen Beschluss anfechten. Das bedeutete jedoch nicht, dass die übrigen Speerkämpfer, Katapultschützen und Schwertkämpfer von Mona solch einem Mann ihr Vertrauen oder ihre Zuneigung schenken mussten. Allein die Hoffnung, Braint vielleicht doch noch lebend wieder zurückbringen zu können, veranlasste sie, Valerius’ Kommando zu akzeptieren, und diese Hoffnung war alles andere als gewiss.
Der Morgen verstrich unter hektischen Planungen und Vorbereitungen, während der Valerius feststellte, dass er mehr Krieger namentlich und aufgrund ihrer speziellen Fähigkeiten kannte, als er sich hätte träumen lassen. Und wichtiger noch: Er erfuhr dabei nach und nach, welche dieser Krieger ihm zwar nur widerwillig, aber dennoch gehorsam folgen würden, und welche bei der ersten sich bietenden Gelegenheit versuchen würden, ihn kurzerhand zu töten. Der Hund lief die ganze Zeit neben ihm her, als Valerius vom Großen Versammlungshaus zum Waffenlager marschierte und wieder zurück. Jene Krieger, die das Tier wahrnahmen, waren - wie Valerius feststellte - diejenigen, denen er noch am ehesten vertrauen konnte. Die wenigen unter ihnen wiederum, die das Unheil abwehrende Zeichen machten, waren die gefährlichsten.
Kurz nach Mittag berief er eine Versammlung im Großen Rundhaus ein, wobei er die Anführer der jeweiligen Schildgruppen kommen ließ, so dass jeder einzelne Krieger bei der Versammlung vertreten war, auch wenn das Haus nicht groß genug war, um sie alle aufzunehmen. Valerius ließ die Türfelle zurückschlagen und mit Haken befestigen und die Wandmatten aufrollen. Licht strömte zum offenen Eingang herein und durch das Flechtwerk der Wände, noch heller als die Feuer.
Er hätte zwischen den versammelten Männern und Frauen auf und ab schreiten können; Breaca hätte das sicherlich getan. Valerius jedoch, ehemaliger Offizier der römischen Hilfstruppen, zog es vor, sich auf den Stumpf einer Eiche zu stellen, so dass er die Anwesenden um einiges überragte und auch von den hintersten Reihen aus noch gut zu sehen war. Er trug einen Kettenpanzer und einen alten Kavallerieumhang, den er noch zu Caradocs Zeiten gestohlen und bei Überfällen aus dem Hinterhalt benutzt hatte, und hinter ihm an der Wand hing seine Standarte. Auf den Untergrund aus grauem Stoff hatte er in dem Rot frischen Blutes das Zeichen des Kampfhundes gemalt und die Fahne zwischen zwei Weidenstangen aufgespannt, so dass man sie von allen Bereichen des Versammlungshauses aus gut erkennen konnte.
Wäre die Form ein wenig anders gewesen, hätte das Bild exakt dem roten Stier der thrakischen Kavallerie geglichen, unter dem Valerius einst in Rom gekämpft hatte. Als er nun sein Podium bestieg, schlug ihm ein Schweigen entgegen, so lastend und feindselig, dass es geradezu schien, als wäre die Luft vergiftet. Nicht einer der anwesenden Krieger hatte irgendwelche Zweifel daran, wer Valerius einst gewesen war; womit sie allerdings nicht gerechnet hatten, war, dass er dies so demonstrativ zur Schau stellen würde.
Valerius hatte schon mehr als einmal zu Truppen gesprochen, und das bereits vor Schlachten, die weitaus größer gewesen waren als diejenige, die ihnen nun bevorstand. Er verstand sich also darauf, seine Zuhörer zu erreichen, wusste, wie er sie mitreißen konnte, selbst wenn sie ihn noch so sehr verabscheuen mochten. Er erhob seine Stimme also, so dass sie bis zu den äußersten Rändern der versammelten Menge schallte: »Ihr wisst, wer ich früher einmal gewesen bin. Ihr wisst auch, welches Amt mir der Vorsitzende des Ältestenrats übertragen hat. Ich habe ihm gegenüber ebenso den Treueid leisten müssen wie ihr, bin ebenso gebunden wie ihr; wir haben in dieser Sache also keine andere Wahl. Bis Braint zurückkehrt, um ihren Platz als ranghöchste Kriegerin wieder einzunehmen - und glaubt mir, ich wünsche mir das genauso sehr wie ihr -, seid ihr eidlich verpflichtet, mir zu folgen.«
So viel wussten sie bereits. Valerius beobachtete, wie die Krieger reagierten, und revidierte daraufhin seine Einschätzung, wem er vertrauen könnte, noch einmal.
Er fuhr fort: »Braint ist gefangen genommen worden und darf die Festung der Zwanzigsten unter keinen Umständen lebend erreichen. Entweder wir bringen sie heil und unversehrt wieder nach Mona, oder wir lassen sie tot dort zurück. Das sind unsere beiden Wahlmöglichkeiten.«
Auch das mussten sie bereits gewusst haben, doch sie wollten es nicht von ihm hören. Wenn allein ihr Wunsch hätte töten können, wäre Valerius auf der Stelle tot umgefallen.
Er vermochte aber nicht zu töten, und so fuhr Valerius fort: »Der Kavallerieflügel kampiert nicht nur zufällig in dem langen Pass. Das Ganze ist eine Falle, und bisher ist erst die erste Hälfte dieser Falle zugeschnappt. Die Soldaten waren der Köder, der dazu diente, Braint anzulocken und gefangen zu nehmen, und Braint wiederum ist nun der Köder für einen noch größeren Preis - und der seid ihr. Der Gouverneur kennt den überragenden Mut und das ausgeprägte Ehrgefühl der vereidigten Speerkämpfer von Mona, und er versucht mit allen Mitteln, euch zu vernichten, damit er die Insel gefahrlos einnehmen kann.«
Valerius schmeichelte ihnen, und dafür verachteten sie ihn nur noch umso stärker. Er fuhr fort: »Sie werden folglich also schon auf uns warten - aber vielleicht nicht nur sie. Es ist durchaus möglich, dass dies die größte Falle von allen ist. Wir müssen auch in Betracht ziehen, dass dies womöglich der Anfang des finalen Großangriffs auf Mona ist: dass der Gouverneur es darauf angelegt hat, die Gesamtheit unserer Krieger aus der Reserve zu locken und in diesen einen schmalen Pass hineinzutreiben, was es den Legionen ermöglichen würde, ungehindert auf Mona einzumarschieren. Das geschehen zu lassen, habe ich jedoch keineswegs die Absicht.«
Der eine oder andere unter seinen Zuhörern hatte offenbar bereits an diese Gefahr gedacht, die meisten jedoch nicht. Valerius spürte, wie sich die Atmosphäre im Raum schlagartig veränderte. Der Hund kam an seine Seite, und diesmal nahmen ihn mehr von ihnen wahr als noch zuvor.
Valerius verschränkte die Hände hinter dem Rücken. Wie ein Feldherr, der zu seinen Truppen spricht, fuhr er fort: »Es gibt drei Wege, die uns offen stehen: Erstens, wir können Braint lebend wieder zurückbringen, was das Beste ist, worauf wir hoffen können. Wenn das misslingt, dann lautet die zweite Möglichkeit: Wir können sie töten und damit wissen, dass sie eines sauberen Todes gestorben ist, was zwar nicht gut wäre, aber noch lange nicht das Schlimmste, was passieren könnte. Oder, drittens, wir könnten Braint aufgeben und ihrem Schicksal überlassen und stattdessen unsere Kraft und Energie darauf verwenden, diese Insel zu verteidigen und alles, was auf ihr ist, damit die Evakuierung ihren Fortgang nehmen kann, bis sie abgeschlossen ist oder auch der Letzte von uns gefallen ist - je nachdem, was als Erstes eintritt.«
Zum Schluss sprach er nicht etwa gegen tumultartigen Lärm an - Aufruhr und laute Proteste wurden im Großen Versammlungshaus nicht geduldet -, aber doch gegen einen solchen Chor von kummervollen Seufzern, dass seine letzten Worte ebenso untergingen, als ob die Krieger ihn niedergebrüllt hätten.
Nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, fuhr Valerius mit seiner Rede fort, dämpfte seine Stimme dabei jedoch so sehr, dass die Krieger sich anstrengen mussten, um ihn zu hören, und auch die Letzten von jenen, die unruhig mit den Füßen scharrten, gezwungen waren, still zu sein.
»Es gibt allerdings noch eine vierte Möglichkeit: dass wir die Krieger von Mona aufteilen, dass der größere Teil von euch hier auf der Insel bleibt und die Meerenge gegen die Legionen verteidigt. Wenn wir uns für diese Vorgehensweise entscheiden, wird eine kleinere Abordnung von nur sechshundert Kriegern zusammen mit mir zu dem Tal reiten, in dem Braint gefangen gehalten wird, und wir werden dann die Kavallerie zum Kampf auf Leben und Tod herausfordern. Mit eurer Hilfe ist das der Weg, den ich einzuschlagen gedenke.«
Jetzt hatte er sie. So wie der Hase den Hund in seinen Bann schlug, so hatte mit einem Mal auch er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Auch die Beachtung, die sie ihm nun schenkten, besaß plötzlich eine ganz andere Qualität. Valerius hob die Hand und ließ sie dann ähnlich einer Klinge ausgestreckt auf seine Zuhörer hinabsinken. Mit dieser imaginären Schneide zerteilte er vor sich die Luft, ließ eine Linie mitten durch ihre Reihen verlaufen. Sich ihrer Handlung vollkommen unbewusst wichen die Krieger zu beiden Seiten dieser Linie auseinander, wobei sich der größere Teil von ihnen zu Valerius’ Rechter zusammenfand.
Er wandte sich also zunächst an diese größere Gruppe. »In euren Händen liegt die Verteidigung Monas. Und ich unterstelle euch hiermit dem Befehl von Tethis aus dem Stamme der Kaledonier. Tethis, es müssen beide Seiten der Meerenge verteidigt werden. Wie du das erreichst, liegt allein bei dir.«
Damit hatte er eine Entscheidung getroffen, die allgemein mit Wohlwollen aufgenommen wurde. Die Mehrheit der Krieger hielt Tethis ohnehin für Braints legitime Nachfolgerin, sah in ihr die stellvertretende Anführerin der Krieger, deren Stellung sich nun Valerius zu Eigen gemacht hatte. Er hätte Tethis gerne an seiner Seite behalten, doch sie war eine der wenigen, bei denen man darauf vertrauen durfte, dass sie wussten, wie sie in der Verteidigung der Insel den unzweifelhaften Mut der Krieger gegen rein praktische Gesichtspunkte abzuwägen hatten. Tethis würde das Leben ihrer Krieger nicht mit sinnlosen Befehlen oder gänzlich hoffnungslosen Heldentaten vergeuden; gleichwohl aber würde sie sie durchaus in den sicheren Tod schicken, wenn dies dazu führte, dass sie den Feind am Ende doch noch würden schlagen können.
Für einen Augenblick gehörte der Versammlungsraum allein ihr. Und sie kommandierte ihre Krieger sehr geschickt, schuf Ordnung im Chaos und wählte als ihre Schildgefährtin eine vierschrötige Frau aus dem Stamme der Cornovii, deren Brüder unter Valerius’ Befehl gestorben waren. Nur allzu gerne hätte diese Valerius gehäutet und, eingebettet in eine Hülle aus Tonerde, wohl noch einen ganzen Monat lang am Leben gehalten, hätte ihn täglich gefüttert, um seinen Tod damit noch ein wenig länger hinauszuzögern - wenn die Stammesältesten sie nur gelassen hätten. Und auch unter den sechshundert Kriegern, die nun Valerius’ eigene Truppe bildeten, teilte die überwiegende Mehrheit die Einstellung dieser Frau. Hätte Valerius diese jedoch alle aussortiert, so hätte er schließlich mit kaum mehr als fünfzig Speerkämpfern zum Angriff auf das Lager der Hilfstruppen ansetzen müssen.
Schließlich, als Tethis und ihre Krieger abgezogen waren, wandte er sich an jene sechshundert, die nun noch übrig blieben. Die Ansprache, die er an sie richtete, war kurz. Beinahe schon barsch teilte er ihnen seinen Schlachtplan mit, einschließlich der Aufstellung der Reiter und der Art der Waffen sowie der Schlachtrufe, ganz so, als wären sie ein schon seit langer Zeit unter seinem Kommando stehender Kavallerieflügel. Und auch für diese knappe Ansprache hassten sie ihn, konnten ihm zugleich aber keinen Vorwurf daraus machen. Zum Schluss führte er sie nach draußen und rammte seine Fahnenstange in die Erde. Dann markierte er eine Stelle auf dem Boden, die in nordöstlicher Richtung von seinem eigenen Schatten lag.
»Es ist jetzt kurz nach Mittag. Wir treffen uns, wenn der Schatten die Markierung berührt. Regelt alles, was ihr noch geregelt wissen wollt, verabschiedet euch von allen, die euch wichtig sind. Weder werde ich euer Leben sinnlos vergeuden, noch bekommt ihr von mir die Gelegenheit, euch als Helden hervorzutun. Wir haben einhundert Pferde mehr als die Hilfskavalleristen, was bedeutet, dass wir theoretisch nicht unterliegen sollten. Dennoch werden einige von euch sterben, und einige werden fallen und damit letztendlich ebenfalls sterben. Seid euch über eines im Klaren: Ich habe nicht vor, noch einen zweiten Rettungstrupp aufzustellen. Wenn wir uns also schließlich wieder zurückziehen, lassen wir keinen von unseren Leuten, gar keinen, lebend auf dem Feld zurück. Ich erlaube nicht, dass die Einzelheiten der Evakuierung von Mona den römischen Inquisitoren zu Ohren kommen. Jeder, der nicht mit zurückgebracht werden kann, wird seinen letzten Atemzug auf dem Berghang tun.«
Er schaute sich um. Niemand rührte sich. »Gut. Jene, die sich nicht mit dem Zusammentreffen der Schatten hier eingefunden haben, bleiben zurück. Solltet ihr also zu der Ansicht gelangen, dass euch mein Befehl letztendlich doch zuwider ist, dürft ihr selbst darüber entscheiden, ob ihr nicht lieber hier bei Tethis bleiben wollt. Den Rest werde ich in Kürze wieder hier vorfinden.«
 
Nur drei Krieger von insgesamt sechshundert entschlossen sich, lieber bei Tethis zu bleiben und sich der Verteidigung Monas anzuschließen. Die Übrigen überquerten gemeinsam mit Valerius die Meerenge zum Festland hinüber. Erst auf der gegenüberliegenden Seite stiegen sie auf ihre Tiere, gruppierten sich dicht hinter ihm und hielten seine Fahne mit dem Symbol des Kampfhundes stets so hoch, dass jeder es sehen konnte. Dennoch fehlte es ihnen einfach an der Ordnung und der Disziplin der perfekt gedrillten römischen Kavallerie, und Valerius sehnte sich zurück nach jener klaren Verständigung auf dem Schlachtfeld, wie er sie in seiner Vergangenheit erlebt hatte.
Die kastanienbraune Stute, die er ritt, war eines ihrer besten Tiere, und dafür war er ihnen wahrlich dankbar. Als ehemaliges Kavalleriepferd, das die Krieger bei einem früheren Überfall erbeutet hatten, streckte sie energisch den Rücken, ließ sich leicht führen und spitzte angesichts des in einiger Entfernung aufsteigenden Rauches eines Lagerfeuers bereits kampfeslustig die Ohren. Sie hatte ein gutes Gespür dafür, mit welchem Tempo sie durch eine Schlacht zu galoppieren hatte, und sie liebte den Kampf; dafür wiederum liebte Valerius sie.
Er flüsterte ihr leise etwas zu, kraulte ihr aufmunternd den Hals und trieb sie dann die erste wirkliche Steigung an dem Berghang hinauf. Der Nachmittag streckte sich dem Abend entgegen und war recht warm für diese Zeit des Jahres. Der noch am Morgen vorherrschende Nebel hatte sich inzwischen verzogen. Die langsam immer steiler werdende Böschung war bedeckt von noch nicht erblühtem Heidekraut, und unterhalb einer gewissen Höhengrenze entfalteten sich bereits die Blätter der Farne, bereit für den Frühling. Eine Feldlerche stieg hoch über dem mit Felsbrocken übersäten Gipfel des Berges auf und erfüllte die wartende Stille mit ihrem Gesang.
Die wartende Stille.
Valerius zügelte die Stute und hob die Hand. Rechterhand von ihm schloss der junge silurische Katapultschütze auf, welcher die Nachricht von Braints Gefangennahme verbreitet hatte und der nun Valerius’ Banner trug.
»Hier teilen wir die Streitkräfte auf«, erklärte Valerius. »Erinnerst du dich noch an das Signal?«
»Natürlich.« Der Name des Jungen war Huw. Mütterlicherseits war er ein entfernter Verwandter von Caradoc und denkbar stolz darauf.
Das Zeichen war ein sehr einfaches; ein Jugendlicher konnte die komplexe Signalsprache der römischen Kavallerie nicht an einem einzigen Morgen erlernen. Huw schwenkte die Fahne einmal in Richtung Sonne. Der graue Untergrund des Banners verschmolz mit dem Grau des Himmels, so dass der Kampfhund wirbelte und tanzte, ganz so, als ob er tatsächlich lebte.
Beim Anblick des Signals teilte sich Valerius’ Truppe in zwei Hälften; der größere Teil von ihr ritt weiter unter dem Kommando eines Kriegers mit Haar von der Farbe des Dachses. Er stammte aus dem Stamme der Durotriger und war reich geschmückt mit Kriegerfedern und übersät mit Kampfnarben. Die Krieger unter seinem Kommando ritten unterhalb des Berghangs auf einem Pfad davon, der sie nach einigen Kurven zum Eingang des Tals führen würde.
Dreißig Krieger blieben bei Valerius. Und wenigstens ein Teil von ihnen bemühte sich, in Deckung zu bleiben.
»Haben sie uns schon gesehen?«
Ganz gleich, welches Erbe er auch in sich tragen mochte, so hatte Huw doch Angst, obgleich er sich große Mühe gab, seine Angst zu verbergen. Sein Talent lag eher im Kampf aus dem Hinterhalt, nicht aber in der offenen Schlacht.
Valerius’ Aufmerksamkeit ruhte ganz auf seinem Hund, der ein kurzes Stück vor ihm lief. Noch immer den Blick allein auf das Tier gerichtet entgegnete er: »Natürlich. Das sollen sie ja auch. Wenn wir Glück haben, dann haben sie mich sogar erkannt. Wenn wir doppeltes Glück haben, wird die Ala Prima Thracum noch immer angeführt von einem Mann, den ich einst kannte. Und wenn wir mehr Glück haben, als man eigentlich erwarten dürfte, wird er sich an eine Vorgehensweise erinnern, die ich einst angewendet hatte, um einen Standartenträger zu retten, der in den südlichen Bergen von den Silurern gefangen genommen war.«
»Aber wenn er sich daran erinnert...?«
»Dann geht er vielleicht davon aus, dass ich ebendiese Taktik hier erneut anwenden werde. In dem Fall wüssten wir dann bereits im Voraus, in welche Richtung er seine Männer führen wird. Möglicherweise aber ist er auch klüger. Das würde dann wiederum bedeuten, dass wir alle in den Tod reiten werden. Wolltest du etwa wieder umkehren?«
»Nein!« Eine dunkle Röte überzog das Gesicht des Jungen. »Ich würde niemals wieder umkehren.«
»Außer, ich befehle es, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt...« Valerius verengte die Augen zu schmalen Schlitzen und schirmte sie mit einer Hand gegen die Sonne ab. »Was meinst du, ist das da oben auf dem Abhang der Rauch eines Signalfeuers oder bloß der Abendnebel, der sich ungewöhnlich früh herabsenkt?«
 
Es war ein Signalfeuer, das von beiden Seiten gleichermaßen entdeckt wurde, jedoch, mit etwas Glück, nicht von beiden Seiten gleich interpretiert werden würde.
Das Tal, in dem Braint gefangen gehalten wurde, besaß die Form eines Pfeils und stieg in nördliche Richtung leicht an. Dort stießen zwei sehr steile Gebirgskämme aufeinander, um am Ende der Pfeilspitze eine Sackgasse zu bilden. Am entgegengesetzten Ende des Pfeils beschrieb das Tal eine Öffnung, die breit genug war, um einhundert Reiter, die in einer Reihe nebeneinander herritten, mit jeweils einer Speerlänge Abstand zwischen ihnen, hindurchzulassen.
Zwischen Pfeilspitze und Talöffnung verlief ebenes Gelände, als ob ein Fluss dieses Tal einst ausgewaschen hätte. Zudem war es fast vollkommen frei von Felsbrocken und Geröll, so dass die Reiter in hartem Galopp eindringen konnten, ohne sich um die Sicherheit ihrer Tiere sorgen zu müssen. Longinus hatte seinen Platz geschickt ausgewählt und lagerte unter freiem Himmel und an einer Stelle, wo es den feindlichen Truppen unmöglich war, ihn zu erreichen, ohne sich zuvor bemerkbar zu machen. Den ganzen Morgen über hatten die Späher von Mona berichtet, dass die Zelte der Hilfstruppe in einem dicht gedrängten Haufen beieinander lagen, etwa ein Drittel des Weges von dem breiteren, südlichen Ende aus gesehen; und damit noch an derselben Stelle standen, wie schon zum Zeitpunkt von Braints Gefangennahme. Neben einigen anderen Dingen bestätigte das Signalfeuer nun also, dass sich an der Lage der Zelte noch nichts geändert hatte.
Valerius drängte seine Kavalleriestute den Berghang hinauf und in Richtung des nördlichen Endes des Tals. Seine aus dreißig Kriegern bestehende Truppe folgte ihm aufgereiht wie auf einer Perlenschnur. Wer nun erwartete, eine berittene Truppe zu entdecken, für den sahen sie von oben betrachtet leicht nach einer Kavalleriepatrouille aus, die gehalten war, in Kolonne zu reiten, und sich zudem gerade alle erdenkliche Mühe gab, nicht gesehen zu werden.
Ein Steinschlag versperrte den Weg. In seinem Schutz hielt Valerius an, unfähig, noch länger die Bergkuppe beobachten zu können, jedoch auch von dort aus nicht mehr auszumachen.
Huw war noch immer an seiner Seite, blass und sehr schweigsam. Wie ein vergessenes Anhängsel baumelte die Steinschleuder von seiner Hand herab. Sein Beutel voller Katapultsteine quoll derweil geradezu über.
»Braint wurde gesehen, und sie lebt; wäre sie tot, wäre der Rauch schwarz«, erklärte Valerius. »Also fahren wir fort wie geplant. Huw, gib mir die Standarte und überlass dein Pferd Nydd.«
Nydd war vom Stamme der Ordovizer und einige Jahre älter als Huw, sein Haar jedoch war von demselben intensiven Schwarz wie das der meisten Bewohner des Hochlands, und seine Tunika wies das gleiche grüne Muster auf, das über die Schulterpartie und um den Saum herum verlief, wie das von Huw.
Das Pferd, das nun den Besitzer wechselte, war von einem prachtvollen, leuchtenden Grau mit schwarzen Flecken und damit aus Sicht der sie womöglich beobachtenden Kavalleristen, die Pferde sogar noch höher schätzten als Gold oder Frauen, das bei weitem am leichtesten wieder zu erkennende Tier. Es stammte aus der Zucht der Eceni und trug auf seiner linken Schulter ein Brandzeichen in Form des Schlangenspeers. Wenn Longinus sich also noch immer auf die Dienste jenes batavischen Spähers verließ, der die auf ihrer Standarte ausgewiesenen Verdienste einer Legion bereits auf eintausend Schritt Entfernung ablesen konnte, so wüsste er nun, dass die unter Valerius’ Banner reitenden Krieger allesamt auf den besten Tieren ritten, die Mona nur irgend zu bieten hatte. Und wenn Longinus sich eines gemerkt hatte, dann den Grund dafür, warum ein Krieger stets sein bestes Pferd in die Schlacht ritt.
»Huw, erinnerst du dich noch an die Signale und wie du auf sie zu reagieren hast?«
»Natürlich.«
»Was tust du, wenn die feindliche Kavallerie angreift, ehe wir Braint befreit haben?«
»Dann renne ich hierher zurück, nehme das Ersatzpferd und fliehe. Unter keinen Umständen darf ich zulassen, dass ich gefangen genommen werde, weil du nicht vorhast, dies alles morgen noch einmal unternehmen zu müssen für einen Katapultschützen, dessen Mut größer war als sein Vermögen, ein Geheimnis zu bewahren.« Er war ein guter Schauspieler und klang beinahe schon wie Valerius. Zorn und verletzter Stolz hatten seinen Wangen wieder etwas Farbe verliehen, und er sah nicht mehr ganz so von Übelkeit geplagt aus.
Valerius lächelte. »Sehr gut. Braints Leben hängt von dir ab. Ich vertraue darauf, dass du der Aufgabe gewachsen bist.«
Die Silurer waren berühmt für ihre Fähigkeiten als Fährtenleser und Jäger. Huw schob energisch das Kinn vor und schlang die Schnüre seiner Schlinge noch ein wenig sorgfältiger um sein Handgelenk. »Ich weiß, was du getan hast und wer du warst«, entgegnete er. »Ich tue dies für Braint. Und ich werde sie nicht im Stich lassen.«
Der Junge schien zwischen dem Heidekraut zu einem grünlich braunen Fleck zu verblassen, bis er schließlich überhaupt nicht mehr zu erkennen war. Eine kurze, schweißtreibende Zeit des Wartens später prallte ein kleiner Stein, noch kleiner, als eine sich niederlassende Krähe ihn womöglich losgetreten haben könnte, über Valerius’ Kopf hinweg gegen den Fels und zeigte damit an, dass Huw seinen Posten erreicht hatte und sich, wenngleich vielleicht auch an nichts anderes mehr, zumindest noch an den ersten seiner Befehle erinnerte.
Nydd hielt derweil die Standarte. An ihn wandte sich Valerius nun: »Halte dich dicht neben mir, reite genau dort lang, wo auch ich reite. Wenn wir angegriffen werden, werde ich dich verteidigen. Aber wenn der Kampfhund fällt, haben wir keine Möglichkeit mehr, Huw noch Signale zu geben, und dann stirbt auch er. Und wenn er stirbt, dann stirbt Braint in der Festung unter der Folter der Inquisitoren. Hast du das verstanden?«
Nydd war älter als Huw und hatte folglich schon in mehr Schlachten gekämpft. Er errötete nicht. »Ich habe schon genügend römische Standartenträger getötet. Ich weiß, was passiert, wenn sie fallen.«
»Gut. Dann lass uns aufbrechen.«
Valerius führte seine Kolonne wieder aus dem Schutz hinter dem Steinschlag hinaus und spürte die Blicke jener, die sie beobachteten, nun umso stechender. Doch in ihrer Berührung lag auch eine gewisse Genugtuung; gewürzt mit dem leichten Beigeschmack der Enttäuschung darüber, dass er nun ein altes Manöver zum zweiten Mal ausführen sollte; Longinus hatte von ihm sicherlich etwas Besseres erwartet.
In nördliche Richtung gewandt kletterten sie nun einen steilen Ziegenpfad hinauf - viel zu schmal für jeglichen Reiter, der noch halbwegs bei gesundem Menschenverstand war. An einem gewissen Punkt, auf einer Höhe, wo selbst das Farnkraut sich noch nicht entfaltet hatte, stiegen sie ab und führten die Pferde über Felsgestein, das selbst die Bergziegen nicht mehr in Angriff zu nehmen wagten. Zwei der älteren Silurer hatten als Kinder in diesen Bergen gelebt; deren Erinnerungen an die Mutproben ihrer Jugend waren die Grundlage für Valerius’ Plan gewesen. Seine Erleichterung darüber, als er feststellte, dass diese Erinnerungen noch immer mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmten, hielt fast den ganzen Anstieg den Berg hinauf an.
Schließlich erreichten sie jene Kuppe oberhalb des Tals, an der die beiden Bergkämme aufeinander trafen, und schauten zum ersten Mal hinab in die offene Ebene, die sich nun unter ihnen erstreckte. Der Pfad, der diesen steilen Hang hinabführte, war genauso wenig einladend wie jener, den sie bei ihrem Aufstieg genommen hatten, und die Abhänge, die sich zu seinen beiden Seiten auftaten, waren gleichermaßen Furcht einflößend, so steil waren sie.
Als alle dreißig Krieger bei ihm angelangt und wieder auf ihre Tiere gestiegen waren, erklärte Valerius: »Nydd, lass die Standarte in östliche Richtung sinken und heb sie dann wieder hoch. Lass es so aussehen, als ob sie dir aus der Hand gerutscht wäre und du sie dann wieder aufgefangen hättest.«
Geschickt führte der Standartenträger aus, was ihm befohlen worden war. Für eine Zeitspanne von etwa zehn Atemzügen herrschte Frieden. Die Pferde verlagerten unter ihren Reitern das Gewicht, suchten sich einen besseren Halt. Eine Krähe zog über ihnen ihre Kreise und landete dann auf einer verkümmerten, vom Wind niedergedrückten Eiche. Valerius’ Kampfhund winselte und sog prüfend die Luft ein. Plötzlich wieherte schrill ein Pferd - keines der Tiere von Mona -, und der Frieden verwandelte sich in Chaos und schließlich in einen wahren Höllenlärm.
Am entgegengesetzten, südlichen Ende des Gebirgspasses kamen beinahe sechshundert Krieger nebeneinander in das Tal geritten. Und weil Longinus sich in der Tat an Valerius’ früheres Manöver erinnerte, wartete auf diese Reiter bereits ein kompletter Flügel, bestehend aus fünfhundert thrakischen Kavalleristen. Der Lärm des Zusammenpralls, als diese beiden Armeen aufeinander trafen, schallte bis zur Meerenge von Mona hinüber.
Hoch oben auf dem Berg, über dem Blutbad, aber nicht jenseits des Lärms, hob Valerius eine Hand. Er wartete einen Augenblick, entbot den Göttern, welche beide sein Herz besaßen, ein Stoßgebet, und senkte seine Hand dann abrupt wieder.
»Los geht’s!«
Noch vor allem anderen wussten die Krieger von Mona, wie man ein Pferd ritt. Ihre Tiere waren trittsicherer als alle anderen Pferderassen dieser Welt, und sie lebten allein für den Kampf. Wenn es sein musste, konnten sie also auch im Galopp einen Berg hinabstürmen, ohne sich dabei die Beine zu brechen. Valerius’ kastanienbraune Kavalleriestute besaß ein Brandzeichen, das sie als von der iberischen Halbinsel abstammend auswies, und sie war wahrlich gut. Er trieb sie also den steilen Berghang hinunter, und einige Augenblicke lang gab es nichts, was er noch hätte tun können, außer sich einfach in der Schwindel erregend steilen Neigung des Pfades zu verlieren, in dem dringenden Erfordernis, so rasch wie möglich zu reiten, und dem Bewusstsein, die Talsohle wohl kaum mehr lebend zu erreichen. Je näher sie dem Fuß des Berges kamen, desto weniger Steine blockierten noch ihren Weg und desto schneller konnten sie galoppieren, bis schließlich alle dreißig Krieger nebeneinander in einer Linie über die Talsohle hinwegstürmten, weit abseits der Reihen der Schlacht, und ihre Pferde aus purer Freude an der Geschwindigkeit rannten.
Valerius trieb seine Stute noch stärker an, bis sie im gestreckten Galopp dahinflog, bis ihre Mähne ihm ins Gesicht peitschte und ihm die Augen tränten von dem brausenden Wind ihres Tempos. Sein Herz schlug im Rhythmus der wild galoppierenden Pferdehufe, rasend vor Begeisterung, und er spornte die Stute weiter an, erinnerte sie an die Großartigkeit ihrer Ahnen und die ihrer Fohlen, die sie eines Tages noch austragen würde. Einst, als Kind, hatte er von genau diesem Ritt geträumt, oder zumindest von etwas Ähnlichem, und jedes Mal wenn er so in einen Kampf ritt, erfüllte ihn stets der gleiche Jubel. Ganz gleich, wie erschöpft er war, ganz gleich, wie betrunken, ganz gleich, wie zermartert von Sorgen oder überladen mit Verantwortung er auch gewesen sein mochte - bei jeder neuen Schlacht, die anstand, war Valerius von den Eceni für die Dauer dieses einen stürmischen Ritts wieder frei, mochte die ganze Welt in einem einzigen Krieg toben, ihn jedenfalls berührte dies nicht.
Vor ihm lagen nun die Zelte der Kavallerie, fünf Reihen von Offizierszelten, unmittelbar am Eingang des Tals. Die Späher glaubten, dass Braint in einem von ihnen gefangen gehalten würde, aber keiner hatte bislang herausfinden können, in welchem.
Noch ehe seine Stute zum Stehen kam, war Valerius bereits aus dem Sattel gesprungen, seine Klinge angriffsbereit in der Hand.
Krieger rannten von allen Seiten auf ihn zu, bereit, die Wachen zu töten. Doch es gab keine Wachen; nur selten verschwendete Longinus das Leben seiner Männer. Valerius benutzte sein Gürtelmesser, um die Seite des größten der Offizierszelte aufzuschlitzen, fuhr mit der Klinge einmal aufwärts und dann quer hinüber, so dass ein weißes Dreieck ins Innere fiel und er durch die so entstandene Öffnung eintreten konnte. Das Zeltinnere war nicht erleuchtet; mitten aus dem hellen Tageslicht trat er ein in eine dämmrige Umgebung. Und auch hier gab es keine Wachen, was ihn überraschte.
Am entgegengesetzten Ende des Zelts lag eine Gestalt bäuchlings auf dem Boden, die Handgelenke und die Fesseln von Ketten umschlungen, deren massive Ösen wiederum an einem Eichenstamm befestigt waren, der so schwer war, dass selbst zwei Männer ihn nicht heben konnten.
»Braint?«
Valerius rannte auf sie zu, kniete neben ihr nieder. Steif drehte sie den Kopf in seine Richtung. Sie hatten sie zwar nicht zusammengeschlagen, so wie sie ihn damals zusammengeschlagen hatten, aber Braint hatte offenbar gegen die Soldaten angekämpft, und jemand hatte ihr schließlich mit der stumpfen Seite seiner Schwertklinge einen Schlag ins Gesicht versetzt. Eine üble Schnittwunde verlief erst ein Stückchen aufwärts und dann quer über ihr Gesicht hinweg und würde sie für den Rest ihres Lebens entstellen. Wenn sie denn noch lange genug leben sollte, damit die Wunde überhaupt wieder so weit verheilte. Später hatten sie sie mindestens einmal bewusstlos geschlagen. Von der Schläfe aus erstreckte sich eine gewaltige Prellung und hatte ihr linkes Auge zuschwellen lassen.
Ohne nachzudenken streckte Valerius die Hand aus, um die Prellung zu berühren. Braint zuckte zurück. Voller Verachtung ließ sie aus ihrem geöffneten Auge einmal den Blick über ihn schweifen. »Du! Ich dachte, Tethis würde kommen. Aber ich bin froh, dass sie offenbar mehr Verstand besitzt. Dies ist eine Falle, weißt du das etwa nicht?«
Valerius nickte gut gelaunt. Hier, im Herzen des Kampfes, war er wieder frei und konnte den Stachel ihres Hasses ertragen. »Natürlich. Ich wäre enttäuscht, wenn es keine Falle wäre. Von der gesamten Kavallerie ist Longinus stets der klügste Kopf gewesen.«
Dann hob er den Blick wieder. Ein Schmied vom Stamme der Cornovii war ihm ins Innere des Zelts gefolgt und trug einen Hammer bei sich sowie einen geschmiedeten Meißel, dessen Spitze in Kohlefeuern gehärtet worden war. An ihn gewandt sagte Valerius: »Schlag die Öse am Baumstamm durch. Die Fesseln zu durchtrennen dauert zu lange.«
Ganz gleich, wie schnell der Schmied auch arbeiten mochte, es dauerte einfach zu lange und das Warten war eine Qual. Der Lärm des Hammers übertönte hell den weiter entfernten, vom Eingang des Tals herüberhallenden Gefechtslärm - und dann veränderte sich sein Klang plötzlich. Der Schmied grunzte zufrieden.
»Fertig!«
Er war ein kräftiger Mann und hob Braint hoch, als wäre sie so leicht wie ein Kind. Klirrend fielen die Ketten, die noch immer ihre Handgelenke und Fesseln umschlossen hielten, um sie herum. Sie wandte den Kopf, um zurückzublicken.
»Valerius, du kannst doch nicht...« Noch niemals zuvor in der Geschichte von Mona war der ranghöchste Krieger lebend von einem Schlachtfeld getragen worden. Besser zu sterben, als derart entehrt zu werden.
»Wir haben keine Zeit, um dich erst noch loszueisen«, entgegnete Valerius. »Du kannst ja auf dem Pferd aus dem Tal reiten. Nydd wird dich in Sicherheit bringen. Und selbst wenn du in diesem Zustand bis nach Mona reisen musst, bist du zumindest noch am Leben.«
Nydd wartete draußen und hielt neben seiner eigenen Stute auch die Zügel der Kavalleriestute mit dem Fell von der Farbe des Fuchses im Winter. Diese beiden waren die besten Pferde von ganz Mona; stark und schnell und in der Lage, auf ihren Reiter Acht zu geben. Ohne viel Federlesens legte der Schmied Braint über den Sattel der Kavalleriestute.
»Wenn es sein muss, halt dich am Sattelgurt fest«, sagte Valerius. »Es wird ein forscher Ritt aus dem Tal hinaus.«
Voller Wut spuckte Braint ihn an. »Wenn ich so sterben sollte, unfähig zu kämpfen, dann warte ich auf dich im Land der Toten, zur Not auch bis in alle Ewigkeit.«
»Da wirst du nicht allein sein.«
Valerius hob die Hand, um der Stute einen Klaps auf das Hinterteil zu versetzen - und hielt mitten in der Bewegung inne, als ein von einer Rüstung reflektierender Sonnenstrahl seine Aufmerksamkeit erregte.
Er wandte sich um. Südlich von ihm bestand das Tal aus einer Ansammlung von mehreren hundert Kavalleristen, die sich plötzlich allein auf einem Schlachtfeld wiederfanden, auf dem sich gerade eben doch noch die Krieger gedrängt hatten. So schnell, wie sie gekommen waren, so schnell waren die Krieger von Mona, die die Öffnung des Tals gestürmt hatten, auch schon wieder zurückgewichen und geradezu verschmolzen mit dem Nebel, dem Heidekraut und den struppigen Eichendickichten. Voller Angst vor einem möglichen Hinterhalt war ihnen die Kavallerie jedoch nicht gefolgt, sondern kehrte wieder um, um ein zweites Mal jene Falle zuschnappen zu lassen, die sie schon beim ersten Mal für sicher gehalten hatte. Dies waren Männer, die wussten, wie man in einer geschlossenen Reihe vorrückte und diese auch hielt, ohne dass ihnen dazu irgendjemand den Befehl zu erteilen brauchte. Langsam und unaufhaltsam ritten sie auf ihre Zelte zu, eine massive Mauer aus Pferdeleibern und Metall.
»Sie kommen«, murmelte Nydd leise. Sein Blick schweifte zwischen den Kavalleristen und Valerius hin und her. »Sie blockieren das Tal in seiner gesamten Breite.«
»Ich weiß. Aber sie denken ja auch, dass du versuchen wirst, durch ihre Reihen hindurchzubrechen und dann nach Süden zu fliehen, und genau das wirst du natürlich gerade nicht tun. Reite stattdessen nach Norden und sieh dich nicht um. Dein Pferd kann es wieder den Berg hinauf schaffen; die meisten ihrer Tiere können dies jedoch nicht. Und, was immer du auch tust, lass nicht die Standarte fallen. Wir müssen wissen, wann du in Sicherheit bist.«
Valerius versetzte beiden Pferden einen Klaps und spürte, wie sie von ihm davonstürmten, als wäre dies für sie ein Rennen auf Leben und Tod. Die gut zwei Dutzend Krieger zu beiden Seiten zögerten noch immer, beobachteten die aufrückende Kavallerie; sie waren es nicht gewohnt, dass man ihnen im Angesicht des Feindes sagte, sie sollten fliehen.
Valerius schwang seinen Arm nach vorn, so wie er es schon so oft getan hatte, wenn er einen Angriff der Kavallerie geführt hatte. »Los, vorwärts! Ihr alle! Nach Norden und dann in Richtung Mona. Los!«
Die Krieger trieben ihre Tiere aus dem Stand in einen Galopp, bildeten einen Kreis um Nydd, Braint und den Schmied und stürmten in nördliche Richtung, in die Freiheit, wobei sie ihre Körper als lebendige Schilde benutzten. Und ihre Pferde rannten nicht mehr der Ehre halber oder um den Sieg, sondern sie rannten um ihr Leben. Da dies die gleiche Route war, die sie auch in das Tal hinein genommen hatten, kannten sie den Weg; jeder der Krieger hatte sich seinen persönlichen Pfad genau eingeprägt und sich dem Ziel verschrieben, es diesen Pfad auch wieder hinaufzuschaffen oder aber zu sterben.
Und zwei starben schon sehr bald, wurden von den Speeren getroffen, die ihnen hinterhergeschleudert wurden. Valerius hörte, wie sie fielen, und zog es vor, zu glauben, dass keiner der beiden Nydd oder Braint war; er hatte keine Zeit sich umzusehen. Er blieb mit lediglich sechs Kriegern an seiner Seite zurück, und gemeinsam stellten sie sich nun der gegen sie vorrückenden Wand von thrakischen Kavalleristen.
Valerius beobachtete, wie sie immer näher kamen, während er die Herzschläge zählte. Zwanzig für Nydd und zwanzig für Braint, damit diese den Fuß des Berges erreichten. Und ein weiteres Dutzend Herzschläge, damit das Banner mit dem blutroten Kampfhund hoch genug aufstieg, dass Huw es erkennen könnte und seine Schleuder benutzte, um abermals sein Signal zu geben. Die Hilfstruppe hingegen brauchte kein Dutzend Herzschläge mehr, um bei ihm anzugelangen. Braint war nicht mehr länger ihr Hauptinteresse. Sie hatten nun Valerius ins Auge gefasst. Und er war nicht beritten, ein leichtes Ziel.
»Hier, Valerius. Steig auf!«
Er hatte darum gebeten, eines der frei umherlaufenden Pferde für ihn einzufangen, ohne damit zu rechnen, dass sein Wunsch auch tatsächlich erfüllt würde. Nichtsdestotrotz warf ihm nun jemand die Zügel eines rotbraunen Wallachs zu, der dem Blutbad am Eingang des Tals entflohen war. Er war ganz dunkel vor Schweiß und blutete aus einer flachen Wunde an der Brust, doch er war noch immer willens.
Den Blick auf die ankommenden Reiter geheftet pfiff Valerius leise, damit das Tier antrabte. Und die sechs Krieger, die ihm folgten, sowie die mehreren hundert Kavalleristen der Hilfstruppe, die er einst selbst befehligt hatte, wurden Zeugen, wie Valerius aus dem Stand und vom Boden aus auf ein rennendes Pferd aufsprang. Abermals wurden sie daran erinnert, dass sich hier gerade etwas Außergewöhnliches ereignete.
Und dann mussten die Reiter der Ala Prima Thracum mit ansehen, wie ihr ehemaliger Kommandeur den Arm hob, ihn wieder nach unten riss und aus seiner Kehle der Schlachtruf von Mona ertönte, als er die Hand voll von Kriegern direkt auf sie zustürmen hieß.
Wir werden die Ablenkung sein, die Braint die Flucht erlaubt. Wenn wir es schaffen, den Pfeil von Mona zu bilden, und hart genug reiten, dann können wir ihre Reihen womöglich durchbrechen. Obgleich ich nichts verspreche. Diejenigen, die bei mir bleiben, haben in jedem Fall die geringste Überlebenschance von allen.
So hatte Valerius gesprochen, ehe sie Mona verließen, und, entgegen allen Erwartungen, hatten vier Frauen und zwei Männer sich tatsächlich erboten, bei ihm zu bleiben, während Braint in Sicherheit gebracht wurde. So diszipliniert wie auch jede von Rom ausgebildete Kavallerie folgten sie ihm nun, während er sie der einzigen Schwachstelle in der feindlichen Linie entgegenführte, einer Lücke, die kaum so breit war wie ein Pferd und zwischen dem Standartenträger und jenem Waffenschmied klaffte, den er noch aus vergangenen Zeiten her kannte: Der Mann hatte es noch nie fertig gebracht, nüchtern in eine Schlacht zu reiten.
Die Unaufmerksamkeit dieses einen Mannes erlaubte es ihnen schließlich tatsächlich, die Reihe zu durchbrechen. Pferdeleiber prallten donnernd gegen Pferdeleiber, als die breite Kante von Valerius’ lebendigem Keil auf die Linie des Feindes traf. Klingen prallten gegen Klingen, Eisen sang klirrend, Funken stoben hoch hinauf, und zwei Männer starben, doch keiner von ihnen gehörte zu den Kriegern von Mona. Sie brachen auf das offene Feld hinaus. Wild gestikulierte Valerius mit dem Arm, bis die Krieger schließlich eine geschlossene Linie bildeten und in Richtung Süden stürmten, um ihr Leben rannten, auf den offenen Eingang des Tals zu.
Doch der Eingang des Tals war nicht mehr offen, war es womöglich nie gewesen. Lange, bevor sie die Talöffnung erreichten, war Longinus bereits dort angekommen, gemeinsam mit der anderen Hälfte seiner Truppe, um die Falle in der Falle in der Falle zuschnappen zu lassen. Quer durch das Tal hindurch zog sich eine geschlossene Reihe von Kavalleristen. Es waren ihrer mehr als einhundert und mit jeweils weniger als einer Speerlänge Abstand zwischen ihnen, und jeder dieser Männer nahm seine Aufgabe so ernst, wie man diese nur irgend begreifen konnte; keiner von ihnen hatte die Absicht, ihn, Valerius, hindurchzulassen.
»Halt!« Valerius vergaß sein Vorhaben für einen Augenblick und riss den Arm empor. In Entsprechung eines Kavalleriebefehls, den sie zwar gesehen, aber doch nie erlernt hatten, zügelten sechs Krieger ihre schwitzenden, schnaufenden Tiere, bis diese stehen blieben.
»Valerius! Ihr Offizier reitet dein Pferd!«
Es war Madb, die da gerade sprach, eine wilde Irin mit schiefergrauem Haar und den klugen, glänzenden Augen einer Dohle, die für Mona kämpfte, weil sie sich dafür entschieden hatte, und nicht etwa, weil ihr Land bedroht wurde. Das Ersatzpferd war von ihr gekommen, ebenso wie die schützende Gegenwart, die Valerius nun in seinem Rücken spürte. Noch nie zuvor hatte er an ihrer Seite gekämpft, und er bedauerte es.
Valerius hielt sein neues Pferd ruhig und blickte in jene Richtung, in die Madb mit ihrer Klinge deutete. Er hatte es bereits entdeckt, hatte es vielleicht schon seit Monaten gewusst, aber es konnte nicht schaden, jetzt so zu tun, als sei die Nachricht neu und als wäre er dankbar für den Hinweis.
Die restlichen fünf Krieger hielten ihre Pferde ebenfalls an und beobachteten die Szenerie. Auf einen Krieger kamen etwa einhundert Kavalleristen, und es gab keinen Ort, wohin sie noch hätten fliehen können, und ohnehin hatte der gescheckte Hengst, der einst Valerius’ Pferd gewesen war, bereits einen Bekanntheitsgrad erreicht, der weit über die Grenzen der Kavallerie hinausging. Sein Zorn und seine Brutalität im Kampf, die er sowohl gegen den Feind richtete als auch gegen seinen Reiter - ausgenommen jenen Höhepunkt in einer jeden Schlacht, wenn Pferd und Reiter zu einer Einheit verschmolzen -, waren geradezu zum Mythos geworden. Das Tier löste sich aus der Masse der herannahenden Kavallerie und stürmte nun geradewegs auf Valerius zu. Madb schnappte überrascht nach Luft, und auch andere taten einen tiefen Atemzug, nicht so dicht an Valerius’ Ohr wie Madb, doch mitunter lauter und noch tiefer aus dem Herzen kommend.
Was konnte man anderes über das Krähenpferd sagen, als dass es die Perfektion auf vier Beinen war? Mit seinen weißen Flecken auf schwarzem Grund erschien es, als ob die Götter flüssigen Schnee über die Decke der Nacht gegossen hätten, und beide waren sie in ihrer Reinheit gleichsam makellos. Frisch geputzt für die Schlacht galoppierte es nun mit der gleichen sturen, unbeirrbaren Entschlossenheit, wie es auch unter Valerius galoppiert war; und zum ersten Mal sah jener Mann, der sich für den einzigen Herrn des Tieres gehalten hatte, wie es anderen erschienen sein musste, wenn er früher auf diesem Pferd geritten war, und diese Erkenntnis ließ ihn sprachlos und unaufmerksam werden, obwohl er umschlossen war von Feinden, und der Schmerz, den ihm der Verlust des Tieres bereitete, machte ihn für einen Augenblick regelrecht handlungsunfähig.
Laut sagte er: »Ich habe deine Mutter. Sie lebt auf Mona, trägt ein letztes Mal ein Fohlen von einem Hengst, der dir sehr ähnlich ist. Sie wäre stolz auf dich.«
»Beweg dich!«
Madb versetzte Valerius einen Stoß und rettete ihm damit das Leben. Der Speer, der auf seine Kehle ausgerichtet gewesen war, verfehlte sein Ziel, fiel klappernd zu Boden und rutschte in eines der Zelte hinein.
»Halt!« Auch Longinus riss den Arm empor, und langsam ließ der Singularius - Angehöriger der kaiserlichen Elitetruppe -, der bereits den ersten Speer geschleudert hatte, seine zweite Waffe wieder sinken.
»Valerius! Ich war mir nicht sicher, ob du kommen würdest.« Longinus schnalzte mit der Zunge, und das Krähenpferd trabte vorwärts, als ob es sich in einer Parade befände. Dabei hatte es Paraden doch immer gehasst. Sauber zum Stehen gebracht hielt es nun quer zwischen der Kavallerie und den Kriegern von Mona an, den Kopf Valerius zugewandt. Schaum troff ihm aus dem Maul, und seine weiß umrandeten Augen schienen voller Hass zu sein, doch so hatten sie schon geblickt, seit das Tier gerade ein frisch von der Milch seiner Mutter entwöhntes Fohlen gewesen war. Valerius konnte nicht erkennen, ob es wohl noch wusste, wer er war.
Longinus hingegen wusste von allen Männern am besten, wer er war, kannte all die vielen Schichten, die Valerius’ Persönlichkeit ausmachten. Er selbst hatte sich nicht verändert; er war noch immer der furchtlose, von den Göttern gesegnete Offizier, der sein Leben riskiert hatte, um seinen Seelenfreund vor den Inquisitoren zu retten; war noch immer jener, der zehn Jahre lang Seite an Seite mit Valerius in die Schlacht geritten war; jener, mit dem Valerius Wetten aufgestellt und gewonnen hatte, aber auch so viele Male verloren, dass er sie schon gar nicht mehr hatte zählen können; jener Mann, der stets ohne Helm in den Kampf ritt, dem das lohfarbene Haar ungebändigt um die Schultern wallte, so rot wie ein Hirsch zur Zeit der Brunft. Seine Augen waren von dem eindrucksvollen Bernsteingelb eines Habichts und genauso durchdringend. Doch es lag auch Wärme in ihnen, hinter der Enttäuschung und dem nahe bevorstehenden Verlust seines besten Freundes.
Einst, als ihre Freundschaft noch neu gewesen war, hatte Valerius mit diesem Mann einmal gewettet, dass der es nicht schaffen würde, fünfzig Herzschläge lang auf schmelzendem Eis auszuharren. Doch sie hatten die Schläge von Longinus’ Herz gezählt, das wesentlich schneller geschlagen hatte, und so hatte Longinus schließlich doch gewonnen. Nun aber war Valerius’ Herz es, das schneller schlug. Selbst sein geliehenes Pferd spürte dies, und es erzitterte, bereit für die Schlacht.
Sechzig Herzschläge waren mittlerweile vergangen, seit Nydd den höchsten Punkt des Bergkammes erreicht hatte und die Standarte in Richtung der untergehenden Sonne senkte. Doch nichts war diesem Signal gefolgt, und vielleicht würde ihm auch nie mehr etwas folgen.
»Meinen Glückwunsch. Ich hätte nie gedacht, dass du den Mut aufbringen würdest, einmal mein Pferd zu reiten. Hat er dich auch bereits in die Schulter gebissen?« Valerius drängte sein eigenes Pferd ein Stückchen vorwärts, dicht genug, um Longinus beinahe berühren zu können, zu dessen beiden Seiten aber sogleich je acht Kavalleristen die Klingen zogen und damit deutlich machten, dass ein einziger weiterer Schritt in Richtung ihres Dekurio zugleich auch Valerius’ letzter Schritt auf dieser Welt sein würde.
Die noch verbliebenen Krieger von Mona scharten sich zusammen, ausgenommen Madb, die grinsend an Valerius’ Seite verharrte. In ihrer Gegenwart fühlte er sich sicher. Sie hatte einen ausgeprägten Instinkt für die Gefahr, der während eines Kampfes nicht nur sie selbst am Leben erhielt.
Madb drängte sich nun dicht an Valerius’ linke Schulter, und als sein Herz den hundertsten Schlag tat, seit Nydd mit dem Banner gewinkt hatte, spürte er, wie Madb sich plötzlich anspannte und den Kopf ein wenig nach links umwandte. Zu leise, als dass noch irgendjemand sonst sie hätte verstehen können, murmelte sie: »Sie sind hier. Gut gemacht. Ich dachte schon, sie würden dich im Stich lassen.«
»Das können sie ja immer noch. Schau nicht hinauf.« Valerius achtete darauf, dass er den Blick nach unten gerichtet hielt. Lauter und an Longinus gewandt fuhr er fort: »Du willst uns wohl fragen, ob wir uns ergeben wollen?«
»Das würde ich, wenn ich nicht bereits der Ansicht wäre, dass ich dabei nur meinen Atem verschwendete. Willst du dich denn ergeben?«
»Sechs von uns gegen fünfhundert von euch ist keine allzu ermutigende Aussicht, aber andererseits könnte der sichere Tod durchaus eine Alternative sein gegenüber einer Gefangenschaft in der Gewalt Roms, besonders für einen Verräter, von dem bekannt ist, dass er den Winter auf Mona verbracht hat.«
»Das wäre es ganz sicherlich. Du hättest zusammen mit der Frau, die du befreit hast, fliehen sollen.«
»Vielleicht, aber dann hätte ich doch nicht gesehen, wie du das Krähenpferd reitest, und mein Leben wäre ärmer gewesen. Was würdest du denn an meiner Stelle tun?«
Longinus grinste. Schon immer hatte in seinem Lächeln eine gewisse Herausforderung gelegen, eine Art Einladung. Er langte nach seinem Schwert und hielt es waagerecht vor sich ausgestreckt. Es war eine gallische Waffe, speziell angefertigt für seine Armlänge und sein Körpergewicht. In das Heft war in Silber der Halbmond des thrakischen Gottes eingebettet, und die Klinge war nach alter Machart geschmiedet, mit wellenförmigen Linien bläulichen Eisens, die sich über deren gesamte Länge wanden. Nun, unter dem Dunstschleier des Abends, schimmerte die Klinge wie ein flaches Gewässer im Mondschein.
Longinus hob die Brauen und erklärte: »Ich würde kämpfen - wozu sonst wären wir da?« Seine Klinge war eine Einladung. »Wir haben einander noch niemals wirklich herausgefordert, und ich habe den Eindruck, du bist auch nicht mehr jenes Häufchen Elend, als das du mir im letzten Sommer noch erschienen bist. Meine Männer werden sich nicht einmischen, wenn du, dieses letzte Mal, deine Klinge noch einmal gegen die meine erproben möchtest. Man weiß ja nie, vielleicht gewinnst du ja sogar.«
Valerius deutete einen militärischen Gruß an. »Ich würde ja durchaus annehmen, aber wenn du deine Klinge noch ein kleines bisschen höher hebst, wirst du sterben, was wirklich eine Schande wäre. Die Krieger hinter dir auf dem Berg sind die besten Katapultschützen von ganz Mona, und du befindest dich mit Leichtigkeit in ihrer Reichweite. Es tut mir Leid; sie haben von mir ganz klare Befehle erhalten, und von hier aus habe ich keine Möglichkeit, diese wieder zu revidieren. Wenn du dich nun also ergeben willst, wird dir kein Leid geschehen. Anderenfalls werden sie gleich auf den Ersten zielen, der gegen uns die Waffe erhebt.«
Er sprach Latein, laut genug, damit zumindest die vorderen Reihen der Kavallerie ihn noch verstehen konnten. Männer, die gerade eben noch durchaus entspannt gewesen waren und das Ritual des Kampfes Mann gegen Mann erwartet hatten, hoben nun mit einem Ruck die Köpfe und blickten sich nach beiden Seiten hin um. Vereinzelte Flüche in lateinischer und in thrakischer Sprache hallten durch die ersten Ränge und anschließend auch durch die weiter hinten liegenden Reihen, bis - jegliche Disziplin außer Acht lassend - der gesamte Flügel herumgewirbelt war, um sich mit dem Gesicht in Richtung der Talwände aufzustellen.
Valerius hob den Arm zu einem letzten Signal, und zu beiden Seiten tauchte eine glitzernde Mauer aus vom Sonnenlicht beschienenen Rüstungen auf, als Krieger auf Krieger sein Tier auf die Kämme der Berge zutrieb. Dort versammelt stand der Großteil von Valerius’ Kriegern, abzüglich jener, die bereits bei der ersten Feindbegegnung am Eingang des Tals umgekommen waren. Nachdem sie sich aus dem Kampf zurückgezogen hatten, hatten sie ihre neuen Stellungen eingenommen und lediglich auf das leise Zeichen des von Huw geschleuderten Kieselsteins gewartet, das ihnen sagte, dass Braint befreit war. Und nachdem sie dieses Zeichen erhalten hatten, folgten sie dem nunmehr letzten ihrer Befehle, so dass sie sich, wie Krähen auf einem Baum, lautlos und ohne eine einzige Lücke zwischen ihnen von Norden bis nach Süden entlang der Bergkämme zu beiden Seiten des Tals aufgereiht hatten. Und quer vor dem Eingang des Tals postiert bildeten einige weitere Reihen von wartenden Kriegern eine Mauer, so massiv wie Felsgestein.
Nur Longinus hob den Blick nicht nach oben, sondern hielt seine gelben Habichtsaugen nachdenklich auf Valerius gerichtet. »Wie viele?«, fragte er.
»Sechshundert. Wir haben also einhundert Pferde mehr als ihr. Ich dachte, das müsste reichen. Sie beherrschen das gesamte Tal; es gibt also keinen Weg mehr, auf dem ihr noch hinauskommen könntet. Ihr seid umzingelt und in der Minderheit. Unter solchen Umständen ist es keineswegs unehrenhaft, sich zu ergeben, und wir haben auf Mona auch keine Inquisitoren. Wenn ihr möchtet, wird man euch sogar die Möglichkeit bieten, zukünftig für uns zu kämpfen. Wir haben bereits eine Hand voll Bataver sowie einen Gallier, die auf unserer Seite reiten. Wenn ihr euch denen allerdings doch nicht anschließen möchtet, so wird euer Tod sauber und rasch sein.«
Longinus hatte es noch nie an Mut gefehlt. Grinsend erwiderte er: »Dann bist du also tatsächlich nicht mehr das erbärmliche Häufchen, für das wir dich wohl beide gehalten hatten. Das freut mich.«
»Longinus, darum geht es jetzt doch gar nicht, ihr müsst euch entscheiden. Deine Männer werden genau das tun, was auch du tust. Wenn du... Nein!«
Mit blitzartiger Schnelligkeit hieb die mit dem Mond geschmückte Klinge nach Valerius’ Kopf. Nurmehr vom Instinkt geleitet konnte Valerius den Schlag gerade noch abwehren, während er fühlte, wie die Erschütterung durch seinen Körper wogte und sich bis auf sein Pferd übertrug. Eisen glitt sirrend über Eisen hinweg, als er sein eigenes Schwert mit Schwung zur Seite führte. Funken stoben hell auf. Ein Dutzend Katapultsteine regneten um ihn herum nieder, und zwei Hilfskavalleristen stürzten zu Boden. »Longinus! Sei kein Idiot! Du kannst doch vor einem Katapultstein nicht davonlaufen... Ah, gütige Götter, warum habe ich dir bloß jemals mein Pferd überlassen? Vorwärts!«
Er sprach über das donnernde Hufgetrappel galoppierender Pferde hinweg. Noch nie hatte das Krähenpferd es zugelassen, dass sein Reiter in einer Schlacht besiegt wurde. Ganz gleich, ob nun mit oder ohne Longinus’ Befehl, es war einfach auf der Hinterhand herumgewirbelt, hatte sich hoch über die Gefahrenquelle aufgebäumt und war dann in südliche Richtung davongestürmt. Und ganz so, wie es ihnen eingedrillt worden war, folgten die Männer und Pferde der Ala Prima Thracum dem Tier.
Auch Valerius setzte zur Verfolgung an, auf einem Pferd, das langsamer war und bereits verwundet und das ihm dennoch seine ganze, noch verbliebene Kraft schenkte. Madb drängte ihr Tier neben das von Valerius, nahm quasi die Stelle des Schildes an seiner Schulter ein, und gemeinsam stürmten auch sie in südlicher Richtung davon, folgten dem flüchtenden Longinus, der schnurstracks auf eine massive Mauer aus den Kriegern Monas zueilte, Kriegern, die angeführt wurden von Nydd, der sich wiederum bestens an alles erinnerte, was Valerius ihm aufgetragen hatte.
Die Seherin der Kelten
cover.xhtml
scot_9783641010928_oeb_cover_r1.html
scot_9783641010928_oeb_toc_r1.html
scot_9783641010928_oeb_fm1_r1.html
scot_9783641010928_oeb_ata_r1.html
scot_9783641010928_oeb_fm2_r1.html
scot_9783641010928_oeb_ded_r1.html
scot_9783641010928_oeb_fm3_r1.html
scot_9783641010928_oeb_fm4_r1.html
scot_9783641010928_oeb_p01_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c01_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c02_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c03_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c04_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c05_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c06_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c07_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c08_r1.html
scot_9783641010928_oeb_p02_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c09_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c10_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c11_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c12_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c13_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c14_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c15_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c16_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c17_r1.html
scot_9783641010928_oeb_p03_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c18_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c19_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c20_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c21_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c22_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c23_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c24_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c25_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c26_r1.html
scot_9783641010928_oeb_p04_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c27_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c28_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c29_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c30_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c31_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c32_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c33_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c34_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c35_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c36_r1.html
scot_9783641010928_oeb_c37_r1.html
scot_9783641010928_oeb_bm1_r1.html
scot_9783641010928_oeb_ack_r1.html
scot_9783641010928_oeb_bm2_r1.html
scot_9783641010928_oeb_bm3_r1.html
scot_9783641010928_oeb_cop_r1.html