XIV
»Nein.«
»Efnís, Bellos ist doch nicht dein Feind. Er ist
genauso ein Opfer Roms wie jeder andere Mann oder jede andere Frau
der Stämme. Er wurde im Alter von sechs Jahren in die Sklaverei
verkauft und landete daraufhin in einem Bordell in Gallien, wo er
die darauf folgenden vier Jahre jede Nacht aufs Neue verkauft
wurde. Ihn traf ein Huftritt an den Kopf, als er versuchte, der
roten Stute beim Fohlen zu helfen, denn mich wollte er nicht
wecken, und er stürzte, weil er Luain mac Calmas absurde Vorgaben
erfüllen wollte, damit wir eure teure Insel endlich wieder
verlassen und nach Hibernia zurückkehren können. Wenn er nicht
geheilt wird, reisen wir womöglich nie mehr ab. Ist es das, was du
willst?«
Valerius stand am Eingang zum Großen
Versammlungshaus, so nahe am Herzen von Monas Traumwerkstatt, wie
er ihm noch niemals zuvor gekommen war. Als Türpfosten ragten
rechts und links von ihm eichene Balken auf, doppelt so groß wie er
und so dick wie sein Arm. Die in die Pfosten eingeschnitzten Muster
und Symbole bewirkten, dass sich ihm alles drehte, ganz so, wie sie
es einmal in seiner Kindheit getan hatten. Um ihren Anblick zu
vermeiden, sah Valerius starr geradeaus, in Richtung der
Feuergruben, der Waffen und der Krieger und Träumer, die sich im
Inneren befanden.
Acht Krieger umstanden ihn in einem Halbkreis, und
die von ihnen ausstrahlenden Wogen des Hasses schienen geradezu
greifbar, genau wie jene, die Valerius auf den Schlachtfeldern
inmitten der brennenden Dörfer gespürt hatte. Einige der Träumer
waren nicht wesentlich älter als Bellos. Es war also in der Tat
möglich, dass Valerius genau ihre Häuser niedergebrannt und genau
ihre Familien erhängt hatte.
In ihrer Mitte stand Efnís. In seiner Jugend war er
ein recht stiller Bursche gewesen, nachdenklich, doch keineswegs
verschlossen, und der Junge namens Bán hatte ihn gemocht und seine
Gegenwart geschätzt. Niemals also hätte er Efnís für so
unbarmherzig gehalten, doch andererseits hätte Valerius das von
sich selbst ja auch nie gedacht, und doch war er für eine gewisse
Zeit zu einem sehr grausamen Menschen geworden.
Doch der Mann, der Valerius nun gegenüberstand, war
mehr als grausam; denn Efnís trug in seinem Inneren eine Kraft, die
den Schnitzereien auf den Türpfosten schon durch seine bloße
Gegenwart Leben verlieh. Die Götter seines Volkes schritten stets
mit ihm und durch ihn hindurch, und sie waren nicht geneigt,
Mitgefühl walten zu lassen. Seine Augen schauten durch Valerius wie
durch Luft, als ob sie einander, außer auf dem Schlachtfeld, nie
begegnet wären.
»Nein«, sagte Efnís noch einmal. »Du hast nicht das
Recht, Luain mac Calma wie einen Hund herbeizupfeifen. Wenn der
Junge stirbt, so trifft dieser Verlust dich, nicht uns.«
Valerius griff nach dem langsam zerfasernden Saum
seines Zorns und hielt ihn fest. Wenn man keinerlei Macht besitzt,
ist Wut ein Luxus, dem man besser nicht frönen sollte. »Der Verlust
würde auch mac Calma treffen«, erwiderte er. »Sobald Bellos stirbt,
steht es mir nämlich frei, wieder abzureisen, und unser gemeinsames
Jahr wäre noch nicht einmal zur Hälfte verstrichen. Ich bezweifle
doch sehr, dass mac Calma euch den ganzen Winter über unserer
Gegenwart ausgesetzt hätte, wenn er nicht wollte, dass ich auch
noch über den Frühling hinaus hier bleibe.«
»Wie auch immer, ich werde ihn nicht rufen. Wenn es
der Wille der Götter ist, dass der Junge stirbt, dann wird er
sterben. Wenn nicht, wird er leben. Und auch, wenn er blind ist, so
ist er ja immer noch am Leben, und das muss reichen.«
Und auch, wenn er blind ist... Valerius
hatte Bellos’ Erblindung dem Träumer gegenüber noch gar nicht
erwähnt. Efnís konnte dies also nur aus irgendeiner anderen Quelle
erfahren haben.
Weiß glühend wallte abermals der Zorn in Valerius
auf, und er spürte dessen Druck auf den Wangenknochen und hinter
seinen Augäpfeln. Er starrte die Krieger an, und sie erwiderten
seinen Blick. Hass prallte auf Hass. Er versuchte gar nicht mehr,
die Kampfansage abzumildern, sondern fragte ganz unverblümt: »Hat
irgendeiner von euch das heraufbeschworen?«
Drei der Krieger traten vor, und die Hunde zerrten
an ihren Leinen. Der Tod der rothaarigen Frau haftete noch immer an
ihnen und verlangte nach einer vergleichbaren Rache. In seinem Blut
spürte Valerius den Sog des offenen Kampfes wie eine langsam
ansteigende Flut. Um Bellos’ willen rang er sie jedoch nieder.
»Efnís, hast du ihn erblinden lassen?«
Der Träumer schüttelte den Kopf. »Nein. Aber mac
Calma hat gesagt, dass so etwas passieren könnte, wenn der Junge
hinfiele. Er ist gefallen, und du bist nun hier und erbittest
unsere Hilfe, obgleich du die ganzen sechs Monate zuvor keinen
einzigen Schritt auf das Versammlungshaus zugemacht hast. Welchen
anderen Grund sollte sein Sturz also wohl haben?«
»Hat mac Calma denn irgendwelche Anweisungen
hinterlassen, was ich tun soll, wenn so etwas passiert?«
»Nein.«
Valerius öffnete den Mund, schloss ihn dann aber
wieder. Mit Efnís war eine Veränderung vorgegangen, seine Stimme
war um einen kaum wahrnehmbaren Deut sanfter geworden. Er hatte
zwar nicht gesagt »Es tut mir Leid« - in Anwesenheit der ihn
umringenden Menschen konnte er das nicht -, aber für jemanden, der
sich verzweifelt danach sehnte, diese Worte zu hören, waren sie da
gewesen.
Mit trockenem Mund und voller Angst, seinem
Eindruck Glauben zu schenken, fragte Valerius: »Und nun? Was
würdest du denn jetzt an meiner Stelle tun?«
Über Efnís’ Gesichtszüge huschte die Andeutung
eines Lächelns. »Ich würde träumen, was denn sonst? Dafür bin ich
schließlich ausgebildet. Und es ist mein Geburtsrecht. Ich würde
mir einen Platz suchen, den die Kraft der Götter speist, und was
auch immer ich dort vorfände, würde ich als Hilfsmittel gleich
mitverwenden.« Sein Blick glitt an Valerius vorbei zu der Kate
hinüber, die etwas weiter den Hügel hinunter und nahe dem Strom
lag: die Hütte einer Träumerin, die nun schon seit fast zwanzig
Jahren Airmids von den Göttern verliehene Kraft in sich beherbergte
und stetig wandelte.
Im allerletzten Augenblick riss Valerius sich doch
noch zusammen, so dass er sich nun nicht ebenfalls umwandte und zu
der Kate blickte. Stattdessen fuhr er sich in einer linkischen
Geste durchs Haar. Er ahnte nicht, wie viel von dem Jungen Bán, der
er einst gewesen war, sich in dieser so ganz unüberlegten
Handbewegung widerspiegelte. »Nur damit wir uns richtig verstehen«,
sagte er. »Du an meiner Stelle würdest versuchen, im Traum mit mac
Calma zu sprechen, um ihn so zurückzurufen?«
Mit einer Schulter lehnte Efnís am Türpfosten und
zeichnete dabei mit dem Zeigefinger der linken Hand immer wieder
den Umriss eines galoppierenden Pferdes nach, das dort in Höhe
seines Herzens eingeschnitzt war. »Nein«, entgegnete er. »Ich bin
überheblicher. Wenn ich Hilfe bräuchte, würde ich versuchen, im
Traum die Götter um Heilung zu bitten. Aber wenn mac Calma mir
nicht beigebracht hätte, wie man das bewerkstelligt, dann, ja, dann
würde ich vielleicht versuchen, mich zu dem Vorsitzenden des
Ältestenrats von Mona vorzuträumen, und ihn um Hilfe bitten. Das
wäre fast genauso hilfreich.«
Ich würde träumen. Das ist mein
Geburtsrecht.
Die Worte tanzten in den Flammen eines Feuers aus
Birkenholz. Einige bekannte Gesichter tauchten neben ihnen auf,
verschwanden wieder und warfen ihre Schatten in den Rauch. Aus dem
Herzen des Feuers lächelte von Zeit zu Zeit ermutigend Efnís
herauf, sprach jedoch nicht. Theophilus, der Arzt der Legionen,
schüttelte den Kopf und lachte über die Fantasien barbarischer
Gemüter; Xenophon von Kos, der Arzt des Kaisers, lachte nicht, doch
er sandte Valerius auch keinen Rat. Longinus Sdapeze grüßte
lächelnd, ein Kavallerieoffizier, der nichts, aber auch gar nichts
von einem Träumer an sich hatte, und später, nachdem die alten
Barrieren zu Asche verbrannt waren, erschien Corvus und saß für
eine Weile einfach bloß still da und betrachtete die lange Reihe
der Toten, die Valerius folgten.
Doch im Gegensatz zu früher trugen die Geister aus
Valerius’ Vergangenheit nicht mehr den Harnisch des Zorns. Eceni
und Trinovanter, Römer und Gallier, sie alle kamen und gingen,
leidenschaftslos, und nickten dem Mann, der sie niedergemetzelt
hatte, lediglich einmal flüchtig zu, schleuderten ihm aber keine
Flüche mehr entgegen oder schworen ihm ewige Rache. Hätten sie
Valerius verflucht, so wäre ihm all dies womöglich sogar leichter
gefallen; denn keiner von ihnen war ein Träumer, niemand von ihnen
wusste, wie man einen anderen Träumer herbeirief, oder wenn sie es
wussten, so wollten sie ihr Geheimnis jedenfalls nicht mit Valerius
teilen.
Wenn du bei deinen Leuten geblieben wärst,
wärst du dann Schmied geworden oder Heiler, was meinst du?
Ich war dabei, zu einem Krieger ausgebildet
zu werden. Dafür sollte meine Schwester die Träumerin von uns
beiden werden.
Das ist mein Geburtsrecht.
Und ebenso das meine.
Er glaubte es, weil er es glauben wollte. Die ganze
Nacht hindurch versuchte Julius Valerius, geboren als Bán von den
Eceni, Sohn eines Träumers - Sohn zweier Träumer - und in
der Kindheit Freund diverser anderer Träumer, angestrengt, sich
sämtliche Erinnerungen an seine Jugend wieder ins Gedächtnis
zurückzurufen. Währenddessen versuchte er verzweifelt irgendeinen
von denjenigen anzurufen - seien sie nun noch am Leben oder bereits
verstorben -, die ihm vielleicht dabei zur Seite stehen könnten,
die Götter zu erreichen, oder, denn das wäre beinahe genauso
hilfreich, Luain mac Calma.
Doch alle seine Anstrengungen waren
vergebens.
»Du bemühst dich zu sehr.«
»Was?«
»Du bemühst dich zu sehr.« Hinter dem Rauch ertönte
die Stimme des schlaftrunkenen Bellos. Er klang ein wenig
belustigt, doch war es unmöglich zu sagen, wie lange er bereits
gewartet und wach gelegen hatte, ehe er sich sicher war, dass er
tatsächlich die Kraft für diesen amüsierten Unterton würde
aufbringen können. »Ich weiß zwar nichts über das Träumen, aber ich
habe dir die ganze Nacht über zugehört, wie du die Formeln gebrüllt
hast, mit deren Hilfe man nach dem Genuss des Mohntranks die Pfade
des Traums beschreiten können soll. Durch Brüllen allerdings,
glaube ich, zieht man die Götter nicht zu sich herab. Die angehende
Träumerin, die das Hafergebäck gebracht hatte, sagte, dass die
Götter nur in das Schweigen hinein ihre Stimmen erklingen
lassen.«
Valerius starrte den Jungen über das Feuer hinweg
an. »Welche angehende Träumerin?«
»Dieses Mädchen von den Kaledoniern, die jetzt
schon zweimal hier gewesen ist. Ihr Volk hat nicht unter Rom leiden
müssen, und darum hasst sie uns auch nicht ganz so sehr, wie die
anderen es tun, und es scheint, als hätte sie eine gewisse Vorliebe
für bettlägerige Jungen mit blondem Haar und blauen Aug... Sieh
mich nicht so an! Ich bin keine Hure mehr. Sie hatte mir lediglich
einige Haferkekse gebracht und einen Hundewelpen, der immerzu
spielen wollte, das ist alles.«
»Wirklich? Wie überaus enttäuschend für euch
beide.« In Valerius’ Kopf schien alles zu wirbeln. Scheinbar
gesicherte Tatsachen prallten aufeinander und fielen ohne
erkennbares Muster wieder auseinander. »Nur damit ich das richtig
verstehe«, sagte er gedehnt. »Du hast dich über das Träumen
unterhalten, und das mit einer Träumerin von Mona, die nicht gleich
versucht hat, dir die Haut vom Rücken zu ziehen? War das bevor oder
nachdem du den Mohnextrakt zu dir genommen hattest?« Die
scheinbaren Gewissheiten, die Valerius dieser Winter gelehrt hatte,
begannen zu schwanken und brachen schließlich sogar auseinander,
während er in seinem Mund, in seinem Speichel plötzlich die einzig
wirklich bedeutende Aussage schmeckte. »Du hast Haferkekse
gehortet und mir nichts davon erzählt?«
»Ich horte sie doch nicht. Aber, ja, ich habe mit
einer Träumerin gesprochen. Das war, bevor ich gestürzt bin, und
ich hatte noch kein Opium zu mir genommen. Wir hatten uns über den
Welpen unterhalten, und sie sagte, wenn Hunde dicht an einem Feuer
schliefen, dann besuchten sie im Traum das Land der Götter.
Allerdings machte sie mir nicht das Angebot, mir zu zeigen, wie ich
den Hunden dahin folgen könnte. Es tut mir Leid, dass ich dir nicht
von den Haferkeksen erzählt hatte. Ich hatte sie aufgehoben, für
eine kleine Feier, wenn ich endlich wieder stehen und zwei deiner
Schwertstreiche parieren könnte.« Unterdessen durchforstete Bellos
bereits seine Taschen. Schließlich sagte er: »Hier - fang!«
Das war ein gar nicht mal so übler Wurf für einen
blinden Jungen, und ein gar nicht mal so übler Fang für einen Mann,
der die ganze Nacht über wach geblieben war. Der Keks wurde auf
seinem kurzen Flug durch das Herz der Flammen lediglich ganz
schwach versengt, und wenn überhaupt, dann machte ihn das sogar
noch schmackhafter.
»Gibt es davon noch mehr?«, fragte Valerius und
erwiderte dann, als Bellos nickend einen einzelnen Finger hob: »Leg
ihn neben das Feuer, damit er warm wird. Ich glaube, irgendwo
müsste hier auch noch etwas Honig übrig sein.« Mit einem Mal
bestand die Welt aus nichts anderem als aus einer kleinen Leckerei,
an die er sich noch voller Freude von seiner Kindheit her erinnerte
und die man im ersten Licht der Morgensonne verzehrte und
anschließend mit frischem Flusswasser hinunterspülte.
Plötzlich wieder nachdenklich geworden, sagte
Valerius: »Ich verstehe nur nicht, warum Macha nicht mit den
anderen Geistern durch das Feuer gekommen ist. Zehn Jahre lang
hatte sie mich jede Nacht in meinen Träumen verfolgt, und auch den
Großteil der Tage hindurch. Warum bleibt sie mir ausgerechnet dann,
wenn ich sie brauche, fern?«
»Vielleicht gerade deshalb, weil du sie brauchst?
Mir jedenfalls scheint es nicht so, als ob die Heimsuchungen deiner
Mutter dazu bestimmt gewesen wären, dir in Zeiten der Not zu
helfen.«
»Nein. Aber sie hatte mich auch nicht getötet oder
andere dazu getrieben, mich zu töten. Und es gab Zeiten, da hätte
sich ihr dazu durchaus die Gelegenheit geboten.«
Valerius lag auf dem Bauch, den Kopf auf den
Unterarm gelegt, und starrte in das Feuer hinein. »Wenn das
Keks-Mädchen dir ein wenig zur Hand gehen würde, könnte ich nach
Hibernia reisen, um dort mac Calma zu finden.«
»Wenn du mir nur zwei Tage zum Lernen gibst, dann
weiß ich auch selbst, wo die Dinge in der Kate stehen, und wäre gar
nicht erst auf anderer Leute Hilfe angewiesen. Ich schaffe es bis
zur Abortgrube und wieder zurück, und es ist genug Essen da für
einen ganzen Monat, vorausgesetzt, du hast in der Nacht, während
ich geschlafen habe, nicht schon wieder alles aufgefuttert.«
Das war ein schwacher Versuch zu scherzen. Valerius
ging einfach darüber hinweg. »Nein. Ich kann dich nicht allein
lassen. Was ist, wenn du wieder stürzen solltest?«
»Dann werde ich vielleicht auch noch taub?« Bellos
verlagerte sein Gewicht auf die Seite und setzte sich auf. Er
starrte in jene Richtung, von der er annahm, dass Valerius dort
säße. Dann sagte er sehr leise: »Du musst mich verlassen, Julius.
Lieber möchte ich hier allein zurechtkommen und darf in der Zeit
dann wenigstens hoffen, als wenn ich den gesamten Frühling hindurch
gemeinsam mit dir darauf warte, dass endlich mac Calma wiederkommt,
und wir täglich deine und meine Götter darum bitten, endlich wieder
seine Stimme hören zu dürfen. Ich glaube nicht, dass ich dazu noch
die Kraft habe.«
Bellos besaß jedoch mehr Kraft, als sie beide für
möglich gehalten hätten, sowohl körperliche Kraft als auch mentale.
Valerius blieb noch einen Tag und war dem Jungen bei dessen
Übungsversuchen behilflich. Am Ende des Tages konnte Bellos sich
eine Mahlzeit zubereiten, ohne sich dabei in die Finger zu
schneiden, und er hatte Valerius bewiesen, dass er sowohl einen
Krug finden konnte, als sich auch zum Strom hinunterzuschleppen
vermochte, um den Krug dort zu füllen.
Mit dem Einsetzen der Abenddämmerung erschien das
Haferkeks-Mädchen und brachte einen zerlegten Hasen mit. Valerius
entfernte sich, um nach den Pferden zu sehen, und ließ Bellos somit
allein, damit dieser sich mit dem Mädchen unterhalten konnte. Als
er zurückkehrte, stellte er fest, dass Bellos mehr Farbe in den
Wangen hatte als zu jedem anderen Zeitpunkt seit seinem Sturz, und
auch sein Lächeln schien nicht mehr ganz so gezwungen. Auf dem
Feuer köchelte ein kleiner Topf, und bis zum Fluss hinunter war die
windstille Luft erfüllt von dem Duft von geschmortem Hasenfleisch
und wildem Knoblauch.
Nach Einbruch der Dunkelheit, als es schließlich
nichts mehr zu üben, zu klären oder zu putzen gab, setzten die
beiden sich zum Abendessen zusammen. »Ich habe ihr gesagt«,
berichtete Bellos, »dass du bei Tagesanbruch verschwunden sein
würdest und bis zum Vollmond wieder zurück wärst, ob du mac Calma
bis dahin nun gefunden hättest oder nicht. Ich denke, dass sie mir
helfen wird, während du weg bist, und dass sie dafür auch keinen
Ärger zu erwarten hat. Efnís weiß bereits, dass sie hierher
kommt.«
»Das dachte ich mir schon.« Valerius hatte seinen
Spaziergang dazu verwendet, einmal darüber nachzudenken, wieso das
Mädchen stets zum passenden Augenblick aufzutauchen pflegte. »Ich
möchte wetten, dass mac Calma den beiden vor seiner Abreise genau
eingeschärft hat, wie sie sich uns gegenüber verhalten sollten. Nur
sehr wenig von alledem, was er tut, scheint auf bloßem Zufall zu
beruhen.«
»Dann hatte ich also Recht? Du wirst bei
Tagesanbruch aufbrechen?«
»Das werde ich, außer ich schaffe es, mac Calma
heute Nacht bereits im Traum zu rufen. Einen Versuch ist es
jedenfalls noch wert. Man kann nie wissen; der Hase ist das Tier
Nemains, und Airmid stand stets in enger Verbindung zu Nemain.
Vielleicht schaffe ich es ja jetzt, da ich in einem dieser Göttin
geweihten Haus das ihr geweihte Tier gegessen habe, die Träume auf
jenen Wegen zu beschreiten, wie mein Geburtsrecht es mir noch immer
erlaubt.«
Bellos starrte ihn an. Zum ersten Mal seit seinem
Sturz fokussierten seine Augen fast genau die Stelle, wo Valerius
saß. »Wäre dir das denn jetzt von Bedeutung?«, fragte er.
»Nur als eine Art Werkzeug. Ich bin es leid, das
Spielzeug eines anderen Mannes zu sein. Wenn ich dich aus eigener
Kraft heilen könnte, würde ich das tun, das weißt du. Aber weil ich
es nun einmal nicht kann, muss ich mac Calma zu Hilfe rufen. Wenn
ich nun jedoch sogar die Götter selbst anrufen könnte, und das auch
noch ganz ohne fremde Hilfe, und wenn ich die dann um ihre Mithilfe
bei deiner Genesung bitten könnte, wäre ich endlich wahrlich
unabhängig von allen anderen Menschen.«
Bellos stellte seine Schüssel ab und streckte sich
wie ein Hund neben dem Feuer aus. »Und wäre das gut, so ganz
unabhängig zu sein von allen anderen Menschen?«
»Das wäre beinahe perfekt.«
Als Offizier der Kavallerie der Hilfstruppen hatte
Julius Valerius schon etliche Nächte durchwacht und das in
Situationen, die weit weniger angenehm waren, als mit gefülltem
Magen in einer von Feuerschein erhellten Hütte am Ufer eines
Flusses zu sitzen, umgeben von den aromatischen Gerüchen von
Knoblauch, Holzrauch und Hasenfleisch, die seine Sinne
wärmten.
Doch vielleicht genau deswegen war er dann auch
nicht, wie ursprünglich geplant, wach geblieben und hatte in den
Flammen den Beistand der Götter gesucht, sondern war eingeschlafen
und hatte im Traum einige unzusammenhängende und ihm deutlich
missfallende Bilder von seiner Mutter und mac Calma gesehen; Bilder
davon, wie diese in dem Jahr vor Valerius’ Geburt als Liebende
zusammen spazieren gegangen waren, miteinander schliefen und an den
uralten, heiligen Stätten von Hibernia gelegen hatten.
Rom war damals noch nicht mehr als ein weit
entfernter Feind gewesen und die gemeinsamen Konflikte noch
unbedeutend, obgleich die Völker Britanniens selbst diese schon
nicht mehr als geringfügig empfunden hatten. Und Valerius’ Mutter
war noch jung gewesen und noch nicht so zornig. Sie hatte die
Gegenwart des Jungen gespürt, der in ihrem Mutterleib heranwuchs,
und sie hatte ihn sofort geliebt. Und eines Nachts, als sie allein
unter dem weißen Vollmond gelegen hatte, beschloss sie, ihr Kind
nach seiner Farbe zu benennen: Bán, was in der Sprache von Hibernia
so viel wie »weiß« bedeutete. Anschließend hatte sie ihre Hände
über sein kleines, pochendes Herz und das ihre gelegt und
gesprochen: »Du wirst ein Kind Nemains, und unter ihrem Schutz
sollst du aufwachsen. Dafür werde ich sorgen.«
Später dann war Luain mac Calma zu ihr gestoßen und
hatte Neuigkeiten mitgebracht: von den sich in Gallien
zusammenbrauenden Konflikten und von dem Tod jener ersten Träumer,
die durch die Hand Roms hatten sterben müssen. Schon immer hatte
Macha gewusst, dass er sie eines Tages wieder würde verlassen
müssen, und Valerius, der einst Bán gewesen war, spürte selbst im
Mutterleib, selbst in seinem Traum noch die Qual, die diese
Trennung Macha und mac Calma bereitete, spürte die Leere der nie
gegebenen Versprechen, weil sie ja ohnehin hohl gewesen
wären.
Der Verlust schmerzte zu stark, als dass Valerius
ihn noch länger hätte ertragen können. In seinem Traum riss er sich
von seiner Mutter los und beobachtete dann aus der Ferne, wie diese
eine recht wertvolle Stute von den irischen Zuchtherden kaufte
sowie einen Jagdhund, der bereits Rotwild in vollem Lauf erlegt
hatte, und schließlich in den Osten reiste, zurück in das Dorf, in
dem sie geboren worden war und wo ihre Schwester eine zweijährige
Tochter von einem Mann namens Eburovic hatte.
Macha war unübersehbar schwanger, als sie dort
ankam. Eburovic liebte Macha nicht, und auch Macha liebte Eburovic
nicht, doch sie kannten einander bereits seit ihrer Kindheit, und
zwischen ihnen bestand eine große Zuneigung. Die Vaterrolle, die er
für ihr Kind übernehmen würde, sollte nur ein vorübergehender
Dienst sein, so lange, bis Luain mac Calma aus Gallien
zurückkehrte. Weder die Götter noch die Träumer sagten den beiden,
dass es annähernd vierzehn Jahre dauern sollte, bis der Vorsitzende
des Ältestenrats wieder zurückkehrte.
Mit dem Näherrücken des Zeitpunkts von Machas
Niederkunft begann ihr Bild in Valerius’ Traum zu verschwimmen.
Jetzt war Breaca zu sehen, ein kleines Mädchen mit Haar von der
Farbe eines Fuchses im Winter. Sie lernte gerade mit Hilfe von
Graine, ihrer Mutter, laufen. Doch es war Eburovic - groß, stämmig
und gutherzig, dessen Äußeres so gar nichts von dem Träumer
verriet, der er im Inneren war -, der lächelnd die letzten, dünn
miteinander verwobenen Augenblicke von Valerius’ Traum
füllte.
Viel zu abrupt riss es Valerius aus dem Schlaf. Mit
offenen Augen lag er da und starrte auf das zitternde Licht an der
Rückwand der Kate. Das Feuer brannte hinter ihm und wärmte ihm den
Rücken. Er starrte wie benommen auf die Steinwand, und dann sah er
ganz plötzlich Luain mac Calmas Gesicht vor sich. Es war ganz nass,
sein Schiff war gekentert, und wie Seetang hing ihm das schwarze
Haar auf die Schultern herab.
Traurig lächelte der Mann ihn an. »Eburovic hat
dich aufgezogen. Das war allein der Wille der Götter, nicht der
meine. Und Eburovic hat seine Sache gut gemacht, ganz gleich, wie
sehr ich diese Fügung auch bedauere. Aber dennoch bist du mein
Sohn, nicht der seine. Du magst zwar vor den Tatsachen davonrennen,
aber letztlich kannst auch du nicht bestreiten, wer dich gezeugt
hat. Ich biete dir nun das Geschenk deines Geburtsrechts. Wirst du
es annehmen?«
Schon in der Vergangenheit hatte Valerius oftmals
gedacht, er wäre wach, hatte dann aber feststellen müssen, dass dem
keineswegs so war. In Rom hatte er schließlich beobachtet, wie
Dubornos versuchte, sich selbst zu beweisen, dass er sich gerade in
einem Traum befände, indem er versuchte, mit der Hand durch die
Wand zu stoßen. Und diese Technik der Träumer, die in ihrer
Vorgehensweise ganz einfach war und mit hoher Wahrscheinlichkeit
stets funktionierte, hatte Valerius sich gemerkt. Er setzte sich
also auf und legte einen Handballen auf die Kohlen des Feuers. Dort
ließ er seine Hand liegen, bis der Schmerz ihm den Atem stocken
ließ und sich einige Schichten geröteter Haut abzupellen
begannen.
Der Schmerz fegte sowohl mac Calmas Stimme als auch
dessen Bild aus Valerius’ Kopf, doch der Traum hielt ihn noch immer
umfangen, war von der gleichen dichten Struktur wie sämtliche
seiner Erinnerungen und schien genauso real. Valerius fluchte
leise, nahm seinen Umhang und schlich an dem schlafenden Bellos
vorbei in die Nacht hinaus.
Die Nacht war still und warm und wurde erhellt von
einem bernsteinfarbenen Halbmond. In den Wäldern hinter dem Großen
Versammlungshaus der Träumer schrien Eulen, und dicht neben
Valerius flüsterte in fremden Sprachen der Fluss. Die kleinen Tiere
der Nacht raschelten und trippelten durch die alten, verdorrten
Blätter und das frische Frühlingsgras. Vom Fuß des Hügels wieherte
der kastanienbraune Wallach ihm einen leisen Gruß entgegen.
Den Weg, den Valerius nun nahm, hatte er nicht
willentlich eingeschlagen. Doch er wollte sich noch einmal mit
letzter Sicherheit beweisen, dass er auch wirklich wach war; dann
könnte er wieder ins Bett zurückkehren, um eine letzte Nacht in
einer Kate zu schlafen, die er mittlerweile als die seine zu
betrachten begonnen hatte. Barfuß watete er durch den Strom, ließ
das kalte Wasser um seine Knöchel spülen und wandte sich
anschließend nach links, wanderte zwischen den Bäumen hindurch und
auf die Pferdeweide zu, während er bereits durch das Loch im Saum
seines Umhangs tastete, in dem er das Getreide für die Tiere
aufzubewahren pflegte.
Die Weißdornhecke, die die Koppel umschloss, hatte
eine kleine Lücke, die etwa so breit war, dass ein Mann
hindurchpasste, nicht jedoch ein Pferd. Valerius hatte gerade seine
eine Schulter hindurchgeschoben und streckte die Hand nach dem
Wallach aus, als eine Stimme hinter ihm fragte: »Als du träumtest,
wessen Götter hattest du da angerufen, deine oder meine?«
Er träumte also immer noch; das Feuer war bloß eine
Illusion gewesen, genauso wie das Wasser des Flusses und das raue
Gras unter seinen Füßen. In diesem Traum aber besaß er immerhin
eine gewisse Kontrolle über sein eigenes Tun, was angenehm war. Er
drängte sich noch weiter durch die Hecke und erreichte schließlich
den Wallach, wärmte seine Hände an einem samtweichen Maul, das
nichts anderes war als ein Produkt seines eigenen Geistes. Das Tier
schien zwar genauso leibhaftig wie im richtigen Leben, doch
andererseits wirken Träume ja immer so. Erst im Wachzustand erkennt
man jene logischen Lücken, die die Träume als irreal
entlarven.
»Valerius, antworte mir«, erklang mac Calmas
Stimme. »Es ist wichtig.«
Diese Stimme war wirklich bezwingend. Ohne es zu
wollen, entgegnete Valerius: »Ich habe keine Götter. Einst habe ich
Mithras gedient, jetzt jedoch nicht mehr. Ich verließ ihn, als man
mich aus den Legionen verbannte. Und die Götter der Stämme haben
mich schon vor langer Zeit verlassen und üben Rache an mir, wann
immer sie nur die Gelegenheit dazu bekommen. Ich habe also keinen
von ihnen namentlich angerufen, sondern einfach nur meine Not
deutlich gemacht.«
»So. Und dann überrascht es dich, dass keiner von
ihnen zu dir kam? Hast du in deinem Leben denn wirklich erst so
wenig gelernt?«
»Du klingst wie meine Mutter. Auch ihr Geist
verachtet mich. Bist du nun also ebenfalls tot, dass du so mit mir
zu sprechen wagst?«
»Wohl kaum. Und ich verachte dich auch nicht.
Vielmehr bist du es, der mich hasst. Hast du denn den Schlüssel zu
Bellos’ Genesung gefunden?«
Im Traumzustand gab es eine Ehrlichkeit, wie sie im
Wachen nicht immer möglich war. »Nein«, antwortete Valerius. »Aber
ich habe herausgefunden, dass ich nicht mehr länger von dir
abhängig sein möchte, um diesen Schlüssel zu finden. Und mir fällt
auf, dass du mir auch noch nicht gesagt hast, warum du mich
eigentlich nach Mona gebracht hast. Falls es deshalb war, damit ich
lerne, zu träumen oder andere zu heilen, so hast du bisher
jedenfalls noch nicht versucht, mich irgendetwas davon zu lehren.
Andererseits habe ich dich ja auch noch nicht darum ersucht,
irgendetwas davon erlernen zu dürfen. Und ich erinnere mich, dass
die Großmütter einmal gesagt haben, dass ein Träumer erst darum
bitten muss, ehe man ihn das Träumen lehrt. Letzte Nacht bat ich
die namenlosen Götter darum. Heute erbitte ich es von dir.«
»Danke.« Die Hecke erzitterte, und mitten im Licht
des Mondes stand plötzlich Luain mac Calma und streichelte dem
Wallach den Hals, der im Übrigen keineswegs erstaunt darüber zu
sein schien, mac Calma zu sehen.
Valerius versuchte, mit der Hand durch das Pferd zu
fahren, was ihm jedoch misslang. Er starrte auf seine Füße hinab
und wackelte mit den Zehen, doch die blieben seine Zehen,
verwandelten sich weder in Hufe noch in Vogelklauen, und es wuchsen
ihnen auch nicht plötzlich die Krallen eines Hundes. Selbsthass
begann sich in Valerius’ Magengrube zu einem Klumpen
zusammenzuballen. Er hob den Kopf und fragte in bitterem Ton: »Du
hast mich geweckt. Warum?«
Mit mildem Tadel schüttelte mac Calma den Kopf. »Um
dich davor zu bewahren, bei Tagesanbruch an Bord des Schiffes zu
gehen und dich auf die Suche nach mir zu machen. Ich dachte, ich
könnte dir wenigstens einmal das mit diesen Reisen stets verbundene
Erlebnis der Seekrankheit ersparen. Und es gibt Männer, die wären
mir dafür durchaus dankbar.«
»Du hättest mich ja auch durch eine simple
Berührung wecken können. Dazu hätte es nicht dieses Traums
bedurft.«
»Doch es gibt Dinge, die du nur im Traum zu glauben
bereit bist, nicht aber im Wachzustand. Glaubst du mir also jetzt,
dass ich dein Vater bin?«
»Darüber haben wir uns schon einmal unterhalten. Es
war Eburovic, der mich aufgezogen hat. Und das ist alles, was
zählt.«
»Nein. Du bist der Sohn zweier Träumer, und genau
das ist es, was jetzt zählt. Du wurdest geboren, um einmal ein
Träumer zu werden. Du wurdest benannt nach dem weißen Mond und der
ihn umfangenden schwarzen Nacht. Bán von den Eceni, du hast die
letzten zwanzig Jahre damit verbracht, vor deinem Geburtsrecht
davonzulaufen. Doch genau das biete ich dir jetzt an, dieses eine
Mal, zum letzten Mal. Wirst du es annehmen?«
»Wenn ich es annehme, wirst du dann Bellos
heilen?«
»Ich werde Bellos so oder so heilen. Denn wenn du
kommst, um deine drei langen Nächte in der Einsamkeit zu erleben,
musst du freiwillig kommen, nicht unter Zwang. Du musst wissen,
dass du damit ein Tor durchschreitest, hinter dem genauso viele
Gefahren lauern wie hinter all den anderen Toren, die du stets dann
passiert hast, wenn du deinen Kavallerieflügel in eine weitere
Schlacht führtest. Du musst wissen, dass die Verpflichtung, die du
damit eingehst, eine allumfassende ist, dass jeglicher Fehler den
Tod bedeutet, und zwar nicht nur den Tod deines Körpers, sondern
auch den deiner Seele, und dass noch nicht einmal ich, der ich der
Vorsitzende des Ältestenrats von Mona bin, dich davor beschützen
kann. Wenn du nun und im vollen Bewusstsein all dessen, was damit
einhergeht, immer noch jenes Recht für dich in Anspruch nehmen
möchtest, das dir bereits von Geburt an zusteht, dann werde ich es
dich lehren, egal, wie sehr die anderen Bewohner meines Hauses mich
dafür auch hassen werden. Hast du aber nicht den Mut dazu, so werde
ich dennoch all mein Wissen aufbieten, um Bellos zu heilen, und du
bist frei.«
Valerius blickte am Vorsitzenden des Ältestenrats
von Mona vorbei und zu dem weißen Mond hinauf, der zwischenzeitlich
noch ein Stückchen höher am Himmel emporgestiegen war. Noch hatte
sich auf dessen Oberfläche nicht der Hase Nemains niedergelassen,
und mit dem Gruß, den Valerius dem Mond daraufhin entbot - ganz so,
wie seine Mutter es ihn einst gelehrt hatte -, erkannte er dies
dankend an.
Aus den Augenwinkeln sah er, wie langsam eine
Anspannung von mac Calma wich, die Valerius zuvor noch gar nicht an
ihm bemerkt hatte. Sanft erklärte jener Mann, der behauptete, sein
Vater zu sein: »Wenn du gerne noch einen Tag zum Nachdenken haben
möchtest, so sollst du den bekommen. Und während du dir die Sache
durch den Kopf gehen lässt, kümmere ich mich schon einmal um
Bellos.«
»Danke. Aber auch ein weiterer Tag wird an meiner
Entscheidung nichts mehr ändern. Du bietest mir die Möglichkeit,
meine langen Nächte der Einsamkeit zu erleben. Ich nehme dein
Angebot an.«