Siebenunddreißig

»Lauf!«, schrie Katherine.

»Äh, gehören Bären zu den Tieren, vor denen man weglaufen soll? Oder muss man erstarren und darf keine Angst zeigen?«, fragte Jonas. Er vergaß, dass er den Auftrag hatte, zu jagen. Sein Verstand setzte aus. Seine Knie blockierten. Er würde schon deshalb erstarren müssen, weil er seinen Körper nicht dazu bringen konnte, etwas anderes zu tun.

»Er kommt direkt auf uns zu!«, schrie Katherine.

Sie packte Jonas am Ärmel und zog ihn mit sich. Anscheinend konnte er doch noch rennen, stellte er fest. Auch John Hudsons Marker drehte sich um und lief davon, sodass Jonas sich ihm näher fühlte als je zuvor. John Hudson musste das Gleiche denken wie er: Ich muss sterben, ich muss sterben, ich muss sterben 

In diesem Moment knurrte der Bär, dass die Erde zu beben schien. Vielleicht waren es auch seine Pranken, die auf den Boden hieben und die Erschütterungen auslösten.

Jonas sah Punkte vor den Augen. Er rannte so schnell, dass sein Kopf auf und ab ruckte und sein Blick wild durch die Gegend hüpfte. Trotzdem konnte er vor sich einen dunklen Fleck erkennen.

»Das ist ein Junges!«, schrie Jonas. »MAN DARF NIE ZWISCHEN EINE BÄRIN UND IHR JUNGES GERATEN!«

Jonas, Katherine und John Hudsons Marker schlugen gleichzeitig einen Haken um das Bärenjunge. Doch der Marker schaltete ein wenig schneller als Jonas: Er hielt das rostige Messer in der gesenkten Hand, die Klinge bereit.

»Das Messer!«, schrie Katherine Jonas zu. »Hol das Messer raus!«

Der Griff ist keine zehn Zentimeter lang!, wollte Jonas zurückschreien. Wenn ich so dicht an diese Klauen ranmuss, überlebe ich das nicht!

Die Luft in seiner Lunge reichte zum Sprechen nicht aus. Stattdessen ahmte er nach, wie der Marker das Messer hielt.

Ein bisschen Hoffnung bleibt mir wohl noch, dachte er.

Er holte schnell Luft und riskierte einen Blick über die Schulter. Der Bär war sogar noch näher, als er angenommen hatte. Das Tier stellte sich auf die Hinterbeine und brüllte wieder.

»Du läufst in die Richtung!«, schrie Jonas Katherine zu und zeigte von dem Jungtier fort. »Ich … ich bleibe hier und kämpfe!«

»Wir kämpfen zusammen!«, schrie Katherine hinter ihm.

»Wir haben nur ein Messer!«

Katherine anzuschreien gab ihm genug Mut, um zu handeln. Er schubste seine Schwester aus dem Weg und stach blindlings auf den Bären ein. Ohne darüber nachzudenken, ahmte er die Bewegungen des Markers nach. Sein eigenes Messer und das des Markers stachen dem Bären an der gleichen Stelle in den Bauch.

Beide Messer blieben stecken und wurden vom Fell verschluckt.

Der Bär brüllte noch lauter und schlug mit der Pranke nach Jonas. Dieser hatte keine Zeit zu reagieren. Mit jedem Hieb kam die Pranke näher und näher 

Plötzlich drehte sich der Bär zur Seite, weil Katherine ihm gegen das linke Bein trat.

»Teile und herrsche!«, schrie sie. »Übernimm du die andere Seite!«

Jonas sah etwas auf sich zustürzen, doch es war nur der Markerbär, der den Marker-John-Hudson angriff. Jonas hatte keine Zeit, sich um das Schicksal von Markern zu sorgen, wenn seine echte Schwester in Gefahr war. Er ging einen Schritt auf den Bären zu und packte das Messer.

Ich kann es drehen, dachte er. Das Messer umdrehen, den Bären ablenken, Katherine retten 

Er konnte das Messer nicht finden, also begnügte er sich damit, dem Bären in den Wanst zu boxen.

Ah, da ist ja das Messer!

Sein Schlag landete direkt auf dem Messergriff und trieb die Klinge noch tiefer in den Pelz des Bären. Das Tier heulte auf und schlug mit beiden Vordertatzen nach ihm.

Das war’s dann, dachte Jonas. Aus und vorbei.

Alles wurde schwarz.