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Ich bekomme die Quittung. Ich habe im Job einen gravierenden Fehler gemacht! Ich habe den Spielplatz für unsere Siedlung zu groß bauen lassen. Die Zufahrt zu den Autostellplätzen vor fast jedem Haus ist zu eng!
Einige Bauherren, die mit den allerdicksten Schlitten, sind auf 180 und wollen mich als Projektleiterin eliminieren. Aber es ist mein Projekt! Meine große Chance, endlich, mit 39 zu zeigen was in mir steckt. – Nämlich nicht viel? Soll ich das meinen Enkeln, die es vielleicht nie geben wird, sagen?
Nein, das darf nicht sein. Ich versuche die Herren zu beruhigen. Doch der BMW-Fahrer aus Haus 11, Ingo Baltimore, der britische Vorfahren hat, zeigt keinerlei Verständnis.
„Einem Mann wäre das nie passiert. Ich war von Anfang an dagegen, einer Frau diesen großen Auftrag zu geben.“
Ich sehe ihn fassungslos an und kontere scharf. „Wir werden eine Lösung finden. Und dieser Fehler hätte jedem passieren können. Selbst einem Mann!“, füge ich noch ironisch hinzu.
„Sie haben viel zu viele Rutschen und Schaukeln bauen lassen, das soll kein öffentlicher Spielplatz werden, sondern eine Wohnanlage.“
„Dazu gehören nun mal auch Spielgeräte für Kinder.“
„Aber kein überdimensioniertes Piratenschiff, das ist doch total lächerlich, hier wohnt doch nicht - Jack Sparrow!“
Die anderen lachen. Ich versuche, mir weiter Gehör zu verschaffen.
„Kann sein. Aber ich werde das Schiff nicht wieder abreißen lassen, und damit basta!“
Wir blitzen uns an. Und ich unterbreche die Sitzung, denn ich bin den Tränen nahe und will nicht den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren.

 

Tobias ist mit der neuen Kollegin essen, sein Handy ist ausgeschaltet. Daniel ist sofort für mich da.
„Das ist natürlich krass für solche PS-gesteuerten Typen“, Daniel nimmt mich fest in den Arm.
„Die schmeißen mich raus, da bin ich mir sicher.“
„Das können die nicht. Du hast einen Vertrag.“
Ich deute auf den Plan. „Das da könnte man wieder abreißen, dann kann der Doofkopf auf seinen Parkplatz fahren. Und da könnte man verbreitern, die andern haben nicht so breite Schlitten. Wichtig ist jetzt vor allem, den Doofkopf zu besänftigen. Wenn die Stimmung in der Siedlung kippt und mies wird, kann ich hier auch nicht mehr wohnen.“
„Ist das dieser Baltimore?“
„Ja, dieser eingebildete Kunstkenner.“
Er sieht mich an, seine Augen leuchten.
„Ein Kunstfreak. Ich glaube, dann hab ich eine Idee, die ihn deinen kleinen Fauxpas ganz schnell vergessen lässt.“
Er nimmt Stift und Papier zur Hand und fängt an zu zeichnen.
„Hier, das Piratenschiff, da die Stellplätze, stimmts?“
Er malt ein paar Schnörkel neben das Schiff.
„Wie wäre es, wenn du die Himbeersiedlung, die ja vor allem für junge, moderne Familien umgebaut wird künstlerisch gestaltest. Kind und Kunst. Es wird sich doch ein Künstler finden lassen, der da ein tolles Objekt hinzaubern will.“
Ich sehe ihn an und umarme ihn. Und halte ihn ganz, ganz fest.
„Das ist super. Wirklich. Das hätte glatt von mir sein können“, ich lächle ihn an. Doch dann wird meine Miene bitterernst. „Aber es geht nicht. Wir haben kein Budget dafür. Und Baltimore ist ein Oberknauser, der macht bestimmt nichts locker!“
Daniel sieht mich an und überlegt.

 

Am nächsten Morgen habe ich einen Termin mit den Bauherren. Und meine Brüste spannen!
Ich rase zum Drogeriemarkt, kaufe einen Schwangerschaftstest und verkrieche mich im Bad.

 

Himbeersommer
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