- Beyer Anja Saskia
- Himbeersommer
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***
Die Himbeeren sind so langsam
verblüht.
Tobias und ich sitzen beim Frühstück
und ich erzähle vom Stand der Dinge. Währenddessen malträtiere ich
umständlich mein Ei. Ein Ei zu köpfen ist eine ernste
Angelegenheit.
Natürlich erzähle ich nicht von
Daniel, sondern vom Stand meines Bauprojektes. Aber Tobias hört
nicht zu.
Spielt er in Gedanken die Wandfarbe
unseres Kinderzimmers durch?
„Weißt du eigentlich, wo die nächste
Winter-Olympiade stattfindet?“, fragt er mich aus heiterem
Himmel.
„Ich habe dir gerade von meiner Arbeit
erzählt und du denkst an Skispringen?“, sehe ich ihn fassungslos
an.
„Oh Gott, tut mir leid, ich bin
irgendwie völlig neben mir. Sag bitte noch mal. Was war mit Magda
und Ines?“
„Sie ziehen heute ein“, wiederhole ich
gnädig. „Und sie haben mich gefragt, ob ich ein gutes Catering
weiß. Für ihre Einzugsparty.“
Im gleichen Moment ärgere ich mich,
das Thema Catering erwähnt zu haben und schiebe mir glibbriges
Eiweiß hinein.
„Und? Weißt du eins?“, will Tobias
bemüht interessiert wissen.
Dass ich ein charmantes Bistro kenne
und einen noch charmanteren Bistrobesitzer, der ganz hervorragende
Caterings ausrichten kann, sage ich ihm nicht.
Ich schüttle den Kopf und ekle mich
vor mir und dem Ei.
„Was macht eigentlich die
Spendersuche?“, will Tobias lächelnd wissen. „Seit wir uns
entschieden haben, kann ich es nicht mehr erwarten.“
Und genau in diesem Moment fällt es
mir auf. Das Blau des Eierbechers, den mir Tobias zu meinem 39.
Geburtstag geschenkt hat, ist identisch mit dem Blau aus Daniels
„Bistro bleu“!
Endlich steht Tobias auf, er muss los
in die Kanzlei und ich auf die Baustelle.
Das Meeting mit unserem Polier zieht
sich wie zäher Kaugummi, der zu lange in der Sonne
lag.
Hektisch bringe ich es hinter mich,
habe keine Zeit mehr zu duschen und eile in der Mittagspause,
leicht verstaubt, zu unserem Treffpunkt.
„12 Uhr bei den Enten?“ Hat er
geschrieben. Und ich habe endlose zehn Minuten verstreichen lassen,
um mich rar zu machen, und ihm dann erst geantwortet!