ZWANZIG
BUDAPEST, UNGARN
In dieser Nacht träumte Hanna das erste Mal von den Wölfen.
Im Wald war es dunkel. Die intensiven Gerüche von Erde und Laub waren durchzogen von unzähligen fremden Geruchsfäden. Mäuse. Ein Iltis. Die Vögel atmeten leise im Gebüsch.
Wölfe trotteten durchs Gehölz. Graue Schatten, auf deren Rücken der Mond ein Muster malte. Die Lichtung war in ein silbernes Licht getaucht.
Sie warf den Kopf in den Nacken und heulte …
… und erwachte schweißgebadet. Mit klopfendem Herzen blickte sie zur Zimmerdecke hoch. Der Traum war so real gewesen, dass sie einen Moment lang nicht wusste, wer sie war und was sie in diesem Zimmer tat, statt draußen durch den Wald zu streifen. Irgendwann sank Hanna wieder zurück in den Schlaf, in andere, wirre Träume, in denen sie wieder zu Hause in Deutschland war und mit ihren Eltern darüber diskutierte, warum ihr Kinderzimmer so anders aussah. Selbst in diesen Träumen war sie auf der Hut und blickte immer wieder über ihre Schulter, aber die Wölfe kamen nicht wieder.
Am Morgen packte Hanna ihre Sachen für den Sprachkurs zusammen. Sie brachte Attila zur Schule und fuhr weiter zum Institut, mit einem unguten Gefühl. Vokabeln zu lernen fiel ihr mittlerweile leicht, nach den ersten Anfangsschwierigkeiten. Mit der Grammatik dagegen stand sie auf Kriegsfuß. Sie musste sich die Lektion am besten noch einmal ansehen. Die Lehrerin war streng. Obwohl sie alle diesen Kurs freiwillig belegt hatten, tat die Ungarin so, als müssten ihre Schüler mit ernsthaften Konsequenzen rechnen, wenn sie nicht in dem Tempo weiterkamen, das sie vorgab.
Hanna blätterte in ihrem Lehrbuch, während sich der Raum allmählich mit den ungleichen Studenten füllte; Jugendliche, junge Erwachsene, eine Frau über fünfzig. Sie setzte sich, seufzte, streckte die Beine lang aus und stöhnte: »Was hat mich bloß geritten, Ungarisch zu lernen?«
Das Mädchen schmunzelte. Mittlerweile konnte sie schon recht viel verstehen und besser sprechen, als sie erwartet hatte. Alle Kursteilnehmer machten Fortschritte.
Schnell noch einen Blick ins Vokabelheft …
Es war ihre Schrift. Kein Zweifel, sie selbst hatte sich diese Nachricht geschrieben.
Ich muss beweisen, dass Kunun ein Vampir ist. Für Réka. Sie vergisst, dass er sie gebissen hat, jedes Mal. Wenn ich wiederkomme und nichts mehr weiß, dann ist klar, was passiert ist. Versuch dich zu erinnern! Unbedingt!
Sie starrte auf die Botschaft. Es war dasselbe, was Mária gesagt hatte. Vor ein paar Tagen erst hatte sie geglaubt, was sie hier geschrieben hatte. Zweifellos.
Noch nie war es ihr so schwergefallen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Sie hörte nicht zu, las hundert Mal den Text, den sie an sich selbst geschrieben hatte, und versuchte den Schleier zu durchdringen, der alles verbarg, was passiert war.
Zu ihrem eigenen Erstaunen konnte sie antworten, als sie aufgerufen wurde, und bekam ein dickes Lob für ihre gute Aussprache. Es ließ sie kalt, obwohl Frau Bertalan sich nur selten zu Nettigkeiten hinreißen ließ. Hanna konnte es kaum erwarten, bis die Stunde vorüber war. Sie sah auf die Uhr - würde das reichen, bevor sie Attila abholen musste? Wenn, dann musste sie es jetzt tun, solange er in der Schule war. Mit ihm zusammen konnte sie unmöglich an den Ort zurückkehren, an dem sie gebissen worden war.
 
Die Fotos waren ihr Leitsystem. Hanna ließ den Wagen stehen und fuhr mit der Metró, wie sie es offensichtlich auch an jenem Freitagabend getan hatte. Am Ostbahnhof stieg sie aus. Der Platz war groß, auch wenn die Baustelle den meisten Raum einnahm. Hier ein bestimmtes Haus zu finden war schwierig, allerdings nicht unmöglich. Dort war schon das Restaurant. Ihre Aufregung wuchs. Konnte es so einfach sein? Das war die Tür. Dieselbe Tür wie auf dem Foto. Eine hohe, verschnörkelte Tür, blassblau, durch deren Scheiben man einen Innenhof sah. Über dem Eingang hing das grimmige Antlitz eines steinernen Löwen.
Die Klingelschilder verrieten nicht, ob hier ein gewisser Kunun wohnte. Hanna drückte die Klinke. Geschlossen. Natürlich. Wie war sie auf die Idee gekommen, es könnte offen sein? Alle Türen in Budapest waren abgeschlossen, niemand würde so leichtsinnig sein, das zu vergessen und finstere Gestalten damit quasi einzuladen.
Es war ihr durchaus recht, und eigentlich wollte sie am liebsten umkehren. Auch ohne den Gedanken an Vampire - ein Gedanke, dem immer noch etwas Lächerliches anhaftete - wäre ihr nicht wohl gewesen, einfach so ein fremdes Haus zu betreten. Wenn bloß nicht dieses Gefühl gewesen wäre, dass diese Tür offen sein müsste …
Der Briefträger schob sein Wägelchen vor sich her. Nur ein paar Häuser entfernt. Der Mann hatte bestimmt einen Schlüssel … Sie drückte sich in der Nähe herum, damit es nicht allzu sehr danach aussah, als würde sie auf ihn warten. Sobald er den Schlüssel ins Schloss steckte, war sie hinter ihm und hielt ihm höflich die Tür auf. Er nickte ihr zu, und zu ihrer großen Erleichterung fragte er sie nicht, ob sie hier wohnte, sondern ging zielstrebig zu den Briefkästen an der Wand.
Es war still. Für ein Mehrfamilienhaus war es geradezu unnatürlich ruhig. Hanna wagte einen Blick in den Innenhof. Ein Brunnenbecken, von steinern grinsenden Löwen bewacht. Sonst nichts. Nicht einmal, und das fand sie dann doch etwas ungewöhnlich, das übliche Gerümpel. Keine alten Backöfen und Fahrräder, wie man es in dieser Gegend hätte erwarten können, sondern so gepflegt, als würden hier nur pingelige Deutsche wohnen. Außerdem ein gläserner Fahrstuhlschacht bis ganz nach oben.
Wieder ging sie ihre Fotos durch. Das konnte er sein, der Lift, den sie so oft fotografiert hatte. Um sicher zu sein, musste sie ihn betreten. Sie wandte sich zur Seite, wo man sich zwischen Treppenhaus und Fahrstuhl entscheiden konnte, und traf ihre Wahl. Sie drückte den Knopf. Der Fahrstuhl ließ nicht lange auf sich warten, leise rumpelnd hörte sie ihn herankommen. Die Tür faltete sich auf. Die hintere Wand war aus Glas.
 
Sie hob schon den Fuß zum ersten Schritt, aber sie konnte nicht. Irgendetwas lähmte sie, ein Widerstand, der sich in ihrem ganzen Körper aufbaute. Tausend Alarmglocken schienen gleichzeitig loszuschrillen. Nein. Nein, nein, nein!
Sie blickte in den offenen Raum. Die Knöpfe, die Schrift dort … Alles war so vertraut. Sie war in diesem Haus gewesen, zweifellos. In diesem Fahrstuhl. Hier war es geschehen. Hier hatte sie diesen blonden Jungen fotografiert.
Es war nur ein Schritt. Einen Moment lang fühlte sie sich, als würde es ihr den Boden unter den Füßen wegreißen, als wäre sie nicht in den Aufzug gestiegen, sondern auf die unterste Stufe einer Rolltreppe. Sie schwankte, das Herz schlug ihr bis zum Hals - aber nichts geschah. Bloß die Stille wurde ihr wieder bewusst.
Durch die Scheibe spähte Hanna in den Hof hinunter und auf die einheitlich gestrichenen Stockwerke. Die hellblau getünchten Wände mit den weißen Türen und Fenstern. Die filigranen schmiedeeisernen Gitter, die jede Etage einrahmten. Keine abgeblätterte Farbe, kein bröckelnder Putz, kein Schmutz. Wer hier wohl wohnte?
Die Tafel mit den Knöpfen. Sie drückte die Fünf, und mit leichtem Surren glitt der Fahrstuhl nach oben. Es fühlte sich beinahe normal an, hier drin zu sein. Fast so, als würde nicht gleich etwas Schreckliches geschehen … Was sollte schon passieren, am helllichten Tag, noch dazu in einem Haus, in dem so viele Leute wohnten? Sie sah auf die Uhr. Ein bisschen Zeit hatte sie noch. Oben stieg sie aus und blickte sich um. Eine der weißen Türen sprang ihr sofort ins Auge. Gleich würde sie sich öffnen, gleich würde jemand herauskommen und sich neben sie stellen, um mit ihr auf den Aufzug zu warten … Hanna rieb sich die Augen. Stille. Von irgendwoher ein Hämmern. Das musste die Baustelle sein. Hier im Haus war alles ruhig.
Sie trat auf die Tür zu. Kein Namensschild, keine Klingel. Sie überlegte, ob sie klopfen sollte, entschied sich jedoch dagegen, denn was hätte sie sagen sollen, wenn jemand öffnete? Andererseits - vielleicht war sie genau in dieser Wohnung gewesen. Irgendetwas zog sie zu dieser Tür. Wenn sie einen Blick hineinwarf, würde sie bestimmt wissen, ob sie hier gewesen war. Vielleicht mit ihm, dem Blondschopf.
Junge, Junge, das muss eine Nacht gewesen sein …
Sie versuchte durch die gläsernen Kassetten zu spähen. Ein Flur, eine weitere Tür? Es reichte ihr nicht. Entschlossen hob sie die Hand und berührte den Knauf.
Die weiße Tür schwang auf und gab den Blick ins Innere der Wohnung frei. Seltsam, dass hier nicht abgeschlossen war, aber sie hatte das starke Gefühl, dass es genau so sein musste.
Bis jetzt hatte sie nichts Schlimmes getan, nichts, was ungesetzlich und verboten gewesen wäre. Über die Schwelle in eine fremde Wohnung zu gehen war etwas anderes, trotzdem verspürte sie nicht das innere Widerstreben, das der Fahrstuhl in ihr ausgelöst hatte. Es kam ihr irgendwie richtig vor, hineinzugehen; womöglich ein Hinweis darauf, dass sie tatsächlich schon einmal hier gewesen war.
Ganz offensichtlich wohnte jemand hier, jemand, der nicht allzu ordentlich war, denn gleich im Flur stolperte sie fast über einen Schuh. Ein weißer Turnschuh, Größe dreiundvierzig. Der dazugehörige Schuh lag einen halben Meter entfernt.
Sie stellte das Paar zur Seite.
Jedenfalls wohnte hier ein Mann. Auf dem Foto waren die Schuhe des Jungen nicht zu sehen, aber zu seiner Kleidung hätten sie durchaus gepasst. Im Garderobenspiegel erblickte sie ihr eigenes, leicht gehetztes Gesicht. Eine Haarbürste lag auf dem Schränkchen. Erwartungsvoll untersuchte Hanna sie. Einige blonde Haare hatten sich darin verfangen. Sie lächelte, als sie ein Haar herauszog und es wie einen Schatz in der Hand hielt. Die Länge stimmte. Als hätte sie nicht bereits gewusst, wer hier wohnte.
Die Einrichtung war überraschend edel - vom matt glänzenden Parkett bis zu den cremefarbenen Wänden kam ihr alles noch eine Spur teurer vor als in der Villa der Szigethys. Die weiße Ledergarnitur im Wohnzimmer umringte einen ungewöhnlichen Holztisch, auf dem mehrere Zeitungen und Zeitschriften und ein vergilbtes Lesebuch für die erste Klasse lagen. Dazu ein aufgeschlagenes Heft mit Schreibübungen und ein Stift an einem Sofaende, als hätte dort jemand im Liegen geschrieben. Wieso musste er Buchstaben lernen? Nichts deutete darauf hin, dass außerdem ein Kind hier wohnte. Keine Spielsachen. Aber ein Pullover über der Sessellehne. Ein Flachbildschirm an der Wand. Der Kristallleuchter an der Decke wirkte dagegen etwas fehl am Platz.
Das Bett war nicht gemacht. Hanna setzte sich auf die Matratze und strich das Laken glatt. War sie mit ihm hier gewesen? Keine Bilder wollten zu ihr kommen, nicht die geringsten Bruchstücke einer Erinnerung.
Etwas Buntes. Es lugte unter dem Kopfkissen hervor, nur ein kleines Stück, doch sie erkannte es sofort. Ihr Schal. Kein Zweifel. Ihre Mutter hatte ihn gestrickt, aus flauschiger Wolle. Die Knäuel waren mehrfarbig, rot, blau und rosa meliert, sodass auch ohne Garnwechsel ein Muster entstand. Zum Nikolaustag hatte sie ihn bekommen, letztes Jahr.
Jetzt wusste Hanna, wo sie ihn verloren hatte.
Sie streckte die Hand aus und streichelte darüber, wie über ein kleines, kuscheliges Tier. Sie berührte das Kissen, auf dem sein Kopf geruht hatte. Eine Weile saß sie reglos da und wartete, dass etwas geschah. Dass die Erinnerung über sie kam mit der Gewalt einer Flutwelle.
Nichts.
Plötzlich wurde ihr bewusst, wie spät es war. Sie musste Attila von der Schule abholen und dazu durch die ganze Stadt fahren. Ganz schnell warf sie noch einen Blick ins Badezimmer. Eine Zahnbürste. Er wohnte hier tatsächlich allein. Wie kam ein so junger Mann an solch eine Wohnung? Reiche Eltern? Vielleicht war er Drogendealer oder so etwas?
An der Tür überlegte Hanna kurz, ob sie ihren Schal einfach mitnehmen sollte. Immerhin war es ein Geschenk ihrer Mutter. Außerdem hatte dieser Kerl es nicht für nötig gehalten, sie anzurufen. Immerhin war heute schon Dienstag. Er hätte sich ruhig melden können. Selbst wenn sie nur ein Abenteuer für ihn gewesen war, warum bewahrte er dann ihren Schal unter seinem Kopfkissen auf? Und woher kam dann dieses Gefühl, dass sie hier kein Eindringling war?
Am liebsten wäre sie hiergeblieben und hätte auf ihn gewartet. Sie konnte nicht verschwinden, ohne irgendetwas mitzunehmen, nur eine Kleinigkeit …
Zeit zu gehen. Sie schloss die Tür leise hinter sich. Am Treppenhaus zögerte sie, und wandte sich wieder dem Fahrstuhl zu, der immer noch hier oben auf sie wartete. Sie überwand ihren inneren Widerwillen und stieg ein. Der Lift setzte sich in Bewegung, draußen glitten die hellblauen Wohnungen an ihr vorbei. Mit einem kleinen Ruck hielt er.
Mattim.
Der Name kam von irgendwoher, während sie auf die gegenüberliegende Ecke starrte, als würde dort jemand sitzen. Mattim.
Mattimattimattimattim.
Da drüben hatte er gesessen. Er blickte zu ihr hoch, sein Lächeln wirkte gequält. Seine Hände bluteten. Sie reichte ihm den Schal, spürte zum letzten Mal die weiche Wolle zwischen den Fingern.
Ich bin Mattim, der letzte Prinz des Lichts.
Es war nicht in der Wohnung gewesen. Sondern hier.
Mattim.
Sie schloss die Augen, während sie an der Glaswand nach unten rutschte. Die Bilder kamen, eine ganze Flut von Bildern. Kalt war es. Draußen die Winterdunkelheit, während im Hof die Löwen schimmerten. Mattim, der gegen die Fahrstuhlwände schlug und schrie. Mattim, der die Arme um sie legte, ganz fest. Mattim, der gegen Kunun kämpfte und von ihm gegen die Wand gedrängt wurde. Mattim, der sie aus dem Haus führte, den Arm um ihre Schulter gelegt.
Du darfst nicht sterben. Hatte sie das zu ihm gesagt? Stirb nicht.
Es hatte keine gemeinsame Nacht gegeben. Sie war nicht in der Wohnung eines Fremden gewesen. Es hatte nur diese Stunden im Fahrstuhl gegeben, bloß sie und ihn, eingeschlossen mit dem Tod. Eingeschlossen mit einem Vampir.
In diesem Haus wohnten keine normalen Menschen. Ausschließlich Schatten, hatte er gesagt.
Sie sprang auf, eilte hinaus und hastete durch das stille Gewölbe. Erst als sie in die Menge tauchte, als sie in der Metró eingezwängt auf der Bank saß, zwischen einer kleinen, alten Frau und einem bärtigen Obdachlosen mit riesigen Plastiktüten, fühlte sie sich einigermaßen sicher.
War sie so wieder zurück an die Donau gekommen, in der Metró, mit Mattim an ihrer Seite? Merkwürdig, dass sie sich nicht daran erinnern konnte. Doch dann, als würde ein verwackeltes Foto sich langsam scharf stellen, sah sie sich und Mattim vor die Tür des Hauses treten, unter den grinsenden Löwen.
Atschorek wartete auf sie. Sie war sehr schön, in dem echten Pelzmantel und der dazu passenden Fellmütze, aber ihr Lächeln verging, als sie Hannas schwankende Gestalt und ihr blasses Gesicht bemerkte.
»Meine Güte«, sagte sie nur.
»Was willst du?«, knurrte Mattim. Er blinzelte ins Licht, in die sanfte Helligkeit des Januarmorgens.
»Ich kann euch mitnehmen. Wollte sowieso gerade zu mir nach Hause fahren.«
»Nein danke.«
»Sei nicht blöd. Willst du ihr wirklich zumuten, mit der Metró zu fahren? Sie wird dir die Rolltreppe hinunterstürzen.« Atschorek öffnete die Tür einer schwarzen Limousine. »Na los, kommt.«
Mattim half Hanna auf den Rücksitz und setzte sich daneben. Atschorek beobachtete die beiden im Rückspiegel, während sie sich in den Verkehr einfädelte.
»Das musst du aber noch üben.«
Mattim stieß ein tiefes, knurrendes Grollen aus.
»Du warst zu gierig«, stellte Atschorek fachmännisch fest. »Das kommt daher, dass du zu lange gewartet hast. Wir können es nicht ertragen, dem Leben so nahe zu sein, ohne uns unseren Anteil zu holen. Gewöhn es dir lieber an, regelmäßig für Nachschub zu sorgen.«
»Wie schön du diese Dinge umschreibst.« Mattim wandte das Gesicht ab und starrte aus dem Fenster.
»Die Kunst besteht darin, genauso viel zu nehmen, wie es deinen Zwecken dient. Ich gebe zu, es dauert eine Weile, um das zu perfektionieren. Nicht einmal ich bekomme es so gut hin wie Kunun. Er kann die Entnahme so genau dosieren, dass dem Mädchen exakt die Zeit fehlt, in der er sie gebissen hat. Wenn es mal nicht so gut läuft, kann er ihr auch die Erinnerung an die halbe Stunde davor oder danach nehmen. Damit sie zum Beispiel einen Streit vergisst. Oder damit sie das Haus nicht mehr wiederfindet. Auf diese Weise kann er fast normale Beziehungen führen oder auch ein Mädchen sehr schnell loswerden, wenn er das Interesse verloren hat.«
Mattim sagte nichts. Er starrte weiter nach draußen auf die Stadt, die er zum ersten Mal bei Tageslicht sah.
»Noch etwas musst du wissen«, sagte Atschorek. »Wundere dich nicht, wenn du die Kleine in der nächsten Zeit häufiger triffst. Auch wenn sie dich nicht erkennt, wird es sie automatisch in deine Nähe ziehen. Ein Teil ihres Lebens ist in dir; das zieht sie automatisch an. Dagegen kannst du nichts machen. Entweder verwendest du sie weiter …«
»Nein!«
»… oder du suchst dir die Nächste. Dann hört es irgendwann auf, und du triffst sie nie wieder. Dafür hast du dann eine andere am Hals. Oder sie dich. Einerseits ist es recht praktisch, weil du dir nicht ständig jemand Neues suchen musst, der dich an sich heranlässt. Es kann einem aber auch auf die Nerven gehen. Aus diesem Grund bevorzuge ich die Abwechslung.«
»Mir wird schlecht, wenn ich dich so höre.«
»Ich wollte dich bloß warnen. Kunun und ich mussten das alles erst selbst herausfinden. - So. Ich halte hier an der Parkbucht. Schubs die Kleine raus. Ich werde ihr sogar ein Taxi rufen, wenn es dich freut.«
Mattim zog Hanna aus dem Auto nach draußen. Sie sah dem Wagen nach. Die Sonne spiegelte sich auf dem glänzenden schwarzen Lack.
In jeder freien Minute, wenn niemand sie störte, legte Hanna das blonde Haar auf ihren Schreibtisch und den weißen Schnürsenkel daneben. Sie lachte leise. Mattim würde nicht wissen, wer ihm diesen Streich gespielt hatte. Ein wenig fühlte sie sich schuldig - als sie den weißen Faden herausgezogen hatte, war sie noch der Überzeugung gewesen, dass sie etwas mit diesem Unbekannten gehabt hatte. Inzwischen wusste sie, dass dem nicht so war. Nur eine Nacht im Fahrstuhl, gezwungenermaßen. Nur Zuflucht unter seiner Jacke, der Kälte wegen. Nur seine Lippen an ihrem Hals, um ihm das Leben zu retten.
Vielleicht hatte er sie schon längst vergessen. Sie dagegen wurde ihn nicht los, doch das war nach allem, was Atschorek erzählt hatte, völlig normal. Dass es sie zu ihm zog; eigentlich gar nicht zu ihm, sondern zu dem Stück Leben, das von Rechts wegen ihr gehörte. Vielleicht funktionierte es ja nicht bei ihr, ihn auf diese Weise zu finden. Jeden Abend an den vergangenen Tagen war sie zur Burg hinaufgeschlendert, seine Worte im Ohr: Jeden Abend gehe ich an den Fluss. Ich gehe über die Brücke, über das fließende Wasser. Ich steige hoch zu den Ruinen und stelle mir vor, ich wäre wieder zu Hause. Aber er war nicht dort gewesen. Réka fand Kunun immer so mühelos - warum klappte es bei ihr nicht ebenso leicht?
»Hanna?« Réka steckte den Kopf durch die Tür. »Ich dachte, du würdest vielleicht mitkommen wollen?«
»Wohin? Du weißt, ich muss auf Attila aufpassen, deine Mutter ist immer noch nicht da.«
»Doch, ist sie. Ausnahmsweise sitzt sie mal nicht am Klavier. Außerdem hab ich gefragt. Es ist ihr sogar lieb, wenn ich nicht allein gehe.«
»Gerne.« Fast ein bisschen zu eilig sprang Hanna auf. »Komm, ich bin zu allem bereit.«
Etwas verwundert warf Réka ihr einen Seitenblick zu, als sie nebeneinander das Haus verließen. Mónika hatte sich sehr herzlich verabschiedet. Nach dem letzten Wochenende war sie so freundlich, dass es geradezu unnatürlich war.
»Auf diese Weise muss sie sich um keinen von uns Sorgen machen«, erklärte Réka fröhlich.
»Was genau hast du vor?«, erkundigte Hanna sich.
»Keine Ahnung. Du weißt doch, wie es ist. Ich gehe irgendwohin, und er ist schon da.«
»Kunun.«
»Natürlich. Was dachtest du denn?«
Der Kunun, an den Hanna sich erinnerte, stand in der offenen Fahrstuhltür, groß und schwarz, er schien den Rahmen ganz auszufüllen, während er dort verharrte und auf sie herabblickte. Sieh an, du lebst. Ein Kunun mit einem Lächeln voller Hohn und Triumph. Ein Kunun, der zuschlug. Sie schämte sich dafür, dass sie nichts getan hatte, um Mattim zu helfen, als sein älterer Bruder die Hand gegen ihn erhoben hatte. Nicht einmal zusammengezuckt war sie, als ginge es sie nichts an, was mit ihm geschah.
»Wollen wir zur Burg hoch?«, schlug sie vor.
»Wir fahren nach Pest rüber«, bestimmte Réka. Allerdings klang sie nicht so zuversichtlich, wie Hanna es von ihr gewohnt war.
»Was ist?«
»Ich habe ihn schon eine ganze Woche nicht gesehen«, sagte Réka kleinlaut. »Ich glaube, er ist verreist.«
»Hat er dir nicht Bescheid gegeben?«
»Bestimmt. Ich hab’s wohl vergessen. Er ist nicht so. Er würde nicht einfach wegfahren, ohne es mir zu sagen.«
Hanna öffnete schon den Mund, um dem Mädchen klarzumachen, dass es sich etwas vormachte, schloss ihn jedoch wieder. Immerhin war sie noch hier; es brachte nichts, es sich schon wieder mit Réka zu verderben. Nachdem ihre Erinnerung zurückgekehrt war, wusste sie auch wieder, dass sie schon fest damit gerechnet hatte, die Familie verlassen zu müssen. Anscheinend hatte die Sorge wegen ihres Verschwindens alles andere überlagert, aber Réka war launisch. Allzu schnell konnte ihre Freundschaft in Feindseligkeit umschlagen.
Am Parlament stiegen sie aus. Bäckereiduft wehte ihnen entgegen, als sie die Rolltreppe hochkamen. Réka grinste entschuldigend, während sie sich einen ganzen Pappkoffer voller Leckereien einpacken ließ - kleine Schnecken und Nusshörnchen. Hanna hatte den Eindruck, dass sich das Mädchen mit irgendetwas trösten wollte.
»Du glaubst nicht, dass du ihn heute findest, stimmt’s? Wolltest du deshalb, dass ich mitkomme? Damit du nicht allein hier bist, wenn es nicht klappt?«
»Nun ja … Vielleicht könnten wir ins Kino gehen?«
»Klar. Nicht traurig sein. Wir machen uns einen schönen Abend, ja?«
Gemeinsam schlenderten sie durch die Straßen, doch Réka konnte ihre Enttäuschung kaum verbergen. Sonst war ihr Instinkt nahezu unfehlbar gewesen.
»Du musstest ihn noch nie suchen«, sagte Hanna. »Kommt dir das nicht irgendwie - unheimlich vor?«
»Das kannst du nicht verstehen. Wir sind Seelenverwandte. Es ist kein Zufall. Es ist - Schicksal. Wir können uns gar nicht verfehlen.« Stolz strahlte aus ihren Augen. »Das ist sehr selten, glaube ich. Das kann man nur erleben, wenn man wirklich zusammengehört. Dann sorgt das Leben dafür, dass man sich immer wieder trifft.«
Es berührte Hanna seltsam, dass Réka »das Leben« sagte, fast als wüsste sie, was sie immer wieder zu Kunun trieb.
»Eine Menge Menschen finden ihre große Liebe und brauchen trotzdem ein Telefon, um sich zu verabreden«, sagte sie.
»Es ist, als würden wir uns eine Seele teilen«, sagte Réka leise. Dann blickte sie etwas erschrocken hoch. »Für dich ist das Unsinn, oder? Weil du so etwas noch nie erlebt hast.« Sie stockte und hielt plötzlich Hannas Arm fest. »Da ist er.«
Tatsächlich ging Kunun gar nicht weit entfernt von ihnen über die Straße. Er hatte es offenbar eilig und blickte nicht zur Seite. Réka drückte Hanna ihre Gebäckbox in den Arm und rannte los. Hanna sah nur, wie Réka Kunun erreichte, wie er stehen blieb, wie das Mädchen die Arme um ihn schlang.
Hanna war hier jetzt offensichtlich überflüssig. Einen Moment lang überlegte sie, ob sie den beiden nachgehen sollte und versuchen sollte, das Beweisfoto zu machen, für das sie bereits so viel riskiert hatte. Aber sie konnte sich nicht dazu durchringen, ihnen zu folgen. Stattdessen kam ihr ein anderer Gedanke.
Jeden Abend sehe ich auf den Fluss hinunter …
Wenn Réka sie nicht mehr brauchte, konnte sie genauso gut wieder zur Burg zurückkehren und nachsehen, ob sie Mattim dort fand. Mattim. Mittlerweile war sie fast geneigt, ihn für einen Traum zu halten, obwohl sie nie von ihm träumte. Er begegnete ihr nie in ihren Träumen; nur die Wölfe kamen und nahmen sie mit auf ihren Wanderungen durch den Wald. Durch die Bäume schimmerte das Wasser des großen Flusses. Von Mattim hatte sie kein einziges Mal geträumt, so sehr sie es sich auch wünschte. Dass sie in seiner Wohnung gewesen war, kam ihr im Nachhinein ebenfalls unwirklich vor. Nur das Foto ließ sich nicht leugnen. Es gab diesen Jungen. Sie wusste sogar, wie er hieß. Der letzte Prinz des Lichts. Das wiederum klang extrem nach einem Traum - wie konnte sie sich also sicher sein, dass es ihn wirklich gab?
Sie dachte darüber nach, während sie, die Hände in ihren Manteltaschen, den Weg zur Kettenbrücke einschlug. Es war windig, und sie vermisste ihren Schal. Die Löwen auf ihren Podesten zu beiden Seiten der Straße rissen die Mäuler weit auf. Natürlich dachte Hanna dabei an den grinsenden Löwenkopf über der Tür und die kleineren Statuen im Hof. Sie spürte, wie das Lächeln auf sie überging, voller Erwartung und Vorfreude, dass sie es kaum aushalten konnte. Mattim. Ihn wiederzusehen. Es gab nichts, was sie mehr wollte. Sie vergaß ihre Sorge um Réka, vergaß, dass sie sich zu einem früheren Zeitpunkt niemals die Chance hätte entgehen lassen, den Vampir auf frischer Tat zu ertappen, vergaß alles, bis nur noch die Hoffnung übrig blieb. Eine Hoffnung, die sich zu einer fieberhaften Erwartung steigerte, bis sie nichts anderes mehr denken konnte. Mattim. Mattim, Mattim, Mattim.
Auf der anderen Seite wäre sie fast vor ein Auto gelaufen, weil sie nicht merkte, dass die Fußgängerampel Rot zeigte. Sobald das grüne Licht den Weg freigab, eilte sie über die Straße und schlug den Weg zur Burg ein. Einige Passanten waren hier noch unterwegs, und bei jeder Gestalt, die ihr entgegenkam oder die sie überholte, dachte sie im ersten Augenblick: Mattim!, nur um im nächsten zu erkennen, dass er es natürlich nicht war. Sie folgte dem breiten Weg zwischen den Burgmauern, hoch auf den Hügel. Hier oben, wo man den grandiosen Blick auf die erleuchtete Stadt genießen konnte, waren immer Menschen. Auch jetzt standen einige an der Mauer und ließen den Ausblick auf sich wirken. Ein Pärchen, das miteinander tuschelte, eine Gruppe junger Leute, zwei, drei einzelne Personen.
Hanna erkannte ihn sofort, sie wollte nur nicht gleich glauben, dass er es war. Zu viel, zu oft und zu intensiv hatte sie an ihn gedacht, und nun, als sie ihn tatsächlich hier oben antraf, stockte ihr der Atem. Sie war nahe daran, umzukehren. Sich einfach umzudrehen und Hals über Kopf wieder zurückzulaufen, ohne ihn anzusprechen. Eine Weile stand sie da, bewegungslos, unfähig, auch nur einen Schritt zu tun. Sein blondes Haar. Diesmal trug er keine Kappe. Die alte hatte sie verdorben - allein beim Gedanken daran wurde sie glühend rot -, aber er hätte sich ja eine neue kaufen können. War ihm denn nicht kalt? Er trug seine dunkle Jacke und darüber etwas Helleres … Sie ging unwillkürlich näher. Es war ihr Schal.
Das Glück wallte in ihr auf, eine Woge schier unerträglicher Freude - die gleich darauf vom Zweifel gedämpft wurde. Hanna stand jetzt vielleicht zwei Meter hinter ihm, doch er bemerkte sie nicht. Hätte er nicht spüren müssen, dass sie da war, wenn sie einander wirklich so verbunden waren, wie es ihr vorkam? Als teilten wir uns eine Seele, hatte Réka gesagt.
»Mattim?« Es war nicht einmal ein Flüstern. Sie konnte nicht sprechen, nur ihre Lippen bewegten sich. Schließlich gab sie es auf, irgendetwas sagen zu wollen. Sie trat einfach neben ihn an die Mauer und legte die Hände auf die Brüstung.
Mattim wandte den Kopf und musterte sie.
Hanna hatte ihn so schrecklich lange nicht gesehen. Es war nicht nur eine Woche, es schien ihr, als wären sie unendlich lange getrennt gewesen. Sie musste sich jedes Detail seines Gesichts einprägen. Die grauen Augen, der leichte Schwung seiner Lippen … Die Laternen leuchteten den Platz aus, und dennoch wirkte er in ihrem Licht ferner und geheimnisvoller als unter der erbarmungslosen Neonröhre im Fahrstuhl. In diesem Moment glaubte sie ausnahmslos alles, was er zu ihr gesagt hatte, selbst dass er ein Prinz aus wer weiß wo war.
Er lächelte nicht. Sie starrten einander an, aber er sagte kein Wort. Langsam, als koste es ihn unendlich viel Kraft, wandte er sich wieder der leuchtenden Stadt zu.
»Mattim«, sagte sie kläglich.
»Du weißt, wer ich bin?« In seinen Augen flackerte etwas auf.
»Ich weiß alles. Frag mich bitte nicht, warum.« Sie fühlte sich so erbärmlich unsicher, dass ihr die Knie wackelten. Als er ihre Hand nahm, durchzuckte es sie wie ein elektrischer Schlag.
»Du kannst es nicht wissen«, beharrte er. »Dass du mich finden würdest, das haben sie mir gesagt. Es ist - es hat nichts zu bedeuten.« Er ließ ihre Hand wieder los.
»Es hat nichts zu bedeuten?« Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
»Beim Licht«, murmelte er. »Die ganze Zeit habe ich darüber nachgedacht, was ich tun soll, wenn du vor mir stehst. Hör zu, es ist nicht leicht zu erklären. Du suchst nicht wirklich mich.«
Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen die Mauer und schloss die Augen. Sie war nicht hergekommen, um mit ihm zu diskutieren. So sehr hatte sie sich auf diesen Moment gefreut, mehr, als sie ihm jemals würde erklären können. Und nun war er ein Fremder, der überhaupt nicht begriff, worum es ging. Der nicht dasselbe fühlte wie sie, der nie irgendetwas für sie empfunden hatte. Nur ein paar Stunden im Fahrstuhl, mehr hatten sie nicht gemeinsam.
Sie öffnete die Augen wieder und schaute ihn an. Letztendlich konnte sie nicht darauf verzichten, ihn zu sehen, seine Stimme zu hören. Sie musste sich jede Geste, jedes Wort einprägen, damit sie davon träumen konnte. Später. Denn vergessen würde sie ihn nicht, das wusste sie. Auch wenn es ein Fehler gewesen war, herzukommen.
»Mattim«, sagte sie leise. »Du bist der letzte Prinz des Lichts aus der Stadt Akink. Jeden Abend kommst du hierher und siehst auf die Donau hinab.«
»Woher weißt du das?«, flüsterte er. »Ich habe dir das alles weggenommen.«
»Ich habe es mir wiedergeholt.« Wie sollte sie ihm das erklären: dass es sein Gesicht war und sein Name und das Gefühl seiner Arme um ihre Schultern? Dass er etwas in ihr berührt hatte und dass das Gefühl dieser Berührung an ihr haften geblieben war, stärker als alles, was ihr jemals begegnet war, wie ein Feuer, das immer wieder aufflammen würde, sooft man auch versuchte, es zu löschen?
»Du weißt, was ich getan habe? Du weißt es und bist trotzdem hier?«
»Kunun hat behauptet, ich würde dir nicht verzeihen«, sagte sie. »Aber ich tue es.«
Er legte beide Arme um sie, und sie lehnte sich an ihn. An diese Brust, in der kein Herz schlug. Seine Jacke roch vertraut. Wie er sie festhielt, auch das war so vertraut, als wäre es schon immer so gewesen.
»Hanna«, wisperte er in ihr Haar.
Sie hob den Kopf, und sein Gesicht näherte sich dem ihren. Seine Lippen würden weich und warm sein, das wusste sie, doch bevor sie sich berührten, schrak er zurück.
»Komm.« Er nahm ihre Hand und zog sie mit sich. »Nicht hier.«
Die Mauern warfen Schatten. Finstere, dunkle Schatten. Er zog sie in eine Nische, in der sie fremden Blicken entzogen waren. Hanna schmiegte sich so fest an ihn, wie sie nur konnte, sie lachte und weinte zugleich. Seine Hände waren an ihrem Gesicht, in ihrem Haar. Sie verspürte einen solchen Hunger in sich, dass sie alles andere um sich herum vergaß. »Mattim.«
Seine Lippen näherten sich ihren, erwartungsvoll schloss sie die Augen. Dann ein plötzlicher Schmerz … im nächsten Augenblick ließ er sie los und sprang nach hinten.
»Es tut mir leid … ich wollte nicht …«
»Mattim!« Sie trat aus der Nische und streckte die Hand nach ihm aus, aber er wich noch weiter zurück. »Warte! Mattim!«
»Ich wollte das nicht!«, rief er aus.
Dann sah sie ihn nur noch davonrennen, und seine Schritte hallten über das Pflaster.
Magyria 01 - Das Herz des Schattens
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