ACHT
BUDAPEST, UNGARN
Was auch immer Attila über das Foto hatte erzählen wollen, er vergaß es, als sein Vater ankündigte, er müsse am Wochenende fort; Mónika sollte mitkommen.
»Das können wir dir doch zumuten, Hanna? Oder? Nehmt euch etwas Schönes vor. Und du streitest dich zur Abwechslung mal nicht mit deinem Bruder, Réka.«
»Wir wollten sowieso mal in den Zoo«, sagte Hanna.
»Na, seht ihr. Bestimmt habt ihr eine tolle Zeit ohne uns.«
Hanna verkniff sich die Bemerkung, dass die Kinder auch sonst nicht viel von ihren Eltern hatten und diese daher auch nicht mehr vermissen würden als sonst. Während Attila ohne Ende zu fragen begann, wo es denn hingehen sollte und warum er nicht mitdurfte, wirkte Réka geradezu erleichtert.
Das fehlte noch, dass sie dieses Wochenende nutzte, um sich mit ihrem zwielichtigen Freund zu treffen!
Vielleicht fürchteten ihre Eltern dasselbe, denn Ferenc meinte: »Und du benimmst dich, Réka, ja? Ich will keine Klagen über dich hören. Ihr verbringt diese Tage zu dritt, verstanden?«
»Ja, ja«, murmelte Réka.
Am Abend vor dem Zubettgehen stand sie plötzlich in Hannas Zimmer. Im Schlafanzug sah sie noch jünger aus, so jung und verletzlich, dass Hanna wieder Zweifel daran kamen, ob es richtig gewesen war, ihren Eltern nichts zu sagen.
»Das wird doch nicht wirklich so laufen, oder?«, fragte das Mädchen. »Dass wir die ganze Zeit zu dritt was unternehmen müssen?«
»Das erwarten deine Eltern schließlich von uns.«
»Ich will nicht in den Zoo.«
»Komm«, meinte Hanna, »es wird bestimmt gar nicht so übel.«
»Du würdest mich nicht verraten, wenn ich nicht mitgehe«, behauptete Réka. »Das machst du nicht.«
»Und Attila?«
»Der ist bestechlich. Versprich ihm was Süßes, und er ist brav wie ein Lamm.«
»Das glaube ich nicht«, sagte Hanna. Sie war froh, dass sie die Verantwortung auch dieses Mal auf den kleinen Jungen schieben konnte. »Wenn dein Vater ihn richtig ernst befragt, kann er bestimmt nicht dichthalten. Réka, wenn sie merken, dass ich dich decke und sie belüge, schicken sie mich sofort nach Hause. Ist dir das eigentlich klar?«
Dieses Argument wirkte. Rékas grimmiges Gesicht entspannte sich wieder. »Stimmt. Daran hab ich noch gar nicht gedacht.«
»Zoo?«
Ein tiefes, gequältes Seufzen konnte sich die Vierzehnjährige trotzdem nicht verkneifen. »Au ja. Zoo.«
 
Mit der Metró fuhren sie bis zum Stadtpark. Es war ein kühler, windiger Tag. Die unzähligen Touristen, die busseweise zum Heldenplatz gekarrt wurden und sich von dort aus in die beiden prächtigen Museumsbauten oder zur Burg Vajdahunjad verteilten, zogen ihre Kragen hoch und blickten gequält in die Kameras und Handys ihrer Mitreisenden. Vor dem Zoo lockten bunte Stände mit Naschwerk und Luftballons. Attila wurde unruhig, aber Hanna bestand darauf, dass sie erst in den Zoo gingen. Sie hatte keine Lust darauf, mehrere Stunden auf einen kitschigen Luftballon aufzupassen.
Durch das von steinernen Elefanten bewachte Portal gelangten sie in den Tiergarten. Attila hielt sich für zu alt, um brav an der Hand mitzugehen; kaum hatten sie ihre Eintrittskarten vorgezeigt, da stürzte er auch schon vorwärts und verschwand irgendwo zwischen den Gehegen.
»Na toll.« Hanna fühlte Panik in sich aufsteigen.
Réka dagegen blieb ganz gelassen. »Der wird schon wiederkommen. Spätestens, wenn er Hunger hat.«
Sie hatten einen ganzen Rucksack mit belegten Broten, Äpfeln und Keksen dabei. Die Szigethys hatten Hanna extra Taschengeld für das Wochenende dagelassen, und sie hatte nicht vor, alles an diesem ersten Tag zu verprassen.
Demonstrativ holte Réka die Packung mit Attilas Lieblingskeksen heraus und bediente sich. »Dann tut es ihm wenigstens leid.«
Gewaltsam musste Hanna ihre Unruhe bezähmen, während sie gemächlich an den Gehegen vorbeischlenderten. Attila fanden sie bei den Affen. Als wenn nichts gewesen wäre, grinste er ihnen zu.
»Natürlich, bei den Affen«, höhnte Réka. »Da gehörst du ja auch hin.«
Im Tropenhaus turnten winzige Äffchen mit gelben Pfoten. Ohne ein störendes Gitter tobten sie in den Ästen herum, balgten sich um ein Stück Apfel und nahmen von den gaffenden Besuchern keine Notiz. Attila streckte immer wieder die Hand aus und versuchte sie zu streicheln.
»Lass das. Du verjagst sie, merkst du das nicht?«, zischte Réka. So unwillig sie auch mitgekommen war, so wenig konnte sie verleugnen, dass sie die Tiere gerne beobachtete. Sie wollte sich gar nicht von der Stelle rühren, so intensiv sah sie den Äffchen zu. Das war ein Zug an ihr, den Hanna noch gar nicht kannte - die Fähigkeit, sich voll und ganz auf etwas zu konzentrieren. Erst als Hanna darauf bestand, Attila zu folgen, der das warme Glashaus schon verlassen hatte, kam Réka endlich mit.
»Hast du die Faultiere bemerkt? Da ganz oben?« Réka lachte, und auch das war so selten und unverhofft, dass Hanna am liebsten alle schwierigen Themen aus ihrer Unterhaltung ausgeklammert hätte. Doch sie hatte sich fest vorgenommen, die heikle Frage anzusprechen, etwas anderes konnte sie mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren.
»Sag mal …« Eigentlich hätte Mónika das fragen sollen, nicht sie. Aber hier war sie nun mal. Hanna wand sich innerlich vor Verlegenheit und versuchte es möglichst beiläufig klingen zu lassen. »Ihr verhütet doch, oder? Warst du schon beim Frauenarzt?«
Sofort wurde Réka glühend rot. Sie betrachtete die Tiger in dem großen Gehege so eindringlich, als müsste sie danach eine Prüfung ablegen.
»Soll ich deine Mutter bitten, dass sie mit dir darüber spricht?«, fragte Hanna leise.
»Nein! Nein, ich meine … nein, so ist es nicht. Wir - ich glaube nicht.«
Hanna versuchte, aus der Antwort schlau zu werden.
»Ihr habt gar nicht …?« Das war schwer zu glauben. Sie hatte diesen Kunun gesehen, einen Mann, mit dem noch ganz andere Mädchen mitgehen würden. Was konnte er von Réka wollen, wenn nicht das?
»Ich weiß nicht.« In der Stimme des Mädchens lag so viel Verzweiflung, dass es Hanna schwerfiel, ruhig zu bleiben. »Ich …« Immer noch wich sie Hannas Blick aus und starrte den Tiger an, der an der großen Glasscheibe vorbeipatrouillierte. »Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe keine Ahnung, was geschieht, wenn ich mit ihm zusammen bin.«
»Was soll das heißen?« War sie nicht aufgeklärt? Meinte sie das? Aber das wollte Hanna irgendwie nicht glauben.
»Na ja, wenn ich ihn treffe, dann … Ich weiß nicht, was dann mit mir passiert. Ich sehe ihn an und dann - dann ist irgendwie alles weg. Alles. Ich kann mich an überhaupt nichts erinnern.«
Hanna brauchte eine Weile, um das zu verdauen. »Du vergisst alles?«
Réka nickte. Endlich schaute sie Hanna an; in ihrem Blick lag eine herzzerreißende Traurigkeit. »Das dürfte es doch gar nicht geben, oder? Bin ich vielleicht verrückt? Ich dachte schon, ich bin wie diese Leute, die mehrere Ichs haben …«
»Eine multiple Persönlichkeit? Unsinn.« Ein schrecklicher Verdacht stieg in ihr auf. »Er gibt dir doch keine K.o.-Tropfen oder so was?«
Réka versuchte zu lachen. »Wenn es so wäre, wüsste ich es nicht mehr, oder? Aber nein. Dann müsste ich mich wenigstens daran erinnern, dass ich etwas getrunken habe. Doch da ist nichts. Glaub mir. Kunun hat damit nicht das Geringste zu tun.«
Sie blickte so untröstlich drein, dass Hanna sie spontan in die Arme schloss. Sie hielt Réka ganz fest. Das Mädchen war so klein und zart. Niemand durfte ihr irgendetwas antun. Hanna begann Kunun aus ganzem Herzen zu hassen. Dass dieser Kerl nichts damit zu tun hatte, würde nicht einmal sein Beichtvater glauben, wenn er denn einen hätte. Unwillkürlich musste Hanna wieder an die alte Putzfrau und ihre Schimpftirade denken. Baj. Gonosz. Vér.
Sie streichelte Rékas Haar und zuckte plötzlich zurück. Am hellen Hals des Mädchens entdeckte sie zwei kleine, runde Punkte aus getrocknetem Blut.
 
Nach ihrem Geständnis wurde Réka richtiggehend zutraulich. Sie hakte sich bei Hanna unter, erzählte von der Schule, während sie unentwegt Süßigkeiten futterte, und hatte sogar ein kleines Lächeln für Attila übrig, der sie zu diesen und jenen Tieren zog.
Erst am Wolfsgehege wurde sie wieder still. Nachdenklich betrachtete sie die großen weißen Tiere mit dem dichten Fell, die dösend auf den Felsen lagen. Von ferne hörte man die lauten Rufe der Aras. Ein Zug rauschte dicht hinter der Zoomauer vorbei. Réka stand da, in den Anblick der Wölfe versunken, und rührte sich nicht.
»Polarwölfe«, sagte Hanna. »Sind sie nicht wunderschön? Sie sehen so kuschelig aus, am liebsten würde ich einem davon mal so richtig durchs Fell wuseln.«
»In meinem Traum sind die Wölfe größer«, sagte Réka leise. »Die meisten sind grau. Nachtgrau. Nebelgrau. Grau wie der Fluss und der Himmel. Sie rennen durch den Wald. Einmal habe ich geträumt, wie sie über eine Ebene liefen, unter dem Mondlicht, durch das Gras, stundenlang. Ihre Beine wurden nicht müde. Sie liefen und liefen. Und dann heulten sie. Wir haben gesungen, und unser Lied hat die Nacht geöffnet.«
Der letzte Satz war so merkwürdig, dass Hanna stutzte. »Ihr habt gesungen? Du warst ein Wolf im Traum?«
»Ich konnte den Fluss schon riechen. Er riecht anders als jedes andere Wasser. Ich weiß, ich muss über den Fluss … Aber da sind die Wächter. Mit ihren tödlichen Pfeilen. Immer sind sie da, mit ihren Waffen, ihren Bögen und Schwertern, und ich spüre den Stahl durch meine Haut dringen.«
Réka schüttelte sich.
»Du erinnerst dich sehr gut an diesen Traum«, meinte Hanna zögernd. Ein kalter Schauer war ihr über den Rücken gelaufen, während Réka erzählte.
»Das ist keine große Kunst. Ich träume ständig das Gleiche. Lass uns ins Aquarium gehen.«
Attila war schon vor ihnen da. Gebannt starrte er in eins der Fenster.
Hanna hatte noch nie solche seltsamen Fische gesehen. Es war, als hätte jemand eine Reihe von Bleistiften in den Sand gesteckt und ihnen einen winzigen Kopf verpasst. Sachte wogten sie hin und her, dann neigten sie sich alle zueinander und schienen einen Kaffeeklatsch zu halten. Hanna beobachtete die Tiere fasziniert. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass in dem Aquarium noch andere Fische zu Hause waren. Ein großer Skalar tauchte aus dem Hintergrund auf und schwamm über die friedlich tratschende Versammlung der merkwürdigen Bleistifte. So schnell, dass man es kaum verfolgen konnte, versanken sie im Untergrund, sodass nur noch die Köpfe herausschauten. Sobald die Gefahr vorbei war, glitten sie heraus, schaukelten umher und steckten erneut die Köpfe zusammen.
»Da kommt er wieder«, verkündete Attila begeistert. »Der Große da. Er ärgert sie. Jetzt, seht ihr?«
Der Fisch schien sich einen Spaß daraus zu machen, über die anderen hinwegzuschwimmen und sie so dazu zu zwingen, in den Sand zu tauchen.
»Was um alles in der Welt sind das für Viecher? Garden eels?« Jetzt hätte sie sich über eine deutsche Beschilderung gefreut. »Aale?«
Hanna drehte sich zu Réka um - aber hinter ihr standen nur fremde Zoobesucher, die allzu gerne ihren Platz einnahmen. Hanna ließ Attila stehen und versuchte Réka unter den anderen Menschen zu entdecken. Doch vor den zahlreichen Unterwasserwelten standen nur Fremde. Wo war das Mädchen denn jetzt hin? Vielleicht war sie zu den Wölfen zurückgekehrt, von denen sie doch so fasziniert gewesen war?
Am Ausgang vom Aquarium zögerte Hanna. Das Mädchen war immerhin vierzehn. Es war wichtiger, bei Attila zu bleiben und darauf zu achten, dass er nicht noch einmal verschwand. Sie kehrte zu dem Jungen zurück, der sich mittlerweile über riesige Schaben amüsierte, und schenkte ihm so viel Aufmerksamkeit, wie sie nur konnte, während sich in ihrem Hinterkopf das Rad der Sorgen im Kreis drehte.
 
Attila hatte Hunger, aber sie konnte ihm weder etwas geben noch etwas kaufen. Réka hatte den Rucksack, und damit war auch das Portemonnaie wer weiß wo.
»Hilft nichts«, sagte Hanna schließlich. »Wir müssen deine Schwester suchen.« Mittlerweile fühlte ihr eigener Magen sich an wie ein Käfig, in dem eine unbekannte Spezies wütend knurrte. »Den ganzen Rundgang noch mal.«
Attila erwies sich als allzu hilfsbereit. Er wollte sich sofort auf die Suche machen, aber Hanna hielt ihn zurück, und diesmal gehorchte er zu ihrer großen Erleichterung. »Wir bleiben zusammen. Sonst muss ich dich nachher auch noch suchen.«
»Wenn die meine Kekse aufgefuttert hat, kann sie was erleben«, drohte er.
Für die Tiere hatte Hanna jetzt keinen Blick mehr. Sie eilte an den Gehegen vorbei, und mit jeder Minute wuchs ihre Unruhe. In die Tierhäuser schickte sie Attila hinein, damit sie Réka nicht verpasste, falls diese gerade dann vorbeikam, wenn sie drinnen waren.
»Ich will ein Eis. Warum kaufst du mir kein Eis?«, quengelte Attila. »Ich kann es nicht mehr aushalten!«
»Ich hab kein Geld. Wie oft soll ich es denn noch sagen?« Hanna schämte sich, dass sie ihn so anfuhr. Doch es war schwer, nicht gereizt zu sein, während man sich alles Mögliche vorstellte. Dass Réka entführt worden war. Dass sie einfach keine Lust mehr hatte und längst zu Hause war. Dass sie weggelaufen war. Dass sie …
»Da«, sagte Attila plötzlich. »Réka!«
Seine Schwester lehnte an der bunten Fassade des Elefantenhauses. Sie schien die beiden nicht zu bemerken; auch als Attila auf sie zusprang und ihr den Rucksack vom Rücken zerrte, nahm sie kaum Notiz davon. Alle Vorwürfe erstarben Hanna auf der Zunge, als sie sah, wie blass das Mädchen war. Sie stand völlig neben sich.
»Réka?«, fragte Hanna vorsichtig und berührte sie am Arm. »Geht es dir gut?«
»Meine Kekse!«, rief Attila empört. Er wühlte im Rucksack herum und förderte zwei leere Schachteln ans Tageslicht. »Du hast mir nichts übrig gelassen!«
»Du bekommst ein Eis«, versprach Hanna, nur damit er endlich still war. Sie musste unbedingt erfahren, was passiert war. Widerstandslos ließ Réka sich zum nächsten Verkaufsstand mitziehen. Hanna drückte Attila die Geldbörse in die Hand. »Such dir was aus. Und bring deiner Schwester was mit.«
Sie selbst hatte keinen Hunger mehr. Was auch immer geschehen war, sie fühlte sich mitschuldig daran, weil sie es nicht bemerkt hatte. Himmel, wie sollte man auf ein Kind und einen Teenager aufpassen, die beide die ungute Angewohnheit hatten, ständig vom Erdboden verschluckt zu werden? Was in aller Welt hatte sie sich dabei gedacht, die Verantwortung für die beiden zu übernehmen? Es war lange her, dass sie sich selbst so jung und hilflos gefühlt hatte und sich nach der Gegenwart eines Erwachsenen sehnte. Eines richtigen Erwachsenen. Nach jemandem, der wusste, was zu tun war, und es auch tat.
»Ich war nur auf dem Klo«, sagte Réka auf einmal.
»Wirklich? So lange?«
»Ich hab euch nicht mehr gefunden.«
Etwas stimmte nicht damit, wie sie sprach. Die Worte kamen so langsam und gedehnt aus ihrem Mund, als müsste sie sich durch zähes Wasser kämpfen, das ihr Widerstand leistete.
Hatte sie getrunken? Hanna schnupperte unauffällig, doch das schien es nicht zu sein. Drogen? Das Gespräch, das sie am Tigergehege geführt hatten, war ihr immer noch präsent. Aber konnte dasselbe hier geschehen sein? Hier, mitten im Zoo, wo sich Familien mit Kindern amüsierten, noch dazu am helllichten Tag? Es war das eine, einen zwielichtigen Typen in irgendeiner Disco zu treffen. Aber hier? Direkt vor ihrer Nase?
Entweder hatte auch dieser Vorfall mit Rékas rätselhaftem Freund zu tun. Oder sie nahm tatsächlich Drogen. Oder sie war verrückt.
»Hast du etwas eingenommen?«
Réka schüttelte den Kopf. Sofort wurde ihr schwindlig, und sie stützte sich schwer gegen Hanna, die sie schnell zu einer Bank führte.
»Mir ist schlecht.« Schwer atmend lehnte Réka sich gegen die Lehne. Sie war kalkweiß im Gesicht.
Hanna fragte sich schon, wie sie das Mädchen nach Hause bekommen sollte, als Attila mit dem Eis und einer großen Tüte voller Süßigkeiten zurückkam. Er hatte fast das ganze Geld ausgegeben. Réka wurde wieder etwas munterer. Mit dem Magen hatte ihre Übelkeit anscheinend nichts zu tun, sonst hätte sie nicht solchen Appetit gehabt. Irgendwann hatte sie sich so weit erholt, dass sie den Heimweg antreten wollte. Just zu diesem Zeitpunkt wurde Attila das Opfer seines maßlosen Zuckerkonsums. Zum Glück turnte er gerade auf der Bank herum und hing halb über der Lehne, so dass sein Mageninhalt sich in die Büsche dahinter ergoss.
Als sie schließlich den Zoo verließen, waren sie alle drei leicht grün um die Nasenspitze.
Magyria 01 - Das Herz des Schattens
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